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Was soll ich nur tun?
lena
Hallo,
leider habe ich bisher keine Antworten auf meinen Eintrag bekommen. Vielleicht lag es an der etwas verwirrten Schreibweise meinerseits.
Ich bin oft so durcheinander, weil meine Gedanken sich ständig nur im Kreis drehen.....
Ich versuche es heute noch einmal.

Mein Sohn bekam mit 17 Jahren seine Diagnose Schizophrenie. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde diese durch seinen übertriebenen Konsum von Cannabis hervorgerufen.
Wegen Verfolgungswahn und Stimmen hören, kam er mit Beschluss in die Psychiatrie.
Krankheitseinsicht gleich null, Kiffen wollte er auch nicht aufgeben. So wurde er nach einigen Wochen entlassen, weil nicht therapierbar.
Seine Medis hat er sehr bald abgesetzt, weiterhin gekifft und alles ging weiter abwärts.

Ein Jahr später folgte der 2. Klinikaufenthalt, dieses Mal mehr oder weniger freiwillig. Nach 8 Wochen Entlassung, immer noch keine Krankheitseinsicht, darum auch keine weiteren Therapien, bis auf die medikamentöse mit Zyprexa. Er begann eine Lehre, und bis auf das Kiffen, von dem er immer noch nicht lassen wollte, lief alles relativ gut.
Nach einer Weile setzte er aber wieder die Medis ab und es kam wie es kommen musste....

Irgendwann stellte sich immer öfter Größenwahn ein, und zunehmend kamen Selbstmordgedanken dazu. Verfolgungswahn war sowohl bei der 2. wie auch der derzeitigen Episode nicht vorhanden.
Er konnte durchaus 1-2 Tage "normal" sein, mit größenwahnsinnigen Gedanken, aber ansprechbar. Doch wie aus dem Nichts erstarrte er plötzlich und redete ohne Unterlass von Verschwörung, Rettung der Welt (durch ihn), und vor allem immer wieder von Suizidgedanken.
Mit dem Cannabiskonsum hat er dann (vor ca. 8 Wochen) aufgehört, weil ihm das nicht gut tun würde.

Ich war ständig im Gespräch mit ihm, um ihn zu überzeugen, sich behandeln zu lassen. In ganz kleinen Schritten ging es Richtung Erfolg diesbezüglich.
Wenn nur die ständigen Drohungen des Selbstmordes nicht gewesen wären. Ich besprach das mit seinem Betreuer, und auch der SPD wurde eingeschaltet. Leider zeigte mein Sohn bei diesen Personen ein sehr schlechtes Benehmen, mit Beschimpfungen, Beleidigungen etc. Sein Betreuer beantragte daraufhin die erneute Einweisung.

Er ist nun seit 3 Wochen in der Klinik, seit 2 Wochen bekommt er Medikamente, aber sein Zustand verschlechtert sich.
Weiß hier jemand, ob es eine Erstverschlimmerung auf die Medikamente gibt? Oder kann sich durch den Schock der Zwangseinweisung die Psychose noch verschlimmert haben?

Seit er ihn der Klinik ist, redet er fast nur noch von seinen Theorien, und seit 5 Tagen hat er sogar eine weibliche Stimme im Kopf, die von einem anderen Planeten kommt und ihn hier bald wegholen wird.

Leider erzählt er diese Dinge nicht seiner Ärztin, sondern nur mir. Er meint ich wäre die Einzige, die ihn verstehen könnte, weil ich im Grunde ebenso denken würde wie er.
Seiner Ärztin will er es nicht sagen, denn sonst sagt diese er hätte eine Psychose.....

Nun haben wir in 3 Tagen ein Familiengespräch, indem die Ärztin ergründen will, warum er zum Beispiel seine Suizidgedanken immer nur bei mir geäußert hat. Sie hat mir gegenüber gesagt, sie würde meinen Sohn als netten, jungen Mann sehen, und versteht nicht, warum er bei mir den "Kranken mimt"..... Ich solle meinen mündigen Sohn loslassen....

Ich täte nichts lieber als das!!! Hätte er schon eine eigene Wohnung, einen Führerschein, Arbeit, würde mir das definitiv auch leichter fallen. Aber er hat ja leider noch gar nichts in Richtung Selbstständigkeit getan.

