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Hilfe wie kann ich ihm helfen
Sonnenblume31
Hallo,
ich suche Hilfe wie ich meinem Freund helfen kann.
Es wurde bei ihm eine paranoide Schizophrenie festgestellt.
Wir sind seit über 5 Jahren zusammen, alles lief soweit gut. Wir wohnen seit Januar zusammen, ab Mai sollte er nach seinem BWL Studium und einer längeren Pause mit Arbeitslosigkeit seine Arbeit anfangen.
Am 16. April fingen die Symphtome plötzlich wie aus dem Nichts an. Vorher gab es nie Anzeichen.
Er rief mich an, ich solle schnelll kommen, er wird verfolgt. Am Anfang schob er es noch auf seinen nächsten Vorgesetzen, bei dem er ein Praktikum absolvierte. Dieser hätte sich ihm gegenüber die ganze Zeit komisch verhalten und jetzt will er ihm was böses. Leider hörte der Verfolgungswahn nicht auf. Alle Autos die uns begegneten , meist mit dunklen Scheiben, folgten ihm und verhielten sich seltsam, auch in Spaziergängern, die uns begegneten oder auch weiter weg waren, sah er böse Absichten. Er bezog alles auf sich und hatte eine sehr große Angst, das ihm was passieren könnte, und "Die" es auf ihn abgesehen haben. Alle Gespräche, die er mithörte bezog er auf sich selbst. Er hörte auch Stimmen, die garnicht da waren. Nachts waren Menschen vor dem Fenster, Es wurde immer schlimmer, bald schon bezog er auch Mitteilungen aus Radio und Fernsehen auf sich selbst und meinte es wären versteckte Botschaften. Wir schickten ihn schon bald zum Arzt. Dieser gab ihm zuerst Johanniskraut aber als er merkte, dass es schlimmer wurde auch schon bald stärkere Arzneimittel gegen Angststörungen. Als mein Freund dann anfing, dass die Leute komische Sachen reden im Fernsehen, total abehackte Sachen die keinen Sinn ergaben und auch zu mir meinte ich würde ja auch nur noch wirres Zeug reden und er ja nicht wüsste ob ich nicht auch auf DEREN ihrer Seite war hab ich mir große Sorgen gemacht. Samstag Abends waren wir dann bei Freunden grillen. Alles lief soweit gut. Er kümmerte sich auch um das Fleisch auf dem Grill. Beim Essen wurde er auf einmal still , ging zum Brotmesser und schnitt sich vor meinen Augen mehrere Male ins Handgelenk. Die anderen wussten natürlich von nichts, reagierten aber super, da auch ein Rettungssanitäter dabei war. Schließlich erzählte ich ihnen alles und wir brachten ihn in das Krankenhaus. Er war zuerst paar Tage in der geschlossenen und jetzt aber wieder in der offenen. Auf die Frage warum er das gemacht hat hat er gesagt, wir hätten schlecht über ihn geredet und ihn ausgelacht und im Radio kam dann das Lied lets do it , do it, do it, und dann hat er es gemacht. Mein "alter" Freund hätte das NIE IM LEBEN gemacht. Er ist nicht mehr wie vorher. Er ist eigentlich total friedlich und würde niemandem was zu Leide zun.
Wie auch immer, jetzt ist er in der Klinik und ich bin sehr froh, dass er dort ist und ihm geholfen wird. Momentan kann man ganz normal mit ihm reden. Er bekommt Medikamente. Allerdings wirken diese noch nicht so gut. Er denkt immer noch, dass er verfolgt wird und ihm jemand was böses will, da er denkt jemand hat sich in sein Gehirn eingeloggt und will ihn ganz verwirren. Er kann keine Bücher lesen, alles ist noch verzerrt, er bezieht alles auf sich, alles findet er total komisch, als wir spazieren gingen, wunderte er sich, warum jetzt gerade ein Auto anhält, warum da jetzt gerade jemand aussteigt, warum bekommt er Latte Macchiato in einem Glas und nicht in einer Tasse wie immer, warum kommt gerade jemand zur Tür rein, wenn wir über ihn gesprochen haben, Zufälle, die man als gesunder Mensch überhaupt nicht wahrnimmt, belasten ihn und er bezieht alles auf sich selbst.
Die Ärztin meint er müsste noch ca. 3-4 Wochen in der Klinik bleiben und es würde weggehn mit den Medikamenten. Es könnte sein, dass noch ein paar Stimmen da sind, aber das würde er lernen zu unterscheiden ob diese real sind oder nicht. Sie meinte er könne dann auch wieder arbeiten. Dies bezweifle ich noch stark, aber hoffe doch auch, ,dass bald wieder alles in Ordnung ist. Man liest ja auch viel, dass einige danach Erwerbsunfähig sind, oder es Rückfälle gibt wenn man die Medikamente nicht regelmäßig nimmt. Das ist nur so gruselig und echt krass, dass einem das einfach so passieren kann, meistens denkt man ja, jemandem dem das passiert hat zuviel Alkohol getrunken oder sich das Gehirn mit Drogen kaputt gemacht, aber dass dies auch einfach so durch Stress oder auch Vererbung geschieht ist echt gruselig.
Hat jemand Erfahrung wie ich meinem Freund helfen kann und ihm glaubhaft machen kann, dass die Stimmen nicht existieren und dass ihm niemand was böses will? oder muss man einfach warten bis hoffentlich die Medikamente bald wirken? Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
 
