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Frage an Euch
Laura74
Hallo zusammen,

ich bin ganz neu hier im Forum. Ich habe eine Frage an Euch:
Ich habe vor 2 Monaten einen Mann kennengelernt. Es war Sympathie auf den ersten Blick. Im Kennenlernen erzählte er mir, dass er vor einigen Jahren schon wegen schizophrener Psychose in der Klinik war, nun aber seit einiger Zeit stabil ist und auch keine Medis mehr nimmt.
Er wirkte auf mich tatsächlich stabil und reflektiert und ich wollte ihn nicht stigmatisieren. Am Anfang war das auch nicht wichtig. Es hatte auch so den Eindruck gemacht, als habe er die Sache im Griff, bzw. würde sich Hilfe suchen, wenn eben nicht mer so. Was mir halt aufgefallen ist war, dass er recht viel trinkt und feiert. Dadurch dass wir uns nicht so lange kennen, dachte ich halt ganz naiv, dass das so eine Phase ist.

In den letzten 2 Wochen hat sich die Situation echt verändert. Wir hatten ein sehr inniges Wochenende und danach war er wie ausgewechselt. Er war plötzlich weit weg, stieß mich von sich. Ich gab ihm den Raum, hatte auch selbst ziemlich viel am Hut. Am letzten Wochenende haben wir uns wieder gesehen. Er war wie ein anderer Mensch. Er war nicht in seinem Körper, zynisch, hat über Gott und die Welt geschimpft und lief schließlich einfach weg! Er wollte nicht mehr reden und mich nicht mehr sehen. Er schimpfte über alles, steigerte sich richtig rein in Sachen, die eigentlich überhaupt nicht schlimm, sondern ganz nett (für mich) waren.
Ich habe ihn gefragt, ob er vielleicht doch Medikamente braucht, aber er lehnte ab, er sagte, er hätte alles im Griff.

Mittlerweile hat er sich total zurückgezogen und ist nicht mehr zu erreichen.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht recht, was ich tun, denken oder fühlen soll. Es ist schon kränkend für mich. Ich weiß, dass ich ihm an sich echt wichtig bin. Ich erreiche ihn nur nicht mehr.

Könnt Ihr mir weiterhelfen?

Liebe Grüße und schon mal vielen Dank
Laura
 
Kate
Hallo Laura!
Mein Ex Freund leidet auch an Schizophrenie.
Es ist bei ihm ausgebrochen, weil er seine Tabletten nicht nahm. Viell ist es bei deinem Freund auch so, das er seine Tabletten abgesetzt hat.
Viell. versuchst du nochmal mit ihm zu reden.
Das Problem ist, falls er wieder in der Psychose ist und sich nicht freiwillig in eine Klinik begibt oder zu seinem Arzt, kann man nichts machen, solange er sich o. andere nicht gefährdet. Das muß er alleine einsehen, das er sich wieder helfen lässt.
Was ist denn mit seiner Familie? Haben die einen Zugang zu ihm?
LG
Kate
 
Laura74
Liebe Kate,

danke für Deine Antwort.
Ja, ich habe auch schon überlegt, die Familie zu kontaktieren. Ich weiß nur nicht, ob er nicht durchdreht, wenn er das mitbekommt.
Im Moment hat er den Kontakt abgebrochen, sodass ich nicht nochmal mit ihm über Medikamente sprechen kann. Ich habe aber den Eindruck, dass das alles kein gutes Zeichen ist.

Einerseits mache ich mir echt Sorgen, andererseits ist er ein erwachsener Mensch, der keinen Kontakt zu mir möchte.
Ich weiß auch nicht, was richtig ist.

Liebe Grüße,
LauraFrown
 
Kate
Hallo
Leider kenne ich das alles auch , nur das mein Ex sehr an seiner Familie hängt und nur der vertraut.
Mir vertraut er leider im moment auch nicht mehr.

Bei der Krankheit ist es so, das z.B. Stimmen einem was erzählen, von wegen das die Freundin böse ist oder ihn manipuliert. War bei mir so. Das ist sehr schwer zu ertragen, weil man eigentlich weiß, das tief in ihm drin, liebt er dich.

Viell. wartest du wirklich erstmal, er muß selber auf dich zukommen. Aber du könntest ja wenn du mit den Eltern sprichst, mehr darüber erfahren, wie er so ist, wenn er diese Phase hat.

LG
Kate
 
Laura74
Hallo Kate,

danke!!!! Dann warte ich mal...
 