Am meisten zermatere ich mir den Kopf über dieses Gespräch in 3 Tagen. Darf ich der Ärztin von der Stimme im Kopf meines Sohnes erzählen? Ich finde sie müsste das wissen, aber ich möchte das Vertrauen meines Sohnes nicht missbrauchen. Er hat sowieso schon große Schwierigkeiten den Menschen zu vertrauen, was bei dem was er hinter sich hat auch kein Wunder ist.

Ich weiß nicht was ich tun soll und wäre wahnsinnig dankbar, wenn mir jemand einen Rat geben könnte.

Viele Grüße
lena
Bearbeitet von lena am 10.03.2015 10:49
 
Rose1902
Hallo Lena,
ich habe deine Zeilen mit Interesse verfolgt. Die Geschichte deines Sohnes gleicht der von meinem Sohn. Er ist 28 Jahre, hat auch sehr viel gekifft und hat ebenfalls eine Trennung der Eltern mitgemacht. Allerdings hab ich ihn großgezogen und mein Ex-Mann hat sich kaum noch um ihn gekümmert. Mein Sohn will auch die Welt verbessern, hat allerdings auch Wahnvorstellungen und Verfolgungswahn. Im Gegensatz zu deinem Sohn spricht er mit jedem darüber.

Allerdings muss ich sagen, was ich bisher herausgefunden habe ist, dass kein Fall mit dem anderen identisch ist. Jeder lebt seine Schizophrenie anders aus. Schließlich ist ja auch jeder Mensch ein INdividuum. Von unter Kontrolle haben, kann man aber sicher nicht sprechen. Dein Sohn vertraut sich nur nicht jedem an.
Wieweit er jetzt in seiner Krankheit angekommen ist und was noch kommt, kann man leider auch nicht vorraussagen. Ich weiss nur, alles fängt irgendwann einmal mit der beginnenden Krankheitseinsicht an. Wenn man diese Hürde genommen hat, ist man schon ein Stückchen weiter. Aber das ist oft ein langer und beschwerlicher Weg. Ich versuche alles meinen Sohn da irgendwo hin zu führen. Danach hat man wohl mit geeigneter Behandlung die Symphtome weitgehend im Griff.
Mein Sohn ist jetzt seit 3 Jahren psychotisch. Ich kann ihm nur meine HIfe anbieten und immer für ihn da sein, aber den größten Schritt seine Krankheit zu akzeptieren und an der Besserung aktiv mitzuarbeiten, den muss er allein bewältigen.

Ich wünsch dir viel Lück und Kraft für den weiteren Weg. Liebe Grüße, Rose1902
 
lena
Hallo Rose,
vielen Dank für deine Antwort. Ich habe mir deinen Beitrag auch durchgelesen. Unsere Geschichten sind sich wirklich sehr ähnlich. Ich fürchte, uns wird nichts anderes übrig bleiben, als für unsere Söhne da zu sein und zu hoffen, dass sie irgendwann einmal die Krankheit ein- bzw. annehmen.

Ich weiß bei meinem nur leider nicht, wie es nach dem Klinikaufenthalt weiter gehen soll. Sein Vater will ihn keinesfalls wieder zu Hause aufnehmen. Ich selber wohne in einer kleinen Singlewohnung und kann ihn auch nicht zu mir nehmen, jedenfalls nicht auf Dauer. Ausserdem fürchte ich, dass ich dabei selber den Bach runter gehen würde....

Bleibt nur eine Wohngruppe. Aber wie würde er mit dieser Situation klar kommen? Am liebsten wäre mir, wenn er direkt von der Klinik aus in eine Reha gehen würde, damit er erstmal sein Leben auf die Reihe bekommt. Aber auch das muss er wollen.... nicht ich.

Hast du schon mal eine Selbsthilfegruppe für Angehörige besucht? Ich überlege immer wieder, ob das Sinn macht. Bisher konnte ich mich nicht dazu durchringen, weil ich Angst habe, dass mich ein Besuch dort noch mehr runter zieht.
Ich bin ein sehr positiv denkender Mensch, und glaube immer fest daran, dass sich ganz bald alles zum Guten wenden wird (seit fast 3 Jahren.... ha, ha). Ginge ich nun zu einer Selbsthilfegruppe und höre dort, dass mir noch zig sorgenvolle Jahre bevorstehen, macht es das auch nicht besser.

