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bestimmbarkeit
menzoni
dies ist zuerst eher eine offenere Frage.

Ich halte meinen Vater für seelisch schwer erkrankt.
Sein Zustand hat keinen klinischen Namen erhalten.
Fakt ist das meine Grossmutter und ihr Bruder sich das Leben genommen haben auf Grund von damals diagnostizerter Altersdepression bei meinem Grossonkel und manischer Depression bei meiner Grossmutter.
Ich mutmasse seit längerem, dass diese Familie Schizophrenie in ihren Erbgenen hat.
Mein Vater ist erst jetzt im Alter so sehr erkennbar verändert. Er herrscht einen oft grundlos an, beleidigt einen, demütigt, um es im nächsten Moment vergessen zu haben. Manchmal ist er so abwesend.
Diese Demütigungen werden häufiger. Und manchmal redet er recht abgedrehtes Zeug.
Sinnt nach, wundert sich, warum im Winter zwischen Bierkästen in einem Lokal "Grillen zirpen". Redet japanisch mit Gänsen im Park. Das hört sich lustig an, denn da ist eine Gratwanderung zwischen grosser Verspieltheit und wirklicher Weltunzugänglichkeit. Aber ich finde es unheimlich. ich weiss dann nicht, wer da vor mir ist. Ich finde da ist auch ein Stück Wahnsinn im Spiel.
Im Grunde wechselt er ständig Ebenen im Gespräch.
Er fühlt sich betrogen, hintergangen. Ist zutiefst misstrauisch, dass nicht jeder nur an sein Geld will, beleidigt meine Mutter mit die Alte und wie dick sie ist um im nächsten Moment keinen Zugang zu seinen Aussagen zu haben.
Meine Mutter ist selber labil und verweigert es, die Veränderungen zu bestätigen.
Ich kann so nicht weitermachen. Ich weiss nicht, an wen ich mich wenden soll, um eine Einschätzung zu bekommen was mit ihm los ist. Ich wäre über jeden Hinweis dankbar. Auch würde ich natürlich noch versuchen , genaueres und mehr darüber zu sagen, falls durch meine Schilderungen
noch kein Bild zustandegekommen sein sollte.
Bearbeitet von menzoni am 22.07.2008 20:21
 
Andreas
Hallo Menzoni,

ich weiß nicht wie alt Dein Vater ist, aber es ist durchaus möglich dass bei ihm so etwas wie "Demenz" oder gar eine Gefäßerkrankung eine Rolle spielen kann. Vielleicht wäre es nicht schlecht zu versuchen Deinen Vater dazu zu überreden sich einmal gründlich untersuchen zu lassen um eventuelle körperliche bzw. organische Erkrankungen auszuschließen. Sollte dies alles ohne Befund bleiben wird wahrscheinlich ein Gang zum Psychiater notwendig. Auch dabei ist es wichtig viel Vorsicht walten zu lassen. In diesem Fall kannst Du Dich ja an den Bundesverband der angehörigen psychisch Kranker wenden. Auf deren Web-Seite (http://www.bapk.de) sind auch Möglichkeiten um mit dem zuständigen Landesverband in Kontakt treten zu können bereitgestellt. Aber als erstes solltest Du eventuell einmal ein Gespräch mit seinem behandelnden Hausarzt suchen und mit Ihm alles besprechen. Menschen im Alter benehmen sich oft sehr merkwürdig. Liegt aber meist daran, dass sie in irgend einer Weise erkrankt sind. Sei es nun eine Gefäßverengung oder sonst irgend etwas. Wie schon geschrieben, es ist halt wichtig erst einmal zu klären ob das Verhalten Deines Vaters physisch oder psychisch bedingt ist.

Ich wünsche dennoch ein schönes Wochenende und sende beste Grüße
Andreas
 
Web
menzoni
Ich danke Dir Andreas. Dass Du meine Geschichte ernst nimmst.
Schon alleine den Hausarzt zu erfahren, ist bei dieser Familie ein Minentreten.
Ich dachte auch lange, das ist das Alter, eine Erkrankung, die das Gehirn mit verändert hat. Das kann hinzukommen.
Aber eigentlich war er immer so. Unberechenbar, viele Gesichter, viele Menschen in einem.
Und nachdem ich -recht spät-erfahren habe, was da in der Familie los war, kommt man schon ins Grübeln.
Ich werde mich auch einmal an die von Dir genannte Webseite wenden.
Ich hoffe, dass sie mir als Angehörige was sagen können. Denn diese Attacken sind unerträglich, zumal er jetzt immer wieder betont, wie ich doch psychische Probleme habe im Vergleich zu ihm. Und dass ich froh sein kann, dass Menschen nicht von mir abrücken, so wie ich REAGIERE(auf seine Verhöhnungen und Angriffe)
Bearbeitet von menzoni am 27.07.2008 20:27
 