Andreas
Hallo Sonnenblume,

ähnlich wie bei deinem Freund war es bei mir auch. Ich dachte jemand wolle mir einen Mord anhängen, die Polizei wäre hinter mir her, die Maffia wäre hinter mir her.

Die Geschichte mit dem Mord fing erst in der Klinik bei mir an, da ich ein Taschentuch mit merkwürdigen Flecken drauf in meiner Hosentasche fand. Erst als meine Eltern bei mir in der Klinik waren, hatte sich dieser Gedanke geklärt, da meine Mutter mir sagte, dass dies ein Taschentuch meines Vaters war.

die Gedanken mit der Polizei und der Maffia haben sich von allein gelegt, ohne Gespräche.

Aber die Tatsache dass eine Schizophrenie allein wegen Stress entstehen kann, so war es bei mir auch, zeigt einem, dass man sich nie sicher sein kann, dass einem selber so etwas nicht passieren kann.

In einem Zeitungsinterview vor einigen Jahren äußerte sich ein Psychiater so "Wenn der Druck hoch genug ist, geht jeder in die Knie.". Dieser Aussage kann ich uneingeschränkt zustimmen.

Helfen in dem Sinne wirst du vielleicht deinem Freund nicht können, aber du kannst für ihn dasein, ihm zuhören und vielleicht ihm deine Perspektive seiner Gedanken darstellen, ohne darauf zu bestehen, dass deine Ansicht die richtige ist.
Es ist viel, sehr viel Sensibilität notwendig, damit deinem Freund geholfen werden kann. Nicht nur allein von dir, auch seine Ärzte und Therapeuten sollten möglichst sensibel mit ihm umgehen und auch verständnisvoll.
Deine Freund macht im Moment, so habe ich es bei mir empfunden, einen Höllen-Ritt durch.
Gerade in einer psychiatrischen Klinik wird man mit so herzzerreißenden Schicksalen konfrontiert, dabei hat man selber mit sich zu kämpfen, dass der Aufenthalt meistens als sehr belastend empfunden wird.

In diesem Sinne, dein Freund braucht dich, sei "einfach" für ihn da.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
lisa167
Hallo Sonnenblume,
ich kann mich nur Andreas anschließen. Du bist für ihn die größte Hilfe, wenn du einfach nur für ihn da bist.
Was die weitere Arbeit von deinem Freund betrifft, das kann man im Vorfeld nicht sagen.
Ich habe mich viel mit Betroffenen unterhalten, welche seit mehreren Jahren diese Erkrankung haben und ein ganz normales Leben führen, aber genauso gibt es natürlich die Kehrseite
Ich wünsche dir und deinem Freund ganz viel Kraft
lg Lisa
Denk daran, es gibt immer schlimmeres
 
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