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Psychose und Missbrauch
Reni
Guten Abend, ich bin zwar nicht mehr so ganz neu aber ich bin auf eine neue Art mit dem Leben konfrontiert.
Auf einmal tauchen bei mir Fragen zum Thema Missbrauch auf. Mir selber ist dieser zum Glück nicht passiert, aber meiner leider vor kurzem verstorbenen Mam. Erst im Nachinein haben wir aus einem Lebensbericht von ihrem traurigen Schicksal erfahren.
Nun bin ich sehr aufgewühlt, da wir zu ihren Lebzeiten nur sehr wenig (von dem großen Ausmaß) davon gewußt haben. Auf einmal fällt es mir wie Schuppen von den Augen. All die "Probleme " die ich mit ihr gehabt habe, hätten vielleicht gelöst werden können, wenn sie es geschafft hätte darüber zu sprechen. Bei einer psychosomatischen Kur war sie nahe dran dafür Worte zu finden.
Inzwischen sind aber seit 30 Jahren so viele einschneidende und traurige Erlebnisse in meinem Leben passiert, daß ich nun vor einem seelischen Scherbenhaufen stehe.
Ich habe lernen müssen loszulassen. Meine großen Kinder sind schon sehr früh von mir weggegangen.
(Vater, Kinderhaus) und immer noch gebe ich nach, wenn es meine jüngeren zu anderen Menschen zieht bei denen angeblich alles besser ist.
Heute bin ich auch mal wieder allein deswegen. Und mir fällt es so schwer diese Einsamkeit zu ertragen, weil ich sie körperlich nicht ertragen kann. Meine Rippen ziehen sich zusammen, mein Oberkörper wird ganz hart und ich habe Angst, das WE nicht überstehen zu können, da ich nun schon 24 Jahre alleinerziehend bin und sich nichts daran zu ändern scheint bis mein jüngster aus dem Haus sein wird.
Doch wie es mir dann gehen wird weiß ich nicht.
Ich denke immer nur -durchhalten!- Als wäre ich im Gefängnis.
Wenn ich wenigstens etwas mir mir selber anzufangen wüßte, so daß ich meinen Kindern und anderen ein Vorbild sein könnte, aber ich hab mir bisher immer nur die decke über den kopf gezogen.
Seit einer Woche gehe ich zu einer systhemischen Familientherapeutin mit Ausbildung bei sexuellem Missbrauch, ich hoffe das hilft mir weiter.
(Vielleicht wäre das auch eine Rubrik die man noch extra zufügen könnte.)

Ich hoffe, daß ich durchs schreiben Menschen finde mit denen ich mich darüber austauschen kann.
Gruß Reni
 
