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Antriebslosigkeit
Mona
Hallo ihr Lieben!

Ich bin neu hier und habe meine Diagnose 2005 bekommen. 2014 hatte ich wieder einen Schub und bin seitdem völlig antriebslos.

Mir scheint alles zu anstrengend.
Leider fange ich morgen einen neuen Job an, den alten habe ich auf Grund der Krankheit nicht mehr weiter führen können.
Jetzt habe ich Angst, dass mir die Anstrengungen zu viel sein könnten und ich es wieder nicht schaffe.

Ich nehme morgens und abends jeweils 3 mg Risperdal.

Hat jemand von euch das auch erlebt und überwunden? Vielleicht durch eine Medikamentenumstellung?

Liebe Grüße,
Mona
 
Andreas
Hallo Mona,

mit den insgesamt 6mg Risperdal bist du ja auch schon so ziemlich bei der Maximaldosis angekommen.
Mir ging es von 2000 bis 2008 ebenso. Ich fing 2007 mit meiner Verhaltenstherapie an und habe parallel auch angefangen eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. 2008 dann fing ich an mich "aufzurappeln". Bedingt durch das Zusammenspiel von Verhaltenstherapie, Selbsthilfegruppe und Umstellung meiner Ernährung in Verbindung mit der Umstellung von Risperdal in Tablettenform zu den Depotspritzen (Risperdal Consta) und Spaziergängen an in meiner Nähe gelegenen Seen und Parks.

Was aber dazu führte, dass es mir wieder besser ging war wahrscheinlich das gesteigerte Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Denn das war bis dahin massiv im Keller. Zudem hatte ich angefangen 2007 eine Weiterbildung per Fernschule zum Webmaster zu absolvieren. Dort hatte ich durchgängig Positiv-Erlebnisse, welche ebenso zur Steigerung des Selbstbewusstseins und des Selbstvertrauens beigetragen haben.

Ich denke mir, dass es eher das fehlende Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen ist, welches uns Betroffene so massiv beeinträchtigt, in Verbindung mit fehlenden finanziellen Mitteln bei vielen anderen Betroffenen und das damit verbundene fehlen der gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeit.

Ich denke mir, dass es für dich wichtig wäre von deiner Dosis von 6mg Risperdal am Tag wieder langsam runterzukommen.
Ich bin momentan bei 2x0,5mg Risperdal täglich. Aber es hat sehr lange bei mir gedauert und war nur durch meine Stabilisierung und Besserung meiner Gesundheit möglich.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Mona
Hallo Andreas!

Danke für deine Nachricht!
Ja ich weiß dass ich sehr hoch eingestellt bin...
das liegt daran dass ich nach der Psychose keine stabilen Verhältnisse hinbekommen habe und ich deswegen mit meiner Psychiaterin welche auch gleichzeitig meine Therapeutin ist oft über Probleme gesprochen habe, so dass sie mir öfter dazu geraten hat die Dosis zu erhöhen.

Ich bin ein Mensch der sich sehr viele Gedanken macht, um das was andere vielleicht denken könnten. Deswegen fand ich die Erhöhung auch sinnvoll, denn ich erhoffte mir dass dieses Grübeln eingedämpft wird.

Bei mir ist es echt blöd gelaufen...Nach meinem ersten Klinikaufenthalt 2005 habe ich keine Tabletten genommen, da ich dachte dass die Psychose drogeninduziert gewesen war. Ich hörte von einem auf den anderen Tag auf Drogen zu nehmen, später dann auch zu rauchen und führte 7 Jahre lang ein ganz normales Leben, bis sich die Krankheit wieder einschlich.

Ich habe mir eingeredet dass meine Eltern meinen Freund nicht akzeptieren und ich vor der Wahl stehe mich zu trennen oder die ständigen Blicke, Kommentare und Verhaltensweisen zu akzeptieren.

