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Alkoholismus und schizophrenie
Anna
Hallo,
ich habe einen Freund der mir sehr nahe steht, der aber seit seinem 18-19 Lebensjahr mit Schizophrenie diagnosiert ist. Jetzt ist er seit etwa zwei Monaten aus der Klinik wieder raus nach einer erneuten Psychose (wegen persönlicher Stress ist er wieder psychotisch geworden, hat getrunken und seine Medikamente nicht mehr genommen). Er ist heute also wieder besser, trinkt aber immer noch und zieht sich sehr zurück von Familie und Freunde. Ich versuche, den Kontakt aufrechtzuhalten und kein Druck auf ihn machen, aber andererseits mache ich mich Sorgen dass er einfach alleine ist und trinkt. Es gibt gute Angebote in Berlin für Beschäftigung, Netzwerke und so weiter, er hat einiges probiert aber ist immer am Ende weggegangen.

Was ich am schwierigsten finde ist dass ich nie weiss, wenn ich was vorschlagen soll und wann nicht, wann Hilfe angebracht ist und wann nicht. Wie macht man das in einer Weise, die von ihm nicht als von oben herab und schlimmstenfalls bedrohlich empfunden wird? Gibt es hier Leute die damit Erfahrung haben?

Kann nur dazufügen dass ich nicht in Berlin wohne und nur selten zu Besuch komme und deswegen nur das Telefon oder Briefe zu meiner Verfügung haben.

Freue mich über Antwort,

Anna
 
Andreas
Hallo Anna,

ich habe leider keine Erfahrung auf diesem Gebiet der Psychose. Ich bin zwar selbst Betroffener, aber ich habe nie Alkohol zu mir genommen. Als ich meinen akuten Schub hatte, habe ich aufgehört zu rauchen, da meine Gedanken total durcheinander waren und ich nur noch in gedanklichen Gesprächen vertieft war, wodurch bei mir die Überzeugung aufkam, dass ich telepathische Fähigkeiten hätte. Was bei mir außerdem noch sehr auffällig war, ich habe kaum noch was gegessen und daher extrem an Gewicht verloren.

MfG
Andreas
 
Web
Andreas
Hallo Anna,

ich glaube meine Antwort war wohl vollkommen daneben.
Du kannst deinem Freund helfen, indem du auf ihn eingehst, ihm zuhörst und ihm eventuell Vorschläge machst, wie du eventuell in seiner Situation mit den Dingen umgehen würdest. Frage ihn, "...hast du das mal probiert?", oder sage ihm "Ich würde das Problem folgendermaßen in Angriff nehmen,...". Ich glaube dein Freund wäre dir darüber nicht böse.

MfG
Andreas
 
Web
Andreas
Hallo Anna,

ich habe mir noch folgendes überlegt, mit deinem Problem könntest di dich aber auch an den Verband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. wenden. Sie treffen sich auch in deiner Region zu regelmäßigen Gesprächen. Du bist ja auch eine Angehörige uns somit sollte das für dich auch noch ein Weg sein um Rat zu bekommen.

MfG
Andreas
 
Web
Nase im Wind
Hallo Anna,
dein Freund hat es schwer, wie auch du es auf deine weise hast.
Es gibt noch allgemeine Überlegungen und Erfahrungen mit der Individualität des Einzelnen. Helfen (Unterstützen) kann ich nur, wenn der andere diese annehmen kann. Manschmal ist einer böse auf dich, weil der nicht wahrhaben will bzw. nicht kann. Oder erfühlt sich zu recht oder unrecht gegängelt. Sein empfinden ist sein Bier, du hast deines.
Wenn du das Gefühl hast er ist gerade etwas offener, ver suche mit ihm ins Gespräch zu kommen. Ansonsten breche den Versuch am besten ab zum eigenen berechtigten Schutz, denn dann ist er nicht Aufnahmefähig, wo ist dann noch der Sinn sich selbst damit zu quälen. Unterstützen ist gut, doch darauf achten das er seine Wahl selbst trifft. Es ist seine selbstbestimmte Entscheidung.

Du musst dch auch selbst abgrenzen, denn du bist ebenso wichtig wie er u. Alle, auf dieser Welt. Hüte dich vor dem Aufopfern. Helfen wollen im Sinne, mein Weg ist der richtige, klappt nicht. Jeder hat und nimmt sich auf seine weise das Recht sich auf seinem Weg zu irren. Damit muss er selbst schließlich auch fertig werden. Für viele Angeörige ist es oft schwer umzudenken, zugestehen das jeder seinen ganz eigenen Weg gehen muss.

Ich selbst, bin äußerst allärgisch gegen ungefragte Ratschläge. Manchmal habe ich das gefühl in einem solchen Bombenhagel unterzugehen. Die meisten Ratschläger auf die ich traf, sind sich ihrer gewalttat nicht bewusst und sind dann beleidigt weil ich ihren rat ablehne. Dass ist noch mal ein Stoß in die Brust.
ich möchte dir kein schlechtes gewissen einreden, denn davon bin ich weit entfernt. es geht auch um dein eigenes Wohl. Eine Situation zu akzeptieren is nicht gleich unterlassene hilfeleistung. Es hilft oft eher. Auch dir selbst.

Eine Angeörigengruppe könnt dir zu einem eigenen besseren Lebenskonzept verhelfen. ich als Selbs-Betroffener gehe auch nicht regelmäßig in eine gruppe, doch derzeit ist sie ein gewisser halt. Dort bin ich aber nicht nur aus Not. es ist einfach auch interessant was andere für Möglichkeiten gefunden haben oder durch mich erfahen. Kannspannend sein, nur ist nicht jede gruppe die Richtige, das lässt sich austesten. eventuell erst mal in eine offene Gruppe zum hinein schnuppern. Nicht jeder jammert nur über sein Leid, ich nehme es z.T. auch an, weil ich es brauche um daran zu wachsen.
Ich war, und bin indirekt noch Angehöriger einer Betroffenen.

Jonny F.
 
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