Bevor wir am Donnerstag unser Familiengespräch in der Klinik haben, habe ich selber auch einen Termin bei einer Psychologin. Vielleicht kann sie mir ja ein wenig weiter helfen.

Ich wünsche dir auch ganz viel Kraft und deinem Sohn Einsicht!

Liebe Grüße
Lena
 
Rose1902
Hallo Lena,
danke für deine Zeilen. Deine Frage wegen dem Aufenthalt deines Sohnes nach dem Klinikaufenthalt kann ich nur dahingehend beantworten, dass es sich wohl positiv auf die Erkrankung auswirkt, wenn er eine eigene Wohnung , z. B. durch betreutes Wohnen oder auch eine WG bewohnt, da die Selbstständigkeit so gefördert wird. Eine Reha ist aber mit Sicherheit auch nicht schlecht. Mein Sohn hat schon länger eine eigene Wohnung und kommt damit gut zurecht. Ausserdem hat er auch so einen Ort, wo er sich zurückziehen kann, wenn ihm alles zu viel wird.

Wenn du erwägst in eine Selbsthilfe - Gruppe zu gehen, so kann ich dir das nur empfehlen. Es tut gut, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, auch wenn man auch mal nicht so gute Nachrichten mitbekommt. Aber so ist man auch vorgewarnt. Leider hab ich keine Gruppe speziell für Schizophrenie gefunden in meiner Nähe. Deswegen bin ich hier im Netz. Ich habe auch schon überlegt in dieser Sache mal einen Hilfe vom Psychologen für mich anzunehmen. Aber zur Zeit fange ich das noch auf, den Rest machen gute Freunde und dies
Selbsthilfe-Netz hier. Allerdings hab ich mir auch Bücher über Schizophrenie bestellt, damit ich meinen Sohn besser verstehen kann. Von der Familie kommt leider wenig Hilfe. Wie sieht das bei dir aus?

Liebe Grüße und bis bald. Wäre schön wenn wir in Verbindung blieben.
Rose1902
 
lena
Hallo,
kann mir hier irgendjemand einen Rat geben, wie ich mit der Stimme die mein Sohn im Kopf hat umgehen soll?

Bei unserem Familiengespräch hat er auf meinen Anstoß hin auch der Ärztin davon erzählt. Sie ist eine Göttin von einem anderen Planeten und wird ihn zu sich holen. Dort wäre er unsterblich. Wenn er nicht mitkommt, wirft sie den Mond auf die Erde und das bedeutet den Weltuntergang.
Er tut was sie sagt. Hat seinen Bart abrasiert, trinkt keinen Kaffee mehr, weil Koffein schädlich ist, und nun soll er aufhören zu rauchen. Das setzt ihn zunehmend unter Druck, denn er will, kann aber nicht. Das kann wohl jeder Raucher nachvollziehen, vor allem in der Lage in der er sich zur Zeit befindet ist an Rauchen aufgeben wohl gar nicht zu denken.

Seine Ärztin war sichtlich geschockt von seiner "neuen" Seite. Soooo hat sie ihn noch nie erlebt. Sie glaubt aber immer noch, dass sich sein Verhalten auf eine innere Wut (wegen der Trennung seiner Eltern) auf mich bezieht. Darum würde er bei mir den kleinen, kranken Jungen darstellen, und wenn ich nicht da bin würde er sich als erwachsener, höflicher, junger Mann geben.

Ihr Rat war, dass ich mir seine "Geschichten" nicht mehr anhören soll. Wenn er davon anfängt soll ich sagen ich will nichts davon hören. Geht es weiter, soll ich den Besuch beenden.

Ich bin keine Expertin, aber die Stimme quält ihn. Ist es wirklich ratsam überhaupt nicht darauf einzugehen? Ich habe bisher versucht ihm zu sagen, das die Stimme nur in seinem Kopf wäre und ihn deshalb bestimmt nicht holen wird. Er würde glauben, dass sie auf einem Planeten wohnt und ein Ufo hat, aber ich glaube nicht daran.
Ich gehe bedingt auf ihn ein, versuche aber immer wieder das Gespräch in eine neutrale Richtung zu lenken oder ihn mit Spielen abzulenken. Sehr oft gelingt mir das auch.

Ich will nicht seine Therapeutin sein, aber zur Zeit hat er keinen anderen Menschen der ihm zuhört.

Bitte, bitte gebt mir einen Rat!!!

