Genie und Wahnsinn: Die Dopamin-Connection
Genie und Wahnsinn: Die Dopamin-Connection

Stockholm – Genie und Wahnsinn werden seit der Romantik oft in der gleichen Person vermutet und eine Reihe angeblich verschrobener Persönlichkeiten von Mozart bis Einstein scheint dies zu bestätigen. In PLoS ONE (2010; 5: e10670) lokalisieren Forscher den gemeinsamen Nenner zwischen vermehrter Kreativität und Schizophrenie jetzt im Thalamus.

PLoS ONE - Artikel (englisch)

Pressemitteilung Karolinska Insitutet (englisch)

Kreative Menschen sind in der Lage neue und zugleich sinnvolle Ideen zu entwickeln. Die Grundlage ist eine Fähigkeit zum divergenten Denken, für das der Thalamus eine Schaltstelle sein könnte. In dieser Hirnregion wird der Informationsfluss normalerweise einer strengen Autoregulierung unterzogen. Unpassende Eindrücke werden unterdrückt.

Diese Normierung ist Gift für jede Kreativität und eine Schwäche im Thalamus könnte kreativen Menschen das Querdenken erleichtern, meint Fredrik Ullén vom Karolinska Institut in Stockholm, der zu diesem Zweck bei einigen gesunden Probanden mit der Positronenemissionstomographie die Dichte der regionalen Dopamin-2-Rezeptoren im Thalamus untersucht hat. Dopamin ist der wesentliche Neurotransmitter im Thalamus. In keiner anderen extrastriatalen Hirnregion ist die Dichte an Dopamin-2-Rezeptoren höher.

Die Messwerte wurden dann mit den Ergebnissen in einer Unterskala des Berliner Intelligenz Struktur Tests verglichen. Dort gibt es drei Übungen zum Einfallsreichtum. In einem Zeichentest müssen die Teilnehmer eine vorgegebene Linie zu möglichst vielen Bildern ergänzen, in einem verbalen Test sollen sie möglichst viele Verwendungsmöglichkeiten für ein Objekt (etwa einem Stein) nennen, und in einem Mathetest müssen Zahlen zu sinnvollen Reihen zusammengefügt werden.

Tatsächlich kann Ullén zeigen, dass die Probanden mit der höchsten Ideenproduktion im Thalamus die geringste Dichte an Dopamin-2-Rezeptoren hatten. Nun ist bekannt, dass Menschen mit einer Schizophrenie ebenfalls eine niedrige Dichte an Dopamin-2-Rezeptoren im Thalamus haben. Ullén vermutet hier eine mögliche Quelle der Positivsymptome, also der Halluzinationen und Wahnvorstellungen.

Schizophrene haben aber zugleich eine Reihe von Negativ-Symptomen, zu denen auch kognitive Defekte zählen. Hier dürfte der wesentliche Unterschied zwischen “Genie” und “Wahnsinn” liegen. Denn die Fähigkeit zum divergente Denken allein produziert keine originellen Ideen, sondern oft nur triviale und bizarre Äußerungen. © rme/aerzteblatt.de

Quelle: http://www.aerzteblatt.de
 
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