Thema ansehen
 Thema drucken
Schizophrenie
blacky
Hallo Ihr Lieben,
erst heute habe ich dieses Forum entdeckt und möchte kurz mein Leiden erklären.Ich bin 48 Jahre alt und lebe allein.
Vor 5 Jahren wurde ich auf meiner damaligen Arbeit extrem gemobbt.Ich wurde gekündigt und kam anschließend in eine psy.Klinik.Ich hatte alle typischen Symtome dieser Krankheit(Stimmen hören,Verfolgungswahn,Eßstörungen,Schlafstörungen etc.)Nach meiner Entlassung wollte ich sofort wieder arbeiten gehen,habe mir einen neuen Job gesucht und alles geschah von vorn.Zu dieser Zeit passierte mit mir immer wieder,daß ich unbewußt meine Gedanken leise aussprach. Da ich es selbst bis heute nicht höre,erkenne ich mein Problem nur an der Reaktion der anderen.Zur damaligen Zeit gelang es mir noch mit Zähne oder Lippen zusammen zubeißen diese Macke zu beherrschen.Das gelingt mir heute kaum noch und ich versuche damit zu leben,denn es wurde immer schlimmer und nicht mehr steuerbar.Wer kann schon seine Gedanken steuern? In den nächsten Jahren hatte ich immer wieder verschiedene Jobs,wurde gemobbt bin dann selbst gegangen oder wurde gekündigt.Seit 10 Monaten bin ich krankgeschrieben ,eine Kur wurde abgelehnt und mit meinen Medis komme ich gut im Alltag zurecht.Mein Arzt riet mir eine Rente zu beantragen um in den nächsten Jahren zur Ruhe zu kommen.Jetzt habe ich aber geradezu panische Angst,daß man sie ablehnen könnte und mein beruflicher Leidensweg von neuem beginnt.
Hat jemand mit einem ähnlichen Leiden eine Rente abgelehnt bekommen?Was könnte ich außer einem Widerspruch noch tun?

Ich würde mich über jeden Tipp sehr freuen und danke Euch schon einmal im voraus!
 
Andreas
Hallo Blacky,

einen Rentenantrag kannst du gern stellen. Da dein Arzt sogar dir dazu rät, sollte er dich dabei auch unterstützen. Sollte dein Rentenantrag von der Rentenversicherung abgelehnt werden, kannst du, wie du schon schriebst, einen Widerspruch einlegen.

Solltest du dich gegen einen Rentenantrag entscheiden besteht noch die Möglichkeit für dich über die Rentenversicherung wieder in Arbeit zu kommen. Dazu müsstest du bei deiner Rentenversicherung einen Antrag zur Teilhabe am Arbeitsleben stellen. Sollte die Rentenversicherung dies unterstützen, würden sie dich dazu auffordern deinen für dich zuständigen Integrationsfachdienst zu kontaktieren und einen Termin zu vereinbaren. Du solltest aber in deinem Antrag auch den Dienst eines Integrationsfachdienstes anfordern.

Diese Fachdienste unterstützen dich dann bei der Jobfindung und bieten dazu auch berufsbegleitende Dienste an. Das heißt so viel wie, wenn du Probleme am Arbeitsplatz hast, dann würden sie dir zur Seite stehen und dich unterstützen.

Sollte dieser Dienst ebenfalls eine Berentung befürworten, so unterstützen sie dich auch beim Prozess der Berentung.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
blacky
Hallo Admin,

danke für Deine Antwort! Das mit dem Integrationsfachdienst werde ich mir überlegen. Im Moment kann ich mir nur schlecht vorstellen wieder zu arbeiten. Zu tief sitzen noch die ertragenen Demütigungen und Verletzungen. Bald werde ich wohl doch einen Rentenantrag stellen und danach einmal abwarten wie die Antwort ausfällt. Ich fühle mich im Moment sehr viel besser als zu Beginn meiner Krankheit. Geradezu panische Angst habe ich vor einem beruflichen Neustart. Ich lebe in einer Kleinstadt mit sehr vielen kleinkarierten Menschen, die einen sehr schnell abstempeln. Bei Streß reagiere ich wie wohl die meisten mit einer derartigen Diagnose, mit einer Verschlimmerung meiner Symptome. Das belastet mich dann sehr. Seit einigen Monaten mache ich auch eine Psychotherapie und glaube mich in die richtige Richtung zu bewegen.

Viele Grüße und herzliches Dankeschön für die Möglichkeit sich hier auszutauschen - Blacky
 
Bluemchen
Hi,

ist fast ein bischen so als lese ich meine eigne Geschichte.

Ich bin nach mehreren Mobbing perioden vor 15 Jahren auch mit der Diagnose aus dem Berufseben ausgestiegen. Konnte mich damit aber nicht abfinden und habe dann einfach noch einen Arbeitsversuch (so nennt die Rentenversicherung das) gestartet- war noch mal 10 Jahre berustätig und bin dann so gut wie nicht mehr gemobbt worden, aber alles war super anstrengend. Auch konnte ich in der ganzen Zeit die Diagnose nicht akzeptieren.