Reni
Grüß dich Bulandus,
Danke für deine Antwort zu diesem Thema. Wie hoffentlich aus meinem Beitrag hervorgeht, ist mir selbst so etwas schreckliches nicht wiederfahren. Ein Glück, jedoch habe ich meiner lieben Mam leider nie meine Betroffenheit zum Ausdruck bringen können und ihr das Verständnis zeigen können, welches sie vielleicht gebraucht hätte.
Das schmerzt mich heute sehr und ich leide unter einem schlechten Gewissen, daß ich ihr deshalb auch nicht angemessen begegnen konnte solange sie noch lebte. Wir haben uns leider viel gestritten.
Nur zum Schluß als sie ihr Hilfebedürfnis nicht mehr verstecken konnte war ich ihr noch einmal nahe.
Da sie uns ein schriftliches Vermächtnis hinterlassen hat haben wir erst von dem Ausmaß ihres Unglücks erfahren.
Und trotzdem habe ich es die ganze Zeit seit meiner Pubertät gespürt. Ich habe mich selbst oft wie ein Häufchen Unglück gefühlt. Meine Familie ist zerbrochen, und und und. Da ich nun vor einem Scherbenhaufen stehe, habe ich mich auf die Suche nach einer Therapie begeben, die dieses Thema mit einbezieht.
Ich bleibe nicht stehen , doch leider ist es nun für Wärme und Geborgenheit zu spät.
Diese hätte sie vielleicht nur spüren können wenn ihr jemand geholfen über Erlebtes zu sprechen und
Aufmerksamkeit gezeigt hätte.
Deshalb freue ich mich für dich, daß du diesen Teufelskreislauf durchbrechen und eine Sprache für dich gefunden hast. Ich weiß auch nicht, ob dann jemals genug Veständnis aufgebraht werden kann, um dir zu helfen diese Erfahrung zu vergessen oder zu verarbeiten.
Schon allein die Vorstellung davon tut so unendlich weh, daß es kein Wunder ist, wenn du dann psychotisch wirst.
Leider wiederfährt so etwas viel mehr Kindern als man sich glaubt.
Weil ich schon als nicht direkt Betroffene diesen Schmerz nicht aushalten kann, neigt man wirklich schnell dazu den ganzen Umstand zu leugnen.
Darum ist es umso wichtiger, finde ich, daß die wirklichen Leidtragenden einen Weg, Sprache oder was auch immer finden sich mitzuteilen, sonst findet diese Verletzung im Alltag, wenn auch unabsichtlich, immer wieder statt.
Kunst ist dafür ein gutes Medium. Doch es wird immer schwer sein, solange dir niemand da begegnet wo deine Seele am schwächsten ist.
Deshalb möchte ich dir auf diesem Weg anstelle meiner Mam meine Verbundenheit ausprechen, damit deine Seele eine klitzekleine Chance hat zu gesunden. Ich bin auch erst am Anfang.
Reni
 
Reni
Lieber Bulandus!
Ja, danke für die Zeilen.
Leider habe ich es bisher nicht geschafft mich zu einem Text zu überwinden, obwohl ich des öfteren hier hereingeschaut habe.
Ich denke du hättest dich auch über eine Reaktion gefreut.
Meiner Mam kann ich leider keine Briefe mehr schreiben, denn sie ist vor 1,5 Jahren verstorben.
Aber du solltest die Zeit nutzen und mit deinem Vater komunizieren solange er noch lebt.
Auch wenn er schon dement ist, spürt er vielleicht doch deine Nähe und ahnt was du ihm mitteilen möchtest.
Wenn du ihm vorliest, hört er noch deine Stimme.
Gedichte sind eine schöne Art etwas auszudrücken, wofür einem im Alltag die Worte fehlen.
Meine Mutti hat auch Gedichte geschrieben, die eine ganz besondere Wirkung auf mich hatten.
Sie waren so leicht, ganz im Gegensatz zu vielen realen Problemen die manchmal so schwer waren, daß es kaum möglich war trotz allem nicht zu verzagen.
Glaubst du deine Gedichte hier ins Forum stellen zu können? Heute, nachdem du lange Zeit eine Therapie gemacht hast?
Ich würde sie gern lesen und dir auch darauf antworten.
Ich hab aber auch Angst, daß meine Reaktion nicht angemessen sein könnte.
Meine Freundin hat ebenfalls schlechte Erfahrungen in der Kindheit in der Richtung gemacht. Ich traue mich gar nicht das Wort Missbrauch zu denken.
Sie will demnächst zu einer Beratungsstelle gehen. Ich habe ihr zugeraten, obwohl ich nicht weiß, was sie dort erwarten wird und das ein Gebiet ist, auf dem ich ihr so wenig beistehen kann.
Da die Beziehung zu ihrem Partner aber so schwierig geworden ist, daß Offenheit und Achtung dem anderen gegenüber nur noch schwer möglich ist, würde ich gern wissen, ob du ihr auch zuraten würdest,
endlich die Vergangenheit zu bewältigen und Worte für das zu finden, was jeder andere sich in seinen Träumen nicht auszumalen wagt.
MIt meiner Suche nach einem Therapeuten bin ich erstmal nicht weitergekommen.
Bei der Gesprächsberatung im Frauenzentrum kann ich nicht bleiben, weil es dort nur um akute Fälle geht.
Nun suche ich im Internet, aber die Wartezeiten sind lang. 6 Monate bis 1 Jahr.
Zu den Schlafproblemen kann ich nur sagen, mein Sohn (28) hat auch große.
Aber das ist ein anderes Thema.
Suche ich als Frau lieber nach einer Therapeutin?
Wenn ich schreibe, denke ich über alles besser nach und viele der Probleme werden deutlicher und Lösungen bieten sich an.
Gestern habe ich mal wieder ein Bild gemalt. Das ganze Blatt voller Farbe. Das macht mir Spaß.
Danach macht das Leben wieder ein ganz klein wenig Sinn. Es regnet und ich male Sonnenblumen.
Ich glaube, wenn du Gedichte schreiben kannst, schaffst du es die belastenden Gedanken in gute Gedanken umzuwandeln und dann lernst du auch besser zu schlafen.
Eine Kunsttherapie kann da auch helfen, damit du die Welt wieder von ihrer schönen Seite erleben lernst.
Es ist, als ob eine Pflanze zu blühen beginnt.
Hoffentlich habe ich dir etwas Mut machen können.
Liebe grüße Reni
Bearbeitet von Reni am 11.10.2013 01:03
 
