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Nur 10% - 15% Schizophrener leben in einer festen Partnerschaft
Andreas
Hallo Leute,

ich war letztens mal auf der Web-Site von Nano, einem Wissenschaftmagazin von 3sat. Dort habe ich gelesen, dass gerade mal 10 - 15 Prozent der an Schizophrenie erkrankten Menschen in einer festen Partnerschaft leben. Soll das jetzt heißen, dass wir Schizophrenen nicht beziehungstauglich sind? Eigentlich sind wir ja nur überdurchschnittlich sensibel. Das heißt also, dass wir nur einen Partner brauchen er auf uns dementsprechend eingehen kann. Es kann doch nicht sein, dass wir Schizophrenen dazu verdammt sind ein Leben in Einsamkeit zu führen, das führt uns doch nur tiefer in unsere Krise. Ein Mensch braucht eine Lebensgemeinschaft in der er sich wohlfühlt, Menschen, mit denen er kommunizieren kann. Sollte es doch so sein, das man vereinsamt, ist es doch kein Wunder, dass man sich immer tiefer in die Wahnvorstellungen hineinfallen lässt, um so wenigstens etwas an Kommunikation, bzw. Unterhaltung, zu haben. Soziale Kontakte sind sowas von wichtig, gerade für uns und da hat man natürlich auch das Bedürfnis nach Nähe. Diese Nähe können einem Freunde oder Kollegen nicht bieten. Sie sind zwar auch soziale Kontakte, die man hegen und pflegen sollte, aber sie ersetzen keine Partnerschaft.

MfG
Andreas
 
Web
Nase im Wind
admin schrieb:
Hallo Leute,

ich war letztens mal auf der Web-Site von Nano, einem Wissenschaftmagazin von 3sat. Dort habe ich gelesen, dass gerade mal 10 - 15 Prozent der an Schizophrenie erkrankten Menschen in einer festen Partnerschaft leben. Soll das jetzt heißen, dass wir Schizophrenen nicht beziehungstauglich sind?

Diese Nähe können einem Freunde oder Kollegen nicht bieten. Sie sind zwar auch soziale Kontakte, die man hegen und pflegen sollte, aber sie ersetzen keine Partnerschaft.

MfG
Andreas


Einen Partner brauchen, der eigenes Manko ausgleichen soll ist eine schlechte Basis. Für mich jedenfalls unannehmbar. Entweder ich habe einen Partner und lass ihn mit seinen Ungereimtheiten sein wie er ist oder lasse gleich ab.

Ich glaube nicht das es direkt mit dem Verhalten im Bezug auf Schizophrenie zu tun hat. Wenn ich breitbandig genug fühle, dann kann ich über verschiedene Charakter- und andere Fehler hinwegsehen bzw. Wenn ich liebe, dann liebe ich ganz. Es kommt also darauf an wie viel Prozent Anteil von Liebe ich grundsätzlich der/dem Auserwählten entgegenbringen kann und wie lange diese sich hält, unabhängig oder abhängig von Verhaltensänderung des Partners. Schizophrenie als Erkrankung gesehen, wird nur all zu leicht vorgeschoben für eigenes Fehlverhalten oder entsprechend eingeschränkte Fähigkeiten.
Außerdem ist die Prägung eine sog. Schizophrenie nicht bei allen der Betroffenen gleich. Auf die grundsätzliche Einstellung kommt es an die vorhanden ist, und ob es für beide z.B. Interessenlage, passt.

Ich würde nicht behaupten, dass meine damalige Frau Beziehungsunfähig war. Ihr fehlte einiges an Erfahrungen zur Selbstständigkeit. Diese Schwierigkeiten nahm ich im Kauf. Mancher mit als durchschnittlicher Lebensführung bezeichnete, würde meine damalige Frau als Beziehungsunfähig ansehen und unwissentlich glauben es läge an ihrer sog. Krankheitsbedingten Behinderung.
Nicht-Übliches Erleben ist nur eine Metapher in Bildern oder drückt sich auf andere weise aus und steht für tatsächliches Wahrnehmen dessen was andere nicht so deutlich verspüren. Es ist in dieser Tunnelblick-Gesellschaft beinahe eine Kunst dieses Erleben zu entschlüsseln.

