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Diagnose: Ihr Sohn ist schizophren
Doro
Ich schreibe hier zum ersten Mal, weil ich für meinen Sohn Entscheidungen treffen soll. Ich habe keine Ahnung was richtig für ihn ist. Zu seiner Geschichte: vor 5 Jahren 2 Monate Psychiatrie. Ängstlichkeit Realitätsverlust, Schlafstörungen. Die Diagnose war Schizophrenie. Nach 6 Monaten Med. Reha ging es ihm besser Diagnose bei der Entlassung Postschizophrene Depression. Danach besuchte er 1 1/2 Jahre eine Abendschule , Richtung Fachabitur, sogar mit gutem Notendurchschnitt. Dann 1/2 Jahr Lehrgang zum CNC-Dreher (Qualifizierung zu seinem Beruf) Im 5. Monat traten wieder Probleme auf. Er musste wieder Tabletten nehmen. Ein neuer Arzt verschrieb ein Medikament, dass zuerst gut anschlug. Im 6. Monat Praktikum in einer Firma wirkten die Medis eher nachteilig. Er wurde häufig früher nach Hause geschickt, fühlte sich sehr müde. Mehrmalige Besuche beim Arzt, Bitte um andere Medikamente abgelehnt In dem Jahr haben sich seine geistigen Fähigkeiten total verabschiedet. Er bewegte sich nur noch ganz langsam, konnte sich nichts merken, einfache Abläufe nicht begreifen. Selbst sein Handy oder MP3-Player waren zu kompliziert. Seit einem Jahr hat er endlich einen neuen Arzt und andere Medikamente, die ihn wieder ein wenig wacher machen. Er macht 2 x in der Woche Ergotherapie, was aber wohl mehr Beschäftigungstherapie ist. 4 Wochen Erprobung ob er für eine berufliche Reha geeignet wäre zeigten, dass einfache Arbeiten wie z.B. Perlenkette oder Vogelhaus basteln immer noch zu schwierig sind. Jetzt drängt das Jobcenter auf einen Rentenantrag, der Arzt befürwortet ambulantes betreutes Wohnen und einen Betreuer. Seine Diagnose lautet:gesicherte Schizophrenie. Man fragt nach Schwerbehinderten Prozente. Ich möchte keine falsche Entscheidung treffen. Mein Sohn hört auf meinen Rat, aber er kann auch nicht absehen welche Folgen diese haben.
 
Andreas
Hallo Doro,

die Geschichte deines Sohnes ähnelt der meinigen.

Was die Situation für deinen Sohn angeht, kann ein SB-Antrag vorteilig sein, wenn er mindestens einen Grad der Behinderung von 50 erhält. Aber auch bei einem Grad der Behinderung von 30 oder 40 kann dein Sohn eine Gleichstellung bei der Arbeitsagentur beantragen. Diese wird ihm dann meistens auch bewilligt, wenn dein Sohn einen Arbeitsplatz in Aussicht hat. Dadurch hätte dein Sohn einen höheren Anspruch auf Urlaub und gesonderten Kündigungsschutz.

Was wiederum einen Rentenantrag für deinen Sohn betrifft, so würde die Rente für deinen Sohn aufgrund der fehlenden Anwartschaft, mindestens 5 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt zu haben, wahrscheinlich nicht erfüllt. Dadurch würde dein Sohn keine Erwerbsminderungsrente erhalten, dafür aber Grundsicherung, die beim Grundsicherungsamt beantragt werden muss. Aktuell beträgt der Grundsicherungssatz circa 800,-€. Was dein Sohn dann noch dazu verdienen darf wären circa 150,-€ monatlich in einem 1,50€-Job mit unter 15 Stunden Arbeitszeit pro Woche.