Wie sich herausgestellt hat gab es tatsächlich Spannungen aber wie ich im Nachhinein von meinen Eltern erfahren habe gingen die bei weitem nicht so weit, dass sie gewollt hätten dass ich mich trenne. Diese Wahrnehmung war es aber nun die den Anfang setzte für einen ständigen Zwiespalt zwischen ihm und meiner Beziehung zu meinen Eltern den ich empfand und der mich letztenendes dazu gebracht hat mich 2012 zu trennen.

Rückblickend weiß ich heute, dass ich da schon wieder die Symptome der Schizophrenie zeigte.

Es hat dann noch bis Juni 2014 gedauert bis ich in die Klinik kam, bis dahin lebte ich so vor mich hin, immer wieder mit psychotischen und normalen Gedanken gemischt.

Mein Master Studium konnte ich so nicht zu Ende bringen.

So dass ich nach meiner zweiten Psychose vor dem Nichts stand. Mit einem abgebrochenen Master Studium musste ich erstmal klarkommen.
Ich entschloss mich für die Flucht nach vorne, d.h. ich bewarb mich mit meinem abgebrochenen Studium um eine Vollzeitstelle.

Die fand ich dann auch, wurde aber finanziell ausgebeutet.
Ich kündigte nach sechs Monaten weil ich es nicht mehr aushielt und stand wieder vor dem Nichts.

Danach fand ich einen Job der mich völlig überfordert hat. Diesmal wurde ich krankgeschrieben und von Unternehmensseite her gekündigt.

Die Zeiten der Arbeitslosigkeit, obwohl sie nie nur jeweils drei Monate lang waren, waren für mich echt schwer da ich nach kürzester Zeit nicht mehr normal am Leben teilgenommen habe. Ich schlief bis spät nachmittags und fühlte mich stimmungsmäßig nicht in der Lage dazu mich mit Freunden zu treffen. Ich hatte immer die Befürchtung nichts zu erzählen zu haben...

Heute muss ich sagen dass die Stelle die ich jetzt gefunden habe ein Glückstreffer ist, es scheint alles zu passen, so dass ich langsam wieder neuen Lebensmut und Selbstvertrauen schöpfe.

Das mit dem Antrieb und dem Aufstehen klappt auch erstaunlich gut, obwohl ich so manches Mal wenn um fünf Uhr der Wecker klingelte gerne noch ein zwei Stunden weitergeschlafen hätte...

Alles in allem hoffe ich, dass meine Energie erhalten bleibt und sich vielleicht noch etwas steigert.

Ich denke das braucht Zeit, Kraft und ein Quäntchen Glück!

Denn die glücklichen Umstände im Leben, so wie mein neuer Job, sind es die uns wieder Kraft schöpfen lassen.

So jetzt habe ich aber ziemlich viel geschrieben...
Ich bin froh dass es dieses Forum gibt und man sich hier austauschen kann, danke dafür!

Liebe Grüße
Mona
 
Valentina
Hallo Mona,

also ich hab meine Jobs damals (2014) auch aufgrund der Erkrankung verloren und hatte nach meinem Klinikaufenthalt nicht mehr genug Selbstvertrauen, um nochmal eine Beschäftigung aufzunehmen und womöglich wieder zu scheitern. Deshalb mache ich demnächst eine berufliche Rehabilitation. Vielleicht wäre das auch etwas für dich? Es ist allerdings ziemlich zeitaufwendig, bis die bewilligt wird. Erst wird ein ärztliches Gutachten erstellt, dann wird das ganze an die Reha-Abteilung der Agentur für Arbeit weitergegeben, dann wird noch ein Gutachten erstellt (dieses geht allerdings etwas schneller). Übrigens: Mir geht es auch so, dass schnell etwas anstrengend wird, allerdings bin ich andererseits auch ständig unruhig und muss etwas tun.

Viele Grüße, Valentina
Bearbeitet von Valentina am 29.02.2016 16:48
 
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