Andreas
Hallo Menzoni,

es ist gerade für Angehörige von Menschen mit einer psychischen Belastung nicht einfach mit der Situation klarzukommen. Ich persönlich bin selbst Betroffener und meine Familie (hauptsächlich meine Eltern) hat es mit Sicherheit nicht leicht immer mit mir klarzukommen. Aber wie ich Dir in meiner Antwort geschrieben habe, hast Du halt die Möglichkeit in Deinem Landkreis Dir ebenfalls Kontakte zu suchen von ebenfalls Angehörigen mit psychisch belasteten Kindern oder anderen Familienangehörigen. Du darfst halt nicht den Fehler machen und alles so sehr persönlich nehmen und zu versuchen alles Allein zu regeln. Dafür gibt es halt die Vereine und Organisationen die Angehörigen, aber auch Betroffenen helfen mit der Situation umzugehen.

Gruß
Andreas
 
Web
menzoni
Hallo Andreas,

Danke. Zu hören, dass es nicht immer persönlich zu nehmen ist, ist ein guter Hinweis.
Leider gibt es bzgl. der Befindlichkeit meines Vaters soviel Weigerung, dieses wahrzunehmen und auszusprechen, dass es für Jahre "besser" war, mich in die Rolle der psychisch Angeschlagenen zu schicken. So blieb die Ehe meiner Eltern aufrechterhalten. Erst jetzt beginne ich aus dieser
Identität aufzuwachen und herauszuwachsen. Ich war lange bitter deswegen, aber nun möchte ich gerne einen Schlüssel finden, die Gesamtsituation der Familie zu entlasten.
Bearbeitet von menzoni am 28.07.2008 17:09
 
Andreas
Es gab vor geraumer Zeit ein mal die These der "schizogenen Mutter". Dies darf man aber nicht zu wörtlich nehmen, denn meist spielt dabei nicht nur die Mutter sondern beide Elternteile ein große Rolle. Wahrscheinlich ist man deswegen auch wieder davon weggekommen. Du schreibst Du wurdest in diese Rolle "geschickt". Das stelle ich mir persönlich sehr anstrengend vor. Du musstest Dir mit Sicherheit daher öfter üble Dinge anhören. So geht es zumindest mir seit meiner Diagnose. Daher habe ich vor Kurzem begonnen mein eigens Leben zu führen und mehr Abstand zu meinen Eltern zu gewinnen. Das Du jetzt dabei bist auch Dein eigenes Leben zu suchen ist sehr gut, denn wenn man sich zu lange und zu intensiv immer alles gefallen lässt und alles erträgt ist es schnell passiert und man entwickelt selbst psychische Auffälligkeiten. Zumindest aber wird das Leben fast unerträglich. Daher ist Dein Schritt sehr zu begrüßen. Ich habe gestern selbst einen Artikel gelesen der Deiner Situation lediglich vom Grunde an ähnlich ist. Ich habe ihn innerhalb meiner News mit der Schlagzeile "Die Psychose die auf der Autobahn begann" verlinkt und kommentiert.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es nicht wirklich leicht ist mit Eltern zusammen zu leben die nicht leicht zu "handhaben" sind. Die Uneinsichtigkeit der Betroffenen das sie eigentlich Hilfe benötigen ist sehr häufig und auch absolut "normal". Denn eigentlich ist es ja so, dass sie nicht merken das mit ihnen etwas nicht stimmt. Meist ist es ein schleichender Prozess mit so geringen Veränderungen der eigenen Person. Diese Veränderungen steigern sich zwar, aber halt extrem langsam bis zur akuten Phase hin. Ich hatte zum Beispiel Glück, dass ich gerade bei der Ärztin in der Klinik einen kleinen "lichten Moment" hatte und mir bewusst wurde das etwas mit mir nicht stimmt. Denn eigentlich bin ich lediglich deswegen in die Klinik gegangen, weil ich davon ausging halt dort in Sicherheit zu sein vor diversen üblen Typen.

