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Ich bin neu hier und verzweifelt...
littleblue
hallo liebe leute! ich darf mich kurz vorstellen: ich bin 34 jahre alt, arbeite im büro (derzeit krankenstand) und bin verheiratet. Ich habe vor etwa einem monat einen nervenzusammenbruch erlitten (der dritte in 7 Jahren). dem voraus gingen symptome wie wahnhafte ideen (filme im Kopf, mit bösen stimmen) welche einen Verfolgungswahn bei mir auslösten. Ich hatte immer wieder panikattacken, weinkrämpfe und litt an schlaflosigkeit (durch die filme in meinem kopf). Ausgelöst wurde mein zuletzt psychotischer Zustand durch massives Mobbing in meiner Firma, daher habe ich auch den entschluss gefasst nicht mehr zurück in die firma zu gehen. Alle menschen in meiner umgebung sehen das locker und sagen, na ist doch gut - du gehst nicht mehr zurück und alle probleme sind gelöst. sind sie aber nicht. ich nehme pram (morgens) und 3x täglich quetialan und das half mir am anfang auch zusammen mit praxiten, welches ich mittlerweile leider absetzten musste. und wenngleich ich keine angst mehr vor dem mobbing haben muss, weil ich ja nicht mehr zurückgehe, habe ich trotzdem angst- nur wovor weiß ich nicht. vielleicht vor der zukunft, weil ich ja nicht weiß wies es mit mir weitergehen soll. ich habe das gefühl als hätte ich mich "verloren" ich fühle mich emotional wie betäubt und voller angst. bin ständig antriebslos und möchte am liebsten nur schlafen. wenn ich außerhaus muss, bekomme ich schweißausbrüche. als ich neulich einkaufen war, habe ich panik bekommen, da ich mir einbildete, dass mich alle leute beobachten und schlecht über mich reden. Es ist diese hölle in meinem kopf. etwas in mir gibt mir die gewissheit, das ich mein leben nicht verdient habe und zu schlecht bin - egal für was. Das es für mich keine perspektiven gibt und meine persönlichkeit mehr und mehr verschwindet bis sie ganz weg ist, weil ich kein recht auf gefühle hätte... und jeden tag habe ich auch tatsächlich das gefühl mehr und mehr mich aufzulösen. Mein Ehemann und meine freunde sind überfordert mit mir und eigentlich bin ich es selbst auch. Kann mir wer einen rat geben was ich tun kann um mich wieder zu spüren? meine psych-ärztin rät mir zu "produktiven dingen" zu denen mir aber der antrieb fehlt. bitte schreibt mir liebe leute
 
littleblue
lieber doc-holiday! hab mich wirklich sehr über deine antwort gefreut, allein schon wenn man merkt dass man "nicht allein" ist tut gut. auch deine ratschläge finde ich ganz toll, vor allem sich aus der distanz zu betrachten und mal reinhören werd ich auf jeden fall versuchen. bloß rausgehen, ist sooo schwer und die angst vor den menschen bremst mich so unheimlich.
übrigens dein gefühl vor dem einschlafen, dass kenn ich auch, dagegen helfen mir mittlerweile meine medis. Bekommst du auch Tabletten? darf ich fragen wielange es dir schon so ergeht? freue mich schon auf deine Anwort!

liebe grüße littleblue
 
Andreas
Hallo littleblue,

Panik, bzw. Angst in der Öffentlichkeit kommt mir aus meiner Vergangenheit bekannt vor. Bei mir war es so, dass ich meinte die Gedanken der anderen Fahrgäste in den öffentlichen Verkehrsmitteln wahrzunehmen.
Dieses Problem hatte ich dann mit meinem Psychotherapeuten besprochen und er hatte mir empfohlen meine Aufmerksamkeit nicht in den Fahrgastraum zu legen, sondern eher nach draußen.