Ich habe die Zähne zusammengebissen und gelächelt so gut ich nur konnte, egal wie dreckig es mir ging.... manchmal ist die Fassade gebröckelt, eingestürtzt, aber ich habe mich auch immer wieder so gut es eben ging zusammengerauft, wie so ein stheaufmännchen.

Ich kann Dich da gut verstehen mit den zusammengebissenen Zähnen...

Ich hatte einen Virusinfekt nach dem andern, alles hat sich auch auf die körperliche Ebene gelegt...

Eine verständige Therapeutin hat mir dann eine psychosomatische Reha verschafft. Dort bin ich direkt nach der Ankunft regelrecht zusammengeklappt, so am Ende war ich. Die wollten mich heimschicken, weil ich so am Ende war (nicht rehafähig)...


Nach der Reha : Meine damalige Fachärtztin hatte kein Vertändnis für mich und ich hielt sogar das für normal. Zufällig bin ich an eine andere Psychiaterin geraten.

Letztendlich habe ich auch ich auf anraten meiner neuen Ärtztin einen Rentenantrag gestellt, der wurde bewilligt auf Zeit.

Ich habe in einem kleinen Dorf gelebt, wo jeder jeden kennt und bin nun seit eingen Jahren in der Stadt. Die Anoymität tut mir sehr gut

Mein ganzes Leben hat sich nach dieser Reha zum positiven verwandelt und zwar in einer Art und weise, die ich nie für möglich gehalten hätte.

Klar bin ich noch das was man krank nennt aber ansonsten geht es mir super.

Klar habe ich auch noch Probleme ´über manche traue ich mich nicht so recht zureden, aber ich werde nicht erschlagen davon.

Ich wünsche Dir alles Gute
 
blacky
Hallo Bluemchen,

danke für Deine Mut machenden Worte!

Es ist immer wieder gut zu wissen,daß es anderen mitunter ebenso geht.

Auch mein erster Facharzt war mit meinem Befinden irgendwie überfordert.Die verschriebenen Medikamente halfen leider nur bedingt. Er wäre nie auf die Idee gekommen mich zu einer Reha zu schicken. Geschweige dann mich mal krank zu schreiben.

Erst mein jetziger Psychiater erkannte meine Probleme, leider waren sie da bereits chronisch.Auch mich hat diese Diagnose sehr lange ziemlich fertig gemacht. Es brauchte lange bis ich meine Krankheit akzeptieren konnte.

Als ich mich dann belesen hatte, wurde mir erst klar,wie lange ich schon unter den Symptomen litt.
Bis dahin dachte ich verrückt zu werden und habe mich wahnsinnig geschämt.

Durch meine unkontrollierbaren Selbstgespräche, die ich leider selbst nicht höre,ist es mir bisher absolut unmöglich an ein zurück zur Arbeit zu denken.

Keiner glaubte an eine Krankheit und dachte durch gezielte "Umerziehung" mich zurechtbiegen zu können.Einfach unvorstellbar!

Als dennoch positiv denkender Mensch werde ich weiter kämpfen.

Auch Dir alles Gute und jedem Leser ähnlicher Probleme ebenso!
 
Bluemchen
Hallo Blacky,

ja je mehr du erzählst um so ähnlicher sind unsere Geschichten. Auch wenn sie keine positiven Stories sind, so tut es mir doch gut zu wissen, das es andern ähnlich und genauso geht.

Hätten die Ärtzt mein Problem eher erkannt und vernünftig mit mir geredet, dann wäre wohl auch bei mir vieles anders gekommen. Ja das liebe Wörtchen wenn

Geschämt habe ich mich auch noch sehr lange, allerdings auch wegen meiner Diagnose. Die habe ich auch für mich behalten.

Die anderen wussten aber, dass ich psychisch krank bin und diese Umerziehungsmassnahmen, wie du sie nennst, ja das ist eine Art Höllentrip für mich gewesen. Ich soll mich halt zusammenreissen, die Zähne zusammenbeissen, nicht so schwarz denken usw... in einer Intensität wurde das an mcih herangetragen, die eigentlich unverschämt ist. Ich habe den Ratschlägen damals aber auch geglaubt und dachte, wenn ich mich nur ändere und richtig verhalte, werde ich wieder "gesund". Das war wahnsinn und hat alle meine Kraft gekostet.

Ich habe mich so gut wie total abgelehnt in all diesen Jahren. Wollte sogar nicht mehr eiterleben.....

...bin so froh, dass das vorbei ist.

Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft auf deinem Weg.

Alles Gute
 
blacky
Hallo Bluemchen,

ich bin wirklich total froh,daß man sich in diesem Forum austauschen kann. Leider gibt es in der Gesellschaft keinerlei Akzeptanz was diese Krankheit betrifft.

In meiner eigenen Familie und sogar im Bekanntenkreis waren alle total überfordert und stempelten mich sehr schnell ab. Plötzlich stand ich im Mittelpunkt und war immer Gegenstand allgemeinen Gelächters. An eine Krankheit hat niemand gedacht. Schließlich hatte in ihrer zuweilen beschränkten Denkweise so etwas noch nie jemand gehört. Mitunter war genau dieses Verhalten schlimmer als das berufliche Mobbing.

