Vom Versorgungs- zum Hilfssystem
Vom Versorgungs- zum Hilfssystem

Zunächst einmal ist es mir wichtig, dass wir uns endlich vom Versorgungsgedanken lösen und dem Hilfegedanken zuwenden:

Versorgt wird man, Hilfen kann man sich aussuchen.

Es kommt also aus meiner Sicht darauf an, ein System psychiatrischer und nicht psychiatrischer Hil-fen zu entwickeln, in dem Betroffenen sowie deren Angehörige und Freunde jederzeit die Hilfen finden und abrufen können, die sie benötigen. Dabei sollte sowohl die Komm- als auch die Gehstruktur möglich sein, d.h. Hilfesuchende müssen Beratungsstellen und sonstige Anbieter von Hilfen selbst aufsuchen können, aber die Anbieter der Hilfen müssen bei Bedarf auch aufsuchend tätig sein.

Wichtig sind ambulante Hilfen, die Klinikaufenthalte und hier insbesondere Zwangseinweisungen und sonstige Zwangsmaßnahmen vermeiden helfen. Diese Hilfen können sowohl von professionellen Diensten als auch von Selbsthilfeprojekten erbracht werden.

Dies bedeutet aber auch, dass Selbsthilfeprojekte dieselbe finanzielle Ausstattung bekommen müssen, wie die professionellen Dienste. Der Vorteil von peer-to-peer-Hilfe besteht darin, dass Betroffene andere Betroffene, die sich in einer Psychischen Krise befinden, aufgrund ihrer eigenen Krisenerfahrung noch wesentlich besser erreichen können, als Menschen, die über diese Erfahrung nicht verfügen und daher in der Lage sind Betroffene davon zu überzeugen, dass sie Hilfen annehmen sollten. Traumatisierende Zwangsmaßnahmen können so vermieden werden. Am besten funktioniert die peer-to-peer-Hilfe natürlich bei Menschen, die sich aus der örtlichen Selbsthilfegruppe schon kennen und wo im Idealfall schon ein individueller Krisenplan und ein persönliches Krisennetzwerk besteht.

Im Bereich der professionellen Hilfen benötigen wir einen Krisendienst, der 365 Tage im Jahr rund um die Uhr erreichbar ist. Aber auch hier sollten möglichst immer Menschen, die in der Patientenrolle Psychiatrie-Erfahrungen gemacht haben aus oben genannten Gründen in die Krisenteams eingebunden sein.

Ebenso wie es vor Klinikaufenthalten wichtig ist, niedrigschwellige einfühlsame Hilfen anzubieten, ist es bei den immer kürzer werdenden Liegezeiten wichtig, eine System nachsorgender Hilfen vorzuhalten. Diese müssen sich lückenlos an den Klinikaufenthalt anschließen. Das bedeutet, dass schon von der Klinik aus rechtzeitig eine Hilfeplanverfahren eingeleitet werden muss, damit die vom Patienten benötigte und gewünschte Hilfe bei Entlassung auch sofort bereit steht. Desweiteren wäre es wichtig, dass Kliniken ebenso wie niedergelassene Ärzte ihren Patienten Mut machen, sich einer örtlichen Selbsthilfegruppe anzuschließen, um so künftigen Krisen vorzubeugen und für den Krisenfall Vorsorge treffen zu können.

Kontakt:
Ruth Fricke
Mozartstr. 20 b
32049 Herford
Tel.: 05221/86410
E-mail: Ruth.Fricke[at]t-online.de
vorstand[at]bpe-online.de
 
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