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Meine Mutter
Eelisa
Hallo,

ich (23 Jahre) habe mich hier angemeldet, weil meine Mutter (47 Jahre) an Schizophrenie erkrankt ist. Es ist uns schon seit mehreren Jahren (2001) bekannt, sie hatte seitdem schon mehrere Psychosen. Zwischendurch hatte sie eine Phase von 8 Jahren, in der es keine Psychose gab. Meine Mutter nimmt Seroquel und kommt mit den Tabletten eigentlich gut klar. Vor einigen Wochen hatte sie allerdings wieder eine Psychose, war in der Klinik und ihr Mann hat sie nach wenigen Tagen wieder mit nach Hause genommen - gegen den Rat der Ärzte. Nach etwa 2-3 Wochen gab es direkt die nächste Psychose, der Auslöser dafür ist noch unklar. Seit dem 12. November ist sie nun in der Klinik. Das Problem ist, dass meine Mutter total Angst hat in der Klinik. Sie drängelt jeden Tag nach Hause zu können und jetzt wo die Weihnachtszeit beginnt, ist es besonders schlimm, was mir natürlich total Leid tut. Nach der vorherigen Psychose konnte sie sich daran erinnern, dass sie im Krankenwagen fixiert und in der Klinik in einem Waschraum untergebracht wurde (wegen Platzmangel), was ihre Angst und das Misstrauen gegenüber den Ärzten nochmals verstärkt hat. Hinzu kommt, dass in der Klinik absolut nichts unternommen wird, und meine Frage ist, ob das normal ist. Die Ärztin sagte mir, dass es in der akuten Phase keinen Sinn macht, Gespräche mit ihr zu führen, da sie Zusammenhänge falsch herstellen könnte. Ich denke aber, dass es doch wichtig wäre, sie in jeder Phase der Krankheit zu unterstützen? Die Ärztin sagte noch das einzige was man gerade tun könne wäre zu versuchen, ihr Misstrauen zu lindern. Sie soll sich etwas in der Klinik bewegen und zb. Tablett selber wegbringen, Dinge aus dem Kühlschrank zu holen usw. Aber wie soll sie denn von alleine das Vertrauen herstellen? Keiner redet mit ihr, ihr wurde das nicht so gesagt wie mir, sie dachte, sie sei allen egal, keiner kümmere sich, nicht mal das Essen würde ihr gebracht werden. So kam es bei ihr rüber. Wenn wir sie begleiten, kann sie sich in der Klinik bewegen, fühlt sich aber nicht besonders wohl dabei. Alleine schafft sie es gar nicht, das Zimmer zu verlassen. Laut richterlichem Beschluss soll sie bis zum 12.12. in der Klinik bleiben, was für sie wohl der absolute Horror wäre. Sie setzt sich nun unter Druck, sich so zu verhalten, dass es den Wünschen der Ärzte entspricht, damit sie evtl eher nach Hause kann. Das ist bestimmt auch nicht gut für sie. Meine Frage ist nun, welche Erfahrungen ihr gemacht habt, was in der Klinik getan werden kann. Wenn momentan wirklich nichts getan werden kann, außer auf eine Selbstheilung zu hoffen.. wäre schon blöd. Ihre Therapeutin, die einzige Ärztin, der meine Mutter vertraut, hat sich auch herausgezogen und meinte, sie sei während der Psychose nicht für meine Mutter zuständig, das sei der Neurologe (der sie nur mit Medikamenten versorgt) ..ziemlich frustrierende Situation gerade.. Ich hoffe, ihr habt vielleicht ein paar Tipps für mich.

Viele Grüße
Eelisa
 
eartha
Hallo liebe Eelisa,
ich fürchte, Deine Mutter muss da bis zum 12.12. in der Klinik bleiben. Ich bekomme immer einen Beschluss von 6 Wochen und muss danach in die Tagesklinik. Die Tagesklinik könntet Ihr vorschlagen, vielleicht kommt sie dann eher raus. Das geht aber nur wenn sie nicht mehr akut ist und da Ärzte schlecht in einen reingucken können, nutzen sie meist die Zeit, die der Beschluss dauert. Aber versuchen könnt Ihr es mit der Tagesklinik. Es ist leider wahr, dass Gespräche in der akuten psychose nicht geführt werden und auch tatsächlich keine Hilfe sind, da sie ins Wahngebäude integriert werden.
Schade, dass Deine Mutter so schlechte Erfahrungen in der Klinik gemacht hat. Da geht natürlich das Vertrauen flöten. Ist mir zum Glück noch nicht passiert. Aber man will da raus ganz klar. Meine Eltern haben mich beim ersten Mal auch auf eigene Gefahr rausgeholt, was dazu geführt hat, dass ich noch ein paar Monate im Wahn war, bis ich freiwillig zum Arzt gegangen bin. Es wäre schon gut, wenn sie so lange drin bleibt, bis sie wieder in der Realität ist.
Weihnachten ist sie ja zu Hause :-)
Tut mir leid, dass ich Dir nichts besseres sagen kann.

