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Er raubt mir noch den letzten Nerv...
seestern
...mein Lebensgefährte. Seit Januar ist er wieder psychotisch. Anfangs dachten wir in seinem Umfeld noch, er hätte eigenmächtig die Medis abgesetzt, was er immer verneinte. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass das Seroquel, das ihm der Neuro seit Herbst neu verordnet hat, nicht so wirkt wie Fluanxol, das er zuvor acht Jahre mit gutem Erfolg genommen hat.

Ich weiß gar nicht, warum dieser irre Neuro das Medikament überhaupt geändert hat. Angeblich hat er mit meinem Freund an einer Studie zu dem Medi teilgenommen. Ich habe eine mords Wut auf diesen Quacksalber! Angry

Mein Freund hat sich in diesen Wochen und Monaten so in seinem Wesen verändert, dass ich es nicht mehr mit ihm aushalte. Er ist einfach unerträglich mit seinen Aggressionen und seinem Misstrauen, um nicht zu sagen Verfolgungswahn. Das Schlimme ist, dass die Gründe, die er für seinen Wut anführt, durchaus ein Körnchen Wahrheit enthalten. Aber seine Reaktion ist maßlos und selbstzerstörerisch.

Leider ist er nicht mehr dazu zu bewegen, zu Fluanxol zurückzukehren. Das habe ihn zu träge und phlegmatisch gemacht, sagt er. Erst jetzt fühle er sich wieder so wie vor seiner Krankheit (er hat schon seit fast 25 Jahren Schizophrenie, ob er überhaupt noch weiß, wie er früher war?). Der Neuro hat aufgegeben und ihn gebeten, in die Psychiatrie zu gehen. Das macht er natürlich auch nicht.

Es bleibt nur die Hoffnung, dass er sich irgendwann eines anderen besinnt. Ich bin da inzwischen jedoch sehr pessimistisch. Frown

So, ich musste jetzt einfach mal Dampf ablassen.
 
Andreas
Hallo Seestern,

dass der Neurologe von deinem Freund nur allein wegen einer Studie das Medikament gewechselt hat ist mir auch ein Rätsel. Zumal dein Freund wohl vorher mit seinem alten Medikament wesentlich besser zurecht kam.

Wie du schon geschrieben hast ist jetzt nur noch zu hoffen, dass dein Freund mal einen "lichten Moment" hat und dann einsieht, dass er in eine psychiatrische Klinik sollte um dort wieder einigermaßen zu sich zu kommen.

Allerdings solltet ihr nicht zu lange warten, sodass erst noch etwas passiert, vielleicht könnt ihr noch einmal mit seinem Arzt sprechen und er kann eventuell eine "Zwangseinweisung" veranlassen. Bevor etwas Schlimmeres passiert.

Deinen Ärger kann ich sehr gut verstehen.

Viel Glück wünscht
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
seestern
Hallo Andreas,

die kritische, will sagen "selbstgefährdende" Zeit ist gottseidank vorbei. Das war im Februar. Da habe ich mir von seinem Arzt vorsorglich eine Einweisung geben lassen, damit die Sanitäter gleich Bescheid wissen und es möglichst wenig traumatisch für ihn wird. Allerdings wäre eine Zwangseinweisung wirklich die ultima ratio gewesen, und ich habe diese Option nicht genutzt. Wenn er nicht will, müssen die ihn dort ohnehin bald wieder entlassen. Er kennt das Prozedere nach 25 Jahren paranoider Schizophrenie mit vielen Klinikaufenthalten in- und auswendig und weiß, wie er sich verhalten muss, um "denen" keinen Grund zu geben, ihn zwangsweise dazubehalten.

Seinem Arzt habe ich bei der Gelegenheit gleich mal die Leviten gelesen, und er scheint wohl selbst eingesehen zu haben, dass das mit Seroquell eine blöde Idee war. Allerdings hört mein Freund auch auf ihn nicht mehr. Früher war das anders. Dieses Seroquell scheint ihn regelrecht verhext zu haben.