Nette Grüße
Andreas
 
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menzoni
Wenn das zum Standardwissen gehören sollte, dann werde ich mich woanders kundig machen, aber erst frage ich Dich: was ist eine schizogene Mutter?
Mit Eltern zusammenleben.............Mich wundert nicht, dass Du aus meinem Schreiben zu entnehmen meinst, dass ich mit meinen Eltern zusammenlebe. Dem ist nicht so. Ich bin 44 Jahre alt und lebe seit vielen Jahren nicht mehr mit ihnen. Es hat nur nie ein Ablösung gegeben.
Und ja, ich musste mir sehr demütigendes anhören. Es hat mein Leben und das Miteinander mit anderen massgeblich beeinflusst und erschwert. Ich habe keinen Alltag, da immer wieder Job verloren auf Grund von Ängsten und Mobbing. Ich sehe es als eine permanente Reinszenierung der Atmosphäre im Elternhaus.
Ich war auch mal in einer Klinik, denn ich hatte mich auf Grund dieser beschriebenen Belastungen in eine Abwehr, gesellschatfliche Verantwortung, ja überhaupt Verantwortung für mein Leben zu übernehmen sosehr verzogen, dass ich lange Zeit immer knapp vor einer Psychose stand. Nun stehe ich vor meiner mangelnden Strukturfähigkeit-und gelebtheit und weiss eigentlich nicht weiter, weil immer dann, wenn ich es schaffe, mich als eigenständig zu fühlen und zu agieren, meine Eltern das , so wenig ich sie auch sehe, mit ihrem Verhalten unterbinden. Die Verquickungen sind verheerend. Irgendwann ist nicht mehr klar, wer wen bedroht, wer wen mehr belastet. Denn ich sehe sie auch als Opfer.
Abgrenzung ist mir nur durch physischen Abstand "etwas" möglich. Es dimmt das Gefühl, an allem immer schuld zu sein.
Bearbeitet von menzoni am 29.07.2008 17:47
 
Andreas
Der Begriff oder die These der "schizogenen Mutter" besagt hauptsächlich, dass halt die Eltern eine Hauptschuld an einer psychischen Störung tragen.
Wie schon geschrieben, dies solltest Du nicht zu wörtlich nehmen und ich möchte Dir auch nichts unterstellen. Ich kenne Deine Familie nicht und weiß auch nicht wie z.B. Deine Großeltern so waren oder sind und wie sie mit Deinem Vater umgegangen sind. Diese These wurde aber schon vor einiger Zeit widerrufen und man geht jetzt halt von einem multifaktoriellen (viele Faktoren) Zusammenhang aus. Das heißt so viel wie, dass es halt viele verschiedene Zusammenhänge gibt die letztendlich zum Ausbruch einer psychischen Auffälligkeit führen. Dies sind soziale, biologische, chemische und genetische Ursachen die zusammenspielen und letztendlich zur Störung führen. Aber auch körperliche oder organische Usachen können psychisch auffällige Symptome hervorrufen. Daher hatte ich in meiner ersten Antwort geschrieben, dass auch abzuklären ist ob bei Deinem Vater nicht eventuell auch organische oder körperliche Veränderungen die Ursache seines Verhaltens sein können die vom Hausarzt festzustellen wären.

Ich kann Deine Situation schon ganz gut verstehen, weil ich halt auch erst vor einigen Monaten damit begonnen habe den Kontakt zu meinen Eltern zu reduzieren und versuche mich ein zweites mal "abzunabeln". Seit meiner akuten Phase haben meine Eltern derart geklammert und versucht mir alles abzunehmen und mich zu beeinflussen, dass auch ich es halt nicht mehr ausgehalten habe. Ich war quasi nicht mehr ich selbst sondern habe begonnen das Leben meiner Eltern zu leben. Irgendwo habe ich auch verständnis dafür, denn meine Eltern waren enorm geschockt von meiner damaligen Situation und wussten halt nicht wie sie damit umgehen sollten. Ich habe zwar versucht mehrere Male ihnen zu erklären wie sie mit mir umzugehen haben, aber sie haben ihr verhalten mir gegenüber nicht verändert. Selbst Ratschläge von außen haben sie ignoriert. Vielleicht wäre es aber für Dich auch mal ganz gut den Kontakt zu Deinen Eltern für eine gewisse Zeit komplett zu unterbrechen um halt ein gewisses Maß an Abstand zu gewinnen. Dies soll keine Vorschrift an Dich sein, es ist lediglich ein Hinweis wie Du eventuell damit umgehen könntest. Wichtig ist aber für Dich, dass Du halt Abstand gewinnst. Auf welche Art und Weise das passieren kann musst Du aber für Dich entscheiden. Das Andere was für Dich ebenfalls sehr wichtig sein könnte wäre halt den Kontakt zu suchen zum Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker Deines Bundeslandes um auch mal dort Dir Rat und Hilfe zu suchen. Dort sind ebenfalls Angehörige die ähnliche Probleme haben wie Du und Dir da aus ihrer Erfahrung heraus weiterhelfen können.

