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Soll das alles sein?
Bluemchen
Hallo Ihr Lieben,

bin beim Googlen nach Schizophrenie auf diesen Seiten gelandet.

Habe die Diagnose vor 12 Jahren erhalten. War dann noch zehn Jahre berufstätig und bin nun seit einem Jahr wegen der Erkrankung in befristeter Rente. Habe nun einen Antrag auf Verlängerung gestellt, denn wie ich die Sache auch drehe und wende zum Arbeitsleben reicht meine Kraft leider leider nicht mehr aus.

Aber überzeugt vom rentnerdasein bin ich nicht. Das liegt nicht nur an den Finanzen sondern vor allem daran, dass ich kaum noch Sinn in meinen Dasein finde. Habe das meiner Pysychiaterin geschildert, doch medikamentös kann will sie nichts machen und sie sagt, wenn das (Wunde am Fuss) oder das (Ärger mit den Nachbarn) vorbei ist, wird es besser. Tut es aus meiner Sicht aber nicht, beide Probleme habe ich inzwischen bewältigt.

Bin seit letztem Jahr mal wieder in einer Art Psychotherapie und kurz davor das Ganze abzubrechen. Die Therapeutin sagt, ich solle meine Busfahrkarte
mehr nutzen und alle Wege zu Fuss gehen, dann wüßte ich was ich getan habe und es ginge mir besser. Sie lässt mich kaum ausreden wenn ich ihr was sagen will. So liess sie zu dem Punkt auch nicht gelten, dass ich einen Hund habe und fünfmal täglich gassi mit ihm gehe, sowie große Erfahrung im Laufen grosser Strecken habe. Letzteres habe ich sehr oft z. B. zwei Stunden Arbeitsweg zu Fuss gehen, aus Verzweiflung getan, es hatte aber keinen positive Wirkung auf mein Seelenleben.

Ich habe seit etwas mehr als einem Jahr einen wunderbaren Partner, der mich sehr liebt und annimmt.

Ein großartiges abwechsunglsreiches Hobby, nämlich das Stricken und Entwerfen von Strickwaren habe ich auch. Damit gelingt es mir meine "Stimmen" im Zaum zu halten, da es mich weder über- noch unterfordert.

Mir gelingt es trotzdem nicht so etwas wie Sinn in meinem Dasein zu finden. Es fällt mir zunehmend schwer den Tag über die Bühne zu bringen. Ich frage mcih immer öfter für was das alles gut ist und verbiete mir dann die Frage weil ich keine Antwort finde.

Gibt es hier Menschen, die ähnliches Erleben? Menschen die ihr Rentnerdasein ganz anders erleben? Menschen die Rat und Hilfe wissen?

Danke
 
Andreas
Moin Blümchen,

wie ich deine Situation einschätze fehlt dir, so wie ich es verstanden habe, eine sinnerfüllende Aufgabe und das Gefühl gebraucht zu werden.

Dabei könnte dir eventuell eine ehrenamtliche Tätigkeit für eine gemeinnützige Organisation oder Verein helfen. Etwas anderes wäre vielleicht eine bezahlte Tätigkeit pro Tag ca. 3 Stunden arbeiten im Mini-Job.

Ein anderer Lösungsweg wäre vielleicht ein intensiveres Zusammenleben mit deinem Hund. Damit meine ich ausgedehnte Spaziergänge, regelmäßige Besuche einer Hundeschule oder ähnliches.

Ich denke dadurch ist ein gewisses Maß an Lebensfreude wieder zu gewinnen.
Ansonsten kann ich dir nur empfehlen etwas für dich zu tun, etwas woran du Spaß hast, was dir Freude bereitet.
Quasi deine Seele etwas zu streicheln.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Bluemchen
Hi Andreas,

Danke für Deine ausführliche und liebenswürdige Antwort.

Ja die Situation lässt sich wohl durch das Finden einer sinnvollen Aufgabe lösen, zumindest mindern. Bloss wo eine geeignete hernehmen? Ich habe in Gruppen Angst. Habe auch schon an ehrenamtlichen Besuchsdienst gedacht, doch das kriege ich psychisch nicht auf die Reihe, merke das bei den Besuchen die ich be meiner Mutter im Pflegeheim mache. Les immer mal wieder die Jobanzeigen, doch da war noch nichts was ich mir zutraue.

Hundeschule sind wir schon und das möchte ich auch gern weitermachen. Meiner Hündin und mir macht das viel Spass. allerdings muss ich es ja auch finanzieren, was nicht so ganz einfach ist. Spazierengehen tun wir auch regelmässig.

Seele streicheln, das hört sich super an. Langsam habe ich leider das Gefühl gar keine Seele mehr zu haben. Kennt Du das? Kennt das jemand auch?

Meine Therapeutin sagt immer Gefühle sind prima und nur dazu da vom Gehirn überprüft zu werden. Die Dame scheint so super rational zu sein. Ich habe den Eindruck, das mir das gar nicht hilft, wage aber nicht die Behandlung abzubrechen. Nach jeder Stunde bin ich verzweifelter als zuvor. Leider lässt sie mich auch kaum ausreden, wenn ich was sagen will und lässt nur die Aussagen gelten, die ihre Meinung, welche sie für die absolute rational Realität hält wiederspiegeln. Habe mir nun festvorgenommen es nächste Stunde nochmal zu probieren, mit ihr zu reden und dann die Behandlung gegebenenfalls zu beeden, wenn wieder alles beim alten bleibt.