Die bei 10 – 15% angesetzte Anzahl Schizophrener in einer Beziehung ist mir zu undifferenziert und nicht Aussagekräftig. Erscheint mir zu hoch.
Die Prozentzahl lässt sich vermutlich folgendermaßen erklären; Ein Teil ist während einer Beziehung in diese Krise geraten und der Partner sieht keinen Grund für eine Trennung, oder beide sind Gleich-Betroffen und haben sich gefunden.
10 – 15% sollen also laut Statistik in einer Partnerschaft sein. Klingt sehr ermutigend. Meine Prognose dagegen, für quasi ungleiche Paare im Hinblick auf Schizophrenie, ist Niederschmetternd. Vielleicht irre ich mich auch einwenig ;-I

Verhalten im Sinne von Schizophrenie ist grundsätzlich kein Hindernis. Eher liegt der Grund bei Selbstüberschätzung in dem Sinne sich für den sog. Normalen zu halten. Konkurrenz denken statt gemeinschaftliches Wohlwollens vernebelt die Weitsicht. Und, Schizophrenie wird weitgehend pauschalisierend als etwas Negatives verstanden.

Jonny Fechtner
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
Andreas
Hallo Jonny,

erst einmal vielen Dank für deine Reaktion und deine Antwort auf diesen Artikel Smile.

Ich bin bei einem kostenlosen Kontakt-Portal angemeldet. Ich habe dort die Erfahrung gemacht, dass sobald ich etwas von meiner Störung erwähne die Menschen Abstand von mir nehmen und sich zurückziehen. Das ist für mich ein Zeichen, dass noch sehr viel Aufklärungsarbeit in der Gesellschaft geleistet werden muss. Dafür engagiere ich mich persönlich, indem ich gezielt auf Artikel in der Presse reagiere und Leserbriefe oder Kommentare zu den einzelnen Artikeln schreibe. Allerdings möchte ich hier auch erwähnen, dass ich auch positive Erfahrungen gemacht habe. So z.B. habe ich auf diesem Portal eine junge Frau kennengelernt, mit der ich mittlerweile eine freundschaftliche Verbindung aufgebaut habe.

Mein größter Wunsch allerdings ist und bleibt die Gründung einer eigenen Familie. Allerdings wird dieser Wunsch für mich sehr schwierig umzusetzen sein, aus den schon genannten Gründen. Vielleicht aber ist es auch so, dass ich im Bereich der selbst Betroffenen meine zukünftige Partnerin finden werde. Ich persönlich bin da für alle Möglichkeiten offen Smile.

Ich muss aber auch zugeben, dass ich erst einmal auch mit mir selber zufrieden sein musste um an eine partnerschaftliche Beziehung denken zu können und vor allem auch bereit zu sein, eine solche auf Dauer zu führen. Da es mir persönlich schon eine geraume Zeit sehr gut geht, denke ich, dass ich nun auch dazu bereit bin. Denn eine partnerschaftliche Beziehung kostet viel Kraft und braucht Arbeit, von beiden Seiten. Denn wie überall ist es auch dabei so, dass von allein nichts passiert und sich auch nichts entwickelt.

In diesem Sinne einen schönen Samstag.

Schöne Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Nase im Wind
admin schrieb:
Hallo Jonny,

Ich bin bei einem kostenlosen Kontakt-Portal angemeldet. Ich habe dort die Erfahrung gemacht, dass sobald ich etwas von meiner Störung erwähne die Menschen Abstand von mir nehmen und sich zurückziehen. Allerdings möchte ich hier auch erwähnen, dass ich auch positive Erfahrungen gemacht habe. ...

Denn eine partnerschaftliche Beziehung kostet viel Kraft und braucht Arbeit, von beiden Seiten. Denn wie überall ist es auch dabei so, dass von allein nichts passiert und sich auch nichts entwickelt.

In diesem Sinne einen schönen Samstag.

Schöne Grüße
Andreas


Hallo Andreas,

Vielleicht ist es nicht immer wichtig die eigenen sog. Gebrechen explizit offen zu legen. Sobald ich schreibe das ich EU-rentner bin, muss ich viel erklären um Missverständnisse zu beseitigen. Dass ich wenig geld habe führe ich schon an weil jede Lüge in dieser Hinsicht nervenaufreibende treffen beschären würde die zu nichts führen.

Eine Paarbeziehung betracht ich als eine Art von Hobby, etwas was mir liegt und mir Spaß mach. Für Hobbys wird gerne Kraft eungesetzt im positiven Sinne und auch Zeit.