Jetzt ist er "nur" sehr aggressiv, stößt alle Menschen vor den Kopf, fühlt sich von allen hintergangen, weil sie sich abwenden. Auch mir traut er nicht. Er zerstört sein ganzes soziales Umfeld, das er sich die letzten zehn Jahre teilweise mühsam aufgebaut hat. Hoffen wir, dass er bald einen lichten Moment hat und wieder zu Fluanxol zurückkehrt.

Mir tut es gut, hier ein bisschen mein Herz zu erleichtern. Du weißt vermutlich selbst, wie schlimm eine akute Episode sein und was man sich damit alles verbauen kann.

seestern
 
Nase im Wind
seestern schrieb:
Hallo Andreas,

Seinem Arzt habe ich bei der Gelegenheit gleich mal die Leviten gelesen, und er scheint wohl selbst eingesehen zu haben, dass das mit Seroquell eine blöde Idee war. Dieses Seroquell scheint ihn regelrecht verhext zu haben.
Jetzt ist er "nur" sehr aggressiv,

seestern


Hallo,

Ein kuzfristiger Psychiatrieaufenthalt könt zumindes vorübergehend eine Wende der jetzigen Situation herbeiführen. Du hättest dann auch die Möglichkeit mit einem Arzt dort über die Praktiken seines Arztes sprechen. Vielleicht probieren die was anderes oder er bekommt sein Mittel wieder. Es kann auch sein, sie testen seine Reaktionen mit dem Seroquel, dann wäre eventuell ein etwas längerer Aufenthalt drin.

Ich rate nicht gern zur Psychiatrie, und sehe eher nur dann einen Grund, wenn du dich durch ihn einer Gefährdung entgegen siehst.
Ich weiss nicht inwieweit du dich schlau gemacht hast. In den organisierten Angehörigengruppen könntest du dir vielleicht mehr orientierung verschaffen um die Situation besser einzuschätzen bzw. besser damit zurechtkommstz.


Ich bekam damals Seroquel (100 mg Morgens und 300 mg Abens). meine persönlichkeitsstrucktur blieb die selbe, ich war wie immer. allerdings war ich den ganzen Tag träge und konnte vielem nicht richtig folgen. Vermutlich bekam ich die unter dem Aspekt der Diagnose Schizophrenie, die ich nicht habe (habe eine innere tieferliegende Depression).

Jedenfalls blieb ich im Wesendlichen der selbe (wäre ich ein agressiver, würde dies vermutlich bleiben), und da könnte ich mir vorstellen das dieses Serquel bei deinem Freund nicht viel neues bewirkt. - ??? Es könnte sein, das der Stoff den er braucht, dort nicht oder nur gering vorhanden ist. oder die Zusammensetzung hebt dies Wirkung auf. Was sol der dann mit dem Zeug.
Kan auch sein, der Arzt macht sein Experiment, und weiss, dass dieses Mittel vielleicht nur nach langer Zeit anschlägt, falls der dies überhaupt in Erwägung zieht, etc.


Nebenbei gesagt, Freund kann man sich zwar verscherzen (das ist das Leben), Es gibt immer einen neuen Anfang mit anderen Freunden. Diesen Punkt würde ich nicht hinein Mischen. Dafür kann er jetzt nicht die volle Verantwortung übernehmen. Und, wahre Freunde kommen wieder, vielleicht in anderer weise.

Jonny Wink
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
seestern
Hallo Jonny,

Schizofred schrieb:
Ich bekam damals Seroquel (100 mg Morgens und 300 mg Abens). meine persönlichkeitsstrucktur blieb die selbe, ich war wie immer. allerdings war ich den ganzen Tag träge und konnte vielem nicht richtig folgen. Vermutlich bekam ich die unter dem Aspekt der Diagnose Schizophrenie, die ich nicht habe (habe eine innere tieferliegende Depression).