Alles in allem würde ich meinen, dass dein Sohn nicht viel finanzielle Freiheiten haben wird.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Doro
Mein Sohn hat lt. Rentenbescheid Anspruch auf ca. 700,- € Erwerbsunfähigkeitsrente. Er hat eine abgeschlossene Ausbildung über 3,5Jahre, ein Jahr befristeten Vertrag, Bundeswehr und noch 3 Monate gearbeitet. In dieser Zeit trat seine Krankheit massiv auf. Mein Sohn ist jetzt 28 Jahre alt. Selbst die 1 Stunde Ergotherapie fällt ihm sehr schwer. Er wäre nicht fähig, eine Arbeit über mehrere Stunden auszuführen. Vielleicht wird es irgendwann einmal besser, aber nach 5 Jahren habe ich nicht mehr viel Hoffnung. Der Arzt sieht als mögliches Ziel die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt.
Im Moment erhält er ALGII, aber nach dem letzten Versuch seine Arbeitsfähigkeit zu testen wird man ihn ohnehin zum MD schicken. Man hat ihm dort geraten die Erwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen.
Was mir besonders auf dem Herzen liegt ist die Frage des Betreuers. Der Arzt hat dazu geraten. Solange ich dazu in der Lage bin möchte ich mich weiter um ihn kümmern. Ich gehe mit ihm zu Ämtern, teile sein Geld ein( hat er in der ersten Zeit ALGII in 2-3 Tagen ausgegeben), achte auf seine Termine und seine Zahlungsverpflichtungen bezüglich Strom und Sozialticket. Ich beziehe ihn jedoch überall mit ein. An schlechten Tagen vergisst er innerhalb von wenigen Minuten was er tun wollte. Letztens wollte er ein neues S.Ticket vom Jobcenter. Im Wartebereich habe ich ihn noch einmal daran erinnert, was er der Sachbearbeiterin sagen sollte. Als er an der Reihe war, wusste er es nicht mehr und kam mit einer Kopie seines Leistungsnachweises zurück.
Ich frage mich nun , ob der Arzt von sich aus erwirken kann, das mein Sohn einen Betreuer bekommt?
Wäre es besser wenn ich selbst die Betreuung beantrage? Kann mein Sohn noch von sich aus einen Betreuer bestimmen?
Die Zukunft meines Sohnes sieht wirklich nicht rosig aus, aber mein Hauptziel ist, dass er ein halbwegs zufriedenes, weitestgehend selbständiges Leben führen kann. Im Moment ist er weit davon entfernt.
Wenn ich an ihn denke, wie er vor seiner Erkrankung war ....
Ich höre oder lese, dass Andere mit der gleichen Erkrankung berufstätig sind. Kann es vielleicht auch an den Medikamenten liegen? (150 Venlafaxin morgens und 200 Quetiapin abends. Könnte Psychotherapie helfen? Die Ärzte haben meistens ihr Medikament, woran sie glauben und lassen keine Kritik zu. Mein Sohn hat im letzten Jahr auch erheblich zugenommen, so schnell, dass er Dehnungsstreifen auf dem Bauch bekommen hat. Ich nehme an, dass er durch die Medikamente manchmal kein Sättigungsgefühl hat, aber der Arzt sagt nur: er tut ja nichts.
 
Andreas
Hallo Doro,

was den Betreuer angeht würde ich noch zurückhaltend sein. Wenn du und dein Sohn gut miteinander klarkommt, und du die Möglichkeit hast dich ähnlich wie ein Betreuer um ihn zu kümmern, dann würde ich so weitermachen wie bisher.

Was eine Psychotherapie angeht, so kann diese ihm helfen, aber vielleicht auch parallel dazu eine Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe. Auf dieser Seite hier sind im Artikel-Bereich Selbsthilfegruppen nach Bundesländern sortiert aufgeführt. Der Link dorthin lautet: http://www.schizo...?cat_id=18

Ansonsten kann deinem Sohn, was das Gewichtsproblem anbelangt auch etwas Sport helfen oder Bewegung ganz allgemein.
Ausgedehnte Spaziergänge sind zum Beispiel eine Möglichkeit. Zumal diese bei mir auch noch die positive Wirkung hatten, dass ich meinen Kopf freibekommen habe von negativen Gedanken.