Kleine Tourbulenzen kann es geben. Solange ich hinter den gründen einer Verbindung stehen kann und im Verlauf einer Beziehung hinter meinen Interessen und die entsprechenden Konsequenzen, auch hinter den Konsequenzen die ich ziehe falls diese Verbindung nicht mehr die richtige zu sein scheint, kann kein großer Stress entstehen.
Herumeiern um eine Beziehung aufrecht zu erhalten die mir nicht mehr gut tut macht unangemessen Stress. Bei aller Flexibilität gibt es manchmal Grenzen. Es ist nur wichtig von vornherein sich darüber Kar zu sein was ich selber will.

Ich werde zu der Tanzkiste-Pary am 25.10.08 gehen. Verspreche mir dort nichts, jedoch wird es Zeit wieder unter Leute zu gehen.

Gruß,
Jonny
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
Psycho-Runner
Hallo Andreas, hallo Jonny,

danke, für Eure netten Postings, die bei mir passen wie Ar_ _ _ auf Eimer.
Meint mein momentanes Thema, denn ich bin frisch verliebt.
Wird die Liebe auf Dauer erwidert ?? Ich weiß es nicht !
Ich weiß nur das es für mich trotzdem schon jetzt,platonisch, sehr schön ist.
Manchmal ein Gefühl von Schmetterlingen in Bauch !!
Ich denke, auch - und gerade - wir Psychos haben ein Recht zu lieben und geliebt zu werden.

Es grüßt Euch lieb,
vom
Psycho-Runner
Bearbeitet von Psycho-Runner am 01.11.2009 16:33
 
Nase im Wind
Psycho-Runner schrieb:
Hallo Andreas, hallo Jonny,

danke, für Eure netten Postings, die bei mir passen wie Ar_ _ _ auf Eimer.
Meint mein momentanes Thema, denn ich bin frisch verliebt.

Es grüßt Euch lieb,
Psycho-Runner



Hallo Psycho-Runner,
danke für deine netten Worte. Das lindert gleich meine Einsamkeitsgefühle erheblich.

Ich denke, wenn eine verbindung auch nur Platonisch sein kann oder soll und es gut tut, ist es richtig. Einen menschen mit dem mehr Verbundenheit besteht als mit anderen, dann hat man bereits mehr als manches Ehepaar.

Selbst zwischen sehr guten freunden gibt es soetwas wie eine Art prickeln, auch wenn es um nicht mehr geht als innig befreundet zu sein.
Da ich noch keinen solchen Freund hatte, suche und finde ich, hofentlich, die Verbundenheit mit einer Frau, wo es noch anderes miteinander gibt was ich auch brauche.

Das Recht zu lieben für uns Psychos hat sich noch nicht sehr rumgesprochen. Ist zumindest auf den Weg.

Gruß,
Jonny
Bearbeitet von Andreas am 01.11.2009 16:42
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
seestern
Hallo Andreas,

admin schrieb:Denn eine partnerschaftliche Beziehung kostet viel Kraft und braucht Arbeit, von beiden Seiten.


Oh Gott, wenn dem wirklich so wäre, wer täte sich dann eine Beziehung oder gar Ehe an? Eine Beziehung sollte doch in erster Linie Spaß machen, Freude bringen, ein gutes Lebensgefühl. Wenn man "hart arbeiten" muss, von Anfang an, dann stimmt es nicht.

Ich habe acht Jahre mit einem paranoid schizophrenen Mann zusammengelebt. Ich kannte ihn noch aus der Zeit, da er gesund war, vielleicht hat das mit einen Ausschlag gegeben, mit ihm eine Beziehung zu wagen. Es waren acht sehr schöne und manchmal auch recht schwierige Jahre. Aber die schöne Zeit hat ganz klar überwogen. Sonst hält man das im Kopf nicht aus. Wink

Jetzt ist er leider wieder psychotisch, nachdem sein Arzt die Medis geändert hat. Wer weiß, ob er wieder in unsere Welt zurückfindet.Frown

Ich wünsche dir beim Finden der Liebe viel Glück!

seestern
 
Andreas
Hallo Seestern,

mit "Kraft und Arbeit" meine ich hauptsächlich Toleranz die beide Parteien ausüben sollten. Ich denke, dass man mit Sicherheit keinem Menschen begegnet der 100%ig ideal ist und seinen eigenen Vorstellungen in allen Punkten entspricht. Das Beziehungen Spaß und Lebensfreude bringen sollten ist schon richtig, aber irgendwann kommt der Punkt wo man definitiv unterschiedlicher Meinung ist oder wo ein Partner "merkwürdig" reagiert. Genau zu diesem Zeitpunkt ist Toleranz und eine sachliche und konstruktive Diskussion zum entsprechenden Thema notwendig und unabdingbar. Daher ist eine partnerschaftliche Beziehung auch "Arbeit".