Jedenfalls blieb ich im Wesendlichen der selbe (wäre ich ein agressiver, würde dies vermutlich bleiben), und da könnte ich mir vorstellen das dieses Serquel bei deinem Freund nicht viel neues bewirkt. - ??? Es könnte sein, das der Stoff den er braucht, dort nicht oder nur gering vorhanden ist. oder die Zusammensetzung hebt dies Wirkung auf. Was sol der dann mit dem Zeug.


Mein Freund bekam anfangs 400 mg abends. Eine Stunde nach der Einnahme lag er im Bett und schlief fest, kam aber morgens kaum aus dem Bett. Der Arzt empfahl ihm, die Tablette schon um 6 Uhr abends zu nehmen, aber das ist doch keine Lösung auf die Dauer. Als er dann psychotisch wurde, hat der Arzt die Dosis auf 900 mg täglich gesteigert (Maximaldosis), ohne dass es ihn ruhiger oder klarer gemacht hätte. Plötzlich stand er morgens um 6 uhr senkrecht im Bett. Deshalb dachten wir zunächst, er würde die Tabletten gar nicht mehr nehmen. Er nimmt sie aber regelmäßig, und seit zwei Monaten die Höchstdosis 900 mg.

Jeder reagiert anders auf Neuroleptika, das ist klar. Unter Seroquel ist er innerlich unruhig, nicht konfliktfähig (er erträgt es z.B. nicht mehr, wenn ich eine andere Meinung habe als er, er rennt dann weg) und sehr leicht aufbrausend. Unter seinem vorigen Mittel Fluanxol war das alles nicht der Fall. Allerdings sagt er heute, er habe sich damit wie unter einer Käseglocke gefühlt, konnte sich nicht zur Wehr setzen, wenn jemand ihn ärgerte. Auch körperlich war er sehr träge, an sportliche Betätigung war nicht zu denken. Das ist unter Seroquel anders, aber leider ganz extrem anders.

Gestern rief er mich an und meinte, er überlege nun doch, mit der hiesigen Psychiatrie Kontakt aufzunehmen. Seinem Neuro vertraut er nicht mehr. Er will zwar bei Seroquel bleiben, weil er sich damit körperlich fitter fühlt, aber auch Gespräche führen (er meint damit wohl Psychotherapie?). Das finde ich einen sehr guten Ansatz, denn genau das dachte ich mir auch schon seit längerem. Er soll es doch mal ganz anders versuchen. Vielleicht kann er so generell die Medikamentendosis reduzieren.
 
Andreas
Hallo Seestern,

so wie du es jetzt schilderst liest sich die Lage schon wieder etwas entspannter.

Eine Therapie ist mit Sicherheit ein sehr guter Schritt den dein Freund unternehmen kann. Mir hat meine Verhaltenstherapie auch sehr viel geholfen. Nur sollte dein Freund nicht gleich aufgeben wenn sich nicht sofort eine Besserung einstellt. Die Therapie braucht eine gewisse Zeit bis sich erste Zeichen zeigen. Bei mir war es ca. 1 Jahr Therapie bevor sich etwas "getan" hat. Mittlerweile bin ich seit Anfang Mai 2007 in Therapie.

Das mit der Zwangseinweisung war auch lediglich in Betracht auf sein aggressives Verhalten gemeint. Wenn so etwas kurz anhält ist das vielleicht noch ok, aber es war wohl eine ganze Weile wie es anhielt. Von daher mein Vorschlag mit der Einweisung.

So wie du es jetzt beschreibst, scheint dein Freund sich langsam wieder zu besinnen.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Nase im Wind
seestern schrieb:
Hallo Jonny,

Er nimmt sie aber regelmäßig, und seit zwei Monaten die Höchstdosis 900 mg.

Vielleicht kann er so generell die Medikamentendosis reduzieren.