Reni
Hallo, schönen Abend Bulandus!
Danke für deinen Rat.
Dein Gedicht habe ich gelesen, es kommt mir bekannt vor.
So oder ähnlich fühlt sich wohl jeder mal.
Sehrsehnsuchtsvoll- hat mich gleich an eine Begebenheit mit meinem Vater erinnert.

In der letzten Woche habe ich mir aus der Bibliothek ein Buch ausgeliehen, das sehr interressant ist wenn es um Selbstheilung vonPsychosen geht.
"Auf der Spur des Morgensterns", Dorothea Buck -Sophie Zerchin
Aber es hinterlässt auch den tiefen Eindruck in mir, daß jeder seinen Preis im Leben bezahlen muß.
Trotzdem zu empfehlen, da diese Frau schon vor ´45 in Psychiatrischen Anstalten war, eine Künstlerin ist und heute maßgeblich für das Verständnis von Psychosen eintritt.

Es scheint wohl doch Leute zu geben, die sich hier öfter aufhalten und die neuesten Einträge lesen.
Heute bin ich mal wieder von Kindererziehung erschöpft, zumal mein Sohn nie die Dinge tut, wenn sie ihm aufgetragen werden, sondern viel zu lange später. Also renne ich ständig der Zeit hinterher.
Insofern bin ich noch nicht geheilt, da ich mit Zeit überhaupt nicht umzugehen weiß, es sei denn ich nehme morgen einen Besen und kehre draußen das Laub zusammen.
Bisdann Reni
 
Reni
Das ist ja wunderbar, daß du das Buch auch kennst. Leider habe ich gestern schon einen Text dazu geschrieben und wohl einfach nicht auf die Antworten-taste gedrückt, so daß dieser nun nicht zu lesen war.
Ich bin viel zu fahrig, möchte zu viel auf einmal und bin mit meinen Gedanken woanders.
Zur Zeit habe ich morgens ein Weckerproblem, entweder ist die Batterie alle oder er ist falsch eingestellt, so daß wir nach den ferien gleich 2mal verschlafen haben. Nun muß ich meine Anstrengungen doch wieder verdoppeln, obwohl ich nur halbe Kraft zum leben habe.

Vor ein paar Tagen viele Wallnüsse im Garten des ST. Josephkrankenhauses gesammelt- Wintervorrat.
Das Eichhörnchen kletterte im Baum herum und ließ die Nüsse fallen, die ich dann alle aufsammeln konnte.
Diesmal war ich der Sieger.
Apfelringe hab ich auch gemacht.
Selbst wenn die Sonne nicht scheint ist das Wetter ideal zum rausgehen.

Ich lese zur Zeit ein Buch aus der Bibliothek von Melody Beattle " Kraft zum Loslassen"
tägl. Meditation für die innere Heilung
Kann ich empfehlen.
Alles gute Reni
 
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