Jede dritte Frührente ist psychisch bedingt
Jede dritte Frührente ist psychisch bedingt.

Frankfurt am Main (kobinet) Wegen psychischer Erkrankungen sind in Hessen nach Angaben der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse in Hessen im vergangenen Jahr über 2.300 Frauen und Männer vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausgeschieden. Das bedeutet, dass jede dritte der insgesamt rund 6.300 Frührenten psychisch bedingt war.

Männer, die wegen psychischer Belastungen in Frührente gingen, waren im Durchschnitt 48 Jahre, Frauen 49 Jahre alt. "Psychische Erkrankungen wie beispielsweise depressive Störungen und Suchterkrankungen haben in den letzten beiden Jahrzehnten zugenommen und werden vermutlich weiter zunehmen", sagte Helmut Nauheim, Leiter des Bereiches Gesundheitsservice bei der Techniker Krankenkasse. Die Gründe dafür seien vielfältig.

Zum einen werden seelische Erkrankungen heute verstärkt wahrgenommen und diagnostiziert. Eine andere Ursache ist der zunehmende Termin- und Leistungsdruck in der Arbeitswelt, der teilweise auch zu starkem Suchtverhalten führen kann. 121 Frauen und 414 Männer konnten 2009 wegen einer Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder Drogen nicht länger arbeiten und mussten in Frührente gehen.

In der modernen Arbeitswelt verschwimme die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr. "Dank Mobiltelefon und Notebook sind wir mittlerweile rund um die Uhr und an fast jedem Ort erreichbar. Unsere Arbeitswelt ist dadurch schneller geworden, was an den Beschäftigten nicht spurlos vorbei geht", so Nauheim. Der TK-Gesundheitsreport bestätigt diesen Trend: In Hessen sind die psychisch bedingten Fehlzeiten in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent angestiegen. Von 12 Tagen, die jede Erwerbsperson in Hessen im vergangenen Jahr durchschnittlich krankgeschrieben war, waren 1,4 Tage psychisch bedingt. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es durchschnittlich 11,5 Krankheitstage, davon war lediglich 1 Tag psychisch bedingt.

Fraglich sei, ob Frühberentungen die Betroffenen entlasten. "Viele Menschen finden in ihrer Arbeit Halt und Bestätigung – wird sie ihnen genommen, nimmt die psychische Belastung eher zu", so Nauheim. "Politik und Wirtschaft müssen Modelle entwickeln und anbieten, die ermöglichen, dass Erkrankte ihren Beruf ausüben können, ohne voll belastet zu werden." Beispiele seien flexible Arbeitszeiten, Jobsharing-Modelle und individuelle Beurlaubungsmöglichkeiten. Unbestritten sei ein Zusammenhang zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen. Studien zeigten, dass Menschen, die an psychischen Krankheiten leiden, ein erhöhtes Risiko haben, zusätzlich an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, einem Schlaganfall oder Diabetes zu erkranken. cm

Quelle: http://www.kobinet-nachrichten.de/...
 
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