„Depression und Arbeitsplatz – Welche Unterstützung benötigen Betroffene und Arbeitgeber?“

„Depression und Arbeitsplatz – Welche Unterstützung benötigen Betroffene und Arbeitgeber?“


Susanne Janicke Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stiftung Deutsche Depressionshilfe

10. Europäischer Depressionstag – 1. Oktober 2013

Berlin, 25. September 2013 - Die IDEA (Impact of depression at work in Europe Audit) Studie befragte mehr als 7.000 Angestellte und Manager in sieben europäischen Ländern zum Thema Depression am Arbeitsplatz. Bei 20 Prozent der befragten Arbeitnehmer wurde schon einmal die Diagnose Depression gestellt, weitere 56 Prozent kennen jemanden, bei dem schon einmal von einem Arzt/Psychologen die Diagnose einer Depression gestellt worden war. 34 Prozent würden über die Diagnose Depression mit ihrem Arbeitgeber sprechen, 37 Prozent waren unentschieden, 29 Prozent verneinten diese Frage. 51 Prozent der Befragten mit Depression waren wegen ihrer Depression schon einmal arbeitsunfähig und diese Arbeitsunfähigkeit umfasste im Durchschnitt knapp 35,9 Arbeitstage europaweit. 72 Prozent hatten mit ihrem Arbeitgeber darüber gesprochen, dass der Grund ihrer Arbeitsunfähigkeit eine Depression war. Die 792 befragten Manager gaben auf die Frage, welche Unterstützung sie im Umgang mit depressiv erkrankten Arbeitnehmern haben, die Antwort, dass sich 43 Prozent durch Ärzte unterstützt fühlten, 30 Prozent durch Human Ressource (HR - Personalabteilung) und 26 Prozent erhielten Beratung durch Freunde oder Kollegen. Auf die Frage, welche Unterstützung depressive Arbeitnehmer am Arbeitsplatz benötigen könnten, antworteten die über 7.000 befragten Arbeitnehmer, dass vor allem Beratung und Beratungsdienste sinnvoll sind, aber auch ein gesetzlicher Schutz, vor allem aber ein Training für alle Mitarbeiter, für die HR-Teams und die Vorgesetzten.

„Aus der Erfahrung wird deutlich, dass an erster Stelle eine Aufklärung, Entstigmatisierung und Anleitung im Umgang mit der Krankheit Depression stehen und hier Mitarbeiter, Personalabteilung und Vorgesetzte gleichermaßen informiert und geschult werden“, sagt Dr. Hans-Peter Unger, Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit, Asklepios Klinik Hamburg-Harburg, anlässlich des 10. Europäischen Depressionstages am 1. Oktober 2013. Die Information nütze aber nichts, wenn sie nicht zu einer praktischen innerbetrieblichen Anwendung führt. Hier scheint für alle Befragten insbesondere eine Beratung und Klärung erforderlich zu sein. Gerade die Schulung von Vorgesetzten macht nur Sinn, wenn die Vorgesetzten nach einem Mitarbeitergespräch auch wissen, mit wem sie im Betrieb zusammenarbeiten können. Hier sind die Personalabteilungen, die Betriebsärzte, die betrieblichen Sozialarbeiter, aber auch externe Employee Assistence Programme (EAP) gefragt. Inzwischen gibt es gerade auch in größeren Unternehmen eine enge Kooperation der Betriebsärzte mit dem psychiatrisch/psychosomatischen Versorgungssystem, im Einzelnen mit niedergelassenen Ärzten oder Psychotherapeuten, mit Kliniken und Institutsambulanzen. In der Regel geht es darum, dass es eine enge Kooperation zwischen Betriebsarzt und Psychiater gibt, dass Wartezeiten vermieden und unter absoluter Wahrung der Schweigepflicht möglichst schnell eine geeignete Behandlung eingeleitet werden kann.

Für das therapeutische System bedeutet dies, arbeitsplatzbezogene Elemente sollten ein Teil der Depressionsbehandlung werden, die Wiedereingliederungsplanung beginnt am ersten Tag der Behandlung. Entscheidend ist dann der Prozess der Wiedereingliederung, der bei längerer Arbeitsunfähigkeit nach dem gestuften Hamburger Modell erfolgen sollte. Im Vorfeld sollten mit Vorgesetzten, Betriebsarzt und Personalabteilung die entsprechenden Anforderungsstufen festgelegt werden, damit es nicht zu Über-, aber auch nicht zu Unterforderung kommt. Wichtig ist, dass es ein regelmäßiges Feedback an den Betroffenen gibt, entweder durch den Vorgesetzten oder eine andere zu benennende Person, damit er sich nicht allein gelassen fühlt. Nicht zu unterschätzen ist, dass sich viele Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz aus depressionsimanenten Gründen „noch nicht auf Augenhöhe fühlen“. Es ist aber wichtig, diese Augenhöhe wieder zu gewinnen, und hier können Entstigmatisierung und Aufklärung aller Beteiligten eine enorme Rolle spielen.
 
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