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hallo ich bin neu hier...mein mann hat schizophrenie
knuddele
ich bin seit fast 25 jahren verheiratet und vor zwei jahren wurde bei ihm paranoide schizophrenie festgestellt, weil er wahnvorstellungen hatte und war bisher dreimal stationär in behandlung. Negativsymptome hatte er schon seit jahren..nur wusste ich damals nicht daß dies krankhaft ist. Ich schob diese eigenschaften auf einen gefühlslosen charakter. Mittlerweile hatte ich ihn auch mal für 6 wochen verlassen, bin aber doch wieder zurück gekehrt da wir zwei kinder und ein haus haben und ich uns nochmal eine chance geben will. Er lehnt eine psychotherapie ab da er meint er braucht das nicht. Ich leide besonderst unter seiner gefühlskälte und seiner spracharmut. Es kommt einem vor als sitze er unter einer glasglocke, möchte antworten geben doch kann es nicht. Mir fällt es schwer damit zurecht zu kommen daß ich definitiv auf viele offene fragen, gerade die die beziehung betreffen, keine antworten bekommen. Man fühlt sich wie abgewiesen und nicht ernst genommen. Vielleicht habe ich hier die möglichkeit tipps zu bekommen wie ich damit umgehen soll und was in solchen menschen emotional vorgeht.

viele liebe grüsse
knuddele
 
Andreas
Hallo Knuddele,

emotional geht in Menschen mit einer paranoiden Schizophrenie sehr viel vor. Hauptsächlich sind es viele Ängste. Zum Einen können diese Ängste das Leben von einem selbst angehen, aber auch von Menschen die einem sehr nahe stehen.

In Akutzeiten hatte ich damals Angst um das Leben einer Freundin und meiner Familie. Ganz zum Schluss hatte sich dann meine Angst auch auf mich gerichtet, weswegen ich dann auch freiwillig in die Klinik bin.

Die Negativsymptome hatten sich bei mir erst nach meinem Klinikaufenthalt geäußert.
Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit und noch einiges mehr. In diesem Zeitraum wurde dann auch eine postschizophrene Depression bei mir diagnostiziert.

Was mir aus dieser Situation geholfen hatte war zum einen die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe, zeitgleiche psychologische Verhaltenstherapie über 2 1/2 Jahre und ganz wichtig, eine Änderung meiner Einstellung zum Leben und meine Lebensführung.

Damit hatte ich aber auch erst 7 Jahre nach meinem Klinikaufenthalt begonnen und seit dem geht es mit mir bergauf.

Ich konnte meine Medikation in den vergangenen Jahren immer weiter reduzieren.

Wichtig für mich war allerdings mein Wille nicht den Rest meines Lebens im "Trübsal" zu verharren.
Es kommt halt auf einen selber an.

Was ich dir nur mitgeben kann ist, dass du deinem Mann zur Seite stehen solltest. Biete Ihm Unterstützung an, aber zwinge sie ihm nicht auf.
Begleite deinen Mann durchs Leben als Partnerin, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wenn dein Mann Probleme zu lösen hat, biete ihm deine Unterstützung an, aber lösen muss er seine Probleme selber.

Sei deinem Mann eine Stütze, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Tatsache, dass deinem Mann erst vor 2 Jahren die Diagnose gestellt wurde und das er seit dem schon mehrfach in stationärer Behandlung war spricht dafür, dass er sich noch am Anfang seines Weges befindet.

Eine Psychose ist auch eine Lernerfahrung. Man wird an die Grenzen des eigenen Bewusstseins herangeführt.
Durch eine Psychose hat man aber auch die Chance sein bisheriges Leben zu reflektieren und daraus zu lernen.
Was ist bisher falsch gelaufen, woran sollte ich vielleicht noch arbeiten, was muss ich verändern.

Eine Psychose ist eine Erfahrung, die man niemandem wünscht, die aber sehr viele Möglichkeiten und Chancen bietet sein Leben zu verändern und neu zu gestalten.

Aber um eine Psychose hinter sich zu lassen benötigt es sehr viel Zeit, Ausdauer, Kraft, Kontinuität, ein stabiles Umfeld und ganz wichtig, den eigenen Willen.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
knuddele
hallo ich danke Dir für Deine Antwort. Ja Ausdauer und Geduld das ist wohl das Zauberwort. Sein Problem ist wohl diese Uneinsichtigkeit seiner Krankheit gegenüber. Er will es nicht wahrhaben und verdrängt es. Ich frage mich immer wie ich es anstellen soll daß er annimmt und ihm keiner was böses will wenn man ihm sagt daß er etwas unternehmen soll auch der Beziehung wegen. Erst war von Psychotherapie die Rede nun will er schon gar nix mehr davon hören und blockt ab. Es ist schwer für mich das anderst denken und fühlen zu begreifen. Weiss net so recht wie ich ihm helfen soll daß er über Gedanken und Gefühle reden kann. Ist irgendwie so als ob man ihn nicht erreichen kann und er in ner anderen Welt lebt. Er kann auch nicht lachen und auch keine Trauer oder dergleichen zeigen...ist echt zum verzweifeln. Als Partner fühlt man sich durch dieses Verhalten abgelehnt als ob er sich für nichts interessiert außer materielle Dinge...

lieben Gruss

Petra
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Kybele
hei Knuddele,

was ich dir noch empfehlen will, ist auch eine Selbsthilfegruppe für dich selbst zu finden. Es gibt Selbsthilfegruppen für Angehörige, wo man sich auch mal richtig ausquatschen kann und seelische Hilfestellung bekommt. Dort wird einem aber auch gezeigt, wie man das eigentlich schädliche Verhalten des Partners/Angehörigen durch die eigene Co-Abhängigkeit z.T. auch noch unterstützt und dadurch erhält und manchmal sogar verschlimmert.
Manchmal hilft es auch, wenn man sich selbst -parallel zur Selbsthilfegruppe- in eine unterstützende Therapie begibt, wenn es für einen selbst zu viel wird. Man Kraft zum Weitermachen braucht bzw. manchmal auch zum Aufhören.
Wichtig ist aus meiner Sicht (auch Angehörige) auf jeden Fall, dass du mit anderen über die Probleme sprichst. Sowas kann kein Mensch auf Dauer allein tragen, ohne dass es ihn zerfrisst.
 
