Schizophrenie: Erste Anzeichen schon in der Jugend
Schizophrenie: Erste Anzeichen schon in der Jugend

München (netdoktor.de) - Schizophrenie tritt meist erst im Erwachsenenalter zutage. Doch bereits im Alter zwischen 7 und 13 Jahren fallen Kinder auf, die später an der psychiatrischen Störung erkranken: Sie schneiden schlechter in verschiedenen Sprach- und Gedächtnistests ab und zeigen lange Zeit eine verzögerte Entwicklung. Dieses Ergebnis einer 30 Jahre laufenden Studie präsentierten Forscher der Duke University, North Carolina, im Fachmagazin "American Journal of Psychiatry" (2010; doi: 10.1176/appi.ajp.2009.09040574).

Das Team unter Leitung von Terrie E. Moffitt hatte mehr als 1.000 Neuseeländer von deren Geburt bis zum 32. Lebensjahr begleitet. Im Alter von 3, 5, 7, 9, 11 und 13 Jahren absolvierten die Mädchen und Jungen verschiedene Tests auf ihre geistige Entwicklung. Rund ein Prozent der Teilnehmer erkrankte im Laufe der Studie an Schizophrenie und musste medikamentös behandelt werden. Bei weiteren 2,5 Prozent diagnostizierten die Ärzte ebenfalls eine Schizophrenie, eine Therapie wurde jedoch nicht eingeleitet.
Die Studienautoren stellten rückblickend fest, dass sich bereits ab einem Alter von sieben Jahren ein erhöhtes Risiko für die psychiatrische Störung abzeichnete. Die später Betroffenen schnitten in den Tests zu sprachlicher Argumentationsfähigkeit, Arbeitsgedächtnis, Konzentrations- und Beobachtungsfähigkeit schlechter ab als Gleichaltrige. Darüber hinaus zeigten sie über die Jahre gesehen geringere Fortschritte auf diesen Gebieten, während die Fähigkeiten der anderen Kinder schnell zunahmen.
"Der Anteil der Kinder, der bei diesen Tests schlecht abschneidet, ist groß; die Zahl der Kinder, die Schizophrenie entwickeln winzig", gibt Moffitt zu. Dennoch hätte die Studie interessante neue Aspekte über die Störung aufgedeckt. Zum einen sei nun widerlegt, dass die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen abnehmen. Vielmehr sei es eine längere Entwicklung: Die Kinder verbessern sich zwar, jedoch weniger stark als ihre Altersgenossen. Zum anderen könne man aus diesen frühen Defiziten eine mögliche Ursache für Schizophrenie ableiten: Das zunächst nur etwas weniger weit entwickelte Gehirn könne womöglich nicht mit den neuen Eindrücken und Veränderungen während der Pubertät Schritt halten - die Kinder könnten sich daraufhin zunehmend von ihrer Umwelt zurückziehen und in eine Traumwelt flüchten.
Es sei verführerisch, so Koautor Richard Keefe, beim Auftreten der frühen Warnsignale mit Medikamenten gegensteuern zu wollen. Das sei jedoch gefährlich. Von den rund 20 Prozent der Kinder, die solche Auffälligkeiten zeigen, entwickelt nur etwa ein Prozent die Krankheit - die anderen 19 Prozent müssten unnötig unter den Nebenwirkungen der Antipsychotika leiden. Erwachsene, die an Schizophrenie erkranken, können mit einer konsequenten Therapie in der Regel einen Aufenthalt im Krankenhaus vermeiden. Viele von ihnen können zumindest zeitweise einen normalen Beruf ausüben. (fs)

Quelle:http://www.netdoktor.de
 
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