9. Berliner Woche der Seelischen Gesundheit
Plakat zur Woche der Seelischen Gesundheit 2015Über 150 Veranstaltungen unter dem Motto „Prävention und Früherkennung – eine gemeinsame Aufgabe“

Vom 10. bis 18. Oktober findet die 9. Berliner Woche der Seelischen Gesundheit statt. Unter dem Motto „Prävention und Früherkennung – eine gemeinsame Aufgabe“ soll der Fokus darauf gerichtet werden, wie Menschen in jedem Lebensalter ihre seelische Gesundheit schützen und psychische Störungen rechtzeitig erkennen und behandeln lassen können.

Über 150 Veranstalter, darunter Berliner Kliniken, Kontakt- und Beratungsstellen, Therapiezentren oder Selbsthilfegruppen laden zu Workshops, Vorträgen, Fachtagungen, Ausstellungen, Konzerten und vielem mehr ein. Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit koordiniert seit 2007 jährlich die zahlreichen Veranstaltungen in Berlin und bundesweit zum Welttag der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober.

 
Lange Wartezeiten auf Termin beim Psychiater und Psychotherapeuten – Onlinehilfen bei Depression gewinnen an Bedeutung
Heute findet in Leipzig der 3. Deutsche Patientenkongress Depression statt, organisiert von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Betroffenenorganisation Deutsche DepressionsLiga. Die in Deutschland einmalige Veranstaltung bietet depressiv Erkrankten und deren Angehörigen praktische Hilfe in Vorträgen und zahlreichen Workshops zu verschiedenen Aspekten der Erkrankung.
Depression ist eine Volkskrankheit. Insgesamt erkranken in Deutschland jedes Jahr ca. 4,9 Millionen Menschen. Experten und Betroffene mahnen im Zuge des Kongresses Engpässe bei der Versorgung depressiv erkrankter Menschen an. „Es ist inakzeptabel, dass Menschen mit schweren Depressionen oft Wochen oder Monate warten müssen, bis sie einen Termin beim Facharzt oder Psychotherapeuten bekommen“, so Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Thomas Müller-Rörich, Vorstandsvorsitzender der Deutschen DepressionsLiga merkt zudem an:
„Betroffene finden immer noch zu wenig Verständnis für ihre Situation. Der Patientenkongress Depression soll auf eine der am meisten unterschätzten Erkrankungen unserer Zeit aufmerksam machen.“


Digitale Revolution – Chancen und Risiken von Onlinehilfen bei Depression
Aufgrund der angespannten Versorgungslage sind effektive Methoden zur Selbsthilfe eine große Unterstützung für die Erkrankten. Digitale Angebote gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung und sollen helfen, Wartezeiten zu überbrücken. Einige dieser Angebote werden auf dem 3. Deutschen Patientenkongress Depression vorgestellt:
 
Wenn Ängste und Zwänge den Alltag bestimmen
„Ich kann es einfach nicht lassen“ - wenn Ängste und Zwänge den Alltag bestimmen

Neue Therapien versprechen Hilfe.

Droht mir tatsächlich eine Gefahr oder habe ich Angst in völlig harmlosen Situationen? Ist das ständige Händewaschen noch Routine oder schon ein Zwang? Ängste, Zweifel und Sorgen kennt jeder und jeder wiederholt täglich bestimmte Alltagsrituale. Wenn die Beschäftigung mit sorgenvollen Gedanken oder die Wiederholung immer gleicher Handlungen jedoch überhand nehmen, könnte eine Angst- oder Zwangserkrankung vorliegen.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) leiden in Deutschland innerhalb eines Jahres 15 % der Bevölkerung an einer Angststörung. Damit gehören Ängste und die oft damit verbundenen Zwänge zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt.

„Obwohl es viele Überlappungen gibt und die beiden Erkrankungen im internationalen Klassifikationssystem der Krankheiten (ICD-10) unter neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen zusammengefasst werden, muss man eine klare Abgrenzung vornehmen“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Voderholzer, ärztlicher Direktor der Schön Klinik Roseneck für Psychosomatik in Prien am Chiemsee und anerkannter Experte auf diesem Gebiet.
 
Soforthilfe bei psychischen Erkrankungen: DGPM befürwortet psychotherapeutische Sprechstunde
Menschen mit akuten psychischen Problemen – beispielsweise mit schweren Depressionen oder Essstörungen – warten drei bis sechs Monate auf eine Psychotherapie. Mit der sogenannten psychotherapeutischen Sprechstunde will der Gesetzgeber künftig Abhilfe schaffen: Betroffene könnten dann bereits nach wenigen Tagen mit einem Psychotherapeuten sprechen und mit ihm gemeinsam weitere Behandlungsschritte einleiten. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) weist darauf hin, dass nach wie vor nicht ausreichend Behandlungsplätze verfügbar sind, um den bestehenden Bedarf abzudecken.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) befürwortet eine psychotherapeutische Sprechstunde und in größerem Umfang verfügbare niedrigschwellige und akut zugängliche Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Sie weist jedoch darauf hin, dass nach wie vor nicht ausreichend Behandlungsplätze verfügbar sind, um den bestehenden Bedarf abzudecken.
 