Wirkungsweisen von Psychopharmaka sind wohl sehr verschieden und manchmal von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Mit einem veringern der Dosis ist vermutlich kurzfristig eher nicht zu rechnen, zumal die Erhöhung anscheinen einen positiven effekt hat. ich denke mal, dass eine erhöhung irgendetwas versterkt oder veringert das einen besseren Schlaf bewirkt.

ist auch ermutigend dass sich jemand wieder wehrt, oder sogar ergerlich wird. Sicher hat er vieles mit sich zu bereinigen bzw. neue Einsichten zu entdecken.
Für mich ist deine Antwort eine gute Nachricht. Du bist allerdings mitten im Zentrum. Ich bin nicht für Überreagtionen oder falscher Rücksichtnahme, zugleich aber vertrete ich Das Grenzensetzen wo es angebracht ist.

Jeder muss auch auf seine eigene Gesundheit achten. Außerdem hat grenzensetzen etwas mit Wertschätzung aler beteiligten zu tun.

Ich wünsch für euch beiden das beste.

Jonny Smile
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
seestern
Hallo Jonny und Andreas,

ich bin's nochmal von der Angehörigenfront.

Mein Freund hatte sich im Frühsommer eingermaßen fangen können, lief fast alles wieder normal, wir wollten auch wieder zusammen leben (die letzten Monate war das nicht mehr der Fall).

Jetzt geht wieder alles von vorne los und wir Menschen in seinem Umfeld wissen nicht: nimmt er die Medikamente (immer noch Seroquel) nicht, oder wirkt es nicht. Inzwischen ist es so, dass er sich von mir ständig hintergangen fühlt und im Glauben ist, ich meinte es nicht ehrlich mit ihm, ich hätte ihn doch ständig betrogen usw. Zwei Wochen lang hat er mir verboten, mit ihm Kontakt aufzunehmen, er wollte "nie wieder mit mir reden!". Und stand dann nachts plötzlich wieder vor der Tür, als wäre nichts gewesen.

Er weiß also nicht, was er will. Das, was er im einen Moment will oder erstrebsnwert findet, ist am nächsten Tag schon wieder ganz unmöglich. Und: er hat einen extremen Ordnungsfimmel entwickelt. Ich habe ihn eine Nacht auf meiner Couch schlafen lassen. Er konnte aber nicht schlafen und hat kurzerhand die komplette Wohnung "aufgeräumt", in der Küche alle Schränke geleert und alles in einer äußerst peniblen Ordnung wieder eingeräumt. Ebenso im Bad (dort hat er auch "seine" Sachen so eingeräumt, als wohnten wir wieder zusammen).

Alle Dinge werden in einer bestimmten Form arrangiert, geordnet, und ich darf das dann auch nicht mehr ändern. Er muss es dann gleich wieder "korrigieren".

Frage: ist das ein Zeichen einer Verschlimmerung, wenn ein Schizophrenie-Kranker auch einen Ordnungszwang entwickelt? Ich kenne diese Seite nicht an ihm, und ich kenne ihn seit 25 Jahren. Mir ist dieses Verhalten fast unheimlich.

Oder ist es ein Versuch, eine Ordnung in seine "wirre" Gedankenwelt zu bekommen? (Die Amerikaner wollen uns nämlich das Grundwasser klauen, ständig hört er die Telefongespräche anderer Leute im Haus usw., das volle Programm eben).

Was meint ihr dazu? Wie kann man ihm helfen, ohne ihn einweisen zu lassen? Das wäre die Ultima Ratio, über die seine Mutter (dort lebt er momentan) immer öfter nachdenkt, weil sie inzwischen auch mit den Nerven runter ist.
 
Andreas
Hallo Seestern,

dieser Ordnungszwang kann schon ein Zeichen einer zusätzlichen Störung, einer Zwangsstörung, sein. Auch die Tatsache wie du schreibst, dass er Telefonate hört und die Gedanken das das Wasser geklaut werden soll hört sich nicht gut an. Dies deutet auf ein gewisses Maß an Paranoia hin. Vielleicht aber ist der Ordnungszwang auch das Ergebnis dieser Paranoia und er versucht durch Ordnung feststellen zu können, ob sich jemand in der Wohnung aufhielt, weil dadurch meistens Unordnung entsteht.

