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Negativsymptomatik
Schlaflos
Hallo Ihr da draußen. Ich bin ganz neu hier und ich habe momentan keine Ahnung wie es weiter gehen soll.
Ich lebe jetzt seit 6 Jahren mit meinem Mann zusammen, der an Schizophrenie erkrankt ist. Den letzten akuten Schub hatte er 2009 als ich mit unserer Tochter schwanger war. Er hatte die Zwangsgedanken das er mir und unserer ungeboren Tochter etwas antun muss, damit er wieder glücklich wird. Nach kurzer Zeit ( dank der Medikation) waren die Gedanken zwar verschwunden, aber mein Mann leider auch nicht mehr der Alte.
Seit dem hängt er in dieser Negativsymptomatik fest, mit einigen kurzen Lichtblicken.
Er nimmt regemäßig seine Medikamente (Clozapin, Abilify), er macht eine Verhaltenstherapie, er war zwischenzeitlich mehrer Wochen zur Reha,er behauptet auch, dass er weiß was er verändern muss, aber er kommt einfach nicht raus aus diesem Loch. Es gibt keine nennenswerten Veränderung.
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Kenne keinen bei dem diese Negativsymptomatik so lange anhält. Wie geht ihr mit euren Partnern um?
Inzwischen leben wir eigentlich einander vorbei, unsere Tochter ist unser Verbindungsstück. Was soll ich nur tun, damit wir wieder eine "normale" Familie werden??
Dazu kommt, das ich selbst durch diese Geschichte ein Erschöpfungs-und Stresssyndrom entwickelt habe. Ich hoffe, das Ihr mir vielleicht einige Tipps geben könnt, wie ich besser mit meinem Mann umgehen kann.
Vielen Dank und liebe Grüße,
Schlaflos
 
Begoslav
Hallo Schlaflos!

Seit ca. elf Jahren habe ich die meiste Zeit mit meiner Negativsymptomatik zu tun. Mir halfen Menschen, die mich motiviert, beinahe an die Hand genommen haben, wenigstens etwas zu tun. Andere konnten mit mir während dieser Zeit gar nicht umgehen und wandten sich ab, was schmerzhaft für mich war. Seit kurzem nehme ich wieder ein Antidepressivum (Ich werde nicht sagen welches, da leider jeder selber sein Präparat finden muss.), welches mir einen Motivationsschub gibt.

Meine Freundin hat Verständnis für mich, da sie selber psychotische Erfahrungen hatte und die Negativsymptomatik kennt.

Es geht bei mir ums Tun. Bewegung, z.B. ein Spaziergang, hilft mir. Ich habe herausgefunden, dass die Regelmäßigkeit der Bewegung entscheidend für eine Besserung meiner Negativsymptomatik ist. Seit einigen Monaten hebe ich Gewichte, laufe und habe gerade mit einem Kampfsport angefangen. Bei dieser sportlichen Betätigung ist die Verausgabung mit anschließender Erschöpfung ein erhebendes Gefühl für mich. Gewichtheben kann ich empfehlen, da das Ziel, mehr Gewicht zu heben, mit jeder Steigerung der persönlichen Bestleistung ein direktes Erfolgserlebnis ist - und Anfänger im Gewichtheben viele dieser Erfolgserlebnisse haben. Wenn Ihr einen Verein für Kraftdreikampf oder olympisches Gewichtheben in der Nähe habt, kann ich dies nur erneut empfehlen, mehr als einen Besuch im Fitnessstudio. Für mich liegt der Schlüssel im Umgang mit meiner Negativsymptomatik in regelmäßigem sportlichem Training und einer höheren Motivation. Mehr kann ich Dir leider auch nicht mitteilen, es ist immer noch ein Kampf, hauptsächlich mit meiner Motivation, "am Ball zu bleiben".
 
Andreas
Moin Schlaflos,

wie Begoslav schon schrieb, so ist es auch meine Erfahrung, dass sportliche Betaetigung wichtig ist. Ich bin noch waehrend meines Klinikaufenthaltes im Jahr 2000 wieder zum Badminton gegangen, allerdings mit dem Hinweis der Aerzte mich nicht zu sehr zu verausgaben.

Da du und dein Mann eine kleine Tochter habt, waeren regelmaessige Spaziergaenge von euch ein guter Anfang um erst mal wieder in die Gaenge zu kommen.

Viele Gruesse
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Schlaflos
Hallo und einen herzlichen Dank an euch.

Das Bewegung und Erfolgserlebnisse, mit ein Schlüssel sind, verstehe ich. Wir sind täglich mit unserer Tochter draussen und mein Mann nimmt sich immer wieder vor sich anderweitig körp.zu betätigen, allerdings hält er das nicht lange durch. Ich habe auch schon versucht, zusammen etwas mit ihm zu machen, aber leider hat er immer irgendetwas, warum das gerade dann nicht klappt.
Ein Teil unserer Familie und auch ich, wir glauben schon das er da raus will, aber er schafft es einfach nicht. Ich habe das Gefühl als ob er mich überhaupt nicht sieht und mich nicht ernst nimmt wenn ich versuche ihn zu etwas zu überzeugen.Er sieht nur sich, das er recht hat, das alle ihm etwas wollen und das er es alleine nur schwer hat. Manchmal glaub ich das er es sich so einfach macht, bloß keine Veränderung, denn das könnte ja "schwierig" werden. Man (bzw.ich) könnten dann ja wieder etwas von ihm verlangen. Sorry, sehe momentan einfach alles etwas schwarz und mir fällt es sehr schwer, Hoffnung zu haben.
Lieben Gruß,
Schlaflos
 
Schlaflos
Hallo.

Mein Mann lässt leider auch seine Arbeit schleifen, er hat jetzt schon 2 Wiedereingliederungen gemacht und die 3.steht jetzt auch demnächst an.

