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Panik
Minima
Ich bin 28 Jahre alt und habe 2 Kinder, vor kurzem habe ich erfahren dass meine Mutter eine Schizophrene Psychose hat. Sie ist schon Immer krank, ich habe das akzeptiert und ihr geholfen so gut ich konnte, obwohl es sehr schwer war und ich unter allem gelitten habe. Sie wollte mir nie sagen was genau mit ihr los war und hat von Botenstoffen geredet und ich habe zwar immer gefragt aber da sie nicht so darüber sprechen wollte, und ich Nenn es mal "Anfälle" gekriegt hat wenn ich gebort habe, habe ich es zwar über die Jahre oft versucht aber nicht viel erreicht. Nun ist es raus: Schizophren. Das ist ein so beängstigendes Wort, vor Allem wenn man im Internet sucht und so viel über die Vererblichkeit liest. Ich kann gar nicht mehr schlafen, mache mir sorgen um die Kleinen, um mich, um meine Beziehung. Ich weise schon immer das ich nicht zu den anderen dazu gehöre, das ich änderst bin als die. Ich dachte jedoch immer das liegt an meiner Familie, meinen Erfahrungen. Ich habe über die Vorboten gelesen und erkenne einiges bei mir selbst. Z.B. Ich habe 0 Selbstbewusstsein, glaube immer das alle mich auslachen oder schlecht über mich sprechen, ich kann nicht auf Menschen zugehen, kann keine Gespräche führen. Ich habe so viele Ängste, Weine sehr oft, haben starke Stimmungsschwankungen, e.t.c.. Hätte ich gewusst das meine Mutter Schizophren ist und das es erblich ist hätte ich mich nie für Kinder entschieden. Ich dachte immer das ich anders bin wegen der schlimmen Dinge die ich als Kind gesehen und erlebt habe. ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich habe so Panik, ich weiß ich sollte mit einem Arzt sprechen aber ich habe so eine Panik vor dem was er mir sagen könnte. Ich in schon wieder am flennen. Wenn ich auch so etwas habe dann werde ich meine Familie verlassen und den Kontakt abbrechen. Ich liebe meine Kinder zu sehr um ihnen das gleich zuzumuten. Mein Partner findet dann hoffentlich eine gesunde Frau die ihnen eine gute Mutter sein kann. Ich bin total verzweifelt und überfordert. Ich habe alles versucht um da raus zu kommen und genau jetzt, wo ich endlich Menschen habe die mich lieben undmglücklich machen stürzt alles zusammen. Ich hab das Gefühl das mich diese verdammt Krankheit immer verfolgen wird, was ist das denn fùr ein Leben?
Ich kann auch niemanden finden der ähnliches erlebt hat, oder gerade erlebt.
 
Andreas
Moin minima,

es ist doch so, das Menschen sich durch ihre Erfahrungen entwickeln. Du musstest als Kind schon mit deiner Mutter klarkommen, was fuer dich wahrscheinlich nicht leicht war.

Wie doc schon schrieb, ist es eher unwahrscheinlich, dass du ebenso wie deine Mutter an einer Schizophrenie erkranken musst.

Das es dir an Selbstvertrauen mangelt ist aus meiner Perspektive verstaendlich. Eben durch deine Erfahrungen.

Was das verlassen deiner Familie angeht, so weit solltest du nicht gehen. Damit wuerdest du wesentlich mehr Schaden als Nutzen verursachen.

Ich bin selber vor kurzer Zeit Vater geworden und ich mache mir keine grossen Sorgen. Das einzige was sein kann ist, dass mein Kind sensibler ist als andere Kinder. Aber das war ich auch und kann mich entsprechend drauf einstellen.

Wie doc auch schon empfohlen hat, so empfehle ich dir auch, nicht zu viel ueber die Situation nachzudenken. Nachdenken (gruebeln) hat noch niemandem in solchen Situationen geholfen. Manchmal ist es besser die Dinge so zu akzeptieren wie sie sind.

In diesem Sinne, Kopf hoch und positiv nach vorn schauen.