Dieses "Nicht Wissen was er will" kann auch ein Zeichen von Unsicherheit sein. Dies ist wohl auch ein Zeichen für seine momentane innere Anspannung durch die paranoiden Gedanken.

Nun meine Frage, hat dein Freund denn schon eine Therapie begonnen? Konnte er sich dazu entschließen?

Ansonsten versuche mit ihm zu reden und versuche ihn zu verstehen wie er auf seine paranoiden Gedanken kommt. Sollte das alles nichts bringen sehe ich einen Aufenthalt in der Klinik für notwendig.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
seestern
Hallo Andreas,

danke für deine Worte. Ich denke, die Zwangshandlungsgeschichte ist neu hinzugekommen. Er konnte zum Beispiel auch nicht geradewegs ins Auto einsteigen sondern musste erst einmal die Straße runter und auf der anderen Gehwegseite wieder hochlaufen, anscheinend um etwas zu "kontrollieren".

admin schrieb:Nun meine Frage, hat dein Freund denn schon eine Therapie begonnen? Konnte er sich dazu entschließen?


Du meinst eine Psychotherapie, Verhaltenstherapie o.ä.? Nein, leider nicht. Er sprach zwar immer wieder davon, hat sich auch einen Therapeuten ausgesucht, den er kennt; aber dann meinte er wieder, er habe das nicht nötig.

admin schrieb:Ansonsten versuche mit ihm zu reden und versuche ihn zu verstehen wie er auf seine paranoiden Gedanken kommt. Sollte das alles nichts bringen sehe ich einen Aufenthalt in der Klinik für notwendig.


Das ist leider nicht mehr möglich, denn er hat inzwischen auch zu mir kein Vertrauen mehr. Mein Vorschlag, die Seroquel Tagesdosis vorübergehend auf 900 mg zu erhöhen (sein Neurologe machtete dies im Februar, als er psychotisch war) hat er als Angriff gewertet und kommt für ihn nicht in Frage. Wir vermuten, dass er inzwischen gar keine Medikamente mehr nimmt, oder nur sehr unregelmäßig.

Ich sehe auch keinen Ausweg mehr als die Klinik, aber da wird er wohl freiwillig nicht hingehen. Seine Mutter wird sich morgen informieren, wie sie am besten vorgehen kann, damit er in eine Klinik und dort endlich zur Ruhe kommt.
 
Nase im Wind
seestern schrieb:
Hallo Andreas,

Ich denke, die Zwangshandlungsgeschichte ist neu hinzugekommen.



Hallo seestern
Ich kann hier nur als Mensch und nebenher als Psy-Erfahrener antworten.

Auch einem möglicherweise guten Arzt als Mensch sind Grenzen gesetzt wenn ein Patient niemanden mehr traut. Ich hoffe, und wünsch euch das dem Arzt der Zugang erneut gelingt.

Die Konztalatin aus Psychose und Zwangshandlungen stelle ich mir als besonders schwierig vor.
Leichter gesagt als getan, bräuchte er unbedingt einen VIVO-Trainer der regelmäßig mit ihm übt die Zwangshandlungen abzubauen. Die Abkürzung VIVO habe ich vergessen. es geht aber darum direkt am Ort des Geschähends live daran zu arbeiten.

Einen kleinen trost kann ich vielleicht anbieten; Falls die Zwangshandlungen sich aus seiner Situation ergeben hat, ist es bereits ein Versuch Wege heraus zu finden. ich weiss, das erscheint paradox. ist dennoch ein Schrit zur Selbstbefreihung als eigene Möglichkeit.

Klinik kann man nicht mehr so einfach anordnen, was auch gut ist. Zur Selbstbestimmtheit hatte ich im Forum mal was erwehnt. Selbstbestimmt klingt auf den ersten Blick hönisch, aber auf seine weise entscheidet er (eventuelhäufig wechselnd) was für ihn gut oder besser zu sein scheint.

