Psychische Erkrankungen sind größtes Vermittlungshemmnis bei Langzeitarbeitslosen
Logo Stiftung Deutsche Depressions HilfePsychosoziales Coaching in Jobcenter Leipzig zeigt große Erfolge – Ausweitung in andere Regionen geplant

Ein Leipziger Pilotprojekt zeigt: Die Mehrheit der älteren Langzeitarbeitslosen (66%) leidet an psychischen Erkrankungen, die bisher nicht erkannt oder nicht optimal behandelt wurden. Diese sind häufig eine wichtige Ursache der Arbeitslosigkeit und verhindern die Reintegration in den Arbeitsmarkt.

In Leipzig wurde seit 2011 das Modellprojekt „Psychosoziales Coaching“ erprobt, das sich psychische Erkrankung als beseitigbares Vermittlungshemmnis zuwendet. Ziel des Interventionsprogramms ist es, nicht oder nicht optimal behandelte psychische Erkrankungen bei älteren Langzeitarbeitslosen zu erkennen und die betroffenen Personen Hilfe zu vermitteln.

„Viele glauben, dass Langzeitarbeitslose durch die Arbeitslosigkeit psychisch erkranken. Häufig besteht eher ein umgekehrter Zusammenhang:
 
Welttag der Seelischen Gesundheit – Psychisch krank und mitten im Arbeitsleben?!
DGPPN LogoMenschen mit chronischen psychischen Erkrankungen stehen immer noch vor großen Barrieren, wenn sie auf den ersten Arbeitsmarkt gelangen wollen: Mehr als die Hälfte ist von Arbeitslosigkeit und Frühberentung betroffen. Auch erleben sie häufig Stigmatisierung. Zum Auftakt der 8. Berliner Woche für Seelische Gesundheit fordern das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit, die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sowie Gesundheitsstadt Berlin deshalb heute in Berlin, die beruflichen Chancen für Betroffene zu verbessern.

Arbeit und psychische Gesundheit greifen eng ineinander. Schlechte Arbeitsbedingungen können krank machen und psychische Störungen auslösen. Präventive Maßnahmen sind deshalb dringend erforderlich und müssten regelhaft im Rahmen der Betriebsmedizin etabliert werden. Ist schon eine psychische Erkrankung aufgetreten, ist es entscheidend, möglichst frühzeitig mit der notwendigen störungsspezifischen Therapie zu beginnen, um Chronifizierung zu vermeiden und Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Im Fall einer längeren Arbeitsunfähigkeit sollte besondere Aufmerksamkeit auf ein sorgfältiges Wiedereingliederungsmanagement am Arbeitsplatz gerichtet werden.
 
Escitalopram verändert das Gehirn innerhalb von wenigen Stunden
Vergleich Escitalopram (rechts) und Placebo (links)Wirkstoff gegen Depressionen verringert die Kommunikation zwischen Ruhe- Netzwerken in manchen Gehirngebieten und erhöht sie in anderen

Eine einzige Dosis eines der weltweit am häufigsten verwendeten Medikamente zur Behandlung der Depression führt innerhalb weniger Stunden zu messbaren Veränderungen im gesamten Gehirn. Wissenschaftler am Max- Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben entdeckt, dass der Wirkstoff Escitalopram, der die Verfügbarkeit des Botenstoffes Serotonin beeinflusst, Vernetzungen zwischen funktionellen Vernetzungen stark verändert - also die synchrone Gehirnaktivität in verschiedenen Hirnarealen in Ruhe. Escitalopram beeinflusst dabei, welche Netzwerke des Gehirns gleichzeitig aktivieren, also im Gleichklang „schwingen“, wenn sich das Gehirn im Ruhezustand befindet. Dieser schnelle und weitreichende Effekt von Escitalopram ist außergewöhnlich, denn die antidepressive Wirkung dieser Medikamentenklasse benötigt meist zwei bis drei Wochen, um sich voll zu entfalten. Die aktuelle Studie lässt vermuten, dass die Wirkung der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer auf die Ruhe-Vernetzung des Gehirns nur wenige Stunden nach der ersten Einnahme beginnt.
 
Gemeinsame Stellungnahme der DGKJP und der Konferenz der Lehrstuhlinhaber für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Der Koalitionsvertrag der Regierung sieht im Gesundheitsbereich unter anderem eine Neuordnung des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) vor. Seither mehren sich unterschiedliche Konzeptvorschläge in Bezug auf eine mögliche „Direktausbildung“. Gleichzeitig fürchten Ausbildungsstätten für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie den Wegfall einer spezifischen Ausbildung.