Ihre Einstellung mir gegenüber hat sich durch meine Krankschreibung etwas geändert. Aber verstehen oder etwas Toleranz zu erwarten wäre natürlich zuviel verlangt.

Einzig durch die Medikamente und meine Therapie geht es mir so sehr viel besser. Meine alte Stärke kehrt zurück und ich habe gelernt die Meinung anderer zu überhören. Ich werde immer anders bleiben und muß eigentlich nur mit mir "im Reinen sein".Ich muß auch niemanden akzeptieren, der mich nicht akzeptiert.

Wurde Dein Rentenantrag eigentlich gleich angenommen oder mußtest Du Berufung einlegen?

Danke für Deine Erfahrungen und ganz liebe Grüße!
 
Bluemchen
Hallo Blacky,

es tut sehr gut Deine Worte zu lesen, Danke - und Danke dass Du Deine Erfahrungen mit mir teilst.

Ja im privaten Umfeld, war es bei mir auch am schlimmmsten und ich konnte mich nicht behaupten. Mit einen Eltern wurde es erst relativ gut, nachdem ich ein Jahr den Kontakt abgebrochen hatte und ihn dann wieder aufnahm, als meine Mutter einen schlimmen Schlaganfall hatte. Sie sagte immer zu mir bleib gesund, klar nach dem Schlaganfall war sie sehr arm dran. Meine Vater akzeptiert mich nun so wie ich bin, aber das hat auch noch lange Jahre gedauert. Ganz schwer anzunehmen war für ihn, dass ich nicht mehr arbeite in meinen relativ jungen Jahren. Aber selbst dass hat sich nun gelegt. Ich habe ein stelle angeboten bekommen, sie nun aber abgelehnt und er hat mich darin unterstützt, das so zu tun.

Zum Rest der Verwandschaft habe ich damals auch alle Kontakte abgebrochen. Ich habe auch noch eine jüngere Schwester, die lachte über mein kaputtes Gehrin, da war bei mir dann sofort Sendepause.

Deine Einstellung zu deinem Umfeld finde ich einfach klasse. Es ist nicht einfach sich so bewundernswert zu verhalten, wie du es tust.

Ich habe auf Grund der großen Ablehnung der Krankheit mich erst sehr spät mit den Tabletten arrangiert. Auch hat es lange gedauert bis man mir ein Mittel verordnete mit dem ich zurechtkam. Ich muss sagen ,trotz aller Nebenwirkungen, wovon ich einige wirklich sehr unangenehm finde, bin ich froh das es diese Medikamente gibt.

Therapie mache ich nun schon seit langen Jahren und bin mittlerweile sehr dankbar für das, was ich mir da schwer erarbeitet habe. Ich bin wirklich ein anderer Mensch geworden. Hätte ich all das Wissen un tun schon vor 10, 20 Jahren gehabt, wäre mir - so meine ich - viel erspart geblieben. Gerade dieTHerapie war oft hart. Oft habe ich mir gesagt, ich gehe da einfach nicht mehr hin. Zwiemal habe ich auch tatsächlich abgebrochen.

Da ich in all den Jahren whärend meines Berufslebens nur ganz ganz wenige Wochen wegen psychischer Probleme krankgeschrieben war, war der Weg in die Rente nicht gerade das erste mittel der Wahl für die Mediziner. Weder in der Reha noch beim Artzt. Ich habe mich immer solange zur Arbeit geschleppt bis ich zusammengebrochen bin und dasw ar dann meist offensichtlich körperlich wenn gleich psychisch bedingt. Aber in der Reha haben die mit mir den Grundstein gelegt über meine Probleme zu reden und zu mir zu stehen, mich mit der Krankheit anzunehmen. Ich musste im Zuge der Antragstellung der Rente zu einer Gutachterin und ich habe dementsprechend ich es in der Reha gelernt habe dieser Ärtztiin offen und ehrlich gesagt wie es mir geht. Sie war sehr nett und äusserst verständnis voll. Hatte vorher viel Furcht vor dem Besuch und war bei der Untersuchung auch sehr aufgeregt. Die Rente wurde bewilligt allerdings auf Zeit und die Weiterbewilliung ebenfalls auf Zeit ging ohne Gutachterbesuch.

Blacky, ich denke Du musst Dir um die Rente keinen sorgen machen. Ich glaube Du bekommst sie auch. Habe keinen Angst vor einem Widerspruch, den habe ich bei meinem GdSB eingelegt . Der Widerspruch wurde zuerst wegen angeblich mangelnder Begründung abgelehnt. Habe den Widerspruch noch mal mit der Begründung die ich schon beim ersten Mal schrieb gestellt und man gab mir Recht und mehr Prozente

Beides hatte allerdings eine wirklich sehr lange Bearbeitungszeit.

Ich hoffe du bist nun beruhigter.

