Was können Arbeitgeber konkret für Mitarbeiter mit Depression tun?

Was können Arbeitgeber konkret für Mitarbeiter mit Depression tun?


Susanne Janicke Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Wie hilft psychosoziales Coaching bei Langzeit-Arbeitslosigkeit?

Berlin, 25. September 2013 – Depression ist ein häufiges, allerdings beseitigbares Vermittlungshemmnis bei Langzeit-Arbeitslosen. Nicht nur im Berufsleben, sondern auch bei Langzeitarbeitslosen sind psychische Erkrankungen häufig, werden zudem oft nicht erkannt und bleiben somit unbehandelt. In der Folge verhindert die psychische Erkrankung oft eine Re-Integration in den Arbeitsmarkt. So fällt Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, zum Beispiel die Arbeitsplatzsuche, auf Grund der mit der Krankheit verbundenen Antriebslosigkeit, besonders schwer, und sie können sich krankheitsbedingt in Bewerbungsgesprächen oft nicht positiv darstellen. Diesem Problem Langzeitarbeitsloser kann jedoch erfolgreich begegnet werden, wie Modellprojekte in München und Leipzig zeigen, die in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur vor Ort ein zusätzliches Programm, das „Psychosoziale Coaching“ anbieten.

Langzeitarbeitslose Personen mit psychischen Erkrankungen, die gar nicht oder nicht leitlinienkonform behandelt werden, können so identifiziert werden, um nach einer umfassenden Diagnostik bei entsprechender Indikation in das bestehende Versorgungssystem gelotst zu werden. Im Leipziger Projekt „Psychosoziales Coaching“ im Rahmen der „Perspektive 50+“ konnte gezeigt werden, dass tatsächlich über 90 Prozent der Klienten mit einer psychiatrischen Diagnose gar keine beziehungsweise keine leitliniengerechte Behandlung erhielten. Eine psychische Erkrankung kann allerdings nur dann als Vermittlungshemmnis beseitigt werden, wenn die Betroffenen eine regelrechte Behandlung erhalten. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe unterstützt deshalb die bundesweite Ausweitung der erfolgversprechenden Modellprojekte „Psychosoziales Coaching“ im Rahmen der „Perspektive 50+“. Die bisherigen Erfahrungen und Rückmeldungen im Rahmen dieser Projekte zeigen, dass auch für unter 50-jährige arbeitslose Menschen und speziell auch für arbeitslose Menschen unter 25 Jahren ein Bedarf für „Psychosoziales Coaching“ besteht.

Aktionsnetz Depression am Arbeitsplatz
Auch im Berufsleben sehen sich Arbeitgeber häufig mit psychischen Erkrankungen, wie der Depression, von Mitarbeitern konfrontiert und stehen diesen vielfach immer noch eher unvorbereitet gegenüber. Mit dem Aktionsnetz Depression am Arbeitsplatz bietet die Stiftung Deutsche Depressionshilfe Führungskräften und Gesundheitsverantwortlichen in Unternehmen eine aktive Unterstützung. „Wissensdefizite seitens der Betroffenen und der Personalverantwortlichen in den Betrieben bezüglich der Symptome und Ursachen der Depression sowie ihrer Auswirkungen auf das Arbeits- und Sozialverhalten sind oft Ursache für eine verspätete oder suboptimale Behandlung“, sagt Privatdozentin Dr. Christine Rummel-Kluge, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, anlässlich des 10. Europäischen Depressionstages am 1. Oktober 2013. „Hier können wir Abhilfe schaffen: In Vorträgen und Schulungen informieren wir Führungskräfte über die Depression und andere psychische Erkrankungen. Durch die Wissensvermittlung und die Möglichkeit, in Rollenspielen das Gespräch mit erkrankten Mitarbeitern zu trainieren, erleben wir immer wieder, dass Führungskräfte einen besseren Zugang zu diesem Themenkomplex finden.“

Depression ist nicht häufiger geworden, wird aber häufiger diagnostiert
Aktuelle Zahlen deutscher Krankenkassen zeigen: Der Anteil an Fehltagen durch psychische Erkrankungen steigt kontinuierlich. Krankheitsbedingte längere Ausfälle im Job und immer häufiger auch Berufsunfähigkeit sind Folgen depressiver Erkrankungen. Dabei zeigen wissenschaftliche Studien, dass Depressionen in Deutschland in den vergangenen Jahren aber nicht häufiger geworden sind. Vielmehr suchen sich heute mehr Betroffene als noch vor einigen Jahren professionelle Hilfe. Zudem wird die Depression – auch dank zahlreicher Aufklärungskampagnen – heute häufiger erkannt als früher.
 
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