"Depression kann jeden treffen"
"Depression kann jeden treffen"

Neues Bündnis für Münster informiert und zeigt Hilfen auf / Auftaktveranstaltung am 10. Februar im Rathausfestsaal

Münster (SMS) Aufklären, Schweigen brechen und Hilfe vermitteln hat sich das "Bündnis gegen Depression Münster" zum Ziel gesetzt. Depressionen gehören zu den häufigsten und schwerwiegendsten Erkrankungen. Zugleich werden sie oftmals nicht erkannt, verschwiegen und auch deshalb häufig nicht richtig behandelt - obwohl sehr vielen Patienten wirksam geholfen werden könnte. Das Bündnis aus Einrichtungen, Beratungsstellen und engagierten Persönlichkeiten will die Volkskrankheit in Münster zum öffentlichen Thema machen und Patienten und ihren Angehörigen Wege aufzeigen. Den Auftakt bildet ein Informationsabend am Mittwoch, 10. Februar, um 18 Uhr im Festsaal des Rathauses.
"Münster mit seiner guten Versorgungsstruktur für Menschen mit psychischen Störungen bietet noch viel Potenzial zur Verbesserung der Früherkennung und der Behandlung von Depressionen", ist sich Stadtrat Thomas Paal sicher, der als städtischer Gesundheitsdezernent auch Vorsitzender der Gesundheitskonferenz ist. Auf Initiative der Gesundheitskonferenz hat der Hauptausschuss des Rates den Beitritt Münsters zum bundesweiten "Bündnis gegen Depression" beschlossen. Diesem gehören bereits mehr als 50 Regionen und Städte an. Mit der Mitgliedschaft verpflichten sich die Akteure, vor Ort ein lokales Bündnis zu bilden.

"Depression kann jeden treffen. Sie hat viele Gesichter. Sie ist behandelbar." Das sind die drei Kernbotschaften des kürzlich ins Leben gerufenen "Bündnis gegen Depression Münster", erläutern deren Sprecher Prof. Dr. Thomas Reker von der LWL-Klinik Münster und Prof. Dr. Peter Zwanzger von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums. Mitstreiter im örtlichen Bündnis sind unter anderem die psychiatrischen Kliniken, die Telefonseelsorge, die Krisenhilfe, die Stadt mit dem Gesundheitsamt, Psychotherapeuten, Polizei, die Selbsthilfe-Kontaktstelle, der Angehörigen-Verein und das Franz-Hitze-Haus.

Im Lauf des Lebens erkranken etwa 15 Prozent der Menschen (davon sind zwei Drittel Frauen), an einer schweren, behandlungsbedürftigen Depression. Ein Drittel der Krankheitsfälle verläuft chronisch, etwa 15 Prozent der depressiv Erkrankten sterben am Suizid. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl Münsters, kommt es also jährlich in schätzungsweise 50 bis 100 Fällen wegen einer schweren Depression zur Selbsttötung.

Laut Weltgesundheitsorganisation beeinträchtigen Depressionen die Patienten mehr als jede andere körperliche und psychische Erkrankung. Dabei bieten psychiatrische und psychotherapeutische Praxen und spezialisierte Kliniken ein hohes Behandlungsniveau. Sehr viele Patienten könnten von den Krankheitssymptomen vollständig befreit und gesundheitlich stabilisiert werden.

Allerdings werden Depressionen häufig überhaupt nicht erkannt. In der ärztlichen Allgemeinversorgung werden nur 40 Prozent der Depressionen als psychische Störung diagnostiziert. Maximal 20 Prozent werden tatsächlich auch als Depression benannt, allenfalls zehn Prozent der Erkrankten erhalten eine sachgerechte Behandlung.

Prof. Zwanzger und Prof. Reker sind sich einig: "Bei keiner anderen Volkskrankheit gibt es noch so viel ungenutztes Potenzial zur Früherkennung, Diagnose und Behandlung." Selbst manchen Betroffenen ist kaum bekannt, dass es sich bei ihrer Depression um eine Erkrankung handelt, die genauso wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck jeden treffen kann, unabhängig von Beruf, Alter und Lebensverhältnissen. Andere meinen, sie seien körperlich erkrankt und erkennen nicht, dass sie unter einer Depression leiden. Oder sie trauen sich aus falscher Scham und Angst vor Stigmatisierung nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Auftaktveranstaltung am 10. Februar wird darüber ausführlich informieren. Prof. Dr. med. Volker Arolt, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum, konnte für einen Fachvortrag gewonnen werden. Es werden die Erfahrungen eines von Depressionen Betroffenen geschildert. Im Foyer des Stadtweinhauses präsentieren die Mitglieder des münsterschen Bündnisses ihre Aktivitäten und Angebote. Eingeladen sind zu dem Abend Fachleute und Laien, Interessierte, Betroffene und Angehörige.

Außerdem bietet diese Veranstaltung Gelegenheit, sich im persönlichen Gespräch über Möglichkeiten zur Unterstützung des Bündnisses zu informieren. Wer dazu vorab Fragen hat, wendet sich an die Geschäftsstelle der Gesundheitskonferenz, Tel. 4 92-53 06, E-Mail gesundheitskonferenz@stadt-muenster.de. Texte und Fotos im Internet: http://www.muenster.de/stadt/presse
 
Es wurden noch keine Kommentare verfasst.
Kommentar schreiben
Name:

Sicherheitscode:
Sicherheitscode


 
Bewertungen
Bitte logge dich ein, um eine Bewertung abzugeben.

Es wurden noch keine Bewertungen abgegeben.
 
Werbung
cleverALLNET