Ich bin in meiner Wohngegend an verschiedenen Seen spazieren gegangen, um denen Parkanlagen herum waren. Zu dieser Idee bin ich auch erst durch meine Psychotherapie gekommen.
Ich war auch viel im Stadtzentrum von Berlin mit einer Kamera unterwegs und habe dabei ruhige entspannende Musik gehört. Dabei konnte ich auch sehr viel Kraft für mich gewinnen.

Weiterhin habe ich mich auch sportlich betätigt, was ich leider dieses Jahr aufgeben musste, durch meine ehrenamtliche Tätigkeit hier in Berlin.
Ich hatte Badmiton gespielt, eine Zeit lang sogar mehrmals die Woche.

Im Jahr 2007 hatte ich noch ein Gewicht von ca. 106 Kg bei 181cm Größe.
Was mir sehr beim abnehmen half war eine Umstellung meiner Ernährung. Mein Frühstück bestand aus Müslie mit Sirup und Quark und Abends aß ich dann Salate, Gemüse- und Obstsalat. Dadurch habe ich innerhalb von 2 Jahren ein Gewicht von 88 Kg erreicht.
Wobei ich sagen muss, das Psychopharmaka dazu beitragen übergewichtig zu werden. Daher ist es besonders wichtig für uns Betroffene, auf unsere Ernährung zu achten und darauf, dass wir uns viel bewegen.

Zum Einkommen deines Sohnes. Du hast geschrieben, dass dein Sohn in etwa 700,-€ Rente erhalten wird. Dazu kann dein Sohn ergänzend Grundsicherung beantragen, damit er wenigstens auf ein Einkommen in Höhe von 800,-€ kommt.
Wenn dein Sohn mal wieder fit genug ist um eventuell einen Mini-Job auf 450,-€-Basis auszuüben, kann er die Grundsicherung streichen lassen und dafür zu seinen 700,-€ dann noch die 450,-€ dazu verdienen, dann würde er finanziell etwas besser dastehen.

Um noch einmal auf die Betreuung zurück zu kommen.
Es gibt viele berufliche Betreuer, aber es gibt keine Ausbildung für berufliche Betreuer, das kann also jeder machen. Das birgt das Problem in sich, dass sehr viele Betroffene durch die Betreuung mehr Probleme haben als sie ohne Betreuer hätten. Leider fehlt es sehr vielen Betreuern an entsprechender Kompetenz. Was eher zu raten sei ist ein betreutes Einzelwohnen, wo dein Sohn seine Wohnung behält und er einen Sozialarbeiter an seiner Seite hat mit dem er seine Dinge erledigen kann, aber auch Gespräche führen kann über Gott und die Welt und auch nicht zwingend in seiner Wohnung. So sind z.B. Café-Besuche oder Kino-Besuche, auch die schon von mir angesprochenen Spaziergänge möglich.
Das ist meiner Meinung nach die beste Form der Betreuung, da dies nur Sozialpädagogen oder Menschen mit ähnlicher Ausbildung durchführen dürfen.
Von gerichtlich bestellten Betreuern ist dringend abzuraten, aus den von mir zuvor genannten Gründen. Unter den gerichtlich bestellten Betreuern gibt es viele "schwarze Schafe".
Dazu könntest du dir vielleicht auch mal den Tätigkeitsbericht der Beschwerde- und Informationsstelle Psychiatrie (BIP) in Berlin durchlesen. Der Link zum Dokument lautet: http://www.psychi...199.0.html

