Depressionen wie im Film
Von Steffi Bey 03.02.2010 / Berlin / Brandenburg

Depressionen wie im Film

Lichtenberg startet Kino-Kampagne »Psychiatrie im Alltag« und zeigt irrsinnig Menschliches

Die neue Filmreihe, die es jetzt im Kino »CineMotion« an der Wartenberger Straße 174 gibt, hat das Bezirksamt Lichtenberg zusammengestellt. Unter dem Motto: »Irrsinnig menschlich – Psychiatrie im Alltag« laufen insgesamt sechs Streifen. Das Besondere: Nach jeder Vorstellung gibt es eine Diskussionsrunde mit Filmemachern, Ärzten und Vertretern ambulanter Träger. »Wir wollen mit dieser Kampagne über psychische Erkrankungen aufklären und informieren«, sagt der Lichtenberger Bezirksstadtrat für Familie, Jugend und Gesundheit, Michael Räßler-Wolff (LINKE).

Denn obwohl solche Krankheiten zu den häufigsten unserer Zeit gehören, werden sie öffentlich kaum wahrgenommen und sind immer noch ein Tabu. »Betroffene werden ausgegrenzt und als nicht gesellschafts- und leistungsfähig abgestempelt«, berichtet Sandra Born, Leiterin der Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit des Bezirks.

Lichtenberg will deshalb mit dieser berlinweit einmaligen Kino-Kampagne das Thema »Psychiatrie im Alltag« mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten sollen vorgestellt und sachkundige, kommunale Hilfe angeboten oder vermittelt werden. »Die Filme helfen, eine Tür für eine breite und interessante Diskussion zu öffnen«, erklärt Stadtrat Räßler-Wolff. Schließlich haben »Marnie«, »Iris«, »Uneasy Rider«, »Was ist mit Bob«, »Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa« und »Das Fremde in mir« eines gemeinsam: In jedem Film geht es um Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Das sind unter anderem Demenz, Manie und Depression. Flyer, die auch in Gymnasien verteilt werden oder im Bezirksamt liegen, werben für das Projekt. In der Hochschule für Gesundheit und Sport gehören die Filmbesuche sogar zum regulären Unterricht.

Bereits vor zwei Jahren hatte Lichtenberg eine Kampagne zur »Psychiatrie im Alltag« gestartet. Neben einer Gesundheitskonferenz gab es Kurse an der Volkshochschule, die von 500 Teilnehmern besucht wurden. »Wir entwickeln die Initiative immer weiter und beziehen bestimmte Zielgruppen ein«, sagt Sandra Born. So soll es auch 2010 VHS-Kurse dazu geben und beispielsweise spezielle Angebote für die Erzieherinnen im Eigenbetrieb Kita Nordost.

Der Bezirk will vor allem Betroffene animieren, sich früher Hilfe zu suchen. Auf erste kleine Erfolge der Kampagne weist Roland Scheil, der Psychiatrie-Koordinator Lichtenbergs, hin. So seien Mitarbeiter des Jobcenters inzwischen so weit geschult, dass sie Menschen mit solchen Krankheitsbildern besser beraten.

Eine psychische Erkrankung könne jeden treffen, betont Räßler-Wolff. Nach Angaben der WHO durchlebt in Europa jede vierte Person mindestens eine Krankheitsperiode im Leben. »Wir möchten Verständnis für die Betroffenen aufbauen und darlegen, dass eine Depression keine Schwäche ist«, sagt der Stadtrat. Partner der Lichtenberger Initiative sind das Königin Elisabeth Herzberge Krankenhaus und die Volkshochschule.

Die nächsten Filme Marnie, 4.2., 17.30, Iris, 1.4., jew,. 17.30 Uhr; Web: http://www.cinemotion-kino.de; Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit: 902 96 45 61.

Quelle: http://www.neues-deutschland.de/
 
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