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Mein Freund und seine Stimmen! HILFE!
imod
Hallo zusammen.

Ich bin seit ½ Jahren mit meinem Freund zusammen. Seit ca. 10 Jahren leidet er unter seinen Stimmen im Kopf. Er hat sich mir schnell anvertraut da ich ihm gestehen musste das ich seit 3 Jahren unter Depressionen leide (habe es jedoch relativ gut im Griff und bin nicht mehr auf Medikamente angewiesen). Ich bin die erste die davon weiß (außerhalb seiner Familie wo das Thema nicht weiter angeschnitten wird).
Seit 6 Monaten wohnen wir zusammen und bis auf Kleinigkeiten verlief es immer ziemlich gut. Seit ungefähr 4 Wochen lebt auch eine kleine Mietze mit uns.
5 Wochen ist es her, dass wir unseren ersten gemeinsamen Urlaub hatten. Dort war es für ihn oft „laut“. Es gab schon einige Situationen die noch einigermaßen durchzukriegen waren aber ein Abend war sehr schlimm.
Nach unserer Rückkehr wurde als sehr anstrengend. Wir haben über die belanglostesten Dinge gestritten, die ihn genervt haben. Es ging soweit, dass wir uns darüber gestritten haben, warum ich mich eigentlich schminke bevor ich aus dem Haus gehe und was ich deswegen für eine Tusse wäre (ich benutzen nur etwas make up und Wimperntusche und Rüsche mich nicht zu doll auf). Es war auch immer Tages abhängig ob die Katze das Haus verlassen muss oder nicht. Am Ende durfte Sie doch immer bleiben.

Vor fünf Tagen ist alles eskaliert. Nach einem weiteren Unnötigen Streit der zum Supergau aufgebauscht wurde, wollte er Schluss machen. Ich war absolut aufgelöst. Er hat unsere Katze sehr mies behandelt und ich war schon drauf und dran sie zu nehmen und mit ihr das weite zu suchen und nach Hause zu fahren. Nach ein paar Stunden tat ihm wieder alles leid und er erklärte mir was los ist. Die Stimmen in seinem Kopf werden immer präsenter und seit unserem Urlaub hat er gelegentlich Halluzinationen. Dazu kommt, dass er denkt das die Katze fernsteuert wird und er weiß noch nicht warum und von wem aber er wird rausfinden wer ihn verfolgen will. Jeden Tag passiert irgendwas, was mich fertig macht. Vorgestern meinte er ich wäre auf „deren“ Seite und ich will ihn vergiften. Er hatte die Nacht vorher welche von meinen Lorazepan genommen. Wenn es besonders laut ist hilft es ihm manchmal.
Ich liebe die Katze abgöttisch (ich bin die verrückte Katzenlady der Simpsons Grin) aber möchte sie abgeben damit er sich etwas entspannen kann. Er will das absolut nicht, weil er denkt, dass er sich seinen Stimmen dann ausliefert und sie gewinnen lässt.

Ich kann nicht mehr essen und richtig schlafen, weil ich bei jeder Bewegung die er macht aufwache. Ich bin am Ende mit meinem Latein. Ich weiß nicht wie ich damit weiter umgehen soll. Er will nicht zum Arzt und vor allem keine Tabletten nehmen. Er is ein sehr stolzer Mann und Hilfe annehmen ist für ihn schwach.

Was mach ich denn jetzt nur? Es macht mich kaputt ihn so zu sehen!
 
Kybele
Hallo imod,

ich denke, wir hier können dir in diesem Fall nur wenig Beistand leisten, außer etwas zu reden und dir so Entlastung zu bieten. Ich hab noch relativ wenig Erfahrung mit Schizophrenie. ABER ich hatte selbst einmal Depressionen und ich weiß daher:
Hilfe annehmen ist keine Schwäche. Schwäche ist es diese aus Stolz und Angst vor eventuellen Seitenblicken zu ignorieren und statt dessen die Menschen zu belasten und ins Unglück zu stürzen, die man am liebsten hat.
Ich denke, in der konkreten Situation wird deinem Freund nur ein Arzt und vielleicht auch medikamente Helfen können.
Leider muss er diese selbst aufsuchen, in seinem momentanen Zustand ist das nicht ganz einfach.
Dir an deiner Stelle würde ich aber empfehlen, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Vielleicht findest du bei http://www.psychi.../seelefon/ eine paar Tipps.
Es ist wichtig, zu reden und dir vielleicht auch einfach mal eine geklärte Auszeit zu nehmen, damit du nicht auch noch total durchdrehst und Möglichkeiten findest, deinen Stress abzubauen.
Außerdem könntest du dich einmal mit dem Sozialpsychatrischen Dienst unterhalten, was in eurem konkreten Fall vielleicht helfen könnte, die Situation zu entspannen.
Er scheint ja bereit zu sein, deine Tabletten zu nehmen. Wenn diese ihm schon eine Hilfe sind, wie viel besser würde es ihm dann mit einer passenden Medikation gehen?
Außerdem bietet die Caritas oftmals Hilfsangebote mit Beratung und Seelsorge für psychisch Kranke. Da kann man ganz anonym Anrufen, vielleicht wäre für deinen Freund das ja erst einmal eine Anlaufstelle, wo er verstanden und beraten werden kann, ohne gleich Angst vor dem Urteil der Außenwelt haben zu müssen.
http://www.bayern...kranke.php
http://www.carita...rkrankung/