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
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Doro
Ich wünsche allen frohe Pfingsttage.
Vielen Dank für die schnellen Antworten. Leider ist es sehr schwierig mit anderen über dieses Thema zu reden. Ich habe auch nur wenigen nahen Verwandten erzählt, dass mein Sohn psychisch krank ist. Nicht weil ich mich für ihn schäme, sondern weil es doch viele Vorurteile gibt. Weil man sich ihm gegenüber abweisend verhalten könnte. Die soziale Ausgrenzung ist ohnehin ein großes Problem. Alle Freunde und Bekannte, die er vorher hatte, haben sich zurückgezogen. In seine Wohnung hat er auch nur einmal jemanden eingeladen. Für ihn war es schwierig die Bekannten wegzuschicken, als es ihm zuviel wurde.
Das ambulante betreute Wohnen hört sich nicht schlecht an. Es würde ihm die Möglichkeit geben auch mit jemand anderen zu reden. Psychotherapie ist sicher einen Versuch wert. Mein Sohn ist jedoch nicht krankheitseinsichtig, in seinen Augen geht es ihm meistens gut. Er redet daher auch nicht über seine Probleme. Wenn er ein neues Medikament oder eine höhere Dosis eines Medikamentes bekommen hat, kann ich nur aus seinem Verhalten schließen wie es wirkt.
Die Ernährung haben wir schon umgestellt, auch bei uns daheim findet er nur Obst und Gemüse, was er zwischendurch essen könnte. Für den Sport muss er noch den inneren Schweinehund überwinden.
Als es ihm noch besser ging hat er sich auch eine Bridge-Kamera gekauft. Er hatte auch vor in der Stadt Aufnahmen zu machen, kam aber dann wohl mit der Technik nicht klar. Vielleicht kann ich ihn dazu animieren, es mit einer einfacheren Kamera auszuprobieren. Irgendwie scheint ihr manches gemein zu haben.

Ich stelle mir manchmal vor, dass sein Gehirn eine Art Schutzfunktion aktiviert hat. Einfach alles ausblendet, was er nicht ertragen könnte. Bis vor ca. 2 Jahren hat er noch viel geweint, jetzt wirkt er eher abgestumpft. Nur bei Stress merke ich wie es in ihm arbeitet. Während seiner 4 Wochen Erprobung wollte man ihn zwingen sich mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen. Er sollte mit anderen zusammen eine Ausarbeitung über psychische Erkrankungen machen. Es wurde eine Vereinbarung aufgesetzt, die er auch unterschreiben musste. Im Abschlussbericht stand dann, dass er sich nicht daran gehalten hat. Kann man jemanden dazu zwingen? Und was kann passieren, wenn er plötzlich begreift was mit ihm los ist? Die Diagnose hat er ja schon oft gehört, aber irgendwie prallt sie an ihm ab.

Herzliche Grüße Doro
 
Andreas
Ich denke nicht, dass die Dinge, wie seine Diagnose an deinem Sohn abprallen. Er nimmt sie sicherlich wahr, macht sich vielleicht auch seine Gedanken darüber, aber aufgrund der Medikation wird er auch seine Gefühle nicht so zeigen können, da diese das Empfinden auch etwas abstumpfen.

Eine Post-Schizophrene Depression wurde bei mir nach meinem Klinikaufenthalt auch diagnostiziert. Was aus meiner Sicht auch richtig war. Ich hatte mich damit ca. 8 Jahre abgemüht, bis meine kognitive Verhaltenstherapie (Psychotherapie) Wirkung zeigte. Die Post-Schizophrene Depression ist sehr häufig bei Betroffenen nach der Ersterkrankung und gehört wohl auch gewisser Maßen zum Verlauf dazu.

Aber, was du schon angesprochen hast, den inneren Schweinehund, den muss jeder selber überwinden. Gerade dabei helfen eben auch Gespräche und vielleicht auch die von mir schon angesprochene Selbsthilfegruppe für deinen Sohn.

Was du angesprochen hast, bezüglich auf die Vorurteile, so ist das leider noch ein großes Problem. Auch weil dies oft innerhalb der Familie stattfindet oder im von dir angesprochenen Freundeskreis. Da ist dein Sohn aber auch nicht der einzige. Dies betrifft leider sehr viele Betroffene.

