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Psychose und Familie
thinka
Hallo Ihr da draußen. Mein Mann hatte vor einem reichlichen Jahr seine erste Psychose. Wir haben die akute Phase ganz gut überstanden. Seit 4 Monaten geht er wieder arbeiten und nach außen scheint bei uns alles wieder in Ordnung. Ich habe es bisher geschafft ihn zu unterstützen, aber jetzt bin ich mit meiner Kraft am Ende. Alles bleibt an mir hängen. Wir haben zwei Kinder, Haus und Grundstück. Nun sitze ich krank und total erschöpft zu Hause und er geht arbeiten.
Ich bin so wütend und traurig und frage mich wofür mache ich das alles eigentlich. Ich fühle zur Zeit überhaupt keine Liebe mehr für ihn, da unsere Beziehung so einseitig geworden ist. Ich gebe und er nimmt. Es kommt nichts zurück. Ich denke ernsthaft über Trennung nach, verwerfe die Gedanken,aber dann wieder, weil ich einerseits denke: das kannst du nicht machen, er ist krank und dein ganzes Umfeld wird das nie verstehen. Außerdem sind wir schon über 20 Jahre zusammen und ich möchte den Kindern nicht die Familie zerstören. Aber so ist es kein Leben.
Er hat mir im Wahn auch gestanden, dass er mich mehrmals betrogen hat. das belastet mich auch schwer. Ich habe gedacht , ich krieg das hin, aber es scheint nicht zu funktionieren.
Ich weiß echt nicht mehr weiter und könnte davonlaufen.
Vielleicht hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht und kann sie mit mir teilen.
 
Andreas
Moin Thinka,

wenn dein Mann vor recht kurzer Zeit seine ersten ersten psychotischen Ausbruch hatte, wird er wahrscheinlich auch noch Medikamente (Psychopharmaka) nehmen.
Diese Medikamente haben unter anderem die Wirkung, dass sie die Gefühle abstumpfen lassen. Man kann sich nicht mehr so freuen wie früher oder auch nicht mehr so trauern.

Das kenne ich von mir recht gut. Das heißt aber nicht, dass dein Mann dir gegenüber nichts mehr empfindet.

Was euch vielleicht auch weiterhelfen könnte wäre eine Therapie für euch. Familien- oder Paar-Therapie. Für deinen Mann könnte auch eine Psychotherapie ganz nützlich sein, je nachdem wie er aktuell mit seinem Alltag klarkommt.

Wie schon bemerkt, das Verhalten deines Mannes solltest du nicht auf dich beziehen, es kann auch an den Medikamenten liegen.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
thinka
Hallo Andreas, hallo doc holiday!
Danke für eure Antworten. Ihr habt mir echt geholfen. Ich stecke wirklich gerade wieder mal in einem Loch. Ich habe selbst erst eine Depression überwunden und neige immer wieder dazu mit zu viel zuzumuten. Ich muss wirklich wieder mehr für mich tun, um für die Familie fit zu sein.
Ja, mein Mann nimmt Zeldox als Rückfallschutz und Citalopram gegen die Depression. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sein verändertes Verhalten an den Medikamenten oder an der Krankheit selbst liegt. Ich habe Angst, dass das so bleibt, das schaff ich auf Dauer nicht. Er ist nach der Arbeit so geschafft und braucht so viel Ruhe.
Ich denke ja eigentlich, dass es gut ist, dass er wieder auf Arbeit gehen kann und bin auch dankbar, dass es langsam immer weiter besser wird, aber es macht mich eben auch wütend, dass er die Arbeit über die Familie stellt.
Eine Paartherapie wäre eine gute Möglichkeit, wieder zu lernen besser miteinander umzugehen. Ich glaube, die Phase vor dem Ausbruch seiner akuten Psychose hat unsere Beziehung schon ganz schön kaputt gemacht. Er war so gereizt und hat nur gemeckert und die Gedanken wurden immer absurder, aber eben noch im realen Bereich. Der Ausbruch war für mich dann irgendwie trotz aller Belastung auch eine Erlösung. Da wusste ich endlich, was mit ihm los ist.
Ich glaube, ich muss erstmal die nächsten Tage überstehen und selber ein bißchen zur Ruhe kommen. Die Trennung habe ich erstmal aus meinem Kopf weggeschoben, aber ich weiß immer noch nicht, wie wir unseren Alltag bewältigen sollen.
Liebe Grüße
Thinka
 
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