LG Lena
 
Andreas
Hallo Lena,

das die Stimmen, die dein Sohn hört ihn dazu bringen wollen gesünder zu leben, ist grundsätzlich nichts schlimmes. Wenn diese Aufgaben deinen Sohn aber zu sehr zusätzlich belasten, wäre vielleicht das Netzwerk Stimmenhörer (NeSt e.V.) unter http://www.stimme... eine Anlaufstelle für ihn.

Mehr kann ich dir zu diesem Thema nicht sagen.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
lena
Hallo Andreas,

vielen Dank für den Hinweis.

LG Lena
 
boing
Hallo Lena.

Ich bin selber Betroffener. Ich hatte meinen ersten beiden Schübe 1993 und 1994. Meinen letzten Schub hatte ich 2013.

Es ist nur meine persönliche Meinung, mit der ich vielleicht falsch liege: Aber ich glaube nicht, dass dein Sohn dir den kranken Jungen vorspielt um die Trennung unterbewußt dir heimzuzahlen.

Ich bin eher der Meinung, dass dein Sohn tatsächlich diese Ideen hat und sie einfach nur Vertrauenspersonen erzählen möchte. Da er keine Vertrauen zu der Ärztin hat, verschweigt er diese Ideen.

Ich persönlich finde es gut, sich auch mit den psychotischen Inhalten auseinander zu setzen, was aber für dich selbstverständlich sehr anstrengend ist. Vielleicht liege ich da verkehrt, aber was ich meine bei dir raus zu lesen ist, dass du deinem Sohn nicht offen genug sagst, wie absurd du diese Ideen findest. Dass du zwar seine Gedankengänge verstehst, aber die für dich nicht akzeptieren kannst, dass du sie als vollständig für nicht Real hälst. Das du hier offen deinen Sohn mit seiner realitätsfremden Ansichten konfrontierst.

Gefahr besteht dabei allerdings, dass dein Sohn auch das Vertrauen in dich verliert. Persönlich glaube ich aber, dass dadurch deinem Sohn erheblich einfacher ermöglich wird, eine Einsicht in seine wahnhaften Ideen zu finden.

Die andere Möglichkeit ist sicherlich, jedes Gespräch über solche Dinge mit ihm abzublocken. Ihm zu zu hören und nicht deutlich darauf hin zu weisen, dass du diese Ideen für nicht zur Realität gehörend empfindest, könnte dagegen deinen Sohn nur noch in seinen realitätsfremden Ansichten bestärken. (Aber vielleicht unterstelle ich dir da was, was so nicht passiert. Wenn dem so ist, sorry Smile ). Das sollte so geschehen, dass auch bei deinem Sohn ankommt, dass du seine Ideen für nicht Real hälst. Auch dass kann sehr anstrengend sein, bis das bei ihm angekommen ist.

Und sorry an Andreas: Von dem Netzwerk Stimmenhörer halte ich für Psychotiker / Schizophrene nichts. Hier besteht nur die Gefahr, dass die Ideen, die nicht zur Realität gehöre, nur noch verstärkt werden. Auch das ist meine persönlich Meinung, die hoffentlich gestattet ist.?

Gruß (ebenfalls) Andreas Smile
 
lena
Hallo Andreas,

danke für deine Sicht der Dinge.
Ich sage meinem Sohn schon länger wie Realitätsfremd seine Gedanken sind. Anfangs war ich noch sehr zaghaft damit und habe immer betont, dass das nur seine Gedanken sind und ich das anders sehe. So hatte ich es in vielen Ratgebern für Angehörige gelesen....

Mittlerweile bin ich aber dazu übergegangen ihm deutlich zu sagen, dass es nichts mit der Realität zu tun hat was er redet. Das es all die Dinge nicht gibt, bzw. sie nicht möglich sind.

Traurig finde ich, dass er die Therapien in der Klinik ablehnt, weil sich das ja nicht lohnen würde, denn er wird ja bald von seiner "Göttin" mit dem Ufo abgeholt. Am 2.4. um 20 Uhr ist es so weit.

Bis dahin wird er nichts anderes tun als abwarten. So viel verschwendete Zeit.... :-( .... und das nun schon seit 5 Wochen.

Ich habe ihm gesagt: Es wird dich niemand holen! Es gibt keine Ufos, Leben auf einem anderen Planeten ist nicht möglich. Und SIE hast du nur im Kopf.