Viele Gruesse
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Minima
Danke! Auch dafür das ihr euch die Mühe gemacht habt mir zu Antworten.
Es hat schon viel von mir genommen das ich das mal rauslassen konnte. Ich habe niemanden mit dem ich über alles sprechen kann. Ich verstelle mich für alle, für Meine Mutter und meinen Bruder bin ich stark. Und dieses ganze Thema verberge ich vor meinen Kindern und meinem Partner. Er weiß schon das ich keine angenehme Kindheit hatten aber was genau mit meiner Mutter los ist kann ich ihm nicht sagen. Ich war bei meiner Ärztin und sie sagte mir auch das ich mich nicht verrückt machen soll, hat mir eine Überweisung zum Neurologen gegeben und gesagt danach reden wir weiter. Meine Angst geht davon nicht weg und grübeln werde ich sicher auch weiter. Jetzt muss ich nur noch den Mut fassen und da auch nen Termin machen, ich neige dazu mich vor Dingen zu verstecken und würde das in diesem Fall auch am liebsten tun. Meine Vernunft sagt mir jedoch das es dann für immer Angst heißt.
 
Andreas
Namd Minima,

eine kluge Kollegin von mir hatte mir mal erzählt, dass man sich seinen Ängsten stellen soll um diese zu besiegen. Wink

Das sagte sie mir damals auf der Terrasse im obersten Geschoss eines Bürohauses. Ich konnte damals nicht über das Geländer nach unten schauen. Mit der Zeit hatte sich diese Angst bei mir verflüchtigt. Smile

Dein Partner muss auch nicht unbedingt davon wissen, was mit deiner Mutter los ist. Wichtig für Ihn bist du und eure Kinder. Wink

In diesem Sinne noch einen angenehmen Abend.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Anuja
Liebe Minima,

ich befinde mich gerade in eine ähnlichen Situation wie du. Mein Bruder ist (vermutlich seit kurzem erst) an Schizophrenie erkrankt. Die ganzen Ängste, die geschürt werden, anhand dessen was man alles über diese Krankheit liest. Dieses Wort, das sich so groß anhört und so endgültig und all die Konsequenzen und Schlussfolgerungen, die daraus entstehen überfordern einfach. Auf der einen Seite möchte man sich erkundigen, um einigermaßen Herr der Lage zu werden, auf der anderen Seite kann man Menschen mit dieser Krankheit nicht einfach in eine Schublade stecken und vorhersehen, was als nächstes passiert. Diese Ängste kann ich gerade sehr gut nachvollziehen. Hinzu kommt, und das kann ich gerade selbst am besten nachfühlen, dass du nun versuchen möchtest für alle stark zu sein, damit nicht noch mehr kaputt geht und sich dein Umfeld sicherer fühlt (was übrigens von deiner großen Liebe zu deiner Familie zeugt, die nur ein warmherziger Mensch empfinden kann).

Ich bin selbst noch ganz neu in dieser Thematik und weiß deshalb nicht so viel darüber wie Andreas oder doc_holiday, aber natürlich habe ich mich auch schon gefragt, wenn diese Krankheit vererbt ist, ob ich auch davon betroffen sein kann. Meine Cousine und mein Cousin sind beide auch psychisch krank, daraus erscheint sich zunächst ein Muster zu ergeben.

Aber ich kann dir eine kleine Geschichte von mir erzählen, die ich vor ein paar Jahren erlebt habe und die für mein Leben ein richtiges Schlüsselerlebnis darstellt. Ich versuche sie mit dir zu teilen:

Vor ein paar Jahren, während meines Studiums, habe ich einen Neurologen aufgesucht um mein RLS behandeln zu lassen. Ich konnte gar nicht mehr schlafen und bin ständig zusammengeklappt, aber fürs Studium musste ich einfach wieder fit werden. Als ich meiner Mama und meinem Bruder von dem ersten Gespräch erzählt habe und gesagt habe, dass diese Krankheit vererbt werden kann, haben sich die beiden unheimliche Sorgen angefangt zu machen, weil mein Vater Alkoholiker ist. Sie hatten Angst, dass es daher kommen könnte. Mein Bruder ist damals (zum ersten mal in seinem Leben) so ausgerastet, er hat mir gesagt, wenn es davon kommt, wird er zu meinem Vater gehen und ihm sagen, dass er dadurch mein Leben "behindert" hat.

