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Warum ich hier bin...
Spartaner
... ist im Prinzip relativ einfach. Ich bin seit 12 Jahren Betroffener der Krankheit, habe es allerdings bisher immer vorgezogen mich darüber nicht auszutauschen. Durch die gesellschaftliche Inakzeptanz und mein doch recht junges Alter habe ich es bisher immer vermieden über meine Erkrankung und meine Erlebnisse zu berichten. Auch in meinem Freundeskreis wissen nur sehr wenige das ich krank bin.

Ich habe 2 akut Psychotische Phasen mit jeweils mehrmonatigen Aufenthalten in einer Klinik hinter mir. Mein letzter Aufenthalt ist nun 5 Jahre her und ich führe ein normales Leben. Nach einer sehr guten abgeschlossenen Ausbildung befinde ich mich seit 1,5 Jahren im Studium.

Zur Prävention besuche ich regelmäßig einen Verhaltenstherapeuten und meinen behandelnden Psychiater.

Ich würde mich gerne über eure Erfahrungen im Alltag austauschen. Ich merke zunehmend das ich mich doch etwas alleine mit der Erkrankung fühle und würde gerne wissen ob euch das auch so geht?
 
Andreas
Hallo Spartaner,

allein fühle ich mich nicht, denn seit 2007 besuche ich regelmäßig eine Selbsthilfegruppe. Seit 2009 arbeite ich für die Organisation ehrenamtlich mit im Vorstand. Daher habe ich regelmäßig Kontakt zu ebenfalls Betroffenen.

Weiterhin habe ich auch täglich Kontakt zu schwerbehinderten Menschen mit allen möglichen Erkrankungen, egal ob organisch, körperlich, seelisch, neurologisch oder hirnorganisch, durch meinen Mini-Job in einem Integrationsfachdienst.

Daher ist bei mir bislang noch kein Gefühl des Alleinseins aufgekommen. Welches Gefühl ich aber sehr wohl vor geraumer Zeit hatte war eine gewisse Unzugehörigkeit. Dies war aber auch nur ein temporäres Gefühl.

So viel erst einmal von mir.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
lena
Hallo Spartaner,

du schreibst, du möchtest in deinem Umfeld nicht über deine Erkrankung berichten.
Könntest du zwecks Erfahrungsaustausch nicht eine Selbsthilfegruppe aufsuchen, evtl. in einer anderen Stadt?

Ich bin zwar selbst "nur" Angehörige, aber ich könnte mir vorstellen, dass einem eine Gruppe mit Gleichbetroffenen sehr helfen könnte.

Ich stelle bei den Besuchen meines Sohnes (der z. Zt. in der Klinik ist) immer wieder fest, dass es manchen Patienten gut tut sich über ihre Krankheit zu unterhalten. Manche, die schon öfter stationäre Aufenthalte hatten, haben mir berichtet, dass sie danach regelmäßige Stammtische absolvieren um den Kontakt zu halten.

Meinem Sohn würde ich das auch wünschen, nur leider sind nur die wenigsten Patienten in seinem Alter. Er ist erst 19 Jahre alt. Meines Erachtens sollte nach der Kinder- und Jugendpsychiatrie noch einmal eine extra Station für junge Erwachsene errichtet werden,... aber wer fragt mich schon Sad

Darf ich fragen wie alt du warst, als du deine stationären Aufenthalte hattest?

Ich wünsche dir auf jeden Fall einen regen Austausch hier und viel Glück auf deinem weiteren Lebensweg.

Liebe Grüße
Lena
 
Prag
Ja, schon. Ich fühle mich aber nicht nur allein mit der Erkrankung, sondern auch so! Habe wenig Freunde behalten nach den Jahren mit der Krankheit plus der ihr vorangehenden Phase. Finde gerade wieder Freunde! Achte bewusst auf meine Kommunikation. Atme jedes Gespräch tief ein, freue mich so darüber! Freue mich aktuell tief über Gespräche. So kann man es sagen. Viel zu lange Durststrecke. Mein Manko ist vor allem das zu schnelle zu viele Sprechen. Lasse Menschen nicht zu Wort kommen, das ist es vor allem.

Von meiner Erkrankung weiß so gut wie niemand. Ich möchte das langfristig ändern, nur aber nix übers Knie brechen.

Allein, allein.
 
Andreas
Hallo Prag (Spartaner?),

das du Freunde durch deinen bisherigen Verlauf verloren hast ist leider keine Seltenheit.
Daher ist es um so besser für dich, dass du dir langsam einen neuen Freundeskreis aufbaust.
Weiterhin ist es auch gut für dich, dass du deine Schwächen kennst. Dadurch hast du die Möglichkeit, wenn du es wünscht etwas zu ändern.

Auch dein Vorhaben dich zu "outen" ist gut und kann auch wichtig sein. Ebenso, dass du es langsam angehen möchtest. Aber es ist für dich auch wichtig darauf zu achten wem gegenüber du dich outest und wann. In vielen Fällen, und gerade bei neuen Freundschaften, ist es wichtig das die Menschen dich erst einmal kennenlernen bevor du ihnen von einer existierenden psychischen Beeinträchtigung bei dir erzählst.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Prag
Hey Andreas, (und everybody else, Spartaner auch ...),

was ne Freundschaft angeht, fühle ich mich nicht beeinträchtigt. Und sonst so? Ist es wirklich "beeinträchtigt", oder "nur" anders? Rede einfach mal von mir: tatsächlich Ersteres. Aber die Frage stellt sich, finde ich.

Und Freunde sehen Sachen doch nach! Daher hier einfach nicht beeinträchtigt.

Outen ist an einem Punkt einfach schön und wichtig, glaube ich.

Komme da sehr selten hin. Einmal bis jetzt. Ein weiteres ist in Planung, vielleicht ein drittes und viertes. Dann Schluss.

Mich umwebt was, das Viele nicht mögen. Die Krankheit, denke ich. Und hatte mich selbst aber auch mal sehr zurückgezogen. Doofer Mix ...

Vermisse es jetzt. Freunde. Gespräche. Ganzer dazugehöriger Rest.

Grüße.
 
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