Zwischen Gehen und Bleiben
Das Theaterstück „4.48 Psychose“ löst beim Publikum widersprüchliche Reaktionen aus

KÖNIGS WUSTERHAUSEN - „Meinen Raum kann ich füllen, füllen die Zeit, doch nichts füllt die Leere in meinem Herzen.“

Was eine seelisch kranke Person durchleiden muss, das möchte niemand selbst am eigenen Leibe erfahren. Dies aber in Form eines Theaterstücks hautnah mitzuerleben, ist auch nichts für schwache Nerven. Bei der Erstaufführung von „4.48 Psychose“ im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Königs Wusterhausen verließen einige Gäste den Raum schon nach wenigen Minuten. Andere boten stehende Ovationen am Ende des Bühnenspiels.

Die englische Autorin, Sarah Kane, war selbst manisch depressiv. Sie schrieb das dramatische Stück, während sie in einer Londoner Nervenklinik saß. Ihr Manuskript erreichte den Verleger kurz vor ihrem Suizid: Sie erhängte sich in der Anstalt.

Die innere Zerrissenheit und Verzweiflung wird in ihrem letzten Werk besonders deutlich. Die Hauptperson des Stückes balanciert immer nahe am Abgrund, ihr Zusammenbruch wird drastisch dargestellt. Umso erstaunlicher ist es, wie die Theatergruppe „PoWa06“ die Inszenierung scheinbar mühelos umgesetzt hat. „Sie sind ganz besondere Menschen, die sich unglaublich intensiv mit dem Text, der Autorin und ihrer Krankheit auseinander gesetzt haben“, sagt die Leiterin der Gruppe, Kerstin Rohde.

Das Stück wird heute nochmals am Friedrich-Wilhelm- Gymnasium aufgeführt. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Eines gebührt den sieben Theatermachern schon jetzt – die Anerkennung nämlich, dass sie mitten im Abitur ein weiteres Mal die Anstrengung auf sich nehmen.

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de
 
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