Vor diesem Hintergrund haben der Vorstand der DGKJP und die Konferenz der Fachvertreter für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie das Thema im Rahmen des letzten Fachvertretertreffens Ende Juni ausführlich diskutiert. Es herrscht Einigkeit, dass die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen weiterhin „Kinderspezialisten“ vorbehalten bleiben muss. Genauso besteht Konsens, dass die Anforderungen an die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gleichwertig zu denen zum Erwachsenenpsychotherapeuten sein müssen.
 
Stress In The City - Wie beeinflusst das Leben in der Großstadt die psychische Gesundheit?
Die 8. Berliner Woche der Seelischen Gesundheit beschäftigt sich vom 10. bis 17. Oktober mit dem Thema „Psychisch krank und mittendrin?!“

Berlin - Hier pulsiert das Leben, es ist immer etwas los. Millionen von Menschen unterschiedlicher Herkunft leben auf engstem Raum zusammen. Hektik, Lärm und Enge der Großstadt beeinflussen die Gesundheit der Stadtbewohner. Sie leiden verstärkt unter Vereinsamung, Ausgrenzung, Depressionen, Angst und Stress. Die 8. Berliner Woche der seelischen Gesundheit beschäftigt sich deshalb vom 10. bis 17. Oktober mit dem Thema „Psychisch krank und mittendrin?!“. Mitten in einer Großstadt und deshalb psychisch krank? Oder psychisch krank und trotzdem mittendrin im Großstadtleben?
Verschiedenen Studien zufolge treten bestimmte psychische Erkrankungen in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern verstärkt auf. So leiden ihre Bewohner zu etwa 20 Prozent häufiger an Angststörungen, das Risiko für eine Depression ist bei ihnen sogar um 40 Prozent erhöht. Auch das Risiko, an einer Schizophrenie zu erkranken ist bei Städtern verglichen mit Menschen, die auf dem Land aufgewachsen sind, deutlich erhöht. Was genau belastet die Menschen in der Großstadt so sehr, dass sie seelischen Schaden nehmen? Häufig genannte Belastungsfaktoren sind fehlende Grünflächen, Lärm, Licht- und Luftverschmutzung. Ein weiterer wichtiger Faktor ist sozialer Stress, wie zum Beispiel fehlende Kontakte und zwischenmenschliche Bindungen bei gleichzeitiger Dichte und Überbevölkerung.
 
Ein reiches Leben trotz Schizophrenie

Ein reiches Leben trotz Schizophrenie


Die Schattenseite des Mondes. Ein Leben mit Schizophrenie.

Ein biographischer Roman von Renate Klöppel erschienen als Taschenbuch im Rowohlt Verlag Hamburg.


„Wahnsinn, bei dir bleiben dürfen und nicht mehr zurückmüssen in die sterbliche Welt, in die Vergänglichkeit, die Unvollkommenheit, die sinnlosen Kämpfe, die Bedeutungslosigkeit, die Hässlichkeit, die Leere, die Trostlosigkeit, die Gewalt, die Verständnislosigkeit …“

Diese Zeilen schrieb die heute 54-jährige Malerin Helene Beitler vor vielen Jahren bei einem ihrer Aufenthalte in einer psychiatrischen Klinik. Ihre erste psychotische Episode erlebte sie mit 28 Jahren als Kunststudentin und frisch verheiratete Mutter. In den folgenden Jahren ereigneten sich fünf schwere psychotische Episoden.
 
Einblicke in genetische Ursachen der Schizophrenie
Aufdeckung könnte künftig Diagnose durch Biomarker erleichtern

Für Schizophrenie gibt es kaum Biomarker oder Diagnosetests und auch Medikamente wirken bei vielen Patienten nur eingeschränkt. Das PGC-SZ (Psychiatric Genetic Consortium - Schizophrenia), darunter Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, hat jetzt über 100 genetische Bereiche identifiziert, die mit Schizophrenie im Zusammenhang stehen. Die Ergebnisse weisen auf Moleküle hin, die derzeit als vielversprechende Angriffspunkte für neue Medikamente gelten. Außerdem stützen sie aktuelle Theorien zur Entstehung der Schizophrenie. Die Erkenntnisse können nun als Grundlage für weitere Studien zur Entwicklung neuer Medikamente oder zur Aufklärung der molekularen Ursachen der Schizophrenie dienen.

Schizophrenie ist eine erbliche Krankheit, angeborene genetische Varianten sind also eine wichtige Ursache dieser Erkrankung. Da es kaum Biomarker oder diagnostische Tests gibt, beruht die Diagnose der Krankheit derzeit fast ausschließlich auf der Einschätzung des behandelnden Arztes. Auch medikamentöse Therapien zur Behandlung wirken bei vielen Patienten kaum.
 
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