Kontrolleure beklagen Mängel in Psychiatrie
Kontrolleure beklagen Mängel in Psychiatrie

Der Psychiatrieausschuss des Landtags kritisiert den Mangel an Nervenärzten in Niedersachsen. (Archivbild) Bei der Versorgung von psychisch Kranken in Niedersachsen gibt es an einigen Orten offenbar gravierende Mängel. Besonders eklatant waren die Mängel in Pflegeheimen, wie NDR 1 Niedersachsen am Dienstag berichtete. So seien zum Beispiel in Wiefelstede (Landkreis Ammerland) Bewohner ohne richterliche Genehmigung eingesperrt worden, heißt es im Entwurf zum jüngsten bislang nicht veröffentlichten Tätigkeitsbericht des Psychiatrieausschusses des Landtages. Im Landkreis Leer wurde ein Bewohner mit Down-Syndrom im verschlossenen Zimmer in einem Bettkäfig gehalten. Die Heimleitung sprach den Kontrolleuren gegenüber von einer "Kuschelecke", die nicht genehmigungspflichtig sei. Außerdem kritisierte der Ausschuss den Mangel an Nervenärzten in Niedersachsen, betroffen davon sind vor allem Kinder in Krisensituationen. Im Bericht heißt es, es sei unverständlich, warum Kinder oft erst durch eine Zwangseinweisung aufgefangen würden.

Besuchskommission nahm 120 Einrichtungen unter die Lupe
Das Sozialministerium werde den Bericht des Ausschusses genau analysieren, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Besuchskommissionen des Ausschusses schaute sich im vergangenen Jahr 120 Einrichtungen an. Dadurch könnten Missstände schnell aufgedeckt werden, teilte das Sozialministerium mit. Im Großen und Ganzen sei die Situation in Niedersachsen nach Meldung der unabhängigen Experten aber gut. Der Psychiatrieausschuss ist ein unabhängiges Gremium, das aus ehrenamtlich tätigen Fachleuten, Betroffenen, Landtagsabgeordneten und Vertretern von Verbänden besteht. Zusätzlich gibt es sechs sogenannte Besuchskommissionen, die sich überall umsehen. Kontrolliert werden unter anderem Landeskrankenhäuser, psychiatrische Abteilungen an allgemeinen Kliniken, stationäre Einrichtungen, Wohnheime und Einrichtungen für Suchtkranke und Menschen mit Behinderungen. Altersheime werden nur vereinzelt besucht.

Behindertenbeauftragter für Ausbau ambulanter Hilfen
Aufgrund der Missstände forderte der Behindertenbeauftragte des Landes, Karl Finke, nun Konsequenzen. Das Land müsse Neueröffnungen und Neubauten von Heimen verbieten. Die Geldströme und Fördermittel müssten so gesteuert werden, dass neue Heime für psychisch Kranke oder geistig Behinderte wirtschaftlich keinen Sinn mehr machten, sagte Finke. Viele Häuser seien mittlerweile alt und es sei an der Zeit umzusteuern und stattdessen ambulante Hilfen zu fördern. Psychisch Kranke und geistig Behinderte wollten in den eigenen vier Wänden leben, so Finke, darum müssten die Hilfen so ausgestaltet werden, dass ein selbstbestimmtes Leben zu Hause eher die Regel wird.

Heimplanung gefordert
Insgesamt seien die Kontrollen der Besuchskommissionen oft dem Zufall überlassen, kritisierte Professor Jürgen Mauthe, Vorsitzender des Psychiatriefachbeirates, bei NDR 1 Niedersachsen, weil es keine Informationen über die Neueröffnung von Heimen gebe. Mauthe forderte das Land auf, eine Heimplanung zu erstellen. Zudem müsse eine Enquete-Kommission klären, wie viele Menschen in Heimen untergebracht sind. Denn Experten vermuten, dass in Niedersachsen weit mehr Menschen in psychiatrischen Heimen sitzen als in anderen Bundesländern, weil Anreize fehlen, psychisch Kranke auf ein selbstständiges Leben zu Hause vorzubereiten.

Quelle: http://www1.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/

Ein Video-Beitrag zu diesem Thema ist unter dem genannten Link ebenfalls zu finden.
 
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