Also bin ich wieder zu dem Arzt gegangen und habe ihm von den Sorgen meiner Familie erzählt und er hat damals etwas sehr wichtiges zu mir gesagt. Er meinte: "Wissen Sie Frau »Anuja« mein Vater ist auch schwerer Alkoholiker gewesen – und heute bin ich Neurologe. Ich habe meine eigene Praxis und eine tolle Familie. Mein Leben verläuft so, wie ich es mir immer gewünscht habe. Es kommt nicht darauf an, was sie in ihrem Leben und ihrer Kindheit erleben mussten, es kommt darauf an, welche Entscheidungen Sie für ihr eigenes Leben treffen und dann können Sie alles erreichen was Sie sich wünschen."

Es hört sich so banal an, aber diese Erkenntnis, oder zumindest der Schubser dort hin, hat mich richtig befreit. Ich habe dadurch gelernt von meinen Eltern loszulassen und mein Leben für mich zu führen und nicht für sie. Die Bestätigung das Richtige zu tun kam, als mein Vater angefangen hat zumindest weniger zu trinken, immer öfter auf alkoholfrei umzusteigen. Im Nachhinein glaube ich, dass ich ihn durch meine hohen Erwartungen an ihn so sehr unter Druck gesetzt habe, dass er sich nie wirklich ändern konnte. Der Raum, dem ich ihm gegeben habe war einfach zu klein. Erst als ich ihn so genommen habe wie er ist und seine Krankheit nicht mehr auf mich und mein Leben bezogen habe, hatte er die Freiheit selbst etwas an sich zu ändern.

Mittlerweile habe ich zu meinen beiden Eltern eine sehr starke Verbindung. Auch wenn meine Kindheitserlebnisse immer in meinem Kopf und meinem Herzen bleiben werden, konnte ich beginnen damit Frieden zu schließen. Auch wenn es nach wie vor nicht immer leicht mit meinen Eltern ist, finde ich mittlerweile mehr Ruhe und vor allem mehr Abstand, mit ihnen gut klar zu kommen.

Ich weiß nicht, ob in mir das Gen zu einer psychischen Krankheit steckt oder nicht. Aber ich weiß, dass ich mein Leben anders führe als mein Bruder. Ich hab mir in meinem Leben viel kleiner Ziele gesteckt als er, die ich aber auch erfüllen kann. Ich verdiene viel weniger Geld (momentan viel mehr...), aber ich verstehe mich mit meinen Arbeitskollegen und Vorgesetzten sehr gut und kann dadurch relativ entspannt meine Aufgaben erledigen. Ich habe genug Freizeit um mich von meinem Beruf zu erholen und Freunde, die immer für mich da sind. So wie du deine Familie hast, die immer für dich da sein wird.

Ich will nicht sagen, dass man sich "gegen" eine psychische Krankheit entscheiden kann. Aber man kann versuchen seinen eigenen Weg zu gehen, losgelöst von den Erfahrungen, die man mit seinen Eltern gemacht hat. Und ich bin auch überzeugt, von dem, was ich bisher herausfinden konnte, dass es nicht alleine an dem "Gen" liegt, sondern ganz viele andere Dinge eine Rolle spielen, um diese Krankheit auszulösen.

Allein dass du dich hier gemeldet hast und so selbstreflektiert bist, dich unter die Lupe zu nehmen, zeugt davon, dass du einen Schritt weggehst von der Krankheit, die deine Mutter hat. Sei stolz auf deine Familie, die hast du dir ganz alleine aufgebaut. Und sprich mit deiner Familie über deine Ängste, ich bin mir sicher, dass dein Mann das alles verstehen kann und dich somit auch viel besser unterstützen kann. Und deine Kinder lieben dich vermutlich wie nichts anderes auf dieser Welt. Sie brauchen keine Mama die perfekt ist, sie brauchen eine Mama, die sie liebt und für sie da ist! Du hast aus deiner Kindheit gelernt, wie du es mal selbst nicht mit deinen Kindern machen möchtest. Du willst, wie du sagst, nur das beste für deine Kinder und das beweist, dass du eine tolle Mama bist!

Ich wünsche dir alles Gute und dass du deinen Weg findest mit der Situation umzugehen!

Liebe Grüße,
Anuja
 
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