Integriert statt isoliert - erfolgreiches Modell für Schizophrenie-Patienten
Weniger Kosten und bessere Compliance durch Versorgungsprojekt in Bayern

MÜNCHEN (sto). Eine integrierte Versorgung für Patienten, die an Schizophrenie erkrankt sind, trägt erheblich zur Kosteneinsparung bei. Das hat ein Modellprojekt in München gezeigt.


Patienten mit Schizophrenie und anderen psychischen Erkrankungen stärker in die Behandlung einzubeziehen, das ist Teil des Versorgungsvertrags der BKK.

Psychiatrische Erkrankungen wie die Schizophrenie, zählen zu den teuren Krankheiten, sagt der Psychiater Dr. Werner Kissling vom Centrum für Disease Management (CfDM) der Psychiatrischen Klinik der TU München bei einer Fachtagung des BKK Landesverbandes Bayern und des Landesverbandes der Angehörigen psychisch Kranker. Etwa 40 Prozent der Patienten müssen innerhalb eines Jahres erneut meist für längere Zeit stationär aufgenommen werden, berichtete Kissling. Der Grund: Etwa 50 Prozent der Patienten halten ihre Prophylaxemaßnahmen, wie die regelmäßige Einnahme von Neuroleptika, nicht ein. Mit Hilfe einer Schulung lasse sich die Zahl der Rezidive und der Klinikaufenthalte jedoch reduzieren, sagt Kissling.

Vor diesem Hintergrund hat der BKK Landesverband im Mai 2005 mit dem CfDM und der Arbeitsgemeinschaft Münchner Nervenärzte und Psychiater eine Vereinbarung mit dem Ziel geschlossen, dass Patienten aktiv in die Behandlung eingebunden werden. Mit dabei sind auch etwa 75 niedergelassene Nervenärzte und Psychiater. In den vergangenen zwei Jahren sind in dem Modellprojekt etwa 450 Patienten behandelt worden, berichtete Kissling. Mit zum Teil ganz einfachen Maßnahmen sei eine bessere Behandlungsqualität erreicht worden. So knüpften etwa Patienten noch während ihres Klinikaufenthaltes erste Kontakte zu einem niedergelassenen Nervenarzt. Eine andere Möglichkeit zur Motivation der Patienten seien betreute Freizeitangebote.

Ein Vergleich der stationären Aufenthalte 18 Monate vor und 18 Monate nach Eintritt in das Modellprojekt belege den Erfolg: Die Zahl der Klinikaufenthalte habe sich von 12 437 Tage auf 3343 Tage verringert. Auf diese Weise seien pro Patient im Durchschnitt etwa 6600 Euro gespart worden. Abzüglich der Ausgaben für das Complianceprogramm, die bei etwa 1250 Euro pro Patient liegen, ergebe dies eine Netto-Einsparung von 5350 Euro pro Patient.

Quelle: http://www.aerztezeitung.de
 
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