Mit Musik die Seele heilen
Klinik Eichberg erweitert therapeutisches Angebot für psychisch kranke Menschen

Vom 14.02.2009

ELTVILLE (hi). Heilungsprozesse mit Musik unterstützen, das ist das Ziel des neuen musiktherapeutischen Angebots der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Eichberg des Zentrums für Soziale Psychiatrie Rheinblick (ZSP). Damit habe man das vielfältige therapeutische Angebot nochmals aufgestockt, teilt die Klinik mit. Die neue Musiktherapeutin Heidi Schock will mit Musik die psychischen Ressourcen der Patientinnen und Patienten wecken.

Kein Musikunterricht

"Musiktherapie hat nichts mit Musikunterricht zu tun und wendet sich keineswegs nur an Menschen, die musikalische Vorkenntnisse haben", betont Heidi Schock. Es gehe vielmehr darum, über den Um- gang mit den Instrumenten und die Erfahrung mit den ihnen entlockten Klängen Bezüge zu sich selbst oder zur Gruppe herzustellen. Musik, das sei unsere Erfahrung, könne Erstarrung beleben, Emotionen berühren, Erinnerungen bewusst machen und dadurch die Identität stärken, erläutert Schock.

Hohe Anziehungskraft

Die Instrumente, die in der Klinik zur Verfügung stehen, reichen vom Klavier über diverse Schlag- und Saiteninstrumente bis hin zu einer Harfe. Sie übe, versichert Heidi Schock, auf viele Patienten eine besondere Anziehungskraft aus. "Alle Instrumente haben einen hohen Aufforderungscharakter, sie sollen dazu einladen, sie auszuprobieren", erklärt die Musiktherapeutin. Die Patienten wählen sich ein Instrument aus und versuchen, sich gemeinsam oder alleine durch Klänge auszudrücken.

Bei der therapeutischen Arbeit wechselt das aktive Musizieren mit Phasen ab, in denen über die Erfahrung mit dem Instrument gesprochen wird. Es entsteht eine Wechselwirkung zwischen musikalischer Improvisation und Gespräch. Gemeinsame Klangerlebnisse unterstützten auch bei der Überwindung sozialer Isolation, sagt Schock. Die Patienten erleben, dass ihre Gefühle, die sie über die Klänge ausdrücken, von der Gruppe aufgenommen und beantwortet werden. Beim gemeinsamen Spielen werden aber auch Konflikte deutlich, Gruppenprozesse sind erkennbar. "Musiktherapie ist ein Spielraum, in dem es nicht um Leistung oder ein möglichst ästhetisches Produkt geht, sondern um Selbstwahrnehmung, Selbstausdruck und einen hörbar gemachten Prozess", fasst Heidi Schock ihre Arbeit zusammen.

Spannungsabbau

"Ich freue mich sehr, dass wir diese Therapieform anbieten können", erklärte Anton Lehr, ärztlicher Direktor der Klinik Eichberg. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie sei dieses Angebot schon länger etabliert. Psychisch kranke Menschen sind häufig isoliert, stehen unter hohen Spannungen und haben eine schlechte Selbstwahrnehmung. Im Umgang mit den Instrumenten überwinden sie ihre Sprachbarriere, weil sie sich zunächst nonverbal ausdrücken können. So würden Ressourcen geweckt, von denen die Kranken meist gar nicht wüssten, dass sie ihnen zur Verfügung stünden.

Wie bei jeder Therapieform gilt, dass sie nicht für jeden geeignet ist. Deshalb wird auch die Musiktherapie ärztlich verordnet. Heidi Schock und ihre Kollegin Judith Barthel von der Klinik Rheinhöhe für Kinder- und Jugendpsychiatrie sind Teil der interdisziplinären Teams, die für und mit den Patienten deren individuelle Behandlung umsetzen.

Quelle: http://www.wiesbadener-kurier.de/
 
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