Noch einen schönen Abend und bis hoffentlich bald mal wieder.

Schöne Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
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Pitchblack
Hallo an alle!
Ich bin neu hier und sollte mich wohl erst einmal im Newbie-forum vorstellen. Aber die oben geschriebenen Kommentare haben mich dazu animiert euch zu schreiben, dass eine Beziehnung mit einer seelischen Beeinträchtigung keineswegs ein grosses Hindernis für eine Beziehung darstellen muss. Ich selbst leide seit langen unter schizophrenen Schüben, hatte aber oft lange Partnerschaften.
Meine Partner hatten schon einiges Mitmachen müssen, was aber letztendlich auch interessant an und mit mir gewesen sein muss, ansonsten wären sie wohl nicht so lange dabei geblieben . Wink Mit den meisten bin ich sogar noch sehr gut befreundet geblieben.
Die sog. Gesunden sind auch nicht beziehungsfähiger oder -unfähiger als unsereins. Heute zu tage setzt man sich bei kleinen Problemen leider nicht mehr auseinander und lernt einander kennnen, sondern wechselst einfach den unbequemen Partner aus. Diese Tendenz ist aber eher Gesamtgesellschaftlich zu erkennen. Ansonsten würde es wohl kaum einen riesigen Markt an Partnerschaftsvermittlungen oder Seitensprungvermittlungen geben.
Wie dem auch sei. Natürlich ist die Offenlegung einer seelischen Erkrankungen mit Vorurteilen belastet, deswegen würde ich auch anraten, den Partner seiner Wahl erst bei intensiveren Kennenlernen davon zu erzählen.
Ist einmal eine Vertrauensbasis geschaffen und ihr habt euer Gegenüber auch von positiven Seiten für ihn überzeugt, wird er euch bei einer echten Zuneigung, wegen der Erkrankung nicht fallen lassen!

lg,

pitchblack
 
Nase im Wind
Pitchblack schrieb:
Hallo an alle!

Ist einmal eine Vertrauensbasis geschaffen und ihr habt euer Gegenüber auch von positiven Seiten für ihn überzeugt, wird er euch bei einer echten Zuneigung, wegen der Erkrankung nicht fallen lassen!

lg,

pitchblack


Hallo pitchblack

Du hast gut zusammengefasst worauf es ankommt. Eine Beziehung (vermeintliche) kostet nur dann zusätzliche Kraft wenn man Beziehung falsch versteht. Falls man mit dem Partner nicht mehr Klar kommt dann liegt dies an einem selber, nicht an dem anderen denn der ist wie er ist. So trennt man sich bei Zeiten und ohne selber einen Schaden für sich und den anderen verursacht zu haben. Und ist bereit für jede neue Beziehung.
Ebenso würde ich Vorwürfe gegen mich von der sich trennenden Partnerin nicht automatisch auf mich beziehen. Bestenfalls würde ich reflektieren ob es für mich einen Grund gäbe mich zu ändern. Selbstkritisch genug bin ich.

Jonny Wink
Bearbeitet von Nase im Wind am 20.10.2009 14:44
Ein Liebender Mensch ist ein Glücklicher Mensch
 
Lillyfee
Hallo
Auch ich habe mich noch nicht wirklich vorgestellt.
Möchte dennoch kurz berichten, dass ich seit inzwischen fast 10 Monaten eine sehr stabile und liebevolle Beziehung zu einem Betroffenen führe.
Wir sind beide sehr glücklich und geben uns gegenseitig Ruhe und Zuversicht.
Ich wusste im Vorfeld über seine Diagnose bescheid und das wäre für mich niemals ein Hinderungsgrund gewesen.
Dabei muss ich wohl erwähnen dass meine Mutter von der selben Diagnose betroffen ist, das ist zwar ein etwas eigenartiger Zufall, bleibt aber ein Zufall.
Allerdings war ich mit meinem Partner bereits seit längerer Zeit gut befreundet, dazu mag die Tatsache beigetragen haben, dass mich keinerlei Berührungsängste zu dem Krankheitsbild gehemmt haben.
Selbstverständlich führt meine Erfahrung mit der Krankheit meiner Mutter dazu, gut mit der meines Freundes umgehen zu können, das wäre aber sicherlich nicht zwingend vonnöten gewesen...
Meines Erachtens ist wichtig als Partner, die Krankheit annehmen zu können und bereit zu sein auch durch die schlechteren Zeiten zu gehen.
Durch dick und Dünn halt.
Und vor allem sein Gegenüber so zu nehmen, wie es ist, mit Schwächen und Stärken, mit Höhen und Tiefen...
Und das Leid, das man vielleicht miterlebt, nicht zu seinem eigenen Leid zu machen. Es ist eine viel grössere Hilfe und sicherlich auch einfacher für einen selbst, sich auf die eigenen Stabilität zu besinnen und diese auch zu nutzen.
Liebe Grüsse,
LillySmile
 
