Erst Enke, jetzt Rafati - der ganz eigene Kampf der Leistungssportler

Erst Enke, jetzt Rafati - der ganz eigene Kampf der Leistungssportler

Info: Nach dem Tod von Nationaltorwart Robert Enke hat sich in der Aufklärungsarbeit hinsichtlich Depression im Sport viel getan, sagt Prof. Dr. Frank Schneider, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Aachen. Jetzt unternahm Schiedsrichter Babak Rafati einen Selbstmordversuch. Wurde noch nicht genug getan? Prof. Schneider hat beim diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde dazu Rede und Antwort gestanden.

Anmoderation: Als sich Fußball-Nationaltorwart Robert Enke vor über zwei Jahren das Leben nahm, war die Öffentlichkeit geschockt. Der Familienvater war schwer depressiv und wusste keinen Ausweg mehr. Vor wenigen Tagen die Nachricht: Schiedsrichter Babak Rafati unternahm einen Selbstmordversuch. Die Motive sind weiter unklar. "Persönliche Gründe", so die bisherigen Angaben. Dass Leistungssportler einem besonders hohen Druck ausgesetzt, und Depression und Burn-Out dort immer noch Tabuthemen sind, weiß Prof. Dr. Frank Schneider ganz genau. Er steht in enger Verbindung mit der Robert-Enke-Stiftung und hat als behandelnder Psychiater und Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Aachen schon zahlreichen Leistungssportlern Atteste geschrieben. Herr Schneider, was haben Sie gedacht, als Sie von dem Selbstmordversuch von Schiedsrichter Rafati gehört haben?

O-Ton 1: "Ich war verwundert, dass es so publik wird ... Depressionen machen auch nicht vor Schiedsrichtern halt ... der DFB hat positiv reagiert ... versuchen das System menschlicher zu machen ... weniger Druck ... selber viele Atteste geschrieben, wo drauf stand Achillessehne kaputt."

Zwischenmoderation: Wenn der DFB von Entschleunigung und weniger Druck spricht - ist das nicht ein frommer Aberglaube? Schließlich ist Leistungssport ein Geschäft und es geht um viel Geld!

O-Ton 2: "Ja, aber trotzdem kann man so einen Markt regulieren ... wenn ein Trainer weiß, wie er mit einer Depression umgehen muss ... das ist die halbe Miete."

Zwischenmoderation: Meinen Sie, es wurde bisher zu wenig Aufklärungsarbeit geleistet? Wer weiß: Vielleicht hätte Herr Rafati dann einen anderen Weg gewählt...

O-Ton 3: "Das wissen wir nicht. Auch wenn das System perfekt ist, gibt es weiter Erkrankungen ... Leid reduziert werden kann."

Abmoderation: Vielen Dank, Prof. Schneider.
O-Ton: Prof. Dr. Frank Schneider, Präsident der DGPPN, 52074 Aachen
Länge: 2:32 (3 Antworten)
Autor: Sarah Tschernigow
 
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