Kleine Held(Inn)en in Not: Kinder psychisch erkrankter Eltern brauchen Hilfe - Themendossier mit Empfehlungen für betroffene Familien erschienen
Etwa drei Millionen Kinder in Deutschland leben mit einem psychisch kranken Elternteil. Sie sind selber stark gefährdet, psychisch krank zu werden. Um die betroffenen Familien präventiv zu unterstützen, hat das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ein Themendossier „Kinder von psychisch erkrankten Eltern“ mit zahlreichen Praxistipps und Handlungshilfen erstellt. Das Themendossier finden Sie unter http://fairmedia.seelischegesundheit.net/index.php?Itemid=298.

Unter dem Titel „Kleine Held(Inn)en in Not“ veranstaltet der Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V. in Kooperation mit dem Berufsverband für Kinder-und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJJP) am 25. und 26. Juni in Hannover eine Fachtagung zu Prävention und Hilfen für Kinder psychisch erkrankter Eltern. Ziel ist die bessere Vernetzung aller Akteure innerhalb des Versorgungssystems, sowie die politische Initiative zahlreicher Verbände auf Bundesebene, eine Sachverständigenkommission einzurichten und familienorientierte „Komplexleistungen“ zu erarbeiten.
Die Notwendigkeit vernetzte und auf das Familiensystem bezogene Hilfen für Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil anzubieten, ist in den Bereichen von Jugendhilfe, Gemeindepsychiatrie, Psychotherapie und Kinder- und Jugendpsychiatrie unumstritten. Viele Projekte und Initiativen sind in den letzten Jahren entstanden und einige Forschungsinitiativen können inzwischen Ergebnisse zur Wirksamkeit präventiver und resilienzfördernder Hilfen für Familien in dieser besonderen Belastungssituation belegen. Auch in der breiten Öffentlichkeit wird die engagierte und kontinuierliche Arbeit regionaler Netzwerke für Kinder psychisch erkrankter Eltern zunehmend wahrgenommen.

Der breite und verbindliche Ausbau der Hilfen für Familien scheiterte jedoch bislang an den starren Grenzen der zugrunde liegenden Sozialgesetzbücher. Niedrigschwellige und bedarfsgerechte Hilfen sind aktuell nicht regelhaft zu finanzieren. Viele in den letzten Jahren aufgebaute Hilfen stehen aufgrund ihrer bisherigen Projektförderung vor dem Aus und können nicht verstetigt werden. Die Situation in den einzelnen Bundesländern gleicht für betroffene Familien einem Roulettespiel. So sind notwendige Bausteine eines möglichen Hilfesystems in einzelnen Bundesländern regelfinanziert - in den meisten anderen jedoch nicht.
Um diesen Missstand zu beseitigen, wurde vom Dachverband Gemeindepsychiatrie, dem Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. (AFET) sowie der Katholischen Fachhochschule Paderborn eine breite Verbändeinitiative auf Bundesebene initiiert, um einen Antrag auf Einrichtung einer Sachverständigenkommission zur Gestaltung der fachlich notwendigen Komplexleistungen an den Familien- und Gesundheitsausschuss des Bundestages zu stellen. Inzwischen gab es dort erste Beratungen. Um den Prozess weiter zu befördern, Gemeindepsychiatrie und Jugendhilfe weiter zu vernetzen und die politische Initiative zu stützen, sind bei der Kindertagung in Hannover zwei Fachforen der beteiligten Verbände geplant. Eine Verbreiterung der politischen Initiative wird dabei ein wichtiges Thema sein.

Themendienst: Kinder von psychisch erkrankten Kindern
http://fairmedia.seelischegesundheit.net/dossiers/kinder-psychisch-erkrankter-eltern/die-notlage-der-kinder

Fachtagung: Kleine Held(Inn)en in Not am 25.-26. Juni in Hannover
http://www.psychiatrie.de/dachverband/veranstaltungen/kleine-heldinnen-in-not

Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine bundesweite Initiative, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit. Zu den rund 80 Mitgliedsorganisationen zählen die Selbsthilfeverbände der Betroffenen und Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie Verbände aus den Bereichen Psychiatrie, Gesundheitsförderung und Politik. Gemeinsam setzen wir uns für einen offenen und toleranten Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen und den Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung in der der Gesellschaft ein. Initiiert wurde das Bündnis 2006 von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) gemeinsam mit Open the doors als Partner des internationalen Antistigma-Programms.

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