Kate
ich kann nur sagen, das die beziehung mit meinem Freund bis zum Psychose - Ausbruch vollkommen harmonisch war und super gut gelaufen ist. Dummerweise hat die Krankheit dies vollkommen zerstört. Er ist nicht mehr wie vorher und ich habe ihn zwischenzeitlich mal getroffen, er sieht aus wie als wenn man ihm das Leben abgezapft hätte, weiß nicht wie ich das sonst beschreiben soll. Und da ich ihn sehr gut kenne, brauche ich ihn nur sehen und weiß das es ihm immer noch nicht gut geht. Der Mann trifft keine Entscheidungen mehr, er existiert im Moment einfach nur. Aber die Krankheit zeigt sich bei jedem wahrscheinlich anders, die einen sind so drauf, die anderen so. Es gibt wahrscheinlich auch welche die Ihren Partnern vertrauen und andere Personen dagegen abgelehnt werden. Ich weiß es nicht.
Ich möchte es auch nicht warten nennen, eher hoffen das mein Freund irgendwann wieder lebensfroh und selbständig durch die Welt spazieren kann, und keine Stimmen mehr hört oder Wahnvorstellungen hat.
 
Laura74
Danke Ihr Beiden! Danke Doc, für Deine Antwort aus der Sicht des Betroffenen.
Das Leben als Ganzes sehen... das fehlt jetzt bei meinem Freund irgendwie. Also, soweit ich das beurteilen kann. Er spricht ja nicht mit mir. Im Moment wirkte er beim letzten Treffen eher wie besessen und so, wie Kate schreibt, als sei die ganze Energie abgezapft. Ich glaube jetzt mal nicht, dass darin eine Entscheidung gegen mich liegt. Es ist halt nur die Entscheidung, keinen Kontakt mehr haben zu wollen. Und das kann ich jetzt gut finden oder verstehen oder nicht.
Aber klar, wenn das jetzt länger geht, ist es eine Entscheidung.

Ich habe bei einer Beratungsstelle angerufen für Angehörige. Und da würde mir intensiv zugeraten, die Beziehung zu beenden. Weil die Symptome eben immer wieder kommen. Wenn ich dann Eure Postings lese, habe ich aber den Eindruck, dass sich die Situation tatsächlich stabilisieren kann.
 
Kate
Hi Laura!
Wenn dein Freund wieder die richtigen Medikamente nimmt und eingestellt ist, kann er ganz "normal" leben und mit Sicherheit auch eine Beziehung führen. Nur das muß halt erstmal wieder der Fall sein.

Das sie Dir in der Beratungsstelle raten dich zu trennen finde ich aber sehr eigenartig. Ich meine die müßten sich doch am besten mit der Krankheit und all das auskennen. Finde ich ein bißchen komisch.

Ich habe mir auch oft anhören müssen, das das alles keinen Sinn hat und ich mich nicht mit sowas belasten soll. Hauptsächlich aber von Menschen die nix von der Krankheit wissen o. sich damit auskennen.
Wie mein Freund in der Psychiatrie war habe ich ihn oft besucht und dort auch mit vielen Betroffenen gesprochen, die mir alle Mut gemacht haben und es gut fanden, das ich zu ihm halte und ihn nicht einfach verlasse. Viele von den Patienten wurden von ihren Partnern verlassen wegen der Krankheit und sind darüber natürlich traurig gewesen.

Aber wie ich schon sagte, leicht ist es nicht Wink
 
Laura74
Hi Kate,

in der Beratungsstelle meinte der Mann eben, dass wir kein normales Leben führen könnten wegen der Krankheit. Ich habe keine Ahnung. Ich habe mich mit psychischen Erkrankungen nie näher beschäftigt, ohne böse Absicht. Das, was man so bei Wikipedia liest, macht nicht wirklich froh. Aber ich glaube, das Leben sieht dann doch noch mal anders aus.
Für mich ist es eigentlich immer wichtig den Menschen zu sehen, unabhängig von Diagnose und Schublädchen, in der Vielfalt. So will ich ja auch gesehen werden.
Danke, dass Du mir Mut machst, erst mal nicht aufzugeben. Du sagst, es ist für die Erkrankten echt traurig, in der Klinik verlassen zu werden. Ja, das denke ich auch. Und auf der einen Seite habe ich auch den Eindruck, dass das mein Freund auch so findet. Auf der anderen Seite denke ich, wäre er froh, wenn ich einfach nicht mehr da wäre.
Mal sehen!
Danke auf jeden Fall!!!!

Liebe Grüße, Laura
 
Andreas
Moin Laura,

alles schwarz zu malen ist nicht hilfreich.

Ich bin 2000 an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt, habe 2001 eine Bildungsmaßnahme mitgemacht im Office-Bereich, von 2007 bis 2009 eine selbstfinanzierte Weiterbildung zum Web-Master absolviert mit Abschluss 1,2.

Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen sind nicht weniger Leistungsfähig als andere Menschen. Bei mir ist es so, dass ich unter zeitlichem Druck nicht gut arbeiten kann. Das begleitet mich aber schon mein gesamtes Leben, von der Schule über die Ausbildung bis heute.
Zum Beispiel habe ich nicht ein mal in der Zeit als Schüler ein Buch vor die Nase genommen und gelernt, nicht mal für unsere Abschlussprüfungen nach der 10. Klasse. Ich habe auch meine Schulzeit mit einem Durchschnitt von 2,7 abgeschlossen.

Meiner Meinung nach ist die Gesellschaft krank, in der einzig und allein Leistung zählt, sowie das man zu funktionieren hat. Das ist das Kranke an unserer Gesellschaft.
Der eine kann mit Druck umgehen, ein anderer wieder nicht. Dafür sind wir Menschen Individuen, individuell, verschieden, einzigartig. Smile

Auch als Mensch mit psychischen Beeinträchtigungen kann man ein vollkommen normales Leben führen.

Ein Beispiel dafür ist meine Vaterschaft, die mit der Geburt meines Sohnes am 21.4.2012 Realität und greifbar wurde.

Auch ansonsten bin ich kein Mensch, der sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt.
Ich bin quasi ein Minijobbender, freiberuflicher, ehrenamtlich tätiger Rentner.
Mein Tag fängt in der Regel morgens um 8 Uhr an und hört abends gegen 20 Uhr auf.
In dieser Zeit kümmere ich mich um meine freiberufliche Tätigkeit, gehe nachmittags ins Büro zu meinem Minijob und abends geht die Arbeit für die Freiberuflichkeit weiter.
An meinen freien Tagen wartet dann meine ehrenamtliche Tätigkeit auf mich.
Vormittags und abends bin ich, neben meiner Tätigkeit, auch meistens noch für meinen Sohn da. Denn meine Freiberuflichkeit kann ich ganz gut von zuhause aus ausüben.

Das alles kann ich nur schaffen weil ich ohne einen äußeren Druck und ohne eigenen inneren Druck arbeite und auch arbeiten kann. Ich arbeite kontinuierlich und stetig, aber alles bitte ohne Druck.
Genau darauf kommt es an, bei Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, wir brauch unsere Freiheit und die sollte uns niemand einschränken.

Gelassenheit, Geduld und all die ganzen positiven Tugenden die ein Mensch besitzen sollte sind sehr wichtig. Auch Disziplin, Ausdauer und einen festen Willen.

Es geht, man kann als Mensch mit psychischen Problemen ein normales Leben führen!

In diesem Sinne Kopf hoch. Smile

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
moli
Hallo Andreas,
ich finde es toll was du da schreibst.
Mein Sohn hat die gleiche Krankheit wie Du hat aber leider keinen Abschluss geschafft und kommt im moment nicht voran. (studium).
Ich nehme an bei jedem wirkt sich das anders aus.
Ich verliere aber nicht die Hoffnung dass es irgendwann besser wird und er eine Lehre machen kann.
Das mit dem Stress und der Ruhe ist wirklich so wie du das beschreibst.
Er stresst sich ganz schnell (wir sagen hier in Spanien dass er in einem Glas Wasser ertrinkt )

Und das mit der Partnerschafft und Famielie (uebrigens Herzlichen Glueckwunsch zu Deinem Sohn) finde ich auch ganz toll. Das macht mir Mut dass mein Sohn vielleicht in der Zukunft auch ein normales Leben fuehren kann.

Danke fuer Deinen Beitrag, er macht mir Mut!
Moli
 
jasper2
Hallo!
Ich bin ganz neu hier, habe aber schon sehr viel gelesen...daher meine Anmeldung.
Ich lebe seit 13 Jahren mit meiner Frau zusammen, Diagnose par. Schizophrenie.
Wir haben auch zwei wunderschöne Kinder zusammen.
Ich mache mir gerade Sorgen wg. der Beratungsstelle, villeicht haben die Beziehungen wg. der Aussagen der Beratungsstellen kaum eine Chanze.
Ich mußte auch viel lernen damit die Beziehung funktioniert. Ich würde zB. meiner Frau nie sagen, dass Sie ihre Medikamente nehmen, oder zum Arzt gehen soll. Das bricht das Vertrauen auf jeden Fall. Dafür sind Ärzte, Psychologen und ewentuell Eltern zuständig (wenn auch sie das Vertrauen verlieren wollen)
Ein alter Psychiater sagte mal...er habe schon viele uninteressante Menschen kennengelernt aber noch keinen uninteressanten Schizophrenen.
Die Erfahrung habe ich auch gemacht...Ich finde die Beziehung lohnt sich...und auch ich profitiere sehr von der Beziehung. Man muß viel zuhören und reden...aber nicht als Vorwurf. Als Mensch sollte man immer auf der Seite seines Partners sein, dann gewinnt man auch das Vertrauen (auch in der akuten Phase)
Lieben Gruß
Jasper
 
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