Es sind sich leider nur zu wenige Menschen darüber bewusst, dass eine psychische Erkrankung jeden treffen kann. Dazu gehört noch nicht einmal viel, denn es müssen "nur" mehrere ungünstige Situationen auf einmal aufeinander treffen und schon kann es passieren, dass die Psyche des Menschen damit nicht klar kommt und ein Mensch entsprechende Auffälligkeiten entwickelt.
Studien haben ergeben, dass ca. ein drittel aller Erwachsenen Menschen in Deutschland psychisch behandlungsbedürftig erkrankt ist, bzw. einmal erkrankt war.

Eine Studie vor mehreren Jahren hatte sogar ergeben, dass im Durchschnitt über 200% der Befragten eine psychische behandlungsbedürftige Auffälligkeit hat. Das bedeutet, dass jeder mindestens 2 Diagnosen bekommen müsste. Die Studie wurde bei "gesunden" Menschen durchgeführt.
Auch meine Ärztin erzählte mir mal, dass es im Prinzip keinen Menschen gibt, der wirklich vollkommen psychisch gesund ist.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
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Doro
Hallo Andreas
Ich glaube auch, dass viele psychisch krank sind, es aber nicht wahrhaben wollen. Wenn ich allein in meiner, oder angeheirateter Verwandtschaft umschaue.... 3 Geschwister meines Vaters haben sich selbst das Leben genommen, der Stiefvater meines Mannes ebenfalls. Meine Schwägerin war wegen psychischer Probleme beim Arzt. Der empfahl ihr einen Psychologen aufzusuchen, aber sie meinte : ich bin doch nicht verrückt. Es folgten Alkoholsucht und Essstörung. Meine Schwester hat seit 3 Jahren Probleme mit verspannten Muskeln, sie kann kaum noch laufen. Ich habe sie darauf hingewiesen, dass ich selbst wegen Stress Rückenbeschwerden hatte. Ich habe nach Spritzen, Massage usw. ein pflanzl. Mittel zu Entspannung bekommen. Nach ca. 3 Wochen waren die Beschwerden weg. Ich habe gelernt mich zu entspannen und mir auch Auszeiten zu nehmen, damit ich auch Krisen überstehen kann. Aber meine Schwester meinte in ihrem Kopf wäre alles in Ordnung. Mein Schwager ist eigentlich nicht viel besser dran als mein Sohn, die Symptome sind nur etwas anders. Wenn er zuhause ist, darf es keine Geräusche geben - kein Tellerklappern beim Tischdecken, es darf keine Waschmaschine oder Spülmaschine laufen, beim Fernsehen darf man nichts essen was Geräusche macht. Obwohl er recht wohlhabend ist, dreht er mitten am Tag das warme Wasser ab. Er steht nur nach mehrmaligem Wecken durch meine Schwester auf. Sie muss dann bereits die Wohnung warm haben und fertig angezogen sein. Wenn er aus dem Haus geht, dreht er die Heizung ab. Eine Zeitlang glaubt er Krebs zu haben. Im Urlaub wurde es besonders schlimm. Er legte er sich ins Bett und meinte zu sterben. Im Krankenhaus stellte man nur eine Magenreizung fest, aber er zweifelte die Diagnose an und brach den Urlaub ab. Ein Cousin von ihm ist auch schizophren. Ich weiß nicht viel von ihm, nur dass er manchmal meint jemand anderer zu sein. Einmal soll er in ein Autohaus gegangen sein und hat sich einen neuen Sportwagen bestellt.
Nur durch Zufall haben die Eltern davon erfahren und konnten den Kauf rückgängig machen. Wenn man das als Außenstehender hört, kann man darüber lachen, aber für die Eltern muss das schlimm gewesen sein. So einfach verzichtet ein Autohändler nicht auf Geld. Ich krieg schon die Krise wenn mein Sohn mal wieder einen Deckel gemacht hat und die Mahnung im Briefkasten liegt. Es wird ja nicht in jeder Familie so aussehen, aber die Zahlen, die manchmal genannt werden sind sicher viel zu niedrig.
Herzliche Grüße

