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Was ist zu tun?
ZLUM
Hallo an alle hier,

mein Mann hat seit 25 Jahren die Diagnose Paranoide Schizophrenie.
wir sind seit fünf Jahren verheiratet und in dieser Zeit habe ich nur einen Schub mitgemacht, der in der Klinik endete und mit Stimmen hören begann.

Seit vier Wochen jedoch erlebe ich einen Albtraum. Ich erfuhr von seiner Familie, dass diese Art Schub bereits 12 Mal vorkam, meistens, weil er seine Tabletten nicht nahm.

Von einem Tag auf den anderen habe ich einen völlig anderen Ehemann.
Begonnen hatte es, als er beschloss, sein Leben gänzlich zu ändern. Arbeit wäre das wichtigste. Er hatte ein hoch bezahltes Jobangebot, dass er nach 14-tägigem Überlegen jedoch ablehnte. Ab dem Tag begann er mit übermenschlichem Aktionismus irgendwie alles zu ändern und die Worte Arbeit, Geld und Alles wird anders, aber schöner schwirrten von da an durch die Zeit.

Er schlief kaum noch, räumte nachts Regale aus, sass früh morgens auf dem Balkon und trank Rotwein. Es wurde immer schlimmer bis ich eines Tages ängstlich bei meiner Freundin übernachtete. Er verhielt sich von nunan mir gegenüber gleichgültig, als gäb es mich gar nicht. Wir hatten eine wirklich glückliche Ehe, er war sehr stolz darauf, wie wir zusammen lebten und arbeiteten. Sein Aktionismus und sein Eifer wurden immer extremer. Bald war kein normales Wort mehr mit ihm zu wechseln und es begannen ganz schlimme verbale Verletzungen. Nie zuvor hätte er so zu mir gesprochen, dass er überhaupt so Worte jemals benutzen würde, hätte ich nie gedacht.
Eines Tages schnitt er alle Bäume im Garten runter. Zwei Tage später räumte er alle Möbel aus dem Nachbargarten in unseren und zertrümmerte alles, was sich im Nachbargarten befand, da er ihn hässlich fand.
Am darauffolgenden Wochenende war die Wohnung ein Schlachtfeld, er schmiss fiel kaputt und weg, "sortierte" aus. Einen geliebten Schaukelstuhl seines Vaters schmiss er im Flur die Treppe runter.

Letztendlich haben Polizei und Notarzt in die Psychiatrische Klinik gebracht. Der Richter jedoch konnte einer Zwangseinweisung nicht zustimmen, da er keine Gefahr für sich und andere nachweisen konnte. Er blieb dann freiweillig vier Tage, um sich ein wenig zu erholen, wie er sagte. Seine Medikamente, die er abgesetzt hatte, nahm er, zumindest in der Klinik wieder. Die Dosis wurde nicht erhöht. Bereits in der Klinik merkte ich, dass er noch nicht aus der Psychose raus war, der Arzt jedoch hatte keine Handhabe ihn gegen seinen Willen weiter zu behandeln.

Und nun geht das alles weiter. Wird schlimmer. Er ist nun "Künstler", hat unendlich viele Facebookfreunde in aller Welt. In interessiert seine alte Welt nicht mehr, er beleidigt alle, die sich um ihn sorgen. Und zwar auf eine Art und mit Worten, die keiner je aus ihm vermutete. Nur, wenn es drauf ankommt, spricht und schreibt er "normal".

Mittlerweile hat er wieder ein wenig randaliert, Bilder von der Wand gerissen, liebenswertes von mir in den Müll geschmissen. Fühlt sich plötzlich nicht mehr an mich gebunden, will die Scheidung.

Ich war überall, wo ich nur Hilfe bekommen kann. Alle sagen, er muss in die Klinik und braucht seine Medikamente, sonst muss erst schlimmes passieren, bevor das alles aufhören kann.

Seine ganze Familie, die das nun seit Jahren kennt, ist besorgt, wohlweislich, dass man wieder auf etwas "Schlimmes" warten muss.

Ist es Zeichen dieser Krankheit, dass man so in das andere Extrem rutscht, ver-rückt? Und wie lange kann der Mensch so im anderen Ich leben, ohne dass die Belastung zu groß wird? Und können es Stimmen sein, die ihm diese ganzen Dinge befahlen?

Keiner kommt mehr an ihn ran, es sei denn, man verhält sich als nicht Erkennender und steht sozusagen auf seiner Seite. Ich jedenfalls, als sein wichtigster Gefährte, bin aussortiert, existiere nicht mehr.

Was ist zu tun?
Und vor allen Dingen, was wird passieren?

Herzlichen Dank an alle, die mir hier antworten können.
Meine Kraft ist ziemlich am Ende.


LG
b.
 
Andreas
Hallo Zlum,

ich kann mir vorstellen, dass das was du gerade durchmachst die reinste Hölle für dich ist.
Und wie dir auch schon andere sagten, so lange er dir oder anderen keine Gewalt antut, oder sich selbst, kannst du nur zusehen. Vielleicht hast du die Möglichkeit bei Freunden oder Verwandten eine Zeit lang unterzukommen, damit du aus der "Schussbahn" bist.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
ZLUM
Danke Andreas für Deine Antwort.
Inzwischen war er fort und ich habe bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Seine Schwester war so sehr in Sorge, weil er bereits drei Mal in so einer Phase einen Suizidversuch unternommen hatte.

Die Kriop hat ihn gefunden. Er wollte nicht, das jemand erfährt, wo er sich befindet. Er braucht diesen Rückzugsort und seine Ruhe.
Seine Familie sagt, so war es immer. Er verschwindet dann, dann hört der Aktionismus auf und es passierte immer etwas eskalierendes: Entweder er unternahm den Suizidversuch, wo er aber immer gerfunden werden wollte, oder ihm passierte etwas wie ein Unfall. Im Nachgang kam er dann immer in die Klinik. Dann kam eine lange Zeit der Depression.
Weil er Schuld- und Schamgefühle nicht aushielt.

Kann sich denn der "Austritt" aus der Phase nur so entladen?
 
Bluemchen
Hallo, Nein natürlich nicht.

Es gibt verschiedene Menschen,verschiedene Ausprägungen der Krankheit und verschiedene Beendigungen eines Schubes.

Das Problem bei Deinem Mann KÖNNTE mangelnde Krankheitseinsicht sein, wenn sich dasselbe Muster immer wiederholt. Doch Einsicht kann man nicht erzwingen oder verschenken. Dein Mann muss sie erwerben, Erlangen. Dann kann es möglich sein mit Hilfe von Frühwarnsymptomen einen Schub abzufangen.

Es gibt geteilte Meinungen darüber ob ein Schub mit Tabletten zu unterdrücken besser ist, als ihn auszusitzen. Wobei sich natürlich die Frage stellt, wie ein Ausitzen aussieht,auSsehen kann und welche Hilfe man dabei bieten kann.

Solange dein Mann weder für andere noch für sich eine Gefahr darstellt kann er keiner wie auch immer gearteten Zwangsbehandlung unterzogen werden.

Sicher geht ein Schub mit und ohne Behandlung nicht spurlos an dem Erkrankten vorbei. Depression ist häufig die Folge eines Schubes.

Das ist mein bescheidener Kennntnisstand zum Thema, der keinen Anspruch auf Gültigen erhebt.
 
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