Aber er weiß es leider besser....

Wann kam denn bei dir eine Krankheitseinsicht? Hast du auch Stimmen gehört?

LG lena
 
boing
Hallo Lena.

Ich hatte auch so verrückte Ansichten. Unter anderem war ich felsenfest der Meinung, dass mein Herz durch ein Kunstherz ersetzt worden sei etc. Unterhalten habe ich mich in Gedanken auch mit eingebildeten Personen, dh. ich habe Stimmen gehört. Längere Zeit nach dem akuten Schub hatte ich immer noch laute Gedanken, wobei ich klar erkannt habe, dass es meine Gedanken waren, die aber zum Teil unsinnig waren. Mitlerweile habe ich keine besonders lauten Gedanken mehr.

Ich hatte 1993 und 94 meine ersten beiden Schübe. Dann habe ich 10 Jahre lang brav meine Medikamente in hoher Dosis genommen ohne das ich einen Schub hatte. Die nächsten 10 Jahre habe ich immer weiter die Medikamente reduziert mit dem effekt, dass ich immer wieder kleinere psychotische Schübe hatte. Bis ich 2013 dann einen sehr lang gezogenen psychotischen Schub hatte.

Ich würde sagen nach dem 2. Schub 1994 hatte und habe ich Krankheitseinsicht, in der Form, dass ich einsichtig war, jederzeit einen solchen psychotischen Schub ohne Medikamente entwickeln zu können. Seit dem letzten Schub 2013 meine ich noch eine tiefere Einsicht gewonnen zu haben. Für mich war und ist es teilweise schwierig zu akzeptieren, dass man so einen Stuß denken kann. Für mich ist es schwierig sich zu reflektieren und zu hinterfragen, ob das was man denkt tatsächlich sein kann. Noch vor dem Schub 2013 war so ungefähr die unterbewußte Einstellung: An allem was ich denke muss irgendwas richtig sein.

Jetzt nach dem Schub zurückblickend auf die 20 Jahre zuvor habe ich auch kleinere psychotische Ideen erkannt, die ich in den vermeintlich gesunden Phasen hatte und so nie hinterfragt hatte.

Insgesamt unterdrücken die Medikamente nur die Syntome, eine Heilung erreichen sie nicht. Nimmt dein Sohn die verordnete Dosis an Medikamenten? Mit wundert, dass dein Sohn nicht aus seinen Wahnvorstellungen herausfindet, wenn er die Medikamente nimmt. Ist die Dosis vielleicht zu gering? (wobei in Psychiatrien eigentlich meinen Erfahrungen nach mit zu Hohen Dosen eingestiegen wird). Bei mir haben die Medikamente immer dazu geführt, dass ich mich aus meinen Wahnvorstellungen lösen konnte. Vielleicht kannst du die Ärztin von deiner Sicht überzeugen, dass dein Sohn wahnvorstellungen hat und sie ihr nicht mitgeteilt werden, weil dein Sohn der Ärztin nicht vertraut.

Ich komme jetzt mit einer sehr geringen Dosis an Medikamenten aus. Das ist aber nur möglich geworden, weil ich durch die Verringerung der Dosis immer wieder kleinere psychotische Phasen hatte und ich meine, dass ich dadurch unterbewusst gelernt habe, mit dem Problem umzugehen. Ich kann nicht genau benenne was das ist. Ein Kinderarzt meinte mal zu meiner Mutter: "Ein Köper in Watte gepackt kann nicht ausheilen" und so sehe ich es eigentlich auch mit der Psyche "Ein Psyche in Medikamente gepackt kann nicht ausheilen".

Aber die Haltung zu den Medikamenten ist ausschließlich meine persönliche Sicht der Dinge, ich möchte auf gar keinen Fall irgendjemanden Anstiften dazu, seine Medikamente zu reduzieren, der dies liest. Dies ist ausschließlich meine Ansicht, mit der ich bisher klar komme. Auf jeden Fall halte ich Medikamente für äußerst sinnvoll bei der Behandlung eine akuten Schubes. Als Prophylaxe Behandlung habe ich meine persönlichen äußerst kritischen Ansichten. Leider habe ja alle Antipsychotika ihre Nebenwirkungen. Drei unterschiedliche Medikamente habe ich kennen gelernt, alle machen Müde, alle nehmen den Antrieb, die einen weniger, die anderen mehr. Aus Erzählungen von anderen weiß ich, dass keiner berichten kann, dass er ein Medikament einnimmt, was ihn nicht zusätzlich müde macht. Das Leben mit Medikamenten ist wie das Leben hinter einem, je nach Dosis und Medikament, leichten oder starken Vorhang.

