Geritzt - Wenn Jugendliche sich selbst verletzen
ZDF, Dienstag, 14.08., Magazin/Mensch/Gesundheit 22:15 - 22:45 Uhr Geritzt
Wenn Jugendliche sich selbst verletzen Deutschland 2007


Hannah schneidet sich seit ihrem zwölften. Lebensjahr - vorzugsweise mit einem Messer - in beide Arme. Jetzt ist sie 19 Jahre alt. Hannah schämt sich ihrer mit Narben übersäten Arme. Für sie sind diese Schnitte wie eine Drohung, etwas Angstmachendes und zugleich sind sie Ausdruck ihrer selbstzerstörerischen Impulse, tief in ihrem Inneren. 'Ich schneide mich, wenn ich den inneren Druck nicht mehr aushalte. Wenn ich zum Beispiel in der Schule überfordert bin oder Konflikte habe, die mich überwältigen. Dann ist es ein befreiendes Gefühl, wenn ich mir die Arme aufritze, das Blut tropft, der innere Druck endlich nachlässt.' Hannah ist meist unruhig und pendelt zwischen extremen Gefühlen hin und her. Mal ist sie aggressiv, hasserfüllt, neigt zu unkontrollierten Wutanfällen. Dann ist sie wieder still, anhänglich und brav wie ein kleines Schulmädchen. Hannahs Eltern sind geschieden. Weil sich ihre Mutter von dem selbstzerstörerischen Verhalten und den ständig wechselnden Gefühlen ihrer Tochter überfordert fühlte, lebt Hannah in einer betreuten Jugendwohngruppe. Eigentlich besucht sie das Gymnasium, aber während der letzten drei Jahre musste sie immer wieder für längere Zeit ins Krankenhaus, so dass sie die Schule erst mal unterbrochen hat. Hannah ist krank: Sie leidet an einem Borderline Syndrom, das heißt: Sie kann ihre Gefühle nicht in ein ausgewogenes Gleichgewicht bringen.
Auch Dörte ist mit sich und der Welt hoffungslos überfordert. Auch sie fühlt sich hin und her geworfen zwischen ihren oft unkontrollierbaren Gefühlen: Wut, Verletzlichkeit und dann ist da noch dieser fast unerträgliche Zustand der totalen Leere. Mit den selbstverletzenden Handlungen versucht sie dieses Durcheinander in ihrem Kopf zu mildern. 'Es ist so, als hätte ich lauter Ventile im Körper, die alle verschlossen sind und ich von dem inneren Druck fast platze. Wenn ich mich dann schneide, öffnet sich ein Ventil und ich spüre nur noch Erleichterung.' Dörte ist 19 Jahre und geht aufs Gymnasium. Sie wurde mit zehn Monaten gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder adoptiert. Als sie 13 Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern. Seither lebt sie mit ihrer Mutter alleine zusammen. Als Dörte wiederholt in der chirurgischen Ambulanz im Krankenhaus auftaucht, um die tiefen klaffenden Wunden, die sie sich mittlerweile fast täglich zufügt, klammern zu lassen, empfehlen ihr die Ärzte dringend die Behandlung in einer Fachklinik.
Ulrike ist 20 Jahre alt. Sie hat schon in der Grundschule angefangen sich selbst zu verletzen. Das Gymnasium hat sie abgebrochen und macht jetzt eine Ausbildung zur medizinischen Kosmetikerin. Hannah, Dörte und Ulrike werden in Berlin in der Charité behandelt. Sie durchlaufen ein drei monatiges Therapieprogramm. Erst seit einigen Jahren gibt es erste psychotherapeutische Konzepte, die sich speziell mit dieser Borderline Erkrankung, dem Ritzen, beschäftigen. Für alle drei ist es schwer, den eigenen, richtigen Weg zu finden, der sie aus ihrer Krankheit herausführt. Sie wollen es endlich schaffen, sich selbst und anderen zu vertrauen und starke Gefühle auszuhalten. Aggressionen nicht nur gegen sich selbst zu richten, sondern auszusprechen, wenn sie Probleme mit anderen haben. Vielleicht schaffen sie es dann endlich, sich nicht länger selbst zu verletzen.

Quelle: http://www.tvinfo.de/exe.php3?target=popup&sidnr=49772421
 
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