Die Zeit des Wandels wird dann kommen wenn das Leid, drinnen zu stecken größer wird als die Ängste unter denen er leidet. Da ist man erst einmal Beobachter, nutzt einen Augenblick des Zugangs und hofft auf Einsicht.
Die Naturvölker teilen sich im Tanz mit. Wir sind nicht anders. Was wir nicht sagen können drückt sich auf andere weise aus.

Ich hoffe sehr, dass er soweit wieder zu sich findet um wahre Entscheidungen zu treffen, und vielleicht Psychoseseminare für sich entdeckt.


P.s.
Der Unterschied zwischen "Verstehen und Begreifen" entscheidet darüber ob du in dieser Situation, auch für dich selbst gut sorgst.
Sorge unbedingt gut für dich selbst. Auch wenn er protestiert, es hilft ihn sich zu orientieren, - Er wird dir Entscheidungen abnehmen die dann nicht mehr deine sind.

Jonny
Bearbeitet von Nase im Wind am 31.08.2009 18:42
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
seestern
Hallo Jonny,

Schizofred schrieb:
Einen kleinen trost kann ich vielleicht anbieten; Falls die Zwangshandlungen sich aus seiner Situation ergeben hat, ist es bereits ein Versuch Wege heraus zu finden. ich weiss, das erscheint paradox. ist dennoch ein Schrit zur Selbstbefreihung als eigene Möglichkeit.


Spontan dachte ich das auch: er versucht, eine Ordnung in seine Gedankengänge zu bringen, weil er selbst allmählich merkt, dass sie ein wenig "ver-rückt" sind.

Schizofred schrieb:Klinik kann man nicht mehr so einfach anordnen, was auch gut ist. Zur Selbstbestimmtheit hatte ich im Forum mal was erwehnt. Selbstbestimmt klingt auf den ersten Blick hönisch, aber auf seine weise entscheidet er (eventuelhäufig wechselnd) was für ihn gut oder besser zu sein scheint.


Da hast du auch ganz recht. In seinem Fall ist es nur so, dass er neben den Schizophrenie-Medis auch eine ganze Reihe Tabletten nehmen muss, seit er vor zwei Jahren einen Herzinfarkt hatte. Es droht sonst ein neuer Infarkt. Wenn dieser Umstand nicht wäre, könnte ich die Situation sehr viel gelassener sehen.

Schizofred schrieb:Ich hoffe sehr, dass er soweit wieder zu sich findet um wahre Entscheidungen zu treffen, und vielleicht Psychoseseminare für sich entdeckt.


Was sind Psychoseseminare?


Schizofred schrieb:
Der Unterschied zwischen "Verstehen und Begreifen" entscheidet darüber ob du in dieser Situation, auch für dich selbst gut sorgst.
Sorge unbedingt gut für dich selbst.


Du hast recht. Ich tu das auch inzwischen, und dennoch fühle ich mich zur Zeit verantwortlich für sein Leben, weil er es selbst im Moment nicht geregelt bekommt. Wann wird das Leben wichtiger als die Selbstbestimmung? Schwierige Frage.
 
seestern
Heute habe ich meinen Freund in der Psychiatrie besucht. Er wurde gestern morgen von der Polizei aufgegriffen und befindet sich momentan auf der geschlossenen Station. Der behandelnde Arzt will schauen, mit welchem Medikament er Seroquel ergänzen kann.

Hoffen wir, dass er eine zündende Idee hat!
 
Andreas
Hallo Seestern,

es tut mir Leid, dass es so weit kommen musste, aber ich denke das dein Freund dort gut versorgt wird und wenn dem Arzt etwas einfällt, dass es dann deinem Freund bald wieder besser gehen wird.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
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Nase im Wind
seestern schrieb:
Hallo Jonny,

Was sind Psychoseseminare?
Wann wird das Leben wichtiger als die Selbstbestimmung? Schwierige Frage.



