Schizophrenie: Fortschritte in der frühen Diagnose und Prävention erfordern Bündelung der Kompetenzen
Schizophrenie: Fortschritte in der frühen Diagnose und Prävention erfordern Bündelung der Kompetenzen


Da eine früh einsetzende Therapie bei schizophrenen Erkrankungen die Heilungschancen erheblich erhöht, bemüht sich die psychiatrische Forschung verstärkt um neue Methoden und Screening-Instrumente in der Frühdiagnostik. Dass diese nach wie vor mit vielen Unwägbarkeiten und Problemen behaftet ist, dokumentieren gleich mehrere Beiträge in der neu erschienenen Studie „Schizophrenie – Frühintervention und Langzeitbegleitung“.


Die Forschungen zur Frühdiagnostik unterscheiden zwischen prämorbiden Symptomen und Vorläufersymptomen, sog. Prodromen, die der eigentlichen Psychose vorausgehen können. Während unter prämorbiden Symptomen bestimmte Verhaltensmerkmale gefasst werden wie z.B. Zurückgezogenheit, Schüchternheit, Angst oder Aggression, die sich auch noch als ausgeprägte Charaktereigenschaften identifizieren lassen, stellen Prodrome bereits stärkere Verhaltensauffälligkeiten wie Vernachlässigung der Körperhygiene oder gedankliche Einengungen dar. In mehreren Statistiken konnte festgestellt werden, dass ein Großteil der psychotischen Patienten im Vorfeld Prodrome aufwies. Gleichwohl lässt sich umgekehrt von den Vorläufersymptomen prognostisch nicht zwingend auf eine spätere Psychose schließen, was Prävention und frühe Intervention äußerst schwierig macht.

Die Autoren der Studie stellen außerdem die ethische Dimension dieses Problems heraus. Auf der einen Seite kann Patienten bei einer möglichst frühen Diagnose am besten geholfen werden, andererseits kann bereits die Äußerung eines Verdachts die Symptomatik verstärken bzw. neue Symptome wie Depression hervorrufen. Ebenfalls müsse die soziale Dimension wie eine mögliche Stigmatisierung im Falle einer verfrühten Diagnose in Betracht gezogen werden. Die Prävention und Frühdiagnostik schizophrener Störungen sieht sich daher noch vor große Aufgaben gestellt. Joachim Klosterkötter sieht in seinem Beitrag gute Erfolgsaussichten in der Bündelung der nationalen und internationelen Präventionsforschung, wie sie in den deutschen Kompetenznetzen oder dem Projekt "European Prediction of Psychosis Study" bereits vorangetrieben wird.

Quelle: http://www.psychologie-aktuell.com/
 
Es wurden noch keine Kommentare verfasst.
Kommentar schreiben
Name:

Sicherheitscode:
Sicherheitscode


 
Bewertungen
Bitte logge dich ein, um eine Bewertung abzugeben.

Es wurden noch keine Bewertungen abgegeben.
 
Werbung
cleverALLNET