Sport heilt verletzte Seelen
Schwitzen mit Leidensgenossen: Bei den Sportangeboten des Vereins „Shania“ blühen Patienten mit psychischen Problemen auf.

Gehlsdorf Düstere Albträume plagen die zierliche blonde Frau. An schlechten Tagen raubt ihr die Traurigkeit jede Kraft. Annett P. ist Patientin der Gehlsdorfer Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, seit 1997 leidet sie an Schlafstörungen, die Folge von Depressionen und Psychose sind.
„Wenn es mir schlecht geht, kann ich gar nichts tun, ich muss es einfach vorübergehen lassen“, sagt die 38-Jährige. Mit den Medikamenten kommen auch die Nebenwirkungen: Muskelzittern, starre Glieder, sie kann sich kaum konzentrieren.

Vor einem Jahr lernte sie Dörte Plessentin (30) kennen. Die Bewegungstherapeutin hatte den Sportverein „Shania“ mitgegründet, der sich an Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen richtet. Annett P. interessiert sich für die Arbeit des Vereins, zögert noch, aber schließlich geht sie zu einem Treffen. In der Gruppe mit Gleichgesinnten lässt sie sich auf die ungewohnte Anstrengung ein. „Ich fühlte mich beschützt“, sagt die Frau mit den blauen Augen. Nicht nur die Bewegung, auch die Gespräche in der Umkleidekabine tun gut. „Wir treffen uns hin und wieder neben dem Sport“, sagt sie. Mit einer Frau knüpft sie engen Kontakt, tauscht sich mit ihr über ihre Leidensgeschichte aus. Die beiden werden Freundinnen.

Familie und Bekannte nehmen eine Veränderung wahr. „Ich habe mich nach einiger Zeit besser gefühlt“, erinnert sie sich. Sie taut auf, ihre Bewegungen fließen wieder. „Sport hilft den Betroffenen besser als Medikamente“, sagt Plessentin. „Sie können aktiv gegen ihre Krankheit vorgehen, das ist ein gutes Gefühl.“ Mit dem Verein wollen die Gründer eine Lücke schließen. „Psychisch Kranke sind von der Gesellschaft in vielen Bereichen ausgeschlossen“, sagt Plessentin. „Wir wollten ein Angebot schaffen, in dem auch sie sich mit ihren besonderen Bedürfnissen aufgehoben fühlen.“ Damit diese Bedürfnisse Teil der Vereinsarbeit sind, sitzt Annett P. im Vorstand. Ihre Ideen fließen ein, wenn es um das Kursprogramm, die Mitglieder oder Veranstaltungen geht, wie die Geburtstagsfeier von „Shania“. Seit der Gründung im September 2008 ist der Verein auf 70 Mitglieder angewachsen. Ausgebildete Trainer betreuen die Kurse „Muskelaufbau“, „Volleyball“ und „Spiele-Mix“.

Per ärztlicher Verordnung können die Teilnehmer die Kurse von ihrer Krankenkasse bezuschussen lassen. Annett P. ist bei „Shania“ aufgeblüht, sie lächelt, wenn sie sagt: „Ich finde es total positiv, raus zu gehen und beim Sport Kontakte zu knüpfen.“ SARA MIEBACH Info: Einen neuen Kurs „Muskelaufbau“ gibt es ab September in der Südstadt.

Quelle: http://www.ostsee-zeitung.de/
 
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