Liebe Grüße eartha
 
Eelisa
Liebe eartha,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort.

Die Tagesklinik haben wir ihr schon mal vorgeschlagen, aber die lehnt sie völlig ab. Wenn wir mit ihr draußen spazieren gehen und die Klinik wieder betreten, merkt man immer schon, wie unwohl ihr wird. Und sich jeden Tag neu dazu aufzuraffen, dort hin zu fahren - das würde nicht klappen. Sie hat echt total Angst vor der Klinik.
Also bei meiner Mutter war es so, dass sie etwa 3 Tage wirklich im Wahn war. Als sie in die Klinik eingewiesen wurde und ich sie besucht habe, hat sie mich nicht wirklich erkannt und die beiden darauf folgenden Tage auch noch sehr viel fantasiert, dachte sie dürfe sich nicht bewegen, nicht sprechen usw. Es wurde aber von Tag zu Tag deutlich besser. Nach einer Woche etwa schien sie schon wieder ganz "die alte" zu sein. Wenn ich jetzt mir ihr spreche ist alles ganz normal, wie vor der Psychose. Deswegen kommt es mir auch so vor, als könne doch jetzt mal was unternommen werden. Aber vielleicht schätze ich das auch falsch ein. Was verstehen die Ärzte denn unter der akuten Phase? Sie hat keine Wahnvorstellungen oder Halluzinationen mehr und die Angst hat sie hauptsächlich vor der Klinik. Stimmen hört sie eigentlich immer, aber keine "bösen".

Liebe Grüße
Eelisa
 
eartha
Liebe Eelisa,
verdächtig für ihren Wahn ist, dass sie auch Angst vor der Tagesklinik hat. Dort wird ja niemand fixiert.
Ich nehme an, die Ärzte gehen da nach ihren Erfahrungswerten, wie lange ein Wahn dauert.
Akut ist man, wenn man Wahn hat. Nicht unbedingt Halluzinationen. Es gibt viele Stimmenhörer, die keine Psychose haben.
Also ich konnte mich in der Klinik auch so gut verstellen, dass die Patienten und die Leute die sie besucht haben, nicht verstehen konnten, warum ich auf der geschlossenen bin. Ich war 6 Wochen auf der Geschlossenen und danach noch 8 Wochen auf der Offenen und selbst auf der Offenen war ich noch im Wahn und dachte, dass die Musik mit mir redet.
Es ist gut, dass Deine Mutter dabei ist, sich zu fangen. Ihre Angst vor der Klinik mag daher kommen, dass sie mal fixiert war. Meine Erfahrung ist, dass es am Verhalten des Patienten liegt, ob er fixiert wird. Solange Deine Mutter das noch nicht weiß und Angst vor der Klinik hat, denke ich, dass sie doch noch im Wahn ist.
Bis zum 12.12. ist es doch nicht mehr lang. Es ist auch eine Chance, dass Deine Mutter bis dahin erkennt, dass die Klinik nicht so schlimm ist.
Ich mag die Geschlossene auch nicht, aber ich habe mit meinen Eltern vereinbart, dass ich bereit bin freiwillig da hin zu gehen, wenn sie meinen, dass ich akut bin. Diese Vereinbarung hat dazu geführt, dass ich tatsächlich in der letzten Psychose freiwillig in diese Klinik gegangen bin.
Wenn Deine Mutter ihre Angst vor der Klinik den Ärzten mitteilt, sehen die da tatsächlich noch die Psychose.
Vor der Tagesklinik muss man wirklich keine Angst haben. Wenn sie das verstehen könnte, könnte sie vielleicht schneller raus.
Aber wie gesagt, es ist ja nicht mehr lang bis zum 12.12. Noch 14 Tage.

Liebe Grüße eartha
 
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