Wie kann ich meine Seele wiederfinden? (Musik kann ich nicht mehrhören, denn darauf höre ich Stimmen Lesen schaffe ich konzentrationsmässig auch nur bedingt) Was kann ich mir/man sich Gutes tun? Um die Seele zu finden?Oder frisst gar die Krankheit die Seele unmerklich auf? Ok das sind blöde Frage, aber ich fühle mich so unheimlich leer und ziemlich verzeifelt.

Ich reise mich sehr viel zusammen und befürchte es dauert nicht mehr lange bis das zusammenbricht und ich wieder in einer Klinik lande. Das möchte ich gerne verhindern. Meine Erfahrungen diesbezüglich sind recht durchwachsen bis traumatisch.

ganz lieben Dank
 
Kybele
Hei Bluemchen Smile

Erst einmal willkommen Smile
Ich denke, wenn du mit deiner Therapeutin so gar nicht zurecht kommst und dich nicht wohl fühlst, solltest du dich vielleicht nach einem/einer anderen umsehen. Wenn die Chemie nicht stimmt, ist die Zusammenarbeit schwierig und das blockiert dann das vorrankommen. Vielleicht kommst du bei einer/einem anderen besser vorran mit der Therapie.
Eine liebe Freundin von mir hat Zwangsstörungen und lenkt sich dann z.B. mit dem basteln von Sachen ab. Sie malt, stellt Figuren aus Fimo her, bearbeitet Holz, macht Drucke oder näht Sachen für Tiere, die sie dann auch mal verkauft.
Es ist wie bei deinem Stricken. Man macht das, was man kann, was einem Freude macht.
Wenn du dich in Gruppen nicht wohl fühlst, könntest du für die Tafel essen abholen oder sortieren, je nach Ortsgröße, macht man das auch mal allein oder nur zu zweit.
Oder du meldest dich in einem Forum für Hunde an und lernst dort Tricks mit deinem Hund, davon ein kleines Video aufnehmen und einstellen.
Oder mach einen Blog auf und berichte über deine Erfolge beim Stricken übers Kochen oder einfach über deinen Hund Smile

Ich denke es gibt viele Möglichkeiten, mit denen du dich beschäftigen kannst, es muss nur eine gefunden werden, die zu dir passt. Ich denke Seelsorge und Krankenhausbesuche wären nicht ganz deins, aber man kann anderen auch im nicht direkten Kontakt mit Tips zur Seite stehen, vielleicht wäre das eher dein Metier.
 
Bluemchen
Hi Kybele

Danke für deine inhaltsreiche liebe Antwort und das Willkommen.

ja Hier ist enorm schwierig Therapetuen zu finden habe auf den´Platz ein dreiviertel Jahr gewartet, daher beisse ich nun in der Therapie immer die Zähne zusammen, denn ich denke andernfalls bin ich ganz allein. Mittlerweile frage mich jedoch ob mir diese Therapie tatsächlich hilft oder nicht alleinesein das kleinere Übel ist. Habe als ich noch arbeitete einige Zeit Therapie selber gezahlt und habe daher auch einen Vergleich was Therapie sein noch sein kann. Das kann ich mir nun aber wirklich gar nicht mehr leisten, diese Stunden.

Ja sowas wie für die Tafel helfen, das wäre wohl eher was für mich.
Google gleich mal zu deren HP

Ja Blog den habe ich, liest aber keiner. Hp usw. auch. Aber vermutlich liege ich nicht voll im Trend der Zeit. Oder was weiß ich. Ich merke vor allem, ich darf mich nicht daran festhalten, welches Interesse von anderen meinen Sachen entgegengebracht wird. Manchmal verkaufe ich auch was gestricktes.

Ja das Stricken hilft mir schon die schlimmsten Gedanken fern zu halten. Ja und natürlich auch dafür das Zeit vorbeigeht.

Hundforum? Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Danke für den Tip

Aber als Tiersitter war ich tätig, fällt mir gerade ein .Das hat auch Freude gemacht. Die Therapeutin dagegen fands ziemlich sinnlos- Leider brauchen die mich nun nicht mehr, suche nun einen neue diesbezügliche Aufgabe.

Ja direkter Kontakt fällt mir schwer, wenn ich jemnden ein paar Mal getroffen habe, dann geht es - je nachdem wie ich mit der Person zurechtkomme- meist recht gut

Ich verstehe selber nicht, dass ich nun schon Monate in so einem Loch sitze, sorry.

ganz ganz lieben Dank
 
Anuja
Liebe Blümchen,

herzlich Willkommen im Forum und erst einmal: Du musst dich nicht dafür entschuldigen, dass du dich gerade in einem Tief befindest. Denn jeder Mensch hat ein Recht darauf, dass es ihm auch mal nicht so gut geht. Du hast seit langer Zeit einen großen Stolperstein, der dir natürlich auch Kraft zieht. Aber deshalb bist du nicht weniger wert wie andere Menschen. Immerhin hast du seit 12 Jahren durchgehalten und den Kopf über Wasser gehalten.