Hallo seestern

Es könnte noch eine ältere PDF-Datei vom Psychoseseminar Pankow, im Forum sein.

Weiter unten hab' ich das aktuelle Programm hinein kopiert.
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Ich war nie so tief in der psychose. Ein halbes Jahr der Erlebnisse in der Wohnung jeden Abend unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte mir gereicht.
Frage nicht wie ich heraus kam, das ist individuell - hatte nur Glück.

Wann wird das Leben wichtiger als die Selbstbestimmung? In der tat eine harte Überlegung. Da ich ohnehin an die Grenzen dessen gehe was in der heutigen Gesellschaft schwer akzeptiert werden kann, will ich nicht näher darauf eingehen.

Nicht das wir uns Missverstehen; Es gibt Grenzen der Selbstbestimmtheit wenn zu erkennen ist oder es so erscheint, dass jemand in Verwirrung sich aktuell einen schaden zufügt der das weitere Leben nachhaltig beeinflusst.
Lieber vorzeitig handeln als zu spät, meine ich.

Du fühlst dich verantwortlich, kann ich verstehen. Wir sind keine Fachteoretiker. Aber du machst dir auch sorgen um ihn. Da geht's ja nicht um kühle Logik, keine Frage.

Dein Freund ist jetzt in der Klinik. Dort wird er wohl etwas länger bleiben, hoffe ich. Bei Medikamentenumstellung dauerts zu meist es länger.

In seiner Situation (soweit ich es hier überhaupt einschätzen kann), ist eher so, dass, mit Medikament oder Ohne, beides ungesund ist. Da ist ein Fachmann wohl als erstes der Berater.
Wie es weiter geht hängt leider viel von deinem Freund selbst ab.

Euch beiden drücke ich die Daumen, dass nun ein Anfang sich einstellt.


Kopierter Text -
Psychose-Seminar Pankow
Wir möchten Sie zum Psychose-Seminar Pankow einladen.
— Es ist normal. verrschieden zu sein“
Das Seminar dient dem Austausch von Erfahrungen und Perspektiven über Ursachen, Verlauf und Bewältigungs mögflchkeiten von Psychosen im gleichberechtigten „Trialog“ zwischen Psychose-Erfahrenen, Angehörigen und Mitarbeiterinnen psychiatrischer Institutionen. Interessierte Bürger sind willkommen. Das Seminar wird trialogisch vorbereitet. Die Teilnahme ist unentgeltlich. Anmeldung ist nicht erforderlich.

Alle Veranstaltungen finden im Gesundheitshaus Grunowstraße 8 13187 Berlin, Raum 303,
3. Etage, jeweils mittwochs zu den Terminen, von 18.00 Uhr bis 19.30 Uhr statt.

Einführung in das Psychose-Seminar 09.09.2009
Thema am Mittwoch - Zum Beginn der Saison; Erwartungen und Ziele der Teilnehmer / Verstehen und erklären.

Sinn und “Unsinn“ von Diagnosen in der Psychiatrie 14.10.2009

Psychose als Lebenseinsicht - Krisen und Chancen 11.11.2009

Sind psychisch Kranke besonders gefährlich??
12. 05. 2010

Machen Sie sich Maßstab — Selbsthilfe für Betroffene und Angehörige
09.06.2010

Was hilft in der Psychose — Trialogischer Austausch 09.1 2.2009

Kann man Psychosen vorbeugen? 13.01.2010
Signale erkennen und verstehen

Erfahrungen im Umgang mit Psychopharmaka 10.02.2010

Psychose und das System
Familie 10.03.2010

Sitzen Psychose-Erfahrene
und Angehörige in einem Boot

Schwangerschaft und Psychose 14.04.2010
Ende dieser Saison am 14.04.2010


Ich hoffe, der ganze Text ist Lesbar weil ich ihn mit einem Texterkennungsprogramm aus einem Bild-Scan heraus kopierte.

Jonny
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
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