Schizophrenie-Netz Selbsthilfe Forum / Informationen Thema: Schizophrenie-Netz Selbsthilfe Forum / Informationen :: Angehörige

Geschrieben von Nase im Wind am 07.08.2010 21:22
#6

Kathi schrieb:
Hallo ihr Lieben,

mein Name ist Kathi und mein Freund leidet an einer paranoiden Schizophrenie.

Kurz zu unserer Geschichte:

Wir sind seid circa 2Jahren ein Paar, und ich hätte nie gedacht dass er an einer psychischen Krankheit leidet.

Im Moment geht es, jedoch weiß ich nicht immer wie ich ihm noch helfen kann bzw was ich für ihn tun kann, der Psychiater sagte uns er solle erstmal die nächsten 18Monate nur Medikamente nehmen, aber reicht das aus?

Ich hoffe ihr könnt mir einwenig helfen, auch vielleicht um ihn zu helfen.
Danke dass ihr mir zugehört habt und liebe Grüße Kathi


Hallo Kathi u. Melanie
Ich finde euch Klasse wie ihr mit der Situation umgeht.
18 Monate nur Medikamente ist eine wahre Notlösung und reicht nicht. Als ich zu einem Psychiater ging, hatte der im Hinterzimmer eine Therapiegruppe mit einem Therapeuten. Das wird wohl eine Ausnahme sein.
Vielleicht wäre eine Selbsthilfegruppe zunächst eine Unterstützung.
In Berlin z.B bei der Organisation „BOP&P“ http://www.bpe-on...e/bopp.htm
Da muss man such nicht vorher anmelden. Es könnte jedoch unter bestimmten Umständen mal ausfallen, was aber selten ist.

Mal zu bemerken; in kurzer Zeit kann man einen groben, auch recht guten Überblick über eine solche Störung (unter anderem auch der Teil der als Schizophrenie bezeichnet wird) haben wenn man pfiffig ist. Da man nicht von einem auf alle schließen kann dauert es etwas länger da hinein zu spüren.

Die bestimmende restriktive Haltung des Arztes ist aus meiner Sicht unannehmbar. In einer Soteria-Klinik wäre es anders – „ganz anders“. Gibt es leider, z.B in Berlin, noch nicht.
Mein Vorteil war, dass ich nie Gedanken-verwirrt war und jedem Arzt unmissverständlich klar machen kann was ich für sinnvoll erachte in meiner jeweiligen Situation – da rede ich Tacheles ohne Blatt vor dem Mund, natürlich möglichst sachlich bleiben dabei.
Hätte ich sofort Klartext gesprochen, würde ich damals nicht die gesamte erste Woche in die geschlossene sein müssen. Ich war freiwillig dort.

Die Psychiatrie kenne als Betroffener von Innen. Begeistert bin ich von der herkömmlichen Psychiatrie nicht, jedoch ist diese manchmal das einzige was vorerst hilfreich sein kann, nicht für jeden. Die Ärzte dort wollen zumeist in die geschlossene unterbringen, das ist mir zu pauschal. Allerdings besteht man diese auch. Der Arzt sollte sich die Mühe machen diesen Sinn zu erläutern. Für manche ist es möglicherweise besser.
Es gibt auch Kompromisse wie die Behandlungsvereinbarung; So könnte mit dem Arzt vereinbart werden, dass derjenige sich zu bestimmten Zeiten dort meldet oder in einer Krisensituation sich dort sofort hin begibt. Das geht nicht mit jedem der Betroffenen. Jedenfalls wäre dies finanziell gesehen ein vollständige Inanspruchnahme, da immer ein Bett reserviert ist.

Ich sehe keinen Grund für die Geschlossene wenn der jeweilige Betroffene sich mit seiner Situation, der seiner Fantasien sich soweit arrangieren kann und die Waage hält. Natürlich ist auch noch der Angehörige der etwas entlastet ist wenn es wirklich schwierig wird. Aber geschlossene, abklären ob es überhaupt sein muss. Wenn es richtig Akut wird, besteht vielleicht keine andere Wahl Un-Willens in eine Klinik einzufahren. Aber dann gibt es immer noch die Behandlungsvereinbarung – der Arzt wird dies dann vermutlich nicht eher nicht von sich aus vorschlagen (ist eine ungeheuerliche Arroganz). Es ist aber besser wenn ein Angehöriger des Vertrauens zur Behandlungsvereinbarung dabei ist.
Auf eine Behandlungsvereinbarung kann man bestehen, ist jetzt offiziell. Ob es einigermaßen passt, wird sich zeigen.

Jonny Wink