Ganz herzliche Grüße
 
Doro
Hallo,
ich bin selbst nur Angehörige, aber durch die Nähe zu meinem erkrankten Sohn, auch betroffen.
Da er in den vergangenen 2 -3 Jahren extrem unselbständig war musste ich ihn bei allen Terminen, Finanzen, Schriftverkehr und in seiner gesamten Lebensführung unterstützen. Dafür mache ich einen Arzt verantwortlich, der ihn als faul hinstellte und sich weigerte seine Medikamente zu ändern oder eine Therapie zu verschreiben. Den Arzt hat er vor einem Jahr gewechselt und es geht langsam aufwärts.
Eigentlich soll er eine Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen. Leider ist mein Sohn nicht krankheitseinsichtig. Ich fürchte, wenn er begutachtet wird, dass er erzählt wie gut es ihm geht. Die schlechten Tage blendet er aus.
Die Freizeitgestaltung ist für ihn auch ein großes Problem. Alle Hobbys, die er noch vor 2 Jahren hatte (Gitarre, fotografieren, schwimmen gehen oder zeichnen) kann oder will er nicht mehr machen. Leider hat er durch mangelnde Bewegung und Medikamente viel Gewicht zugelegt und am Bauch hässliche Dehnungsstreifen bekommen.
Leider musste er in Bezug auf Freunde und Verwandte auch negative Erfahren machen. Der gesamte Freundeskreis hat sich von ihm abgewandt. Die näheren Verwandten wissen von seiner Erkrankung, man hält sich ihm gegenüber zurück, aber mich weißt man über meine Mutter daraufhin, wenn er sich irgendwie nicht richtig verhalten hat. Das ist dann z.B. Ellenbogen auf dem Tisch, wie viel Stress ein Familienessen für ihn bedeutet, sieht man nicht. Wenn wir meine Schwester besuchen ziehen sich die etwa gleichalten Töchter auf ihr Zimmer zurück. Ich könnte meinen Sohn gut verstehen, wenn er auf solche Familienfeste verzichten würde, aber trotz allem möchte er weiter gern daran teilnehmen.
Herzliche Grüße
Doro
 
Bluemchen
Hi Doro,

sorry, das ich schon wieder einen Beitrag schreibe... aber es ist so schrecklich heiss, viel zu heiss irgendwas zu tun und so hänge ich die ganze Zeit am PC.

Dein Beitrag hat mich sehr berührt. In meinm Bekanntenkreis sind Menschen, die mit Psychosen und Depressionen zu tun haben und immer noch und / oder wieder einen innigen und dankbaren Kontakt zum Elternhaus haben. Sie sagen, obwohl sie die Lebensmitte überschritten haben, sind sie dankbar für ihre Mutter, die sich um sie sorgt und kümmert. Mit der restlichen Verwandschaft aber ist das Verhältnis nicht immer so gut. Die Eltern sind halt doch das allernächste was man auf der Welt erst mal hat....

Das ist aber pennibel in Euerer Verwanschaft- Ellenbogen auf den Tisch, das ist doch wirklich nicht schlimm. Oder?

Ich kann Deinen Sohn gut verstehen, ich wollte auch gerne immer Kontakte und unter die Leute. Teilweise stand mir meine Sozialangst dabei im WEge und teilweise die Ablehnung durch andere.

Sehr sehr sehr lange war ich auch nicht krankheitseinsichtig n dem Sinn, dass iích das was sich in mir abspielte als Krankheit bezeichnen konnte. Aber ich war relativv glücklich dabei. Das alles wirklich als eigene Krankheit zu realisieren und anzunehmen war schwer, sehr schwer und langwierig.

Aber mit dem neuen Artzt scheint ihr ja nun glücklicherweise auf einem besseren Weg, als in der Zeit davor. Manches Gute entwickelt sich aus kleinen Sandkörnern... man soll so schwer es auch ist die Hoffnung nie ganz aufgeben, ist meine bescheidene Ansicht.

Ich weis nicht bist Du die Betreuerin Deines Sohnes? Wenn ja weis ich auch nicht ob der Betreuer für den Betreuten einen Rentenantrag stellen kann.

Falls der Antrag aber zustande kommt, kann ich ich Dir versichern, dass es auch Ärtzte gibt, die hinter die Kulisse des vorgespielten mir gehts gut des Patienten schauen könnnen. Ich weiss aber nicht, was passiert, wenn Dein Sohn sagt, es will keine Rente.

Ich hoffe, dass Dein Sohn wieder Spass an zumindestem einem seiner Hobbies findet. Ich habe 10 Jahre lang recht intensiv gezeichnet und gemalt und das hat mir sehr gut getan.

Ich wünsche Euch viel Kraft für den weiteren Weg
 
blacky
Hallo,

es ist wirklich sehr schwer seine Krankheit einzusehen.Ich selbst habe auch einige Jahre gebraucht, bis ich mir eingestehen musste, das ich mich meinen Problemen stellen muss anstatt sie vor mir herzuschieben. Bis dahin bin ich aber durch diverse Abgründe irgendwie immer tiefer gefallen. Leider bin ich aber ein sehr ehrgeiziger und zäher Mensch und wollte unbedingt so" normal" wie die Anderen sein.

