Integrierte Versorgungsangebote unabdingbar
Integrierte Versorgungsangebote unabdingbar

Vergleicht man die psychiatrische Versorgung in Deutschland mit anderen europäischen und außereuropäischen Staaten, so erreicht sie heute einen hohen Stand. Die deutlichen Verbesserungen in der Versorgung psychisch Kranker sind im wesentlichen dem Reformprozess zu verdanken, der 1975 durch die Psychiatrie-Enquete angestoßen wurde.

Der stationäre Sektor verfügt heute über ca. 44.000 Betten und über 10.000 Tagesklinikplätze in 434 Fachkliniken und Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern. Flächendeckend wurden an allen Kliniken Institutsambulanzen für die ambulante Behandlung chronisch und schwer erkrankter Patienten eröffnet. Mit der Möglichkeit, ambulant vor teilstationär und teilstationär vor stationär zu behandeln, verfügen die Kliniken selbst über die Möglichkeiten der integrierten ambulant stationär sektorübergreifenden schnittstellenfreien Versorgung.

Im Rahmen der Entwicklung eines neuen Entgeltsystems für die Fachkliniken, Abteilungen für Psychiatrie und Psychotherapie spricht sich die BDK nachhaltig dafür aus, die klinische Behandlung noch flexibler zwischen ambulant, teilstationär und stationär an den aktuellen und individuellen Bedürfnissen der Patienten gestalten zu können. Ein wesentlicher Vorteil wäre die Kontinuität der Behandlung durch ein multiprofessionelles Team von Ärzten, Therapeuten, Pflegekräften bis hin zur aufsuchende Behandlung zu Hause unter Einbeziehung der Familien und Angehörigen (Hometreatment).

Derartige innovative, flexible Behandlungsmodelle sind bereits in der Universitätsklinik Hamburg und in Itzehoe im Rahmen eines Regionalbudgets umgesetzt und in ihren qualitativ überzeugenden Ergebnissen in Bezug auf die Verbesserung der Symptome, verbesserte Lebensqualität und sozialer Fähigkeiten evaluiert worden. Die BDK setzt sich dafür ein, dass in der zukünftigen Entwicklung der stationären Versorgung erprobte innovative Modelle in die Regelversorgung übergehen können.

Im ambulanten Sektor der Versorgung haben sich in den Jahren nach der Psychiatriereform neben niedergelassenen Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie und psychologischen Psychotherapeuten ein umfassendes Netzwerk von sozialpsychiatrischen Diensten, betreutem Wohnen, therapeutischen Wohngemeinschaften, Tagesstätten und arbeitsrehabilitativen Maßnahmen entwickelt.

Die Gesamtausgaben für die differenzieren Angebote sind in der Summe ausreichend hoch. Problematisch ist die Zergliederung der Leistungssektoren mit den unterschiedlichen Kostenträgern, die bisher eine wirkliche integrierte Versorgung für psychisch Kranke behindert hat. So werden Krankenhausbehandlung und Institutsambulanzen direkt von den Krankenkassen finanziert, die ambulanten Psychiater und Psychotherapeuten durch die kassenärztliche Versorgung, die Wohneinrichtungen, Beratungsstellen und Hilfen zur Tagesstrukturierung von der Eingliederungshilfe.

Die Zergliederung von Kostenzuständigkeiten kollidiert mit dem Gebot zur wirtschaftlichen Erbringung von Leistungen und dem auf allen Sektoren zunehmendem Druck, Einsparungen vorzunehmen.

Um auch in Zeiten des erhöhten Kostendrucks qualitätsvolle Versorgung anbieten zu können, braucht die psychiatrische Versorgung innovative integrierte Versorgungskonzepte. Der Gesetzgeber hat 2004 durch den § 140 d in SGB V die Möglichkeit dazu geschaffen. Leider sind bisher von den weit über 5.000 Verträgen nur wenig über 100 integrierte Versorgungsverträge zur Versorgung psychischer Kranker abgeschlossen worden. Kurative, rehabilitative und auch präventive Maßnahmen könnten besser aufeinander abgestimmt werden und der Übergang vom stationären in den ambulanten Bereich verliefe reibungsloser. IV-Verträge organisieren diesen Prozess mittels definierter Behandlungsstrukturen und verbesserter Kommunikation anhand von definierten Behandlungspfaden und dienen einem strukturiertem Qualitätsmanagement.

Besonders für Menschen mit psychischen Erkrankungen, die bedingt durch die Spezifik ihrer Störung Unterstützung bei der Suche nach der richtigen Behandlung benötigen und im heutigen System häufig durch das medizinische und soziale Netz fallen, sind integrierte Versorgungsangebote unabdingbar. Niederschwelligkeit der Angebote, Vermeidung von Schnittstellenbrüchen, Kontinuität in Behandlung und Betreuung sowie ein komplexeres ambulantes aufsuchendes Angebot zur Vermeidung von stationären Aufnahmen müssen das Ziel und die Zukunft der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung sein.

Kontakt:
Dr. med. Iris Hauth
St. Joseph-Krankenhaus
Gesellschaften der Alexianer-Brüder
Gartenstraße 1-5
13088 Berlin-Weißensee
Tel.: 030-9279-0234
Fax: 030-9279-0702
E-Mail: i.hauth[at]alexius.de
 
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