Gruß Andreas
 
Rose1902
Hallo boing,
was du erzählst kann ich anhand der Geschichte meines Sohnes gut nachvollziehen. Er hat jetzt auch schon ein paar mal darüber nachgedacht, ob die Dinge, die er durchmacht und die ihm zu schaffen machen der Wahrheit entsprechen oder nicht. Aber er kommt immer wieder zu der Einsicht, dass er sich diese Dinge nicht einfach nur einbilden kann, da muss etwas dran sein meint er. Er ist jetzt seit 3 Jahren psychotisch. Im Januar ist er durch seinen Betreuer zwangseingewiesen worden, weil jegliche Einsicht bei ihm fehlt und er sich leider auch mit dem Gesetzt angelegt hat. Behandelt hat man ihn aber dort nicht. ER wurde über 5 Wochen eingesperrt, Handy, Pc wurden ihm abgenommen, man hat ihn fixiert, weil er lautstark rebelliert hat und andere seiner Überzeugung nach beleidigt hat ( er hat ein Problem mit dem Islam und fühlte sich von den Pflegern bedroht ). Das alles war die Hölle für ihn. Da er überhaupt keine Einsicht zeigte, haben sie damit gedroht, ihn zwangsweise zu behandeln, da nur so eine Chronifizierung abzuwenden wäre.
Mein Sohn hat Angst vor den Medikamenten. Er glaubt, er würde dann nur noch sabbernd in irgendeiner Ecke liegen und soll so mundtot gemacht werden. Wie soll ich ihm nur klarmachen, dass das nicht so ist? Frown
Weisst du vielleicht wie ich ihm die Angst davor nehmen soll? Denn bald wird er wieder eingewiesen und dann steht er wieder vor diesem Problem.

Gruss, Rose1902
 
lena
@boing

Erst einmal vielen Dank für deine Antwort. Ich freue mich über jede Antwort von selbst Betroffenen um klarer zu sehen.

Deine Ansicht zu den Medikamenten teile ich voll und ganz. Sie können "nur" die Symtome lindern, aber nicht die Psychose an sich. Nach allem, was ich darüber gelesen habe, halte ich andere Therapien, vor allem regelmäßige Gespräche mit einem GUTEN Therapeuten für sehr wichtig. Auch Gruppengespräche sollen sehr sinnvoll sein. Was dann noch helfen kann, sind Verhaltenstherapien, damit man.... wenn´s mal wieder los geht.... richtig reagieren kann.

Aaaaber das große Problem besteht meiner Ansicht nach darin, dass man erstmal so weit kommen muss die Krankheit anzunehmen und auch einen erneuten Schub zu erkennen.

Ich habe schon von vielen Betroffenen gelesen, die ihr Leben mit minimaler Medikation und geeigneten Therapien in den Griff bekommen haben. Aber das wird wohl nicht der Regelfall sein, vor allem, weil es nicht einfach ist, einen geeigneten Therapeuten zu finden. Den Spruch: Wir nehmen leider keine Neupatienten auf kennen sicher sehr viele.

@ rose1902

Es tut mir leid, dass dein Sohn so schlechte Erfahrungen bei seinem letzten Aufenthalt gemacht :-( Aber bei Zwangseinweisungen hat man ja leider keine Wahl was die Klinik angeht.
Ich habe bei den Besuchen meines Sohnes auch schon einige Male eine Fixierung miterlebt. Zwar nicht direkt gesehen, aber den Tumult konnte man klar und deutlich hören. Der Patient ist eigentlich sehr höflich und ruhig, aber hin und wieder beschimpft er auch die anderen Patienten. Das belastet dann die ganze Station.
Ich denke, wenn es mehr Pflegepersonal geben würde, könnte man so eine Situation auch anders entschärfen. Den Betreffenden ruhig ansprechen, ihn in einen anderen Raum bringen und zur Ruhe kommen lassen.
So lief das jedenfalls in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der mein Sohn das erste Mal war. Da hatte jeder Patient einen Bezugsbetreuer, und es gab meistens eine gute Verbindung zum Patienten.
Aber das gibt es leider in der Erwachsenenpsychiatrie nicht :-(

