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Was Angehörigen weiterhilft
Was Angehörigen weiterhilft

Wenn ein sehr naher Mensch - Vater, Mutter, Ehemann oder Ehefrau, Sohn oder Tochter - an Schizophrenie erkrankt, bedeutet das auch immer einen tiefen Einschnitt im eigenen Leben. Darum sollten Angehörige - je eher, desto besser - die heute angebotenen Hilfen in Anspruch nehmen, um die Krankheit zu verstehen und dadurch besser mit ihrem Angehörigen umgehen zu lernen.

Angehörigengruppen

Angehörigengruppen gibt es bei uns seit Ende der siebziger Jahre. Mittlerweile ist ihre Zahl auf rund 800 Gruppen angewachsen, die eine Art Netzwerk bilden. Anschriften können Sie bei Ihrem nächstgelegenen psychiatrischen Krankenhaus, beim sozialpsychiatrischen Dienst oder beim Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. erfragen.
In der Regel werden Angehörigengruppen im Rahmen der psychiatrischen Tätigkeit von unterschiedlichen Berufsgruppen - Fachärzten, Sozialarbeitern, Psychologen, Krankenpflegekräften - angeboten und geleitet. Die Teilnahme ist meist kostenlos. In den Kliniken tagen die Gruppen aufgrund akuter Anlässe oft wöchentlich, die Fluktuation ist verständlicherweise recht groß. Außerhalb der Klinik treffen sich die Gruppen vierzehntägig oder auch nur einmal im Monat - entweder in einer sozialen Einrichtung oder privat. Hier wie dort dienen die Gruppengespräche der Information über Krankheitsbilder, Behandlungsmöglichkeiten, Medikation, aber ebenso dem Erfahrungsaustausch, dem wechselseitigen Zuhören, Verstehen und Zuspruch sowie behutsamen und praktikablen Vorschlägen, ob und in welcher Weise sich eigenes Verhalten zum Wohl des erkrankten Familienmitglieds ändern lässt.
Wer von den Gruppenteilnehmern im Augenblick akute Probleme zu bewältigen hat, beginnt das Gespräch und berichtet. Die anderen hören zu, stellen Fragen, denken nach, raten, stützen, ermutigen. Denn jeder von ihnen weiss aus meist längerer Erfahrung, wovon die Rede ist. Ein weiterer, aber wichtiger Nebeneffekt: Die Angehörigengruppe bewahrt davor, die eigenen Sorgen an der falschen Adresse auszubreiten. Schmerzlicherweise können das sogar sehr gute Freunde sein; sie werden dann zu hilflosen Helfern.

Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V.

Unter dem Motto "Familien helfen sich selbst" wurde 1985 der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker gegründet. Sein wichtigstes Ziel ist, möglichst viele Angehörige in regionale Gruppen zu vermitteln und diese Gruppen wiederum in Orts- und Landesverbänden, von denen es fünfzehn gibt, zusammenzuführen. Denn wenn ein Familienmitglied seelisch erkrankt, sind immer auch die Angehörigen sehr stark betroffen. Angst und Ratlosigkeit, Schuld- und Schamgefühle, Vereinsamung und Überforderung, Unverständnis und Vorurteile, gestörte Kontakte zu Verwandten, Freunden und Nachbarn, aber auch berufliche und materielle Sorgen - die Liste des leidvollen Mittragens ist lang.
Entsprechend weitgefächert sind auch die Aufgaben, die sich der Bundesverband gestellt hat:

- Angehörige über Hilfsangebote und Rechte informieren,
- die Gesellschaft über die Situation der Familien psychisch Kranker aufklären,
- die Interessen der Angehörigen vertreten,
- auf die Gesundheitspolitik der Länder und des Bundes Einfluß nehmen,
- Einrichtungen, Träger und Institutionen beraten und unterstützen, um die Familiegerechte Planung und Ausrichtung gemeindepsychiatrischer Angebote zu verbessern,
- auf Mißstände in der Psychiatrie hinweisen und sich damit auseinander setzen.

Anschrift:

Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V.
Thomas-Mann-Str. 49a
53111 Bonn

Tel.: 0228-632646

WICHTIG: weiterführende Literatur

Die Diagnose Schizophrenie isoliert. Das gilt auch für Angehörige. Selbst nahen Freunden lassen sich all die Sorgen und Ängste kaum verständlich machen. Um so wichtiger ist es, nicht nur durch Gespräche, sondern auch durch Bücher über die Krankheit hinzu zu lernen.
Im Artikel-Bereich "Empfehlungen" finden Sie Empfehlungen zu weiterführender Literatur. Es gibt mittlerweile ein breites Spektrum an ebenso spannenden wie informativen Büchern. Autoren sind meist Psychiater, Psychologen, in der Psychiatrie Tätige, Patienten und Angehörige. Es lohnt sich sehr, ver-rücktes Leben lesend zu begleiten und besser zu begreifen.


Quelle:

Hexal-Ratgeber Gesundheit
Psychose

ISBN 3-576-10775-4
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