Schöne Grüße sendet Dir
Andreas
 
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menzoni
Hallo Andreas,
ich danke Dir für Deine Erläuterungen. Der Versuch, Schuldfragen zu klären ist eine müssige und recht beschwerliche Unternehmung finde ich. Meiner Erfahrung nach zieht einen beides runter. Sich die Schuld zu geben, oder den anderen. Ganz manchmal habe ich Distanz und sehe es wie ein Phänomen an. Da walten, treffen sich Kräfte, es ensteht eine Atmosphäre, die zerstörerisch ist.
So schwierig finde ich, das Mass an Leugnung und Verdrängung.
Und das gibt eine Erleichterung der Umstände im Fall meiner Familie fast keine Chance.
Ich habe mich an die von Dir genannte Webseite gewandt und habe eine Antwort erhalten und die Situation etwas beschrieben. Da meinte man auch , mein Vater sei seelisch erkrankt und ich solle ihn zu einem Psychiater bringen. Das ist unmöglich. Leider.
Ich höre , was Du sagst bzgl. Abstand haben und halten. Das ist sehr schwer, ich sehe es aber auch so.

Ich finde schön, dass Du hier Dein Wissen wieder und weitergibst. Es ist hilfreich.
Und wünsche Dir für Dich auch viel Gutes.
Bearbeitet von menzoni am 29.07.2008 20:11
 
Andreas
Viel Dank Menzoni für Deine sehr netten und aufbauenden Worte.

Du hattest an einem Punkt hier geschrieben, dass Dein Vater entweder schon sehr lange oder gar schon immer so "merkwürdig" war bzw. ist. Daher gebe ich Dir Recht im Bezug darauf, dass es sehr schwer sein wird, wenn nicht sogar unmöglich, Deinen Vater davon zu überzeugen, dass er dringend Hilfe benötigt. Dies hätte eigentlich schon sehr viel früher passieren müssen, wenn nicht auch schon in seiner Kindheit oder Jugend. Da ich Deinen Vater nicht kenne kann ich das auch nicht so gut abschätzen. Das beste Mittekl für Dich wird sein, Abstand zu wahren bzw. zu erlangen. Eine gute Freundin von mir sagte mir öfter "Abstand bringt Nähe". Auch in meiner Therapie habe ich gelernt mehr Abstand von den Dingen zu haben. Denn wenn der Abstand groß genug ist wirken die Probleme wesentlich kleiner und Du gehst ganz anders an die Probleme heran. In Deinem Fall aber ist es notwendig, da Du sehr nah am Problem dran zu sein scheinst, erst einmal zurück zu gehen. Quasi einen Schritt nach hinten machen um mehr Abstand zu bekommen. Dieses Verhalten muss ich mir persönlich auch erst noch verinnerlichen, aber es ist manchmal notwendig.

Das Du Dich auch noch woanders nach Rat erkundigst ist absolut großartig. Denn ich kann Dir da auch nur aus meiner eigenen Perspektive weiterhelfen. Es ist immer sehr wichtig sich mehrere Meinungen zu holen um mehrere Möglichkeiten zu bekommen mit einem Problem umzugehen.

Auch ich wünsche Dir sehr viel Kraft und viel Glück.

Schöne Grüße sendet
Andreas
 
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menzoni
Hallo Andreas,

Danke Dir für die Wünsche.

Ja ich denke auch, dass mein Vater viel, viel früher Hilfe benötigt hätte.