Doro
 
Reni
Liebe Doro!
Ich habe gelesen, was du über dich und deinen Sohn geschrieben hast.
Vorher hatte ich einen neuen Artikel geschrieben.
Nun sieht das bei euch ja ganz anders aus als bei uns .Dein Sohn hat zumindest einen Ausbildung gemacht und gearbeitet aber unsere Kinder sind im selben Alter. Meiner macht öfter Sport und fühlt sich dann für einige Tage wieder besser aber zur Zeit steht er einfach nicht auf um zu seiner Arbeitsamtsmaßnahme zu gehen, die er mit Hilfe seines Einzelfallhelfers bekommen hat.
Inzwischen habe ich mich selbst soweit herausgenommen, daß ich ihn nicht mehr wecke, ihm kein Geld mehr leihe (welches er mir sowieso nicht zurückzahlt) und auch gar nichts mehr fühle, wenn er wieder mal etwas sausen lässt. Er weiß einfach nicht was er will.
Für mich macht das alles keinen Sinn mehr. Letztendlich muß er wohl allein die Verantwortung für sein Leben übernehmen.
Aber vielleicht tröstet es dich, wenn du liest, daß du nicht allein bist mit deinen Problemen.
Kommt Zeit, kommt Rat.
Grüße Reni
 
Doro
Hallo Reni,

danke für deine lieben Worte. Es tut wirklich gut, sich mit anderen austauschen zu könne. Schizophrenie ist nun mal keine Krankheit über die man locker mit den Nachbarn reden kann. Selbst bei Verwandten bin ich sehr zurückhaltend. Das mit der Maßnahme haben wir auch hinter uns. Er hat extra bei uns übernachtet, damit ich ihn morgens wecken kann. Er ist auch jeden morgen pünktlich losgegangen, aber nach einem Monat ist er einfach nicht mehr hingegangen. Er lief während der ganzen Zeit, immerhin 6 Stunden am Tag irgendwo rum. Er hatte riesiges Glück, dass die Arge ihm das Geld nicht kürzte. Da mein Sohn in den ersten Monaten mit Hartz4 sein Geld in den ersten 2-3 Tagen ausgegeben hat, habe ich die Verwaltung seiner Finanzen übernommen. Das mache ich, mit seinem Einverständnis, schon über 2 Jahre. Bis jetzt leben wir gut damit. Um den Druck des Arbeitsamtes zu entgehen hat er jetzt die Erwerbsunfähigkeitsrente beantragt. Er ist 60% Schwerbehindert.
Die Ausbildung nützt ihm weil er dadurch einen Anspruch auf Rente erworben hat. In seinem Beruf wird er wohl nie mehr arbeiten. Jetzt will ich versuchen für ihn Kindergeld zu bekommen. Das ist eventl. möglich weil er vor dem 25. Lebensjahr erkrankte. Wenn es klappt, dann ist er weg vom Amt, der Unterhalt wäre gesichert. Hat dein Kind eine eigene Wohnung, oder lebt es noch zuhause? Es ist nicht leicht damit klar zukommen.