Nachdem aber meine Arbeitsverhältnisse immer kürzer wurden und sich meine Symptome extrem verschlechterten, war mir endlich klar,dass ich mich endlich meiner Krankheit stellen muss. Das hat insgesamt 5 Jahre gedauert.

Dummerweise war mein damaliger Arzt ohne Verständnis. Wenn ich versuchte ihm vorsichtig von meinen Problemen zu erzählen, kam immer nur eines heraus: KLINIK!!! Da man mir dort aber nicht wirklich geholfen hatte, wollte ich natürlich auch nicht eingewiesen werden.

Da dieser Arzt nicht wusste was er mir verschreiben sollte,hat er einfach die Dosis meiner bestehenden Medikamente erhöht. Die Nebenwirkungen waren furchtbar.

Innerhalb kurzer Zeit hatte ich extrem zugenommen und sah mir einfach nicht mehr ähnlich. Ich war immer sehr schlank und konnte mich damit nicht abfinden. Ich habe diese Medikament( ZYPREXA)einfach eingestellt. In keinster Weise fühlte ich mich schlechter,was meine Vermutung nur bestätigte.Ich fing an meine Ernährung umzustellen,das war einfacher als ich dachte und habe mich schneller bewegt. In genau 4 Monaten hatte ich wirklich 27kg abgenommen.

Natürlich konnte ich meinem Arzt nichts davon erzählen. Zum Glück kam er recht schnell in den Ruhestand und sein Nachfolger war zum Glück sehr viel kompetenter.

Ich würde deshalb ein Medikament ablehnen, wovon ich die Nebenwirkungen nicht einschätzen kann. Es kann nicht sein, dass man mit so einer Krankheit leben muss, wahrscheinlich für immer irgendwelche Pillen schlucken muss und sich dann mit derartigen Nebenwirkungen arrangieren muss. Leider habe ich auch unzählige verschiedene Präperate durchlaufen müssen, bis ich so eingestellt war wie ich es heute bin. Natürlich habe ich dabei sehr viel meinem heutigen Arzt zu verdanken und seiner endlosen Geduld.

Zum Glück sind meine jetzigen Medikamente mit erträglichen Nebenwirkungen und haben nichts mit einer Gewichtszunahme zu tun.

Die Beziehungen zu meinen Verwandten oder Bekannten habe ich auch auf ein gesundes Mass reduziert.
Ich möchte mich nicht mehr irgendjemandem zuliebe unter Beobachtung stehen, nur um dabei zu sein und mich hinterher mit Selbstvorwürfen zu quälen. Das habe ich viel zu lange getan.

Danke,Blümchen, für die Mut machenden Worte!Es hat mir sehr geholfen. Euch allen liebe Grüsse!
 
Bluemchen
Hi,

Klasse "normalsein", das wollte ich auch über zehn Jahre lang. War mein absoluter Herzenswunsch. Naja und ich muss gestehen an Ehrgeiz und Zähigkeit hat es mir auch nicht gemangelt. Hat doch nicht gerreicht ...

Aber nun sit es ok so wie es ist... auch wenn ich manchmal noch davon träume "Normalzusein", wieder voll arbeiten zu gehen, usw..

Ja das Gewicht, war auch immer schlank... und bin gerade dabei mich damit abzufinden, dass ich nun doch drei Kleidergrössen grösser brauche. Auf jedem Medikament steht aber auch als Nebenwirkung Gewichtszunahme.

Zyprexa war mein erstes Medikament und der reinste Horror - zugenommen wie wild, ok - aber schlimmer war dass ich mich wie Gehirnamputiert fühlte. Mit den grauen Zellen war einfach absolut nichts mehr los...

Blacky freut mich, dass ich dir ein wenig helfen konnte und ganz lieben Dank für deinen Beitrag

herzliche Grüße
 
Doro
Hallo Blümchen,
vielen Dank für deinen Beitrag. Bis jetzt haben wir es vermieden uns als Eltern als Betreuer eintragen zu lassen. Irgendwie hat das noch so das Gefühl von aufgeben, von Entmündigung, deshalb tun wir uns auch schwer mit dem Rentenantrag. Mein Sohn vertraut mir und würde sich nicht dagegen stellen, aber was ist wenn es ihm dann doch wieder besser geht? Dann muss er die Rentenzeit doch auch in seinem Lebenslauf angeben? Heute hat mich die Ergotherapeutin angerufen. Sie hat mir erzählt, dass seine Konzentration und Merkfähigkeit sich sehr verbessert haben. Ich habe mich sehr darüber gefreut, aber jetzt will sie die Therapie beenden. Mal sehen was der Arzt dazu sagt.
Meine Verwandten sind überhaupt nicht piniebel wenn es sich um sie selbst handelt. Nur mein Sohn wird genau beobachtet, ob er sich irgendwie falsch verhält. Da kommt auch schon mal eine unangenehme Bemerkung, weil er Hartz4 erhält. Die eigenen Töchter haben beide Abitur, aber überlegen schon 3 Jahre was sie damit anfangen wollen. Den Kontakt halte ich nur noch wegen meiner Mutter. Vorgestern hatte sie Geburtstag - eine meiner Nichten regte sich über irgendwas politisches auf und schrie lautstark ihre Meinung heraus. Ich habe sie mehrmals gebeten normal zu reden, meine Mutter hielt sich die Ohren zu, aber sie schrie weiter. Die Eltern sagten nichts dazu. Mein Sohn war davon so gestresst, dass er nicht einschlafen konnte. In solchen Situationen entwickelt er einen Heißhunger, der nicht zu stoppen ist. Ich muss dann die Küchentür abschließen, damit er nicht alles in sich hereinschlingt. Gegen 4 Uhr hat er dann eine Beruhigungstablette genommen. Ich habe mir vorgenommen, dass ich es nicht mehr so weit kommen lasse.
Zyprexa hat er auch mal bekommen. Während 2 Monaten Klinikaufenthalt hat man ihm verschiedene Medikamente gegeben, die alle fürchterliche Auswirkungen hatten. Als er dann Zyprexa bekam war ich begeistert. Aus einem Zombie wurde plötzlich ein fröhlicher, wacher Mensch, voller Tatendrang. Leider musste das Medikament wieder abgesetzt werden, da er auch einen ständigen Heißhunger hatte und enorm zunahm.
Vorher war er eher untergewichtig und das bei einer Größe von fast 2 m. Heute bekommt er nur noch in xxl Abteilungen Kleidung.

