TV-Tipp - ARTE Sonntag, 2. September 2007
ARTE Sonntag, 2. September 2007 um 20.15 Uhr
VPS : 20.15
Wiederholungen :
09.09.2007 um 13:30

Wahnsinnige Kunst
(Deutschland, 2006, 26mn)
SWR
Regie: Christian Beetz

Der Film zeigt die weltweit bedeutendste Sammlung von Bildern, Skulpturen und Texten aus psychiatrischen Kliniken: die Heidelberger Sammlung Prinzhorn. Diese hat dem Regisseur Christian Beetz ihre Archive und Magazine geöffnet. Ans Licht kommen ebenso faszinierende wie verstörende Werke. Allesamt entstanden vor etwa hundert Jahren, hinter hohen Anstaltsmauern und vergitterten Fenstern und Türen, unter heute kaum noch vorstellbaren Umständen. Die Künstler bezeichnete der Psychiater und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn selbst als "schizophrene Meister".

SWR © Sammlung Prinzhorn

Sammlung Prinzhorn


(1): Das unerhörte Genie

Der Filmemacher Christian Beetz wagt sich an ein heikles Thema: das künstlerische Schaffen psychisch Kranker aus verschiedenen psychiatrischen Anstalten, gesammelt in der Heidelberger Prinzhorn-Sammlung. Der Ursprung der Sammlung geht zurück ins Jahr 1919: Der damals als Assistenzarzt an der Heidelberger Universitätsklinik tätige Psychiater und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn (1886 - 1933) forderte in einem Rundschreiben die Leiter psychiatrischer Anstalten im In- und Ausland auf, schöpferische Erzeugnisse ihrer Patienten zu schicken. Tausende von Objekten, die noch heute den Grundstock der Sammlung bilden, fanden den Weg nach Heidelberg.
Hans Prinzhorn selbst hat einige Patienten-Künstler besucht und in seinem Buch "Bildnerei der Geisteskranken" als "schizophrene Meister" gewürdigt. Die Lebensgeschichten der meisten blieben jedoch über Jahrzehnte im Dunkeln. Und obwohl Prinzhorns Buch in Künstlerkreisen stark beachtet wurde und sogar zur "Bibel des Surrealismus" avancierte, kamen die Schicksale erst in den letzten Jahren nach und nach an den Tag.
Christian Beetz nimmt in seinen beiden Dokumentationen diese biografischen Spuren auf und verknüpft sie mit den Kunstwerken sowie Statements von Medizinern und Kunsthistorikern zu einer fesselnden Geschichte der Sammlung Prinzhorn und ihrer "Meister".

ZUSATZINFORMATION

Die in den 20er Jahren zu einiger Berühmtheit gelangten Werke der Sammlung Prinzhorn wurden 1938 vom damaligen Leiter der Heidelberger Klinik der nationalsozialistischen Wanderausstellung "Entartete Kunst" zur Verfügung gestellt und somit zur Diffamierung avantgardistischer Kunst missbraucht. Auf der Liste der Leihgaben standen Skulpturen des Holzschnitzers Karl Genzel und Bilder von Franz Karl Bühler. Der ehemalige Kunstschmied Bühler wurde wie tausende anderer Psychiatrie-Patienten Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie. Nach 42 Jahren in psychiatrischen Anstalten wurde er im März 1940 in Grafeneck ermordet.

Quelle:
http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=741937,day=2,week=36,year=2007.html
 
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