Abstand bringt Nähe ist ein wohltuender Satz.
Ich weiss nur noch immer nicht, was den Abstand bringt. Habe viel probiert
physisch im Abstand zu sein. Dennoch zerren die Themen an einem durch alle räumlichen Schichten weiter.
Was bringt Dir den Abstand? Wodurch erlaubst Du ihn Dir? Ich hoffe, es ist o.k., das zu fragen.
Bearbeitet von menzoni am 30.07.2008 17:29
 
Andreas
Hallo Menzoni,

ich habe räumlichen, zeitlichen und auch emotionalen Abstand zu meinen Eltern erlangt bzw. bin dabei ihn zu erlangen. Den räumlichen Abstand habe ich mir im Alter von 25 Jahren geschaffen, ebenso den zeitlichen Abstand. Den emotionalen Abstand bin ich gerade dabei zu erlangen, damit habe ich so vor ca. 6 Monaten begonnen. Den räumlichen und zeitlichen Abstand habe ich ab dem Zeitpunkt meiner Akutphase wieder verloren und bin ebenso dabei diese wieder zu erlangen, auch seit ca. 6 Monaten. Dieses Ganze nennt man wohl "Abnabelung". Aber meine Eltern haben mir im Prinzip keine andere Wahl gelassen. Durch ihre ständigen Vorschriften mir gegenüber was ich zu tun und zu lassen hätte, haben sie mich in eine derartige Enge getrieben, dass mir hin und wieder echt üble Gedanken durch den Kopf gegangen sind, die ich hier nicht näher erläutern möchte. Aber genau diese Gedanken haben mich zu dem Entschluss gebracht generell wesentlich mehr Abstand in allen Bereichen zu meinen Eltern zu haben. Meine Eltern aber auch meine Schwester verstehen das zwar nicht, aber ich habe ihnen den grund auch noch nicht genannt. Den Grund kennen nur meine behandelnde Ärztin und mein Therapeut. Die beiden haben absolutes Verständnis dafür und sind auch der Meinung das dieser Schritt notwendig war. Ich kann weder meinen Eltern noch meiner Schwester den Grund nennen, denn ich denke dass dies sie zu sehr verwirren würde und eventuell auch verängstigen. Ich habe mich in der letzten Zeit sowieso sehr stark verändert, innerlich wie auch äußerlich. Mit dem Ergebnis, dass ich wesentlich zufriedener mit mir bin und es mir auch sonst wesentlich besser geht. Auch von außen bekomme ich sehr viele positive Feedbacks über meine Veränderungen. Von daher denke ich mal, dass dieser Schritt notwendig und richtig war und ist.

Wie ich das geschafft habe war einfach wohl nur Willensstärke und Entschlossenheit. Ich habe mich einfach mal durchgesetzt, quasi gesagt "so ist es und so wird es gemacht und nicht anders". Damit haben zwar auch noch heute meine Eltern und auch meine Schwester Probleme dies zu akzeptieren. Aber wie schon geschrieben es musste halt so sein und es war gut das ich es getan habe. Vielleicht war die Art und Weise etwas "schroff", aber Letztenendes richtig.

Schöne Grüße
Andreas
 
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menzoni
Hallo Andreas,

es ist sehr interessant und gut, was Du schreibst.

Willensstärke und Entschlossenheit ist für mich ein schwieriges Feld.
Sie ensteht aus der Abgrenzung heraus. Und diese beherrsche ich so wenig, auf Grund meiner Geschichte.
Und ja, ich verstehe - Deine Entscheidung in den Abstand zu gehen, auch das WIE, was zwar schroff, aber notwendig ist. Manchmal kann man sosehr in diesem ineinander verwobenen brauchen und mögen(müssen) festbacken, da helfen dann keine wohlmeinenden und vorsichtigen Worte mehr, wenn man sich freipulen will. Nur wünschte ich danach im Dialog bleiben zu können, sich nicht komplett dem Kontakt zu enziehen, oder sich abwenden zu müssen.
Schönen Gruss
Menzoni
Bearbeitet von menzoni am 03.08.2008 17:49
 
Andreas
Hallo Menzoni,

genau darin besteht aber das Risiko, dass der Kontakt komplett abreißt. Aber das Abnabeln ist halt notwendig und ein Muss, damit man selbst nicht auf der Strecke bleibt. So lange man nicht im Streit auseinander geht sollte es eigentlich immer möglich sein den Kontakt jeder Zeit wieder her zu stellen.