Web
Andreas
Liebe Lilly,

deine letzten Worte im Posting kann ich nur bestätigen.

Lieber Gruß
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Lillyfee
Ja, mir wird dennoch gerade mal wieder bewusst, obschon ich das oben geschriebene "Konzept" theoretisch so klar betrachten kann, muss ich mich praktisch dennoch immer wieder neu darauf besinnen bzw daran erinnern.
Ich bin nämlich prinzipiell selbst ein sehr sensibler, zarter und feinfühliger Charakter. Wenn ich nun eine solche Situation einfach nur mit meinen Eigenschaften wahr nehme, dann versetze ich mich emotional direkt hinein- das kann ich ja aber im Falle der Schizophrenie garnicht wirklich, denn ich bin ja nicht betroffen.
Es ist mir aber Gefühlsmäßig soviel daran gelegen, mich so gut und so weit hinein versetzen zu können wie es mir nur irgendwie möglich ist.
Ich würde tatsächlich -wenn ich könnte- es einmal erleben wollen, um wirklich wissen zu können wie es sich anfühlt, was in einem vorgeht.
Das ist aber jetzt nur mal meine Gefühlsbeschreibung.
Da ich sowieso ein Mensch bin der sich ständig automatisch in andere hinein versetzt, ist mir das prinzipiell eine Selbstverständlichkeit das auch sehr gut zu können.
Aber die Schizophrenie ist eben eine Erfahrung, die ich nur von außen betrachten kann, deshalb kann ich auch nur so gut wie möglich versuchen es zu verstehen.
So gut wie ein Betroffener es halt erklären kann und so gut wie ich mich zusätzlich noch durch diverse Lektüren informieren kann.
Das ist aber nun mal weit davon entfernt, sich in die Situation, in den Zustand hinein zu versetzen.
Und das ist echt was, das mir fehlt, so vom Gefühl.
In alle Wehwechen in meinem Freundes-und Familienkreis, in Beziehungsproblematiken, oder gar in einen Rollstuhlfahrer kann ich mich vollkommen hinein versetzen und mir dann auch ein sehr gutes Bild von der (emotionalen) Situation des Betreffenden machen.
Selbst bei dem Beispiel des Rollstuhlfahrers. (Was natürlich trotzdem nicht damit vergleichbar ist, das Handycap tatsächlich zu leben)
Ich fühle mich da auch emotional so gut ein dass es fast so ist als wären diese Emotionen in diesem Moment meine Realität.
Das kann natürlich auch schon mal zum Problem werden, zum Beispiel hatten in den letzten Wochen in meinem Freundeskreis 3 Pärchen mehr oder weniger ernste Beziehungsprobleme.
Das eine Pärchen hat sich ganz dramatisch getrennt, mit viel Zeter und Mordio- wo ich sehr involviert war, und dann ist da auch noch ein Baby im Spiel- mein Patenkind- das diese ganzen negativen Gefühle miterlebt, und halt auch den ein oder anderen Streit der Eltern, plus die von den ganzen Problemen tierisch gestresste und angespannte Mutter. In das Baby versetze ich mich dann nämlich auch noch rein. Das geht mir dann sehr Nahe, wenn ich wiedereinmal eine Situation miterlebe, die so nicht sein dürfte für ein Kind. Aber wir sind ja bekanntlich alle nur Menschen, nicht?!
Um mal zum Punkt zu kommen: Zwischendurch stecke ich dann also mehr oder weniger in 3 verschiedenen Beziehungsgeschichten, in denen ich mit allen Betroffenen mitfühle, plus meinem Patenkind, wofür ich mich ja zusätzlich noch mit verantwortlich fühle. Da mache ich mir dann auch noch Gedanken, wenn sie alle schon wieder Zuhause sind, manches nehme ich sogar mit in meinen Schlaf..
Und dann kriselte auch noch mein Freund zwischendurch ein wenig.
Das sind Momente, wo ich mich dann wirklich absolut zwingen muss mich darauf zu besinnen, mich in erster Linie zu schützen, mir nicht zu viel zuzumuten, und eine gewisse Kraftreserve nur für mein eigenes Wohlergehen zu reservieren.
Manch einer mag denken, dass das vielleicht nicht gut oder gesund für mich ist, wie sich das hier liest, aber im Gegenteil.
Diese Fähigkeit ist mir so tief verwurzelt, dass ich zum Beispiel supergut in Beziehungsdiskussionen intervenieren kann, weil ich beide Seiten wahrnehme und auch Feinheiten erkennen kann oder Kompromisswege aufzeigen kann, mit denen Beiden geholfen wäre etc... Bin also quasi die Wochenendtherapeutin vom Dienst, die Leute wenden sich auch bevorzugt an mich. Eigentlich sollte ich so was in die Richtung beruflich machen. Aber vielleicht wäre es etwas anderes, wenn ich nicht mehr die betreffenden Personen selbst aussuchen kann..
Wenn ich so Positives beisteuern kann, dann gibt mir das mindestens genauso viel, ich fühle mich gut damit und das raubt mir keine Kraft, im Gegenteil.
Nur eben kann ich mich auch nicht in zwölf teilen. Und dann gibts noch die Problematiker, die gar keine Lösungen wollen, sondern es mögen ihre Geschichten darzulegen, auszumalen, zu erzählen- Anteil vom Gegenüber gezeigt zu bekommen, wieder und wieder und morgen auch nochmal Wink
Jetzt habe ich mich allerdings weit vom Grundthema fortbewegt, da könnt ihr euch schon mal dran gewöhnen, ich bin nämlich eine außerordentliche Labertasche die sich gerne mal von einem Thema zum nächsten hangelt ohne es zu merken. Wink hihi
Das liegt aber natürlich wiederum auch daran dass in Wirklichkeit ja alles eins ist, und irgendwo schließt sich immer der Kreis.*Aummm*
Na jedenfalls, das Gleichgewicht zu finden zwischen Anteilnahme, Hilfestellung und eigenem inneren Frieden ist meiner Meinung nach das allerwichtigste überhaupt um für einen Menschen da sein zu können, der sich selbst gerade nicht in seinem inneren Gleichgewicht befindet.
Wen man in seiner eigenen Mitte ruht, kann der andere von dieser Ruhe und Sicherheit profitieren. Plus alles was dazu kommt.
Wer aber selbst aus dem Gleichgewicht geraten ist, der würde in diesem Moment den anderen nur noch mehr aus der Fassung bringen.
So. Ich schreibs mir selbst nochmal hinter die Ohren *kritzel*
Bis später Wink



