Düsteres Zeugnis der Zerrissenheit
Sarah Kanes "4.48 Psychose" im Nationaltheater

Düsteres Zeugnis der Zerrissenheit

Michael Fuchs, Ensemblemitglied des Mannheimer Nationaltheaters, und Pianist Jan Gerdes haben Sarah Kanes letztes Stück "4.48 Psychose" im Schauspielhaus inszeniert. Die englische Autorin stellte ihr biographisch geprägtes Stück kurz vor ihrem Selbstmord im Februar 1999 fertig. Sie war damals 28 Jahre alt und litt seit langem an einer schweren manisch-depressiven Erkrankung. "4.48 Psychose" erzählt in einer fragmentarischen Aneinanderreihung von Monologen, Dialogen, Zahlenreihen und Wortketten von der Suche nach einer möglichen Rettung und der Hoffnung, sich seine Identität trotz der therapeutischen Behandlung bewahren zu können.

Momente der Klarheit
"4.48" beschreibt den Moment der größten geistigen Klarheit, in denen Kane - zwischen depressiven Krankheitsschüben - an ihrem Stück arbeitete. Im Bühnenturm, hinter der Kulisse der vorangegangenen Vorstellung, formen Fuchs und Gerdes die Vorlage zu einem größtenteils dichten musikalischen Ein-Mann-Stück. In einer bewegenden Direktheit spielt sich Fuchs durch die knapp einstündige Inszenierung.

Es verweben sich hierbei Gerdes Klavierspiel und elektronische Klangschlingen mit den Textfragmenten zu einem Balanceakt zwischen Pathos und nüchterner Beschreibung. Michael Fuchs bedient sich starker Bilder, um die innere Zerrissenheit zu zeigen. Und doch wirkt seine Verwandlung vom Stand-up-Comedian im Glanzanzug zum Frauenimitator in Leopardenpumps dabei nostalgisch. Fast so, als sollten die Bilder der Vorlage ihre brutale und unverstellte Schärfe nehmen. Und einem Hoffnung auf ein versöhnliches Ende machen, das doch nicht möglich ist.

Quelle: http://www.morgenweb.de
 
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