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hin und her gerissen
Schwester
Hallo Zusammen!

Es tut gut zu wissen, dass ich nicht alleine mit meinen Sorgen bin und dass es Euch gibt.

Zu meiner Situation:

Ich leide seit 2 Jahren an der Psychose meines Bruders.

Er ist momentan hoch psychotisch (Verfolgungswahn ohne Ende, jedoch keine Eigen-oder Fremdgefährdung). Die Psychose wurde vermutlich durch Drogen ausgelöst und wird dadurch auch weiterhin noch verstärkt. Er hat keine Krankheitseinsicht und lässt sich in keinster Weise behandeln (das könne er selbst), registriert jedoch, dass er vorsichtig sein muss und mit niemandem reden darf, da man ihn sonst für verrückt hält und er in die Klinik kommen würde. Er ist seit Jahren arbeitslos und hat sein Leben kaum im Griff. Meine Eltern haben mittlerweile viel durch, viel probiert und ihn letztendlich vor die Tür gesetzt und resigniert.

Ich habe kein gutes Verhältnis zu meinem Bruder, kaum Kontakt (er redet einfach nichts, lebt sehr zurückgezogen) und wir sehen uns auch nicht oft. Ich bin vor 6 Jahren weit weggezogen - um Abstand zu gewinnen und um dieser schwierigen Familienkonstellation zu entkommen.

Wenn ich meinen Bruder ab und zu sehe und mir seinen "Blödsinn" anhöre, zerreisst es mir das Herz. Er will sich nicht helfen lassen.

Ich weiß, dass ich ihm nicht helfen kann, solange er selbst keinen Handlungsbedarf sieht. Auf der anderen Seite denke ich, dass das so doch nicht weitergehen kann und ich unbedingt irgendetwas machen muss, um ihm zu helfen. Ich weiss nur nicht mehr was und dass es mich kaputt macht. Somit bin ich hin und her gerissen zwischen "Helfen" und "Leben lassen".

Ich freue mich über Reaktionen, Tipps...

Liebe Grüße,
die große Schwester
 
Kami
Hallo,

ich bin selber Betroffene und neu hier.

Es wäre schon ganz gut, wenn Dein Bruder sich Hilfe holt, um nicht allzusehr unter dieser Krankheit zu leiden und um schlimmeres, wie einen Suizid vorzubeugen. Also am besten zu einem Psychiater mit ihm gehen.

Als Betroffener hat man am Anfang wenig Erfahrung und auch sehr wenig Austausch und Information über vieles. Wichtig ist es, dass er erfährt, dass er kein Einzelschicksal ist, denke ich.

lg
 
Schwester
Hallo Tami!

Vielen Dank für Deine Antwort. ICH weiß, dass das besser wäre... Das ist doch das Schlimme!

Aber ER lehnt jede Behandlung ab. ER will sich nicht helfen lassen.
 
Schwester
nochmal ein Nachtrag zum Thema Suizid vorbeugen:

Das hieße ja indirekt, dass ich, wir, die Angehörigen verantwortlich wären, weil wir nicht "mit ihm/ihnen zum Psychiater gehen".

Da waren wir schon mit ihm - was sollen wir denn machen, wenn er nicht einsieht, dass er krank ist und jede Behandlung ablehnt?!
 
Kami
Das helfen lassen ist eine sehr umstrittene Sache.
Es liegt auch daran, dass es natürlich nicht damit getan ist zum Psychiater zu gehen. Es ist oft bei vielen ein langwieriger Kampf, auch mit Hilfe und Medikamenten.

Jedenfalls bin ich da ratlos, wie du, weil ich auch denke, dass man niemandem etwas aufzwingen sollte.

lg
 
Kybele
hei du,

und noch eine große Schwester mehr im Bund *seufz*. Mir gehts leider ähnlich wie dir (okay ich wohn näher dran). Man kann nur anbieten zu helfen. Man kann versuchen über den psychatrischen Dienst Kontakt zu einem Psychater aufzubauen (manche kommen auch bei einem zuhause vorbei, das schreckt ihn u.U. nicht so ab ).

Aber es ist nunmal so, dass man ihn zu nichts zwingen kann, selbst wenn man oftmals gerne will. Ohne Krankheitseinsicht ist es fast nicht möglich, jemanden im Erwachsenenalter zu einer Therapie zu überreden.
Und ihr müsst immer bedenken. Das, was für uns total durchgeknallt ist, ist für ihn REAL! Er empfindet es so, er weiß nicht wem er vertrauen kann noch wo der richtige Weg ist. Wenn man etwas als real empfindet und dazu auch noch Verfolgungsangst hat, ist es schwer, anderen zu glauben, die einem erzählen es wäre nicht so.


Biete ihm an mit ihm zu reden, wenn er es will und Sorgen hat. Dass du ihm hilfst, wenn es ihm schlecht geht, vielleicht auch mit einer Bedingung, und hör dir seine Geschichten an, ich weiße meinen Bruder dann auch mal auf logische Fehlschlüsse hin. Aber das klappt meist nicht.

Oftmals hilft es selbst in eine Selbsthilfegruppe für Angehörige zu gehen und sich mit einigen Psychatern (falls möglich) zu unterhalten um sich über den "richtigen" Umgang beraten zu lassen. Ich muss allerdings zugeben. Egal mit wie vielen ich spreche, jeder hat sein eigenes Patentrezept und die Spannweite der Tips ist sehr weit. Man muss für sich und seine Familie den richtigen Weg finden, ich hab das noch nicht geschafft.

Ich find es schön, dass du deinem Bruder helfen willst. Aber richte dich dann auch darauf ein, dass das vermutlich eine lange, anstrengende und nicht immer von Erfolg gekrönte Geschichte wird.

p.S.: Nein, ihr seid nicht verantwortlich für einen möglichen Suizid. Ihr könnt Hilfe anbieten, aber da er ein freier und trotz Schizophrenie selbstbestimmt lebender Mensch ist und das vom Gesetz auch so gewünscht ist, ist er es auch der für seine Taten verantwortlich ist, egal welche es sind!
 
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