Ich wünsche dir viel Kraft und das es dem Mietzchen weiterhin gut ergeht.
Liebe Grüße
Kybele
 
imod
Hallo,

vielen Dank erstmal! Ich war vorgestern bei meiner neuen Psychologin. Das tat schon ganz gut mit ihr darüber zu sprechen. Natürlich war mir klar was sie sagen würde.
Es ist schwierig aber ich würd ihn nich so gerne aufgeben.
Das Problem ist, dass er Medizin studiert und genau um die Nebenwirkungen der Tabletten bescheid weiss und sie aus diesem Grund nicht nehmen möchte. Er hat eine viel versprechende Karriere vor sich und will diese nicht mit einem Tremor aufs Spiel setzen. Verständlich irgendwie...aber auch nur bedingt.
Das Ding ist, dass er Hilfe nicht in Anspruch nehmen möchte, weil er den Stimmen damit zeigen würde wie schwach er ist. Das macht die Situation natürlich echt schwierig.
Die letzten zwei Tage waren schon etwas besser. Als würde es grade wieder etwas abklingen. Is es normal das es so Phasenweise kommen und gehen kann? Er hatte das vorher noch nie so deswegen weiss ich nicht wie das ist.
Und unserer Kami Katze geht trotz allem doch sehr gut Wink

Liebe Grüße!
 
Kybele
hei Imod,

ich glaub gern, dass ihn das Wissen um die Nebenwirkungen oftmals abschreckt. Ich kann gut verstehen, dass man als angehender Arzt unbedingt einen Tremor oder auch andere Nebenwirkungen vermeiden will. Andererseits frag ich mich, wie lang er ein guter Arzt sein kann, wenn er sich keine Hilfe sucht.
Der Arztberuf ist in der Regel extrem stressig, das Studium ist es auch schon. Die Ansprüche sind hoch und auch die eigenen Ansprüche wachsen oftmals noch viel höher, wenn man dann selbst an die Patienten herran kommt und für sie verantwortlich ist bzw. für ihr Überleben.

Von meinem Bruder her kenn ich, dass er sich in Stresssituationen in denen Ansprüche an ihn gestellt werden, verhaltensauffälliger gibt, als in ruhigen und entspannten Momenten.
Womit ich zumindest bei ihm auch bestätigen kann, dass der Zustand durchaus schwankt. Es gibt immer mal wieder akute Schübe, wo es ihm weniger gelingt, die "normale" Fassade aufrecht zu erhalten bzw. für uns Familienmitglieder zu einem echten Mysterium metamorphiert.

An deiner Stelle würd ich es ihm erklären wie einen Kriegszug: Ein Rückzug um sich Verstärkung zuzulegen ist eine verlorene Schlacht, dann aber mit Verstärkung zurückzukehren, kann den ganzen Krieg entscheiden.
Ich weiß, tolle Worte, sie bewegen meinen Bruder leider nicht zum Psychater, aber dem fehlt auch die Einsicht, dass er überhaupt krank ist. Dein Freund ist da schon weiter, er weiß, er hat diese Stimmen und scheint sich ja auch seiner Krankheit bewußt zu sein.
Ich denke, man muss eine Therapie nicht zwingend mit Psychopharmaka kombinieren. Vielleicht hilft deinem Freund und auch eurer Beziehung erst einmal, wenn er Strategien an die Hand bekommt, mit denen er umgehen kann, wenn es wieder "laut" wird und die ihm helfen, bei sich selbst bzw. bei dir als vertraute Partnerin zu bleiben.

Liebe Grüße
Kybele
 
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