Kleine Held(Inn)en in Not: Kinder psychisch erkrankter Eltern brauchen Hilfe - Themendossier mit Empfehlungen für betroffene Familien erschienen
Etwa drei Millionen Kinder in Deutschland leben mit einem psychisch kranken Elternteil. Sie sind selber stark gefährdet, psychisch krank zu werden. Um die betroffenen Familien präventiv zu unterstützen, hat das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ein Themendossier „Kinder von psychisch erkrankten Eltern“ mit zahlreichen Praxistipps und Handlungshilfen erstellt. Das Themendossier finden Sie unter http://fairmedia.seelischegesundheit.net/index.php?Itemid=298.

Unter dem Titel „Kleine Held(Inn)en in Not“ veranstaltet der Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V. in Kooperation mit dem Berufsverband für Kinder-und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJJP) am 25. und 26. Juni in Hannover eine Fachtagung zu Prävention und Hilfen für Kinder psychisch erkrankter Eltern. Ziel ist die bessere Vernetzung aller Akteure innerhalb des Versorgungssystems, sowie die politische Initiative zahlreicher Verbände auf Bundesebene, eine Sachverständigenkommission einzurichten und familienorientierte „Komplexleistungen“ zu erarbeiten.
Die Notwendigkeit vernetzte und auf das Familiensystem bezogene Hilfen für Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil anzubieten, ist in den Bereichen von Jugendhilfe, Gemeindepsychiatrie, Psychotherapie und Kinder- und Jugendpsychiatrie unumstritten. Viele Projekte und Initiativen sind in den letzten Jahren entstanden und einige Forschungsinitiativen können inzwischen Ergebnisse zur Wirksamkeit präventiver und resilienzfördernder Hilfen für Familien in dieser besonderen Belastungssituation belegen. Auch in der breiten Öffentlichkeit wird die engagierte und kontinuierliche Arbeit regionaler Netzwerke für Kinder psychisch erkrankter Eltern zunehmend wahrgenommen.
 
Kunst aus der Psychiatrie
Franz Bühler (Pohl) 1864-1940 - Das Selbst - Kreidezeichnung März 1919

Franz Bühler (Pohl) 1864 – 1940: „Das selbst“. Kreidezeichnung, März 1919

© Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg
Selbstbilder aus psychiatrischen Anstalten der Sammlung Prinzhorn zeigt die Ausstellung „Ich. Mein Selbst.“, die vom 19. März an im Martin-von-Wagner-Museum der Universität Würzburg zu sehen ist. Organisiert hat sie der Arbeitskreis Würzburger Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer der Euthanasie.

Viele Künstler interessierten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach Authentizität und Ursprünglichkeit für Kinderzeichnungen, für die Kunst der so genannten „primitiven Völker“ und immer mehr auch für die Werke von psychisch Kranken. Zeitgleich begannen Psychiater bildnerische und kreative Arbeiten ihrer Patienten zu sammeln, mit der Vorstellung, sie für ihre Diagnosen einsetzen zu können.

Die Sammlung Prinzhorn
Für die Psychiatrische Klinik Heidelberg trug Hans Prinzhorn (1886-1933) in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg eine umfangreiche Kollektion zusammen. Sie umfasst Zeichnungen, Gemälde, Collagen, Textilien, Skulpturen und Texte, die zwischen 1880 und 1920 in psychiatrischen Anstalten im deutschsprachigen Raum entstanden sind. Teile dieser renommierten Sammlung sind nun zum ersten Mal in einer Sonderausstellung in Würzburg zu sehen.
 
Subjektives Zeitempfinden ist bei depressiven Menschen verändert
Psychologen der JGU ermitteln in einer Metastudie Unterschiede zwischen der subjektiven Einschätzung des Zeitflusses und der Schätzung konkreter Zeitintervalle

Wie schnell die Zeit vergeht, ist eine außerordentlich subjektive Einschätzung und hängt meist von der jeweiligen Situation ab, ob man beispielsweise auf etwas wartet oder im Gegenteil eine Frist näher rückt.
Allerdings scheinen depressive Menschen grundsätzlich ein anderes Zeitempfinden zu haben als gesunde. Darauf deuten Aussagen von Patienten hin, wonach ihnen die Zeit quälend langsam vergeht oder gar stillzustehen scheint. In einer sogenannten Metastudie haben Psychologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) nun die zu dieser Frage relevanten wissenschaftlichen Untersuchungen zusammengetragen und ausgewertet. Das Ergebnis: Depressive Personen haben im Vergleich zu gesunden Probanden tatsächlich das subjektive Empfinden, dass die Zeit langsamer vorbeigeht.
Müssen sie jedoch ein ganz konkretes Zeitintervall von zum Beispiel zwei Sekunden oder auch zwei Minuten schätzen, gelingt ihnen das genauso gut wie Gesunden.

Sven Thönes und Daniel Oberfeld vom Psychologischen Institut der JGU haben für ihre Metastudie die Ergebnisse aus 16 Einzelstudien mit insgesamt 433 depressiven Probanden und 485 nicht depressiven Kontrollprobanden ausgewertet. „Psychiater und Psychologen in Kliniken oder Praxen berichten immer wieder davon, dass depressive Patienten das Gefühl haben, die Zeit schleiche langsam dahin oder vergehe im Zeitlupentempo“, berichtet PD Dr. Daniel Oberfeld. „Unsere Auswertung kann dies bestätigen.“ Erste wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema gab es bereits in den 1940er Jahren. Die älteste Studie, die in die Analyse der Mainzer Psychologen einging, stammt von 1977.
 
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