Petra
Hallo Petra,
mir hat das Lesen der Beiträge hier sehr weiter geholfen. So konnte ich eigens Verhalten besser Reflektieren. Manchmal sind die Geschichten der Anderen, wie ein Spiegel des eigenen Lebens, nur dass sie sich besser ertragen lassen.
Ich wünsche Dir alles Gute
Liebe Grüße, Petra
„Die Probleme dieser Welt lassen sich nicht mit den gleichen Denkmustern lösen, die sie erzeugt haben.“ A. Einstein
 
knuddele
Kybele schrieb:

hei Knuddele,

was ich dir noch empfehlen will, ist auch eine Selbsthilfegruppe für dich selbst zu finden. Es gibt Selbsthilfegruppen für Angehörige, wo man sich auch mal richtig ausquatschen kann und seelische Hilfestellung bekommt. Dort wird einem aber auch gezeigt, wie man das eigentlich schädliche Verhalten des Partners/Angehörigen durch die eigene Co-Abhängigkeit z.T. auch noch unterstützt und dadurch erhält und manchmal sogar verschlimmert.
Manchmal hilft es auch, wenn man sich selbst -parallel zur Selbsthilfegruppe- in eine unterstützende Therapie begibt, wenn es für einen selbst zu viel wird. Man Kraft zum Weitermachen braucht bzw. manchmal auch zum Aufhören.
Wichtig ist aus meiner Sicht (auch Angehörige) auf jeden Fall, dass du mit anderen über die Probleme sprichst. Sowas kann kein Mensch auf Dauer allein tragen, ohne dass es ihn zerfrisst.

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knuddele
hallo,
danke das ist eine gute idee...es geht ja darum das fühlen und denken zu verstehen. Es tut aber schon gut sich auch hier auszutauschen und das gefühl zu bekommen man ist nicht alleine mit solchen problemen.

viele liebe grüsse
petra
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knuddele
Petra schrieb:

Hallo Petra,
mir hat das Lesen der Beiträge hier sehr weiter geholfen. So konnte ich eigens Verhalten besser Reflektieren. Manchmal sind die Geschichten der Anderen, wie ein Spiegel des eigenen Lebens, nur dass sie sich besser ertragen lassen.
Ich wünsche Dir alles Gute
Liebe Grüße, Petra

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knuddele
Hallo,
ja stimmt das hilft schon sehr. Ich habe auch schon viele Parallelen zu meinem Leben entdeckt. Hilfreich wären bestimmt auch Telefonate untereinander...ist einfacher als die Schreiberei...

lieben Gruss
Petra
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Petra
knuddele schrieb:

Hilfreich wären bestimmt auch Telefonate untereinander...ist einfacher als die Schreiberei...

lieben Gruss
Petra


....Ja, das mag für manche sehr hilfreich sein. Ich ziehe es vor, hier zu lesen. Das ist meine Form der Abgrenzung. So kann ich entscheiden, wann und wozu ich meine Meinung schreibe und setze meine Kräfte gezielt ein. Und ich denke darüber nach, mich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.
Ich wünsche Dir genug Abgrenzung für Dich und will auch die Empfehlung , selbst eine Therapie zu machen, unterstreichen. Das hat auch mir sehr geholfen. Da werden zunächst erst einmal eigen Verhaltensmuster aufgebrochen, die dazu führen, dass man sich selbst nicht abgrenzen kann in solchen Situationen. Wenn man erst einmal in den Spiegel gesehen hat und sich seiner Muster bewusst ist, dann schafft man es besser, sich abzugrenzen. Das hat mir sehr geholfen. Ich habe bisher 3 Therapien hinter mir (selbstbestimmt)
Viel Glück auf Deinem Weg, Petra
„Die Probleme dieser Welt lassen sich nicht mit den gleichen Denkmustern lösen, die sie erzeugt haben.“ A. Einstein
 
knuddele
ja da hast Du recht...ich mache auch oft den Fehler daß ich Reaktionen meines Mannes auf mich persönlich beziehe...fängt schon an wenn er abweisend reagiert das auf mich zu beziehen und vergesse manchmal daß er ja gar net anders kann..hast Du eine Therapie bei einem Psychologen gemacht....oder an wen hast Du Dich gewendet? Vielen Dank für Deine nette Antwort...

Grüssle Petra
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Petra
Smileja, ich habe mir von meiner Hausärztin eine Überweisung geben lassen und mir dann eine Psychologin gesucht. Das ist nicht so leicht, weil es nicht genug Psychologen gibt. Deshalb sollte man dran bleiben und das auch, durch in Erinnerung bringen, deutlich machen. Du musst schon mit einem halben Jahr Wartezeit rechnen.
Liebe Grüße, Petra
„Die Probleme dieser Welt lassen sich nicht mit den gleichen Denkmustern lösen, die sie erzeugt haben.“ A. Einstein
 
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