JOHN NASH Rente ist für ihn irgendwie paradox
JOHN NASH
Rente ist für ihn irgendwie paradox


John Forbes Nash Jr. kennen viele als wahnsinniges Genie im Film "A beautiful mind". Vor 15 Jahren wurde er mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Mit 81 Jahren füllt Nash noch immer Hörsäle. Doch seine wahre Leidenschaft ist eher das Reisen und Programmieren.

von Nicole Bastian

VALLENDAR. John Nash nimmt sich Zeit für die Getränkeauswahl. Apfelschorle, Saft, Mineralwasser. Mehr gibt der kleine Konferenzraum nicht her. Tief bückt sich der Nobelpreisträger über das Sprudelwasser, studiert genau das Label - scheint schließlich zufrieden, schraubt auf und schenkt sich ein.

Sein Leben heute? Da gebe es nicht viel zu erzählen, sagt der 81-Jährige. Er lasse den Morgen ruhig angehen, fahre dann in der Woche nach Mittag mit dem Zug in sein Büro an der Universität Princeton und esse nach der Rückkehr am Abend mit seiner Frau Alicia und Sohn John. "Ich programmiere etwas für ein Spieltheorieprojekt über sich wiederholende Spiele", sagt er und nippt am Wasserglas.

Aber auch im Alter könne man als Wissenschaftler Dinge produzieren, die von Wert seien - wie ein Künstler, fügt er hinzu. "In Rente gehen ist irgendwie paradox für mich", sagt Nash. Er lässt einige Sekunden verstreichen und fügt an: "Ich hatte ja so eine Art Frühpensionierung." 60 Jahre ist es jetzt her, dass der Mathematiker Nash mit Anfang zwanzig in seiner Doktorarbeit das sogenannte Nash-Gleichgewicht theoretisch dargelegt hat. 27 Seiten, gerade einmal 14 Monate Arbeit. Seine Erkenntnis, dass in einem Spiel ohne Kooperation untereinander ein Gleichgewicht eintritt, wenn jeder Spieler die Strategie verfolgt, die für ihn persönlich am besten ist, war für die Entwicklung der Spieltheorie elementar.

Genie und Wahnsinn

Doch bei kaum jemandem liegen Genie und Wahnsinn so nah beieinander wie bei John F. Nash. Mit 30 begann er, Stimmen zu hören und wirres Zeug zu reden. Paranoide Schizophrenie diagnostizierten die Ärzte. Fast 30 Jahre lang war Nash immer wieder in einer Welt der Wahnvorstellungen gefangen und publizierte nicht. Aufzuholen, sagt er heute, seien diese Jahre nicht mehr. Aber ganz verloren seien sie nicht gewesen - auch in Zeiten des Wahns habe er gute Gedanken gehabt. "Und wenn man es sich recht überlegt, sind die Wahnsinnigen gar nicht so wahnsinnig. Sie werden umsonst gebettet und verpflegt. Es gibt Zeit zur inneren Einkehr wie bei einer Nonne oder einem Mönch im Kloster." Er schmunzelt kurz, schaut zu Boden - und knabbert an einem Keks, den er mit beiden Händen hält.

Nashs Ruhm begann 1994. Da bekam der Mathematiker zusammen mit zwei jüngeren Kollegen den Wirtschaftsnobelpreis - einige Jahre nachdem er aus der Wahnwelt herausgefunden hatte. Vier Jahre später schrieb die Wirtschaftsjournalistin Sylvia Nasar seine Geschichte auf. Der auf ihrem Buch basierende Film "A beautiful mind" mit Russell Crowe machte Nash bei einem breiten Publikum berühmt. Auch heute füllt er Hörsäle, wenn er darüber referiert, wie ideales Geld beschaffen sein müsste, damit wirtschaftliche Interaktionen besser funktionieren. Also reist er: heute Vallendar, morgen Berlin. Immer in Begleitung seiner Frau und des mittlerweile ebenfalls an Schizophrenie erkrankten Sohns.

Jahre ohne Einkünfte

Stört es den Wissenschaftler, der eine Frage auch mal mit einem kurzen "Das ist keine logische Frage" abtut, dass viele ihn wegen des Films und nicht wegen seiner wissenschaftlichen Arbeiten sehen wollen? "Das ist Schicksal", sagt er. "Meine Familie und ich haben es für das Geld gemacht - sonst hätte ich die Publicity nicht gewollt." Schließlich habe er nach Jahren ohne Einkünfte das Preisgeld für den Nobelpreis ja mit zwei anderen teilen müssen.

Quelle: http://www.handelsblatt.com/
 
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