Herzliche Grüße

Doro
 
Bluemchen
Hallo Doro,

wenngleich das Thema hier ein schweres ist, freut es mich sehr zu lesen. Ich finde es gut, dass du dich so aktiv einbringst. Viele Angehörige streichen ja die Segel und ziehen sich sogar zurück.

Das mit den zweierlei Mass messen kenne ich gut. Z. B. auf meiner Arbeitsstelle wusste - dank diverser Tratsch"tanten" - jeder, dass ich auch in der Psychiatrie war. Bekloppte gehen zum Psychologen sagte mein Chef. Dementsprechend kritisch wurde mein Verhalten und meine Leistung über lange Jahre hin beurteilt. Später hatte ich mal leider nur kurze Zeit einen Chef der sagte, krank werden kann jeder.

Siehst Du so lässt sich auch eine gesundheitliche Lücke im Lebenslauf erklären und wenn dein Sohn die hat und sich dann fängt und wirklich arbeiten kann, zeugt das von großer Leistung. So hat er halt wegen Hartz 4 eine Lücke. Lücke ist so oder so - oder verwechsele ich da was?

Ich finde es super, dass dein Sohn so gute Fortschritte gemacht hat. Ich finde zudem Krankheit braucht sehr lange Zeit. ich bin nun seit 2 Jahren in Rente und fange erst jetzt an zu regenerieren. man barucht da überaus viel Geduld, galube ich.

Ich weiss auch von Menschen die mit Zyprexa sehr gut zurechtgekommen sind und es als das beste Medikament bezeichnet haben. Es ist halt eben sehr persönlich, was am betsen hilft.

Ja die Medikamente machen Heisshunger, fast jeder Behandelte sagt das. ich habe mir sehr lange sehr schwer damit getan, dass ich nun so unförmig bin in meinen Augen. Und auch andere, die mich von früher kennen habe erstaunt gefragt bei welcher Kleidungsgrösse ich denn nun wohl angekommen sei. Ich versuche das nun unter dem Motto lieber rund und gesund zu akzeptiern, dass ich von schlank sehr weit weg bin. Was nützt mir ein schlanker Körper, wenn ich dabei so verzweifelt bin, dass ich mir was antue? Erst neulich war im Bekanntenkreis das Thema wieviele deswegen - weil sie das gewünschte Ziel nicht erreichten - nun im Rollstuhl gelandet sind und es ihnen schlechter geht als je zuvor.

Auch hatte ich mal einen magersüchtigen Partner, sozusagen das andere Extrem... bin durch eine Hölle gegangen ....also wirklich lieber rund und gesund, kann ich da nur sagen. Übergewicht ist klar auch nicht 100% gesund, aber ich sehe das eben relativ. Meine Psychiaterin übrigens auch.

Die meisten psychisch Erkrankten, die ich kenne haben einen Betreuer/in und finden das ok. Sie sind sogar froh, dass sie sich nicht um alles alleine kümmern müssen. Ich selber sollte schon zweimal eine Betreung bekommen und habe mich mit Händen und Füssen - aus meiner sicht glücklicherweise - dagegen gewehrt. Allerdings hätte ich eine gesetzlich bestellten Betreuer statt einer von mir ausgewählten Vertrauensperson bekommen. Ich kannte niemand, der dafür geeignet war zu dieser Zeit. Ich kenne mich jedoch mit dem Thema schlecht aus, weiss nicht welche Rechte und Pflichten Betreuer und Betreute haben. Bei mir ist das Thema seit langem nun aber auch nicht mehr aktuell.

danke für deinen Beitrag

herzliche Grüße
 
blacky
Hallo Doro,

auch ich bin total begeistert wie Du Dich um Deinen Sohn bemühst. Die meisten Angehörigen, kommen nur sehr schwer mit einer derartigen Diagnose zurecht.

