Schizophrenie macht sexy
Schizophrenie macht sexy

Zwei britische Forscher glauben, dass künstlerisches Genie, Sex-Appeal und Wahnsinn nahe beieinander liegen ...
Mitteilung vom 13.01.2006

Zwei britische Forscher glauben, dass künstlerisches Genie, Sex-Appeal und Wahnsinn nahe beieinander liegen und haben den Zusammenhang zwischen Schizophrenie-Risiko und dem Erfolg bei der Partnersuche untersucht. Daniel Nettle von der University of Newcastle upon Tyne und Helen Keenoo von der Open University in Milton Keynes schreiben in einer Online-Vorabveröffentlichung der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society", dass die Charakterzüge, die einen Menschen anfällig für Schizophrenie machen, auch sein kreatives Potenzial erhöhen, was wiederum einen größeren Erfolg beim anderen Geschlecht garantiere.

Ausgangspunkt der Studie war ein Effekt namens Darwinsches Paradoxon: Schizophrenie sollte eigentlich ein evolutionärer Nachteil sein und deshalb im Lauf der Zeit verschwinden, weil sie das Leben der Betroffenen mit Realitätsverlust, Wahnvorstellungen oder sozialem Rückzug erheblich beeinträchtigt. Tatsächlich ist die Krankheit jedoch weltweit verbreitet und betrifft etwa ein Prozent der Bevölkerung. Also muss die Schizophrenie mit einer anderen Disposition gekoppelt sein, die dem Betroffenen einen deutliche Vorteil verschafft – so weit die Evolutionstheorie. Dieser Vorteil könnte die große Kreativität sein, die häufig bei schizotypen Charakteren zu finden ist. Diese Persönlichkeiten verfügen über ungewöhnliche Denkstrukturen und neigen oft zu sehr impulsivem, rücksichtslosem Verhalten; Eigenschaften, die jedoch die Kreativität begünstigen können. Die beiden Briten überprüften ihre These indem sie 425 professionelle Kunstschaffende, Hobbykünstler und eher unkreative Freiwillige einen Fragebogen ausfüllen ließen, mit dem die Persönlichkeit des Probanden, das Ausmaß seines kreativen Schaffens und auch sein Erfolg beim anderen Geschlecht analysiert wurden.

Das Ergebnis: Je kreativer ein Teilnehmer ist, desto ausgeprägter sind seine schizotypen Charaktereigenschaften und desto reger ist sein Liebesleben. Sowohl bei den befragten Frauen als auch bei den befragten Männern hatten die kreativsten Künstler im Schnitt mehr Partner als die unkreativen Probanden. Für die Forscher ist damit klar, dass Kreativität ein entscheidender Faktor bei der Partnerwahl ist und die Nachteile, die durch die größere Anfälligkeit für Schizophrenie entstehen, mehr als aufwiegt.

Quelle: Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences
 
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