Habe wenig Hoffnung das wir das als Familie schaffen, zumal meine Tochter jetzt schon ein verändertes Schlafverhalten hat. Sorry, wenn ich das so schreibe, aber meine Tochter macht diese Krankheit (sein Verhalten)nicht kaputt.
Vielen dank aber trotzdem an euch alle.

Gruß, Schlaflos
 
moli
Hallo Schlaflos,

bitte nicht die Hoffnung verlieren. Ich weiss, manche Tage sind sehr schwer aber dann kommt wieder das Licht. Ich sage das aus eigener Erfahrung. Mein Sohn (19 Jahre) ist leider erkrankt und hat die Negativsymptomatik die leider verhindert dass er ein normales geregeltes Studium oder Lehre machen kann.
Jetzt faengt er aber hier in Barcelona eine Kognitive Reha an, die ihm hoffentlich nuetzlich ist und helfen wird.
Gibt es in Deutschland keine Reha?
Die Familienunterstuetzung ist sehr wichtig fuer erkrankte Menschen und auch Du solltest Dir Hilfe holen und mit andren angehoerigen sprechen die das gleiche Problem haben. Es hilft wirklich!
Kopf hoch.
Moli
 
thinka
Hallo Schlaflos!

wie geht es euch inzwischen? Ich kann gut nachvollziehen, was du schreibst. Bei meinem Mann ist 2010 Schizophrenie ausgebrochen, er ist durch Medikamente auch schnell aus dem Wahn herausgekommen, geht seit über einem Jahr wieder arbeiten, ist aber seitdem irgendwie auch nicht mehr er selbst.
Bei mir geht es dadurch immer wieder auf und ab. Ich habe gute Phasen, in denen ich es schaffe Verständnis für seine Krankheit aufzubringen, mich an den Fortschritten freue und dankbar bin, für alles was gut ist.
Ich habe aber auch Phasen, in denen ich mich selbst total überfordert fühle, Wut habe, mich frage, warum mein Mann einfach nicht mit anpackt, Panik kriege, weil ich nicht weiß, wie es mit der Familie (wir haben 2 Kinder) und Haus und Grundstück weiter gehen soll. Da sehe ich dann alles schwarz und könnte alles hinschmeißen.
Mir geht es dann auch so, dass ich das Gefühl habe,dass er mich überhaupt nicht sieht, egoistisch nur an sich denkt und keine Verantwortung für die Familie übernimmt. Ich werde wütend, wenn er anfängt, die Kinder auf die Couch zu locken, damit sie im bei seiner "Faulheit" Gesellschaft leisten, statt sie in ihren Aktivitäten zu unterstützen.
Wenn ich gut drauf bin, sehe ich ganz leichte Fortschritte in seiner Krankheitsentwicklung, er wird langsam aktiver und leistungsfähiger, aber es braucht eben viel Zeit und da geht mir oft die Geduld aus.
Ich habe auch schon oft in den dunklen Tagen, daüber nachgedacht, ob es besser wäre mich von ihm zu trennen und die Gedanken kommen, wenn ich in Panik bin auch immer wieder. Dann geht das große Abwägen los: wenn ich nur an mich denke, will ich nur weg, wenn ich an die Kinder denke, glaube ich dass sie doch von der gemeinsamen Familie mehr haben und wenn ich an meinen Mann denke, weiß ich, dass er bei uns in der Familie viel Halt findet und dass es ihm sonst viel schlechter ginge. Damit könnte ich auch nicht leben. Nach so einer Krise, bin ich dann wieder froh, dass ich bei ihm geblieben bin und die Dankbarkeit für alles Posititve überwiegt wieder.
Mich nervt oft auch, dass mein Mann seine Energie auf Arbeit lässt. Andererseits bin ich so dankbar, dass er arbeiten gehen kann, denn sonst wäre sein Selbstbewusstsein noch weiter am Boden und ich glaube er wäre noch antriebsloser. Andererseits ist es auch so, dass ich dann ab und an so fertig bin, dass ich zum Arzt gehe und mich krank schreiben lassen muss, weil ich einfach nicht mehr kann, und dann empfinde ich das auch als so ungerecht, dass er arbeiten geht, zu Hause aber nichts mit macht und ich mich um Haushalt und Kinder alleine kümmern muss, er aber als "gesund" dasteht und ich die bin, die wieder mal zu schwach ist.
Bei uns hilft es, wenn ich ihm klare Aufgaben gebe, dann erledigt er das auch und es läuft etwas besser. das nervt mich dann bloß auch wieder, wenn ich mich fühle, wie seine "Mutti". Ich weiß auch, dass es uns allen gut tun, wenn ich es schaffe, ihn für kleine Anstrengungen zu loben oder einfach Verständnis für ihn habe. Das kriege ich aber auch nur hin, wenn es mir einigermaßen gut geht. Und das zu lernen, da bin ich gerade dabei. Ich versuche auf mich zu achten, mir etwas Gutes zu tun, nicht nur Verständnis für ihn aufzubringen, sondern auch für mich.
Vielleicht hilft es dir zu hören, dass es auch bei uns ein ewiger Kampf ist. Inwiefern zeigt denn eure Tochter ein verändertes Schlafverhalten? Vielleicht gibt's da irgendwie einen Tipp mit dem man dem entgegenwirken kann?
Ich denke auch du solltest deine Interessen und die der Kleinen an erste Stelle stellen, aber vielleicht bleibt trotzdem noch Platz für deinen Mann, auch wenn es so verdammt schwer ist.
Ich würde mich freuen hier wieder von dir zu hören. Ich wünsch dir ganz viel Kraft und euch zusammen alles Gute!

LG
Thinka
 
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