Es ist also eher der Fokus, den wir unserem Empfinden entsprechend lenken müssten. Wenn mir die Menschen in meiner Umgebung Angst bereiten, lenke ich meinen Fokus auf etwas anderes.
Der Fokus (die Konzentration) auf etwas lässt mich andere Dinge fast nicht mehr wahrnehmen.
So ist es z.B. bei mir, wenn ich mich auf meine aktuelle Arbeit konzentriere, nehme ich weder den Fernseher, der direkt eingeschaltet vor mir steht nicht mehr wahr, er verschwindet im Hintergrund.

Das wäre vielleicht eine Möglichkeit für dich mit der Öffentlichkeit wieder klar zu kommen.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
littleblue
lieber andreas!
danke für deine antwort und deinen Tipp, das klingt sehr vielversprechend! Hast du also diese probleme mit fremden/zu vielen Menschen überwunden? oder sind das wiederkehrende episoden? hattest du auch schon mal diese extreme antriebslosigkeit? und eine frage noch: wielange hat es bei dir gedauert bist du wieder "arbeitsfähig" warst?
was ich noch unbedingt schreiben muss: ich finde es so wundervoll dass du dieses netzwerk betreibst, viele menschen haben sicher nur diesen "anker", da die umwelt meist nicht "mit uns" umgehen kann. ein großes dankeschön dafür!!!
liebe grüße
littleblue
 
littleblue
hallo doc_holiday!
Ich kann mich sehr gut in deine Schilderungen hineinfühlen und bin begeistert wie anschaulich und präzise du dinge beim namen nennen kannst. ich habe das problem solchen dingen oft keinen namen geben zu können - deine nachricht hat mir sehr geholfen, da ich diese paralellen sehe in deinen beschreibungen. ich kann dann diese dinge besser betrachten und hinterfragen weil sie so differenzierter sind und nicht nur dumpf in mir wüten. ich bin bestrebt mich auch so abzulenken zu können und zu lernen den film/ wahn zu unterbrechen so wie du es machst.
du hast mir auf jeden fall auch geholfen, mit dem was du über andere menschen feststellst, dass die garkeine zeit oder interesse haben sich die "bösen gedanken" zu machen und das mehr in meinem kopf sich abspielt, aber auch dass menschen die anderen gegenüber destruktiv auftreten, in sich selbst probleme haben und ich lernen muss das so zu sehen. (lese mir deshalb deine nachricht immer und immer wieder durch um es mir zu verinnerlichen)
darf ich fragen welche probleme du mit nachbarn hast? (hab auch probleme mit welchen) Sad

Ich freu mich schon auf deine nächste nachricht!
alles liebe inzwischen littleblue

mein neuer leitsatz (DANKE!):
Mir hilft es wenn ich mir bewusst mache das ich GUT bin, etwas DRAUFHABE und ich wegen der Mitmenschen nicht komplett von der Bildfläche verschwinden will/werde.
 
Andreas
Hallo littleblue,

es war schon während meines Klinik-Aufenthalts mein Wunsch wieder zu arbeiten. Direkt nach meinem Klinik-Aufenthalt hatte ich bei meinem damaligen Arbeitgeber das Hamburger Modell versucht. Mich also langsam wieder ins Arbeitsleben einzugliedern.
Leider ist dieser Versuch gescheitert, da relativ schnell wieder meine Gedanken kamen.

Eine Weile später war ich dann zur Kur, wo ich auch noch bestrebt war wieder zu arbeiten, nur eventuell in einem anderen Bereich.
Danach hatte ich mich um Werkstatt-Plätze bemüht, do diese wurden mir leider seitens der Rentenversicherung nicht genehmigt.
Dann fand ich einen Bildungsträger, bei dem ich ein Büro-Training absolvierte. Während dieses Trainings wurde ich dann rückwirkend zum Ende meiner Kur berentet. Daraufhin habe ich mich zum Abschluss des Trainings beim Bildungsträger als Aushilfe im Büro beworben, wurde leider abgelehnt und einige Monate später kam dann vom Bildungsträger eine Anfrage, ob ich im Büro aushelfen könne, da die Mitarbeiterin erkrankte. Dieses Angebot nahm ich dankend an. Einige Zeit später kam erneut eine Anfrage vom Bildungsträger und die Geschäftsführerin war mit meiner Arbeit sehr zufrieden und bot mir an dauerhaft eine Bürotätigkeit auszuüben, zwar nicht beim Bildungsträger, aber innerhalb des Gesellschafters. So kam ich im Sommer 2002 zum Integrationsfachdienst, bei dem ich heute noch auf Mini-Job Basis in der Verwaltung arbeite.

Von 2007 bis 2009 hatte ich dann eine selbstfinanzierte Weiterbildung per Fernschule zum Webmaster absolviert, da ich mich sehr für Internet-Programmierung interessierte, dieses Projekt schon entstanden war und ich den Programm-Code verstehen wollte.

Ebenfalls 2007 hatte ich damit begonnen mich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, diese war aufgrund meines Projektes auf mich aufmerksam geworden und ludt mich zu einem kennenlernen ein. Seit 2009 bin ich dort ehrenamtlich für den Selbsthilfeverein tätig.

Aufgrund meiner Weiterbildung von 2007 bis 2009 habe ich zusätzlich mich 2011 als Freiberufler angemeldet.

Und mittlerweile habe ich auch meine eigene Familie gegründet. Mein Sohn wurde im April 2012 geboren.

Alles in Allem eine recht gute Entwicklung, wie ich und auch andere meinen.

Meine Probleme mit der Öffentlichkeit gehören bislang der Vergangenheit an, da durch meine sämtlichen Tätigkeiten und der damit verbundene Erfolg mein Selbstbewusstsein recht gut gestärkt haben. Dies ist meiner Meinung nach ein wesentlicher Bestandteil einer Besserung der Symptomatik.
Ein positives Selbstbewusstsein und eine gewisse Zufriedenheit mit sich selbst und anderem ist wichtig für ein psychisches Wohlbefinden.
Auch körperliches Wohlbefinden wirkt sich positiv auf die Psyche aus.

Getreu nach dem Motto "Ein gesunder Geist braucht einen gesunden Körper, und ein gesunder Körper braucht einen gesunden Geist."

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Petra
Liebe littleblue,

ich bin zwar "nur" eine Angehörige, will aber trotzdem versuchen, meine Gedanken zu Deiner Situation darzulegen.

Zum einen finde ich es erst einmal auch produktiv, Dich hier so zu öffnen. Mit der Darlegung Deiner Situation hilfst Du sicher nicht nur mir, viele Dinge einzuordnen und vielleicht auch zu verstehen.

Die Feetbacs, die Du von doc und Andreas bekommen hast, heben auch das Verhalten meines Sohnes auf eine normale Ebene. lch selbst wüsste nicht, wie ich damit umgehen würde, wenn ich selbst in Eurer Situation wäre. Leider konnte ich mit meinem Sohn bisher nicht so darüber reden, weil er sich mir gegenüber nicht so öffnet, wie Ihr das hier tut. Dennoch schafft das hier Erfahrene, Gesprächsanlässe und scheint die Kommunikation zwischen uns zu erleichtern. Dafür bin ich Euch sehr dankbar.

Im Übrigen kenne ich es auch, dass ich mir Gedanken darüber mache, wie wohl andere über meine Handlungen denken und nutze ähnliche Bewältigungsstrategien, wie doc (nach einem Burnout habe ich in einer Reha-Einrichtung die Technik emotionaler Kompetenzen erlernt), was mir sehr hilft, die Dinge gelassener zu betrachten. Auch, wenn das mit Deiner Situation sicher nicht zu vergleichen ist, liebe littleblue, vielleicht kann das ein bisschen Deine Selbstzweifel zerstreuen.

Ich wünsche Dir viel Glück auf Deinem Weg.
Liebe Grüße, Petra
„Die Probleme dieser Welt lassen sich nicht mit den gleichen Denkmustern lösen, die sie erzeugt haben.“ A. Einstein
 
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