Übergänge zwischen stationärer und ambulanter Behandlung fließender gestalten
Übergänge zwischen stationärer und ambulanter Behandlung fließender gestalten

Psychisch kranke Menschen haben fast immer den Wunsch, „ihre vertraute Ärztin, ihren vertrauten Arzt“ zu behalten. Der positive Einfluss einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung auf den Verlauf psychischer Erkrankungen ist in vielen Studien bestätigt worden. Diagnostik und Therapie psychisch kranker Menschen in Deutschland ist aber weniger geprägt von den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten und der notwendigen Beziehungskontinuität als vielmehr von starr begrenzten Behandlungssektoren. Die Übergänge zwischen stationärer und ambulanter Behandlung müssen daher dringend flexibler gestaltet werden.

Unser Arbeitskreis ist einer subjekt- und beziehungsorientierten Behandlung verpflichtet. Der Bezugsrahmen ist die regionale Regel- und Pflichtversorgung: Einem Krankenhaus darf nicht gestattet sein, behandlungsbedürftige Personen aus dem Versorgungsgebiet abzuweisen, wenn der Patient die Behandlung wünscht. Dies gilt insbesondere für schwerkranke, immobile und gerichtlich eingewiesene Patienten. Die Wahlfreiheit sollte Patientinnen und Patienten vorbehalten bleiben.

In ihrer individuellen Ausgestaltung stellt eine psychische Erkrankung ein kompliziertes Gefüge aus Lebensgeschichte, sozialer und beruflicher Entwicklung und biologischer Disposition dar. Psychische Krankheiten treten häufig gleichzeitig mit einer behandlungsbedürftigen körperlichen Erkrankung auf. Diese Multimorbidität nimmt im Alter zu und auch deshalb sind psychisch kranke Menschen auf die kompetente Diagnostik und Mitbehandlung durch andere medizinische Disziplinen angewiesen. Wir treten daher für die Integration von Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in die klinische Medizin ein. Deswegen müssen die wichtigen medizinischen Disziplinen bei der Krankenhausbehandlung unter einem Dach vorhanden sein. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Entstigmatisierung psychisch kranker Menschen: psychisch Kranke
müssen mit körperlich Kranken gleichgestellt sein.

In sehr vielen Fällen muss eine qualifizierte psychiatrische Krankenhausbehandlung auch die Lebenswelt des betroffenen Menschen einbeziehen. Diese Art der Spezialisierung bedeutet, dass die Behandlung in und durch die psychiatrisch-psychotherapeutische Klinik sich nicht orientiert an der Behandlungsart – z. B. stationär, z. B. tagesklinisch, z. B. ambulant – nicht an starren Behandlungskonzepten, sondern an der individuellen und krankheitsbedingten Bedarfslage des Patienten. In einem solchen Kontext können die störungsspezifischen Behandlungsprogramme in Verbindung mit Vor- und Nachsorge ihre volle Wirksamkeit entfalten. Mit einer solchen Organisation der Behandlung kann der schädlichen Zerstückelung von Behandlungsprozessen und dem damit verbundenen häufigen Beziehungsabbruch wirksam begegnet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind vernetzte Strukturen erforderlich. Sie müssen den Verbleib und die Wiedereingliederung der Patienten in die Gemeinde fördern. Deshalb müssen die starren Grenzen zwischen ambulanter, tagesklinischer und stationärer Behandlung überwunden werden und so eine wirkliche Qualitätsverbesserung ermöglicht werden.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Karl H. Beine
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie
und Psychosomatik
St. Marien-Hospital Hamm
Knappenstraße 19
59071 Hamm
Tel.: 02381/18-2525
Fax: 02381/18-2527
E-Mail: karl-h.beine[at]marienhospital-hamm.de
Homepage: www.ackpa.de
 
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