Leider kenne ich es auch zu gut wenn man bei allem in Frage gestellt wird, während man anderen sehr viel Toleranz entgegenbringt. Ich glaube,dass es wohl eine Frage der Zeit ist bis man sich solchen Situationen nicht mehr stellen kann. Wenn ich in solche Dinge verstrickt war und zu aufgeregt um mich in irgendeiner Weise zu verteidigen, halfen auch mir nur höher dosierte Tabletten. Das hat mich am meisten geärgert. Vielleicht gelingt es Euch irgendeinem Kompromiss Deiner Familie gegenüber zu finden, ohne das sich Dein Sohn so sehr aufregen muss. Ich fühlte mich dann immer sehr minderwertig und habe viele Treffen schon vorsichtshalber abgesagt. Wahrscheinlich war genau das der richtige Weg. Ich stelle mir das auch sehr schlimm für Deinen Sohn vor.

Da zu viele Medikamente Gewichtszunahmen bewirken, muss man sich für eine Seite entscheiden. Ich bewundere jeden der es als gegeben ansieht und damit klar kommt.

Hut ab,Blümchen ,starke Entscheidung!
Aber ich konnte es nicht und habe mich für eine Ernährungsumstellung entschieden.
Wie geht denn Dein Sohn damit um?
Ich bin selbst 1.85m gross und wog damals104 kg.Ich konnte mich nicht damit abfinden und wiege heute um die 80kg. Damals war ich noch etwas leichter und heute habe ich Mühe dieses Gewicht zu halten. Ich ging bis vor kurzem dreimal wöchentlich schwimmen, was mir sehr gutgetan hat . Leider ist die Schwimmhalle im Sommer geschlossen und ein schöner See weiter entfernt. Ist aber mein nächstes Ziel.

Es ist super,dass Dein Sohn Fortschritte macht und vielleicht wäre er in einer Werkstatt gut aufgehoben.
Sorgen um einen Lebenslauf würde ich mir nicht machen. Man kann doch nichts dafür wenn man krank ist.

Ich würde auch abwarten ob Dein Sohn wirklich einen Betreuer braucht. Wichtiger wäre es sich beraten zu lassen. Vielleicht wäre eine Sozialeinrichtung mit entsprechend geschultem Personal eine Option.

Danke für Deine Offenheit- liebe Grüsse
 
Bluemchen
Hi Blacky

Bewundere Deinen Kampfgeist!

Schäme mich muss aber noch mal meinen Senf dazugeben

Ernähre mich auch von von viel Gemüse.... aber die Portionen sind eben gross und so bin ich eben breit, trotz täglicher Bewegung.

6 Sorten Tabletten auf jedem Beickpackzettel steht: Gewichtszunahme

Da musste ich irgendwann kapitulieren.

Ich vertrag halt auch nicht alles was es an Medikementen gibt, das ist das zweite Problem

...und zugegeben: heimlich träume ich auch davon wieder schlank zu sein.

War ganz entsetzt wie wenig Auswahl es an Kleidung für Starke gibt und wie horrend die Preise sind.

herzliche Grüße
 
blacky
Hallo Bluemchen,

sorry,wenn Du Dich angegriffen gefühlt hast! Das wollte ich absolut nicht.

6 verschiedene Tabletten sind natürlich viel. Ich nehme nur 3 .Eine Bekannte hat auch kapituliert und das ist für sie mittlerweile o.k. Dachte das ist bei Dir ähnlich.
Niemand mit dieser Krankheit sollte sich für sein Gewicht rechtfertigen müssen. Das meine ich ganz ehrlich.
Ich habe auch nur meine Erfahrung erläutert und das es halt bei mir anders war.

Ganz herzliche Grüsse
 
Bluemchen
Hi Blacky,

Finde es klasse, dass du dein Erfahrungen schreibst.

Habe mich in keinster Weise angegeriffen gefühlt, sondern geehrt.

Es war mir quasi ein Bedürfniss sozusagen vom "Thron" zu steigen und ein paar Worte dazu zu verlieren.

Ich habe sehr gekämpft darum meinen "neuen" Körper zu akzeptieren. Ein bischen tue ich es auch immer noch. Habe aber zudem das riesige Glück, dass mein Lebenspartner mich darin unterstützt.

Von anderen Erkrankten und auch von den Ärtzten weiss ich, dass ich vergleichsweise sehr hohe Dosis der Medikamente habe. Manch einer hat sich schon gewundert, dass ich noch aufrecht laufe.

Schlankheit ist etwas sehr schönes finde ich. .

Aber es ist mir ein Anliegen zu vermitteln, dass ein schlanker Körper nicht unbedingt das wichtigste ist, wenn man so eine Erkrankung hat. Entscheiden wie wichtig das ist und welchen Weg man nimmt muss jeder selbst.

Darin sind wir uns glaube ich einig?

Dir bin ich sehr dankbar, dass Du Deine Erfahrungen mit mir teilst.

