Ein Drittel der psychisch kranken Arbeitnehmer wird durch Vorgesetzte und Kollegen stigmatisiert
Ein Drittel der psychisch kranken Arbeitnehmer wird durch Vorgesetzte und Kollegen stigmatisiert
Tanja Schmidhofer, Pressestelle
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
30.06.2010 15:17

Wie steht es um die psychische Gesundheit von deutschen Arbeitnehmern? Nicht zuletzt durch die 2009 aufgetretene Suizidserie bei Mitarbeitern von France Telecom und ähnliche Ereignisse bei chinesischen Arbeitern hat diese Frage eine aktuelle Brisanz. Um mehr darüber zu erfahren, befragten Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der TU München 312 deutsche Psychiater. Die Untersuchung ergab eindeutige Ergebnisse:

85 Prozent der befragten Psychiater hatten den Eindruck, dass der Anteil der Patienten, bei denen die Arbeitsbedingungen einen krankmachenden Faktor darstellten, in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen ist: Bei 26 Prozent ihrer Patienten sind die Arbeitsbedingungen Hauptauslöser der psychischen Erkrankung.

Sind die Betroffenen erst einmal manifest erkrankt und müssen krankgeschrieben werden, wird – nach Erfahrung der Psychiater – rund ein Drittel von ihnen von Vorgesetzten und / oder Kollegen nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz stigmatisiert. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, warum sie 38 Prozent ihrer Patienten davon abraten, Vorgesetze über ihre psychische Erkrankung zu informieren.

Welche Möglichkeiten gibt es, das Arbeitsleben für alle Beteiligten erfolgreicher zu gestalten?
Auch hier wurden die behandelnden Psychiater nach ihrer Einschätzung gefragt. Fast alle (94 Prozent) befürworteten Schulungen von Führungskräften zum richtigen Umgang mit psychisch kranken Mitarbeitern sowie deren gezielte Unterstützung durch Einzelfallberatung in schwierigen Situationen. Die Mehrheit der Psychiater (84 Prozent) sprach sich zusätzlich für betriebsinterne Aufklärungskampagnen zum Thema Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz aus.
Ausführlichere Informationen zur Studie sind in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Wirtschaftspsychologie aktuell (2/2010) zu finden (http://www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de).

Als Konsequenz der Forschungsergebnisse bietet das Centrum für Disease Management am Klinikum rechts der Isar inzwischen in zahlreichen Unternehmen Schulungsprogramme für Führungskräfte an, in denen diese lernen, die psychischen Belastungen ihrer Mitarbeiter zu reduzieren und Stigmatisierung zu vermeiden.

Kontakt und weitere Informationen:
Centrum für Disease Management, Technische Universität München
Dr. Rosmarie Mendel
Tel.: 089 / 4140-6683
E-Mail: r.mendel@lrz.tum.de
Homepage: http://www.cfdm.de/works

Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medizin
überregional

Forschungsergebnisse Deutsch
 
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