Was dieses eigenen Willen und die Entschlossheit angeht, das habe ich auch erst während meiner Verhaltenstherapie so richtig mitbekommen. Denn in meinen Sitzungen bin ich immer mehr dahintergekommen, dass ich einen Schlussstrich ziehen muß und mich komplett verändern muss. So Alles einfach und dazu gehört halt auch das Verhältnis zwischen mir und meinen Eltern. Leicht ist dieser Schritt selten und er hat auch immer etwas mit Schmerzen zu tun auf beiden Seiten. Aber ich denke auch Du wirst das schaffen.

Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag.

Schöne Grüße
Andreas
 
Web
menzoni
Hallo Andreas,

ja genau das ist das Problem, welchem ich auch jetzt begegne.
Dieses Abreissen des Kontaktes. Und je länger Zeit verstreicht, desto schwieriger die Vorstellung, wieder anzurufen o.ä.
Angstbilder bei mir türmen sich auf, es könne genauso weitergehn wie vorher. Attacken, Misverständnisse, die in alte Wunden greifen- so schnell kann man nicht schauen......
Gut zu hören, dass man Willen und Entschlossenheit lernen kann, über die Erkenntnis, wenn ich Dich da richtig verstehe.
Ich merke schon, dass mir für eine Sache Disziplin zu haben um ein so vielfaches leichter fällt an Tagen, an denen ich mich nicht so belastet fühle. Kräfte ordnen sich anders zu einem. Sie behindern einen dann nicht.

Einen Gruss
Menzoni
Bearbeitet von menzoni am 07.08.2008 20:14
 
Andreas
Hallo Menzoni,

klar braucht es Überwindung nach einer Zeit wieder Kontakt herzustellen und wie Du schon geschrieben hast, fällt es einem an Tagen wo man sich selber auch besser fühlt leichter.

Wie ich daraus lese hast Du schon seit längerer Zeit keinen Kontakt mehr zu Deinen Eltern?

Wie dem auch sei, manchmal braucht es halt etwas länger und manchmal geht es schneller, dass die "Wunden" verheilen die einem zugefügt wurden. Ich bin mir sicher dass Du einen Weg finden wirst um wieder Kontakt zu Deinen Eltern herzustellen. Aber Du musst es auch wollen, und wo ein Wille, da ein Weg.

In diesem Sinne wünsche ich Dir ein schönes Wochenende und sende schöne Grüße.

Andreas
 
Web
Nase im Wind
menzoni schrieb:
Hallo Andreas,

ja genau das ist das Problem, welchem ich auch jetzt begegne.
Dieses Abreissen des Kontaktes. Und je länger Zeit verstreicht, desto schwieriger die Vorstellung, wieder anzurufen o.ä.
Angstbilder bei mir türmen sich auf, es könne genauso weitergehn wie vorher. Attacken, Misverständnisse, die in alte Wunden greifen- so schnell kann man nicht schauen......
Gut zu hören, dass man Willen und Entschlossenheit lernen kann, über die Erkenntnis, wenn ich Dich da richtig verstehe.
Ich merke schon, dass mir für eine Sache Disziplin zu haben um ein so vielfaches leichter fällt an Tagen, an denen ich mich nicht so belastet fühle. Kräfte ordnen sich anders zu einem. Sie behindern einen dann nicht.

Einen Gruss
Menzoni



Hallo Menzoni,
An deiner Aussage gibts nichts zu rütteln, deshalb lasse ich diesen hier als Grundlage.
Falls es sich so anhört als würde ich hier mein Leid anbringen wollen, es erscheint vielleicht so weil ich nicht anders beschreiben kann als mein Lebensverlauf ist.


Ich bin ein quasi Schizo-Betrofener. Habe nun auch die Diiagnose Schizophren, bin ich jedoch nicht. Tief in mir sitzt eine Traurichkeit, einer ineren Depression. Um diesen Kern herum ummantelt mit einer gewissen Sonnigkeit (meine positive Grundeinstellung). Leider Strahlt diese nicht so weit hinaus wie ich es gern wünschte. Daran habe ich noch zu arbeiten.

Eigentlich müsten meine engsten Angehörigen eher diese Diagnose haben, jedenfalls aus Ärztesicht. Die wurden nur noch nicht erwischt, denn die Dunkelzifer ist ohnehin nicht auszumahlen.

Was ich sagen will; Es ist besonders schwer sich abzulösen (eigenen Weg gehen), wenn besonders mit den Ältern kein Austausch möglich ist. Im letzten Jahr habe ich mich den sog. Feierlichkeiten wie Geburstag usw. der Angehörigen ferngehalten. Für die nächste kaum vermeidbare Zusammenkunft legt man sich Formulierungen zurecht und arbeitet bis dahin am geistig-seelichen Selbstschutz um gegen deren unendlichem Unverständnis anzukommen.