Zudem sagst du, du hast einen lieben Freund, der dich so annimmt wie du bist. Das tut er nicht ohne Grund, du bist nämlich offensichtlich ein liebenswürdiger Mensch, den es sich lohnt zu lieben.

Meine Vorredner haben dir ja schon ein paar tolle Denkanstöße gegeben, was du unternehmen könntest, damit du dich wieder besser fühlst. Ein wenig Brainstorming wirkt ja Wunder. Genau dafür sind solche Foren ja auch gut. Meine Yogalehrerin sagt immer: "Mach heute so viel, wie du dich traust". Ich denke, dass kann man auch gut auf sein Leben umkrempeln. Du musst nicht immer perfekt funktionieren, aber du kannst so viel tun, wie du dich eben traust. Und auf diese Schritte kannst du dann auch sehr stolz sein. Und "Nein" zu sagen trägt auch sehr viel Mut in sich.

Allein, dass du dich hier angemeldet hast und nach Kontakt suchst ist ein Zeichen dafür, dass du versuchst dein Leben in Schwung zu bringen. Es ist nicht leicht nach Hilfe zu bitten. Das ist sogar viel schwerer, als nicht nach Hilfe zu bitten. Fühl dich deshalb nicht klein, sondern lieber ganz groß. Mindestens deine Angehörigen werden dir dankbar sein, wenn sie dich "erreichen" können.

Vielleicht kannst du mal darüber nachdenken, wann es dir zuletzt wirklich gut ging und was du zu dem damaligen Zeitpunkt alles gemacht hast. Es muss nicht die Arbeit sein, die dir fehlt, vielleicht sind es ganz andere / banale Dinge, an die du schon lange nicht mehr denkst. Vielleicht kannst du sie in dein Leben zurück holen.

Und du solltest wirklich darüber nachdenken deine Therapeutin zu wechseln. Das ist sicherlich nicht einfach, aber frag mal bei deiner Krankenkasse nach, denn meine KK macht sogar für mich Termine, wenn ich zum Arzt muss, weil die oft schneller an diese rankommen. Und denen liegt sehr viel daran, dass du stabil bleibst und in deiner Therapie vorankommst, denn ein Krankenhausaufenthalt kostet sie viel mehr Geld.

Lass dir bloß von niemandem einreden, dass die Tätigkeiten, denen du nachgehst, nicht gut genug sind. Immerhin sollen die Dinge ja nicht deiner Therapeutin Spaß bereiten, sondern dir. Wenn ihr langweilig ist, soll sie ins Kino gehen ;-)

Und lass dich nicht unterkriegen, ich bin mir sicher, dass du in deinem Leben schon ganz viele tolle Dinge zustande gebracht hast, manchmal kann man sich nur nicht mehr daran erinnern, was man schon alles geleistet hat.

Ich wünsche dir alles Liebe und baldigen Sonnenschein in dein Herz,
Anuja
 
Bluemchen
Liebe Anuja,

Danke für Dein Willkommen, deine Worte haban Sonne inn mein Herz gezaubert.

Leider kann ich mich nicht errinnern an Zeiten, in denen es mir gutging. Unglaublich, oder? Die Studienzeit nach der Lehre war die schönste Zeit meines Lebens. Wir haben gefeiert und nicht zu knaapp, doch stand auch hier der gewünschte Abschluss und der jeweillige Ferienjob immerim Vordergurund. Die Studienkollegen hat es unauffindlich in alle Winde verstreut. Dann kam die Arbeit. Karriere habe ich nicht gemacht, aber mein Tag bestand vor allem gegen Ende der Berufstätigkeit fast ausschlieslich aus Arbeit. Habe für den jeweiligene Job sozusagen gelebt. (Hat aber auch wenig Siinn gemacht)

Da heißt es nun für mich neue Wege zu finden.

Habe hier endlcch eine Selbsthilfegruppe gefunden. Die trifft sich maximal einmal im Monat, aber das ist doch schon klasse. habe mir den nächsten Termin gleich notiert und bin gespannt was daraus wird.

Meine KK ist leider nicht so zuvorkommend und der Ansicht der Therapeut hat immer recht. Werde die Sache mal beim spDi vortragen. und fragen wie ich das am Besten beende.

Wie viele mit der Diagnose habe ich auch Probleme meine Grenzen zu ziehenn, insbesondere Nein zu sagen, Mir ist das erst auf einer Rehaa bewusst geworden und seit ich es weiß geling es mir etwas besser, doch ich muss noch üben.

Leider höre ich daher auch zu oft auf irgendwelche Anderen, die von mir und meinem Leben schon gar keine Vorstellung haben und schlage dann für mich eigentlcih ungünstige Wege ein.

Lach Kino ja das wäre mal was für die Therapeutin - ist ihr aber sicher zu profan, der Armen.

ganz herzlcihen Dank
 
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