Finde super, was du geschafft hast.

ganz herzliche Grüße
 
Doro
Guten Abend Blümchen und Blacky,
Es hilft mir sehr, mich mal mit anderen Betroffenen auszutauschen. Auch wenn ich nicht selbst erkrankt bin, so leide ich eigentlich mit darunter. Bei Alkoholikern heiß das glaube ich "Co-abhängig". Leider gehöre ich zu den Frust-Essern und habe dadurch auch einige Kilos zu viel. Aber ich will nicht jammern. Meinem Sohn nützt es nichts wenn er auf die Tabletten verzichtet, um wieder schlank zu werden. Dann geht es ihm viel schlechter. Er bemüht sich auch weniger zu essen, aber wenn der Hunger zu groß wird holt er alles nach.
Was den Betreuer angeht, geht es wohl manchmal nicht anders. Ein Freund meiner Nichte war auch psychisch krank, er hatte jedoch keine Unterstützung von seiner Familie. In seiner Ausbildung musste er sich schon allein versorgen und hatte eine eigene Wohnung. Kurz vor seiner Prüfung fühlte er sich von seinen Kollegen bedroht und ging nicht mehr zur Arbeit. Irgendwie kam er dann in eine Tagesstätte und erhielt einen Betreuer. Es kam heraus, dass er hohe Schulden hatte. Der Betreuer sorgte dafür, dass er einen Antrag auf Arbeitslosengeld stellte und seine Schulden in kleinen Raten abzahlen konnte. Er konnte seine Prüfung als Großhandelskaufmann auch noch machen. Wenn man so tief unten ist, wie mein Sohn es war, müsste der Betreuer jedoch sehr viel Zeit aufwenden. Man weiß auch nicht an wen man gerät, ich habe gehört, dass man dazu keine besondere Ausbildung benötigt. Naja, ich tu halt mein Bestes und mit viel Liebe zu meinem Sohn.

Gute Nacht euch allen

Doro
 
Petra
Hallo Ihr Lieben, ich finde Eure Diskussion hier ziemlich "NORMAL" was auch immer das definiert. Möchte mich deshalb mal kurz einmischen. Die Gewichtsdiskussion findet doch auf allen Ebenen der Gesellschaft statt und ich finde, man muss immer seinen individuellen Weg finden, damit umzugehen. Es kann schon sehr stressig werden, nach Schönheitsidealen zu streben. Dabei geht einiges an Kraft verloren. Im Mittelpunkt von Entscheidungen sollte meines Erachtens das eigene Wohlbefinden stehen.

Ich bin auch Angehörige und habe Eure Diskussion mit großem Interesse verfolgt. Zum Einen ziehe ich daraus Informationen für den Umgang mit meinem Sohn. Häufig ist es bei uns so (so empfinde ich es zumindest) das Dinge nicht ausgesprochen werden (warum auch immer). Je nach Stimmungslage meines Sohnes sind unsere Gespräche sehr kurz und manchmal abrupt abgebrochen. Das hat mich oft verunsichert, weil ich es mir nicht erklären konnte. Deshalb hilft mir das Forum gut, Verhaltensweisen einzuordnen und Erklärungen dafür zu finden.

Ich persönlich erlebe es als sehr entspannend, dass mein Sohn eine gesetzliche Betreuerin hat. Dadurch ist unsere Beziehung durch den ganzen Stress mit den Behörden nicht angespannt und wir können uns auf der emotionalen Ebene begegnen. Die Betreuerin meines Sohnes nimmt ihn und seine Bedürfnisse ernst. Das ist, glaube ich, eine sehr wichtige Grundlage. Auch wenn es dabei manchmal, für uns außenstehende, zu unverständlichen Entscheidungen kommt, die wir nur schwer akzeptieren können.
Ich muss sagen, ich habe daraus sehr viel gelent. Mutter sein heißt für mich heute nicht mehr, den Weg zu weisen, sondern da zu sein, wenn der Weg eine Einbahnstraße war und mein Rat gefragt ist.
Was die anderen Verwandten angeht, so glaube ich, dass sie oft auch unsicher sind, mit Andersartigkeit umzugehen. Das erlebe ich zumindest in meinem Verwandtenkreis. Anfangs hat es mich sehr verletzt, wenn meine Verwandten nach meinem Sohn fragten und ich das Gefühl hatte, sie suchten nach einem Schalter, der ihn wieder "normal" werden lässt. Das Verständnis für meinen Sohn habe ich nur immer wieder in Gesprächen wecken können. Trotzdem sind die Berührungsängste nicht abgebaut aber das Interesse mit Respekt für ihn auch nicht. Ich glaube, das braucht gerade in unserer Gesellschaft viel Zeit und Geduld. Ich habe herrausfinden müssen, wo wahres Interesse besteht und wer nur Sensationssüchtig ist. Letzteren beantworte ich keine Fragen nach meinem Sohn mehr.

Ups, nin ist es doch so viel geworden. Ich wollte Euch eigentlich nur sagen, bleibt weiter so offen in der Auseinandersetzung mit Euch. Es hilft mir sehr und ich finde Euch ziemlich normal.

Liebe Grüße, Petra
„Die Probleme dieser Welt lassen sich nicht mit den gleichen Denkmustern lösen, die sie erzeugt haben.“ A. Einstein
 
Springe ins Forum:
 
Werbung
cleverALLNET