Mein ganzes Leben als Kind meiner Ältern musste ich stets ein Besonnender Mensch sein (sich währen brachte Seelenqual ebenso wie vernünftiges Schweigen). Mit meinem Vater war kein Problem besprechbar, dass war mir Klar. Jedoch meine Mutter sagte uns, wir könnten mit jeder Frage zu ihr kommen. Nun da ich jedesmal schmerzlich ihre Äußerungen erfahren musste habe ich dies irgendwann unterlassen.
Es wird offt jemanden gesagt, rede mit ihnen bevor sie nicht mehr da sin. In dieser Hinsicht sind meine Ältern seit langem schon zu Lebzeiten nicht mehr am leben.

Doch irgendwie gibt es sovieles zu besprechen, aber es ist nicht Möglich. So blieb mir nichts übrig als Lebenslang Stück für Stück emotionalen Abstand zu bekommen. Der Schmerz einer Nichtverständigung bleibt drinnen und es ist langwehrig dieses Gefühl abzubauen.

Meine Mutter, versteht alles falsch und fühlt sich angegriffen von mir. Mein Bruder geht den gleichen Weg erkennbar, bisher. Meine Schwesteter hat spezielle Grenzen und versteht vieles nicht - wird es auch nicht. Zu meinem Vater habe ich den Kontakt längst aufgegeben, und der zu uns.
Es ist ein hartes Brot, ich kann auf sojemanden wie diese keine Rücksicht mehr nehmen. Denn es geht um meine eigene Gesundheit wenn ich mit denen zusammenkomme.
Grenzen ziehen ist ein Muss für mich da ich psychisch angeschlagen bin und eine sehr sensibler Mensch mit einer eigentlich düsteren Kind- u. Jugendzeit. Auch um gesund zu bleiben scheint dies der zienlich einzige Weg zu sein in meinem Fall

Die ganze Geschichte ist noch viel komplexer.
Ich meine nur, dass mit der Willenskraft, sich zu wiedersetzen usw. ist ein langer persönlicher Prozess unter ungünstig vergangenen Lebensverlauf.

Inzwischen ist mir Klar, dass es keinen Sinn macht etwas bis zu einem bestimmten Zeitraum überwinden zu wollen. Alles dauert solange wie es dauert - Mein Ziehl ist, nur dem Ziehl näher zu kommen möglicht ohne Zeitdruck u. an Stelle von Ungeduld, indem ich die Hürden beseite räume welche auf meinem Weg liegen, und laufen lassen.

Das heißt nicht, ich würde mich nicht um mein zukünftiges Wohl kümmern. Nichts kann forsiert werden. Diese Macht zu besitzen ist eine weit verbreitete Selbsttäuschung - eine Wand die am laufenden Band erneut zusammenstürzt und zumeist immer wieder mühsam errichtet wird. das selbe gilt auch für Schuldgefühle.

Dein vater ist möglicherweise auch nur wesentlich vergesslicher als damals. Wenn er einen so wächselhaften Charakterzug hat, dann wirkt es sich sicher viel häufiger aus. Denn er bleibt im wesentlichen, der er ist.

Meine Mutter hat jetzt Altersverwirrtheit, kein Demenz. Hat haluzinationen (mal gute mal schlechte). Auf meien besuch ist sie besonders heiß, dass ist für mich Stress pur bei meinem Verhältnis zu ihr. Meiner Schwester gegenüber wird sie gelegentlich sehr verletzend obwohl die doch ihr Mädchen ist, wie sie sonst immer sagt.
Für meine Schwester ist es kaum zu begreifen. Ich bekomme mein Fett schon noch wieder weg. Da möchte ich sagen, dies bin ich gewöhnt, doch daran werde ich mich wohl nie gewöhnen.


Wann etwas Unfaires persönlich zu nehmen ist und wann nicht, dies muss jeder für sich entscheiden. Für mich zählt aber, was ich nicht ertragen kann, möchte u. auch niemals ertragen muss, da bleibt es ganz in meiner Hand mich zu entfernen u. mich abseits zu halten. Das ist mein Recht um mein Wohlergehen zu liebe.

Gruß,
Jonny
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
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