Mein Sohn will auch keine Medikamente nehmen. Bevor er etwas bekommt, will er erstmal den Beipackzettel lesen..... und wer nimmt dann noch Medikamente? Ich fürchte, daran bin auch ich Schuld. So mache ich es ja auch immer *schäm.... Aber ich weiß natürlich, dass ich was nehmen muss, wenn es nicht anders geht!
Jedenfalls hat meiner seine Medis erst ne Weile eingenommen, dann nach einer Woche aber die Hälfte der Tablette ausgespuckt. Nachdem ich ihn nicht überzeugen konnte sie richtig zu nehmen, habe ich dem Pflegepersonal Bericht erstattet, damit sie mehr darauf achten. Ich hoffe es tritt nun eine Besserung ein.

LG lena
 
boing
Hallo Rose1902

Vielleicht würde es deinem Sohn helfen, ihn genau zu erklären, wie die Medikamente wirken (aber ich denke, dass ist schon passiert): Das sie der Überproduktion von Dopamin entgegenwirken, indem die Medikamente Rezeptoren die Dopamin aufnehmen können, blockieren und so dafür sorgen dass der Mechanismus der Botenstoffübertragung wieder normalisiert wird. "Sabernd in der Ecke hänge" passiert eigentlich nur, wenn die Dosis zu hoch ist. Vielleicht kommt der damit auch zur Überzeugung, dass das mit mundtot nichts zu tun hat.

Mich wundert ein wenig, dass die Psychiatrie überhaupt ohne Medikamente behandelt. Ist mir bisher niemals passiert. Bei meinem letzten Aufenthalt Januar 2014 allerdings haben die dann tatsächlich auch bei mir nur eine geringe Dosis an den Medikamenten eingesetzt, die ich vor dem Schub 2013 genommen hatte. Hier scheint es irgendwie zu einem Umdenken gekommen zu sein. Von früher kannte ich das nur, dass Psychiatrien eigentlich direkt mit zu hohen Dosen behandeln. Aber eine akute Psychose überhaupt nicht mit Medikamenten zu behandeln, finde ich schwierig.

@Lena

Ob ich selber einen Schub bei mir erkenne würde, weiß ich nicht. Bei meinen bisherigen Schüben war dies nie der Fall. Jetzt wo ich mich öfters hinterfrage, ist bisher kein Schub mehr passiert.

Ein riesen Problem für mich ist auch, dass die Umwelt so äußerst vorsichtig reagiert. In meinem psychotischen Schub 2013 hat es keiner gewagt mir zu sagen, dass er mich für psychotisch hält. Das musste ich mir immer im nachhinein anhören. Nichtmal meine Psychotherapeutin hat es geschafft, mir klar zu sagen, dass sie mich für psychotisch hält. Okey, sie sagte ständig, dass ich meine Medikamente nehmen soll, habe ich dann auch mit der minimalst Dosis gemacht, die haben mich aber nicht mehr aus der Psychose rausgebracht haben. Von der Schwerbeindertenvertretung musst ich mir im nachhinein anhören, dass sie mir ihre Meinung nicht sagen wollte, da ich ja körperlich überlegen sei. Das hat mich echt aufgeregt, also ob ich jemanden anfallen würde, der mir schonungnslos sagt, dass er mich für psychotisch hält. *arg*. Jetzt habe ich einen von Integrationsfachamt (die für die Integration von schwerbehinderten in Betrieben zuständig sind), der mir versprochen hat, in einem solchen Fall mich schonungslos darauf anzusprechen und mich, wenn nötig, persönlich in die Psychiatrie fährt. Ich denke, dass ich während des Schubes 2013 soweit war, dass wenn man mich direkt angesprochen hätte, ich keinerlei Probleme gehabt hätte, freiwillig in die Psychiatrie zu gehen. Nun gut, andererseits hätte ich feinfühlig zu gehört, hätte ich mitbekommen, dass meine Umwelt mich als psychotisch ansieht. Aber in einem psychotischen Schub, bin ich nicht besonders feinfühlig, da brauche ich schon eine direkte Ansprache, die es leider so nicht gegeben hat.

Soviel nochmal kurz zu meinem Problemen. Sorry.

Gruß Andreas (boing)
 
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