Herzliche Grüße

Doro
 
Reni
Hallo Doro,
Vielen Dank für deine schnelle Antwort.
Du hast eine Sohn? Ist er dein erstes und einziges Kind?
Beim ersten Kind ist es alles noch einzigartig.
Meine Tochter (30) ist beim Vater aufgewachsen. Zu ihr habe ich wenig Kontakt gehabt.
Mein Sohn hat eine eigene Wohnung, aber das scheint meiner Meinung nach das Problem zu sein.
Da wir ehemalige Ossis sind und ich früher mit meinem Bruder und Eltern zu viert gelebt habe, war ich eine gewisse Geborgenheit und Kommunikationsdichte gewohnt.
Nach der Wende habe ich erst mit ihm allein gewohnt. Da war ich an einer schiziphrenen Psychose erkrankt und habe ihm viel Ballast mitgegeben.
Er hat meine Zusammenbrüche mitbekommen und ich habe wegen der Scheidung und einiger körperlicher Auseinandersetzungen ein schlechtes Gewissen gehabt.
Dann kam sein Bruder den wir gemeinsam großgezogen haben bis er in die Pubertät kam und dann ins Heim. Es hat ihn aber auch sozial gefestigt, ist sehr hilfsbereit geworden dadurch.
Nun in einer eigenen Wohnung allein hat er keinen Ansprechpartner, keine Geborgenheit, so hängt er rum, schaut Fernsehen, spielt Computer und liegt viel im Bett wenn er wiedermal Magenkrämpfe oder ein anderes Leiden hat um Aufmerksamkeit zu bekommen. Da er einen Reizdarm hat, habe ich ihm empfohlen, seinen Darm mit aufbauenden Bakterienstämmen zu kurieren. Leider ist er nicht mutig um etwas auszuprobieren.
Im Heim wurde er als hyperaktiv diagnostiziert. Leider kann ich ihm die alte Nähe nicht wieder geben, außer ich besuche ihn mal oder lade ihn zum Essen ein. Wir machen mit der geschiedenen Familie manchmal Familienessen, damit alle mal in der anonymen Zeit zusammenkommen. Smile
Trotzdem macht er ab und an Sport und baut sich selber wieder auf. Außerdem ist er leidenschaftlicher Fußballfan und arbeitet manchmal bei Union. Ich bin froh wenn er sich immer wieder selber aufrappelt.
Aber vor 2 Jahren hatte er ein großes Tief als ihn erst seine Freundin verließ, er dann seine Arbeit verlor und ihn dann noch seine Freunde verließen. Damals gab ich ihm Geld damit er nicht noch seine Wohnung verlor.
Oft dachte ich, ich hätte ihn fallen lassen sollen, damit er von allein wieder aufsteht, aber als Mutter kann man das einfach nicht wenn das Geld da ist. Nun hat er eine Wohnung kann damit aber nicht umgehen. Er merkt sich keine Termine, schreibt sie sich auch nicht auf, verschläft seine Maßnahme und nimmt alles auf die leichte Schulter. Außerdem hat er auch massive Schlafprobleme. Das wäre aber meiner Meinug nach der Punkt an dem man ansetzen könnte.
Ich hab mal eine Fichte gepflanzt und arbeite zur Zeit in einer Nähwerkstatt. Will sagen, das ist mein Weg Ruhe zu finden. Vielleicht solltet ihr mal gemeinsam einen Baum pflanzen. Wink
Ich dagegen arbeite bis mir die Knochen schmerzen. Man kann eben menschliche Wärme nicht durch Geld oder Materielles ersetzen.
Nach vielen Jahren habe ich am letzten WE meine Familie mal für 2 Tage wiedergesehen. Ich war innerhalb eines Tage völlig entspannt.
Wieder zu Hause hat mich selbst eine lehre Wohnug erwartet und sich die Einsamkeit wieder ausgebreitet. Ich müßte alles! aber auch alles ändern können. Ich würde gemeinsam mit der ganzen Familie leben wollen, mit Opa und geschiedenem Mann, aber die wollen einfach nicht. Sie sind zu sehr durch die Anonymität der Gesellschaft geprägt und können sich wohl auch nichts anderes mehr vorstellen.
Alles aufschreiben und sich von der Seele reden kann eine große Hilfe sein. Vor allem muß man ganz fest an sich glauben, daß man das alles schafft und damit den Kinder ein gutes Beispiel sein.
Wenn sie merken, daß du unter den Umständen leidest, fängt die ganze Spirale erst an. Das ist das schwerste.
Ich habe schon mal eine Angehörigengruppe besucht und werde das auch weiter tun, da sich von allein scheinbar nichts ändert.
Nun mach ich mal Schluß und wünsche eine geruhsame Nacht. Reni
Bearbeitet von Reni am 18.09.2013 00:25
 
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