Theoretisch
Suchst Du eine helfende Hand?
Du findest sie am Ende deines Armes Wink
 
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Andreas
Na hoffentlich auch praktisch. Wink

So wie du die Dinge beschreibst ist es gut. Und so lange dir deine Bemühungen keine Kraft rauben, ist es auch in Ordnung.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass helfen einem selber hilft.

Lieber Gruß
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
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Kate
Ich bin auch der Meinung, das "nur" weil jemand an Schizophrenie erkrankt ist, es noch lange nicht heißt das man keine Beziehung haben kann. Ich bin ja im Moment noch direkt im Thema. Mein Freund ist aktuell noch in der Klinik, und immer noch in einem schlechten Zustand. Das ist für mich aber noch lange kein Grund ihn zu verlassen. Er ist ein wundervoller liebevoller Mann! Seine Mutter allerdings ist der Meinung, er wäre Beziehungsunfähig. Total bescheuert.
Viele Grüße Kate
 
Andreas
Hallo Kate,

dafür, dass Menschen mit einer Schizophrenie auch beziehungsfähig sind, spricht auch die Tatsache, dass ich mittlerweile seit 1 1/2 Jahren in einer Beziehung lebe.

Viele Grüße
Andreas
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
Web
Kate
Hi Andreas!
Das finde ich toll! Ich bin auch der Meinung das das geht. Ich meine es kommt ja auf den Menschen an und nicht auf die Krankheit!
Ich wünsche Dir und Deiner Freundin/ Frau alles Gute!!! Viel Liebe, Glück und Gesundheit!!!!
 
Andreas
Vielen Dank